Der palästinensische Rote Halbmond: Instrument der Barmherzigkeit und des Terrors

ICEJ-Sonderbericht vom 10. Februar 2002, zusammengetragen von David Parsons und Nicole Schiavi

[Jerusalem] – Die Entdeckung, dass der erste palästinensische Selbstmordbomberin ihren Status als Mitarbeiterin des Palästinensischen Roten Halbmonds (PRCS) ausgenutzt haben könnte, um letzten Monat nach Jerusalem hinein zu kommen, hat die israelischen Vorwürfe stärker in den Mittelpunkt gerückt, dass Elemente dieser medizinischen Einrichtung dem Terrorismus helfen und ihm Vorschub leisten.

Es hat einige Wochen gedauert, um die mysteriösen Umstände um die Bomberin zu enträtseln, die den Anschlag am 27. Januar in Jerusalem durchführte, bei dem ein 81-jähriger Israeli getötet und fast 200 verletzt wurden.

Aber jetzt weiß man, dass Wafa Idris ihrer Haus in Ramallah verließ um zur Arbeit zu gehen; sie erzählte ihrer Familie, sie käme später zurück, kam aber nie wieder. Sie begab sich mit einer großen Sprengstoff-Ladung zur Jaffa-Straße; die Ladung explodierte mitten auf der geschäftigen Verkehrsachse, zerriss Schaufenster und menschliches Fleisch.

Israelische Sicherheitskräfte sind sich inzwischen ziemlich sicher, dass Idris die Bombe nicht nur transportierte, sondern sich auf einer Selbstmord-Mission befand. Neben anderen Belegen dafür erzählte das Fatah-Mitglied ihrer Mutter von ihrem Wunsch, ein Märtyrer zu werden; und palästinensische Medien haben ihr „heroisches Märtyrertum“ bejubelt.

Wie genau sie mit ihrer tödlichen Fracht nach Jerusalem hinein kam, darauf konzentriert sich jetzt der Streit, denn Idris war freiwillige Sanitäterin für einen palästinensischen Krankendienst. Israelische Untersuchungsbeamte klagen jetzt, sie könnte ihre Immunität (als Mitarbeiterin des Roten Halbmonds) und einen Krankenwagen der Roter-Halbmond-Gesellschaft benutzt haben, um an den Kontrollstellen der Armee vorbei nach Jerusalem zu gelangen.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Israel den Palästinensern vorwirft, sie nutzten die Ambulanzen des Roten Halbmonds als Deckmantel für terroristische Aktivitäten. Am Tag, als Idris als PRCS-Mitarbeiterin identifiziert wurde, nahm die Armee einen gesuchten palästinensischen Terroristen gefangen, der als Arzt verkleidet in einem PRCS-Krankenwagen versuchte eine Straßensperre bei Nablus zu passieren.

Die Vorwürfe der Beteiligung des Roten Halbmonds an der tödlichen Mission ihrer Sanitäterin können nicht bewiesen werden, weil sie tot ist und der PRCS nicht kooperiert. Solche Vorfälle stellen für die israelische Grenzpolizei und die Soldaten in den Territorien viele Komplikationen dar.

Während der 17 Monate andauernden Intifada haben die Palästinenser nach Aussage der israelischen Sicherheitskräfte die Unverletzbarkeit der Ambulanzen des Roten Halbmonds dazu genutzt, Waffen und Terroristen zu schmuggeln. So sagten z.B. Armee-Offiziere letzten November, dass ein Fahrzeug des Roten Halbmonds in der Gegend von Jenin gesehen wurde, wie es Bewaffnete an einen Ort brachte, von dem aus sie auf israelische Soldaten schießen konnten. Bei einem anderen Zwischenfall Anfang letzten Jahres bestand die Armee in ihren Berichten darauf, dass palästinensische Bewaffnete aus einem Gebäude des Roten Halbmonds bei Ramallah auf Israelis schossen. Die Armee zögerte, das Feuer zu erwidern.

Zu Anfang der Intifada berichteten israelische Soldaten an solch herausragenden Brennpunkten wie der Netzarim-Kreuzung in zentralen Gazastreifen und der Ajjosch-Kreuzung außerhalb von Ramallah, dass sie beobachteten, wie Krankenwagen des Roten Halbmonds Bewaffnete und andere Kämpfer an die Front brachten und dann die Verletzten abtransportierten.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf sagt, dass keine dieser Behauptungen belegt worden sind. Und Mohammed Iyad, Sprecher des örtlichen Roten Halbmonds, sagte, Israels jüngste Vorwürfe bezüglich Idris seien „vollkommen falsch“. Nach ihren Aufzeichnungen war am Tag der Explosion keine PRCS-Ambulanz in Jerusalem und Idris arbeitete nicht.

