Während der arabische Terror sich erholt, kehren auch die palästinensischen Medien zur alter Form zurück und ermutigen zu Terror, israelisch-arabischer Militanz und der Unterstützung des Irak

Michael Widlanski, The Media Line, Juni 2002 (nicht mehr online)

Während der einmonatigen israelischen Militäroperation in der Westbank verstummte Yassir Arafats Stimme – der Radiosender Voice of Palestine (Stimme Palästinas) – für einige Wochen, während die IDF die Palästinenser vom Senden abhielt.

Als die israelische Armee ihre Truppen von Arafats Hauptquartier abzog und Arafat selbst seinem Radio und einigen Zeitungen höchstpersönlich erlaubte, Arafats eigene Verurteilung eines einzelnen Terroranschlags (der Bombe auf dem Markt von Netanya am 19. Mai), gab es eine Spur Hoffnung, dass die Dinge sich ändern könnten.

Ein Überblick über die palästinensischen Druck- und Funkmedien der letzten zwei Wochen zeigt aber, dass Arafats staatlich kontrollierte Medien nicht in eine moderatere Phase eingetreten sind, sondern stärker zu ihren alten Verhaltensweisen zurückkehrten:

*– bei Anschlägen auf israelische Zivilisten wird ein Auge zugedrückt, aber besonders zu Anschlägen auf israelische Soldaten und „Siedler“ ermutigt;
*– eine weit gehende Unterstützung für Iraks Saddam Hussein wird angedeutet;
*– Militanz und Separatismus unter Israels arabischen Staatsbürgern wird offen unterstützt.

„Israel dehnt seinen Terror aus, der sich direkt gegen die Söhne unseres Volkes innerhalb der Grünen Grenze richtet“, erklärte Voice of Palestines Nachrichtensprecher Nizar al-Ghul zu Beginn der Sonntagmorgen-Nachrichten am 2. Juni.

Al-Ghul und seine Kollegen bei Voice of Palestine in Ramallah und dem staatlichen palästinensischen Fernsehen in Gaza haben nie den Begriff „Terror“ (Arabisch: irhaab) benutzt, um eine arabische Tat gegen einen Juden zu beschreiben. Und sie haben, wie Arafat selbst, nie diejenigen, die diese Anschläge, welcher Art auch immer, gegen Juden klar und deutlich als „Terroristen“ bezeichnet.

In den zwei untersuchten Wochen, nannten die Sender des palästinensischen Radios und Fernsehens die israelischen Aktivitäten routinemäßig „terroristisch“, „kriminell“ und „Nazi-Methoden“.

„Die Israelis haben nicht aufgehört, ihren Terror und ihre Aggression gegen die Einwohner von Nablus und dem Balata-Flüchtlingslager auszuüben“, verkündete Mohammed Sanouri am Sonntag, als er die Nachrichten von VOP verlas.

„Bei einer anderen Nazi-Aktion unterbrachen die Besatzungssoldaten eine Feier und fesselten die Hände von Bakir Najiy Alaan aus Beit Hania. Sie hielten ihn mehrere Stunden lang gefesselt“, sagte Sanoury.

„Die israelischen Soldaten verübten ihren Terrorismus gegen andere Mitglieder der Gegend“, fügte VOP-Ansager Sanoury hinzu, erzählte seinen Hörern aber nie, dass die Israelis in den letzten zwei Wochen bereits mehrere Selbstmord-Bomber in Beit Hanina und im nahen Shuefat im Norden Jerusalems gefangen nahmen.

Avi Dichter, Leiter der israelischen Gegenspionage-Organisation – gemeinhin „Shin Bet“ oder „Shabak“ genannt -, sagte einem israelischen Parlamentsausschuss, dass in den letzten drei Wochen 40 solcher Bomber verhaftet oder getötet wurden, bevor sie ihre Ziele in Israel erreichen konnten.

Sanoury, al-Ghul und andere Ansager erwähnten nie, dass Nablus und das Balata-Lager Bomben-Werkstätten für Arafats FATAH-Organisation gewesen sind, besonders für die „Brigaden der Märtyrer der Al Aksa“, die große Teile der Selbstmord-Bombenanschläge der letzten Monate gegen Israel verübt hat.

Wenn Mitglieder dieser Organisationen sich in israelischen Einkaufszentren, Supermärkten und Hotels selbst in die Luft gesprengt haben, werden sie immer noch als „shouhada“ bezeichnet – dem arabischen Wort für „Märtyrer“.

Der Akt des Selbstmord-Bombenanschlags selbst wird in den palästinensischen Funkmedien und von den von Arafat kontrollierten Zeitungen Al-Ayyam und A-Hayat al-Jadida als „amaliyya tafjiriyya“ (eine „Sprengoperation“) oder als „amaliyyat istish-haad“ (eine Operation heroischen Märtyrertums) beschrieben.

Arafat und andere Mitