Feuerpause palästinensischer Art

Der Geist von Arafats Weihnachts-Vergangenheit sieht aus wie seine Weihnachts-Zukunft

Michael Widlanski, The MediaLine, 25.12.2001 (nicht mehr online)

Eine dreiköpfige palästinensische Terroristengruppe aus Arafats Fatah-Organisation verwundete in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag einen israelischen Autofahrer schwer, aber als sie sich ihm näherten um sicher zu stellen, dass er tot war, schoss der lebensgefährlich verwundete Israeli – der aus mehreren Wunden in Brust und Bauch blutend – auf die arabischen Angreifer, tötete einen und verwundete einen anderen.
(Nicht einmal seine ureigene „Fraktion“ hört auf die „Friedensappelle“ ihres Führers! Die Frage ist: Weil sie ihm nicht folgen oder weil sie wissen, was sie von seinen Reden zu halten haben?)

Arafats Radio „Voice of Palestine“ (VOP) verurteilte den Angriff heute Morgen nicht, sondern erhob den toten arabischen Terroristen, Jamal Ahmad Abu-Atwan, zum „Märtyrer“; israelische Geheimdienst-Quellen sagten, der Schütze war Teil einer Gruppe, die von Fatah-Offiziellen aus dem direkten Umfeld von Arafat ausgeschickt wurde.
(Wenn es Arafat ernst wäre mit der Feuerpause, dann würden seine Medien anders reden!)

„Die palästinensische Befreiungsbewegung (Fatah) grüßt den Märtyrer Abu-Atwan als einen Helden“, erklärte ein Bericht von Voice of Palestine um 7.25 Uhr, keine zehn Minuten nachdem VOP eine Weihnachtsansprache von Arafat zum wiederholten Male ausstrahlte, in der er zum „Frieden der Mutigen“ aufrief und Israel Kriegsverbrechen vorwarf.

„Dieser ‚Märtyrer‘ hätte im Gefängnis sitzen müssen“, machte Dr. Ra’anan Gissin, persönlicher Sprecher von Premierminister Ariel Sharon, geltend. „Wir hatten seinen Namen vor langem an Arafat weiter gegeben (der versprach Terroristen zu verhaften)“, sagte Gissin in einem Interview mit The Media Line (www.themedialine.org).

VOP gab die Schuld am Tod des Terroristen israelischen Soldaten, ohne zu erwähnen, wie die drei Terroristen den von dem 47-jährigen Vitali Binos gefahrenen israelischen Wagen in der Nähe der Siedlung von Einav in Samaria (im nördlichen Teil der Westbank) angriffen.

Der Anschlag war nur einer von vielen auf Israelis, seit Arafat seine weit beachtete Rede letzte Woche (16.12.2001) gab, die einen starken Rückgang palästinensischer Angriffe, besonders von Selbstmord-Attentätern in israelischen Städten, signalisieren sollte; es gab aber stichhaltige Hinweise darauf, dass dies nicht passieren würde, einschließlich der folgenden:

* – Ein ranghoher Beistand Arafats, der palästinensische Kabinett-Sekretär Ahmad Abdul-Rahman machte vor drei Tagen [am 22.12.2001] einen dramatischen „Geburtstags“-Besuch im Hauptquartier der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP), um die Gründung der Organisation vor 34 Jahren zu feiern ? der Organisation die vor zwei Monaten in Jerusalem einen israelischen Minister ermordete.

* – Ein 23-jähriger israelischer Reserve-Soldat wurde durch palästinensische Terroristen an der israelisch-jordanischen Grenze im Jordantal getötet und vier weitere verwundet. Mindestens zwei der Terroristen wurden ebenfalls getötet. Der israelische Soldat wurde als Michael Siton, ein Jeschiwa-Schüler, identifiziert.

* – Drei arabische Terroristen, die mit Selbstmord-Bombenanschlägen in der Vergangenheit oder neu geplanten in Verbindung stehen, wurden in den letzten Tagen in oder bei Haifa, Ort jüngster Anschläge, verhaftet.

* – Und die Anzahl der Terror-Anschläge „fiel“ auf 15 bis 25 pro Tag; vor zwei Monaten lag der Durchschnitt bei 40 bis 70.

Eine gründliche Analyse von Arafats „moderater“ Rede am 16. Dezember und die Natur verschiedener Anschläge der letzten Tage zeigen tatsächlich, dass Arafat der Meinung ist, es sei legitim, auf Israelische „Siedler“ und Soldaten zu schießen; israelische Beamte glauben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bevor die Selbstmord-Anschläge und der Mörserbeschuss auch wieder aufgenommen werden.
„Wir haben Informationen, dass sie immer noch versuchen ihre Anschläge in den Städten fortzusetzen“, macht Generalstabschef Shaul Mofaz geltend.