Iyad sagte, die Armee habe Vorwürfe gegen den PRCS erhoben, weil sie kritisiert wurde, sie habe Rettungsfahrzeuge an Kontrollpunkten aufgehalten, wodurch nach palästinensischen Angaben Verzögerungen entstanden, die Leben kosteten. In zwei Fällen der jüngsten Vergangenheit starb ein Baby während der Geburt, weil israelische Soldaten den Krankenwagen bei Jenin nicht durch ließen. Iyad führte auch an, dass 68 Krankenwagen des Roten Halbmonds von der Armee angegriffen worden seine, was zu einem Toten und 122 Verletzten geführt habe.

Die meisten dieser palästinensischen Behauptungen haben sich als falsch erwiesen. Die Armee sagt, sie weist ihre Soldaten an, Ambulanzen durchzulassen, wenn sie Patienten transportieren, aber sie sollten die Ambulanzen vorher untersuchen. Tatsächlich haben In der Zwischenzeit israelische Soldaten und Sanitäter eine Reihe von Notfällen im freien Feld behandelt, im letzten Jahr sogar die Geburt eines palästinensischen Babys an einer Straßensperre.

Andererseits gibt es zahlreiche Vorfälle, bei denen palästinensische Militante israelische Krankenwagen beschossen und die Rettungsteams unter Beschuss nahmen, als sie an Orte kamen, wo Terroranschläge stattfanden.

Mitten in den Vorwürfen und Gegenvorwürfen beider Seiten geben Vertreter des Roten Kreuzes zu, dass es ein Problem des Missbrauchs des Symbols des Roten Halbmonds gibt. Rund 20 Prozent der Ambulanzen in den Territorien sind nicht dem Internationalen Roten Kreuz oder der Gesellschaft des Roten Halbmonds angeschlossen, sagt der ICRC-Vertreter Uri Massad. Vincent Lusser, Genfer Sprecher für die Nahost-Abteilung des ICRC, sagte, es gäbe Missbrauch des Symbols des Roten Halbmonds, das auf Autos privater Fahrer oder nicht zum PRCS gehörenden Ambulanzen auftauche.

„Es ist ein Problem, wenn die Leute es gebrauchen oder missbrauchen“, sagte Lusser gegenüber ICEJ-News, fügte aber hinzu: „Mit den Teams, mit denen wir arbeiten, arbeiten wir eng zusammen und sie haben Fahrtenbücher. Gibt es Vorwürfe, dass der PRCS (an terroristischen Aktivitäten) beteiligt ist, dann werden wir das diskutieren. Aber (der PRCS) stritt das immer ab.“

Lusser sagte, dass, sollten sie Beweise finden, die den PRCS mit terroristischen Aktivitäten in Verbindung bringt, würde das Internationale Rote Kreuz eingreifen, fügte aber hinzu: „Wir sind absolut sicher, dass sie an solchen Vorfällen nicht beteiligt waren.“

Lusser meinte, das Hauptproblem seien nicht die israelischen Durchsuchungen von Ambulanzen, sondern diese zu beschleunigen.

Wenn Israel zögerte, dem PRCS oder sogar dem Internationalen Roten Kreuz zu vertrauen, dann sei das die Folge der umstrittenen Beziehung zwischen beiden, da Israels eigener Notfall-Organisation, der Magen David Adom (Rote Davidsstern), 1949 durch die Unterzeichner der Genfer Konvention in geheimer Abstimmung die Mitgliedschaft verweigert wurde. Nach Angaben des ICRC wurde die Bewerbung des MDA seitdem mehrfach rückgewiesen, weil sein Symbol „religiöse“ Bedeutung habe – eine freundliche Art, den antijüdischen Eifer ihrer Mitglieder zu erklären. Seitdem wurden 25 Rothalbmond-Gesellschaften aufgenommen.

Das amerikanische Rote Kreuz hat Israels Zulassung als Mitglied des Internationalen Roten Kreuzes unterstützt – anders als seine europäischen Gegenüber, die Israel wegen des israelisch-arabischen Konflikts ausschließen wollten. Einige muslimische Staaten sagten, sie würden austreten, wenn Israel beitreten dürfe. Die amerikanische Abteilung hat seit 1999 als Protest gegen den Ausschluss von Israels MDA 5-Millionen Dollar jährlicher Unterstützung zurück gehalten. Der amerikanische Zweig kritisierte den ICRC-Vertreter René Kosirnik letztes Jahr, als dieser Israels Aktivitäten in den Territorien ein „Kriegsverbrechen“ nannte. Der US-Zweig verlangte, er solle seine Stellungnahme zurück nehmen und sagte, das ICRC habe traditionell eine Neutralitätspolitik bezüglich politischer Fragen verfolgt und Kosirnik habe diese Grenze überschritten.

Israelische Führer sind auch über den laschen Umgang empört, den Rotkreuz-Vertreter bezüglich der von Hisbollah und anderen Milizen im Libanon entführten Israelis an den Tag legen. Das Rote Kreuz hat es seit sage und schreibe 1982 versäumt, auch nur einen einzigen der im Libanon Gefangenen bzw. vermissten acht Israelis zu besuchen oder Informationen zu beschaffen.

Der Internationale Bund der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften hat eine ähnliche Beziehung zu Israels MDA wie zum palästinensischen Roten Halbmond. Der PRCS hat keine volle Vertretung beim ICRC, da nur unabhängige Staaten anerkannt werden, aber die Gesellschaft darf das Zeichen des Roten Halbmonds benutzen. Nach den Angaben seiner Internetseite unterstützt das ICRC den PRCS, der der wichtigste Anbieter medizinischer Notfallhilfe für die palästinensische Bevölkerung ist, mit Funkgeräten, einem umfassenden Trainingsprogramm und mehr als 20 Erste-Hilfe-Stationen. Seit Mai 2001 hat das ICRC die laufenden Kosten der PRCS-Flotte von über 100 Ambulanzen sowie die Gehälter der über 220 damit in Zusammenhang stehenden Angestellten übernommen. Das ICRC bietet seine Dienste auch dem MDA an, damit dieser seine Informations- und Aufzeichnungsaktivitäten weiter entwickeln kann.

Während die Benutzung von palästinensischen Krankenwagen und medizinischen Notfalldiensten zu terroristischen Aktivitäten schwer zu beweisen ist, scheint dies aber in die durchdachten Bemühungen der Palästinenserführung zu passen, alle palästinensischen Aktivposten in ihre erneuerte Intifada gegen Israel einzubeziehen.

Im Sommer 2000 berichtete die New York Times sehr herausgehoben über Sommerlager der Fatah, in denen rund 25.000 Jugendlichen die „Schlachtordnung“ für den anstehenden Konflikt mit Israel beigebracht wurde. Die 12-jährigen wurden im Transport und Werfen von Steinen geschult, die 15-jährigen in der Herstellung und dem Werfen von Brandbomben und die 17-jährigen wurden in der Handhabung und dem Schießen mit Gewehren gedrillt. Gleichzeitig gab es vertuschte, aber genauso für sich sprechende Zeichen der Vorbereitung von Feindseligkeiten auf einem anderen Gebiet, als sich palästinensische Elemente auf die Versorgung der erwarteten Welle von Opfern vorbereiteten. Ein Anstieg der Einbrüche wurde in zahlreichen Apotheken in Israel und den jüdischen Gemeinden in den Territorien berichtet. Ein eindeutiges Muster tauchte auf, weil die Einbrecher medizinische Vorräte beiseite schafften, nicht Bargeld. Zusätzlich wurden in der gleichen Zeit bis zu acht israelische Krankenwagen als gestohlen gemeldet, was die israelischen Beamten verblüffte, da palästinensische Autodiebe niemals zuvor Rettungswagen gestohlen hatten.

Israelische Sicherheitsanalysten begannen auf diese Entwicklungen hinzuweisen – es war ein Hinweis darauf, dass die Palästinenser viele Verwundete auf ihrer Seite erwarteten und ihre medizinischen Dienste darauf vorbereitet sein sollten.

Als die Intifada im Herbst 2000 erste einmal angefangen hatte, trat Dr. Fathi Arafat, Bruder des PLO-Chefs Yassir Arafat, als Kopf des Roten Halbmonds in der „Westbank“ zurück, obwohl er weiterhin eine Ehrenposition in der Organisation bekleidet. Das PRCS sagt, die Maßnahme wurde getroffen, um alle negativen Eindrücke zu beseitigen, die die familiäre Beziehung wecken könnte.

Trotzdem ist der Eindruck, dass der palästinensische Rote Halbmond benutzt wird, um den Kampf nach Israel zu tragen, immer schwerer zu erschüttern.

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Quellen: The Jerusalem Post, Ha’aretz, IMRA, Associated Press, IBA News, Arutz-7, Sprecher der israelischen Armee, Palestinian Media Watch.

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