Mehrere ranghohe israelische Beamte sagten, dass die Terroristen, die bei Haifa gefangen wurden, auch Teil der PFLP-Organisation waren, die von Arafat, Abdul-Rahman und anderen führenden Personen der Autonomiebehörde umarmt wurde.
„Wir wissen, dass diese Anschläge von Ahmad Sa’adat (Kopf der PFLP) geplant wurden, der beweisen wollte, dass es ihn noch gibt“, sagte Sharons Sprecher Gissin.
Zum Angriff auf Vitali Binos sagte Gissin, dass Israel schlüssige Informationen habe, dass „die ganze Operation von Marwan Barghouti befohlen wurde“, dem Kopf der Tanzim-Miliz der Fatah in der Westbank.

Zwischenzeitlich ist es eindeutig als Wunder anzusehen, dass der 47-jährige Binos, in seinem lebensbedrohlichen Zustand und an eine Beatmungsmaschine angeschlossen, immer noch lebt.
„Er verlor ein drittel seines Blutes und als er im Krankenhaus ankam hatte er keinen Blutdruck mehr“, sagte Dr. Meir Ronen vom Hillel Yaffe-Hospital in der nordisraelischen Stadt Hadera.
Dr. Ronen sagte, Binos Zustand habe sich stabilisiert, sei aber weiterhin lebensbedrohlich.

Die politische Bühne Israels heizte sich auf; es gab Aufrufe, Außenminister Shimon Peres solle zurücktreten und Premierminister Sharon solle öffentlich zu Gerüchten um hochrangig geführte Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern Stellung nehmen.

Die Situation entwickelte sich, nachdem Sharon – innerhalb von 24 Stunden – öffentliche Rückzieher bezüglich seiner öffentlichen Abscheu über die „eingebildeten Verhandlungen“ machte, die Außenminister Shimon Peres mit Arafats Autonomiebehörde führte.
Sharon, der Peres‘ Stimme bei der Verabschiedung des Haushalts diese Woche braucht, war gezwungen, seine Bemerkungen zurückzunehmen und öffentlich zu verkünden, dass er Peres erlaubt habe, politische Gespräche mit der PA zu führen. Ein detaillierter Bericht in der israelischen Tageszeitung Yediot Aharonot veröffentlichte ein Dokument, in dem Peres Arafat die Erklärung eines palästinensischen Staates auf rund 42 Prozent der Westbank als Teil eines Interim-Abkommens anbot. „Herr Sharon hat einmal mehr seinen berühmten Zickzack-Kurs verfolgt“, merkte Yaron Dekel, Kommentator von Israeli Television, an.

Die Palästinensischen „Staatsmedien“ verkündeten, dass der PA-Unterhändler Ahmad Qreia (bekannt unter seinem Spitznamen Abu Ala) nur zwei Tage nach der Verwerfung der Idee Gespräche mit Peres führte.

Sharon und Peres wurden von Mitgliedern von Sharons Likud und Peres‘ Arbeitsparte kritisiert. Der frühere Premier- und Verteidigungsminister Ehud Barak griff Peres wegen der Gespräche mit Arafat heftig an und sagte, dass Peres‘ Taten Israels militärische und seine politische Position untergrabe. Barak, früherer Chef der Arbeitspartei und Generalstabschef, sagte, Peres helfe Arafat aus seiner Isolation heraus zu bringen. „Niemand wird strenger mit ihm umgehen als wir“, sagte Barak.

Die Sharon-Regierung verweigerte Arafat die Erlaubnis sein Hauptquartier in Ramallah zu verlassen um die Weihnachtsfeierlichkeiten in Bethlehem beizuwohnen, bis bzw. bevor Arafat die beiden in Ramallah lebenden Terroristen verhaftet, die den israelischen Tourismusminister Rehav’am Ze’evi vor zwei Monaten ermordeten.

Arafats Adjutanten sagten, der palästinensische Führer versuche hart, die Mörder zu finden, habe aber wenig Erfolg, obwohl Arafat im Ersten Kanal von Israeli Television vor zwei Wochen prahlte, dass er die Täter so gut wie gefasst habe.

Arafat hielt in der Zwischenzeit im Fernsehen seine zweite Ansprache innerhalb von acht Tagen an das palästinensische Volk, wobei er Weihnachten zum Vorwand nahm: „Wir sind für den Frieden der Mutigen, nicht für den durch die Panzer geschaffenen“, sagte der Palästinenser-Führer, unter dessen Herrschaft Bethlehem gleichmäßig seine christliche Einwohnerschaft verliert.

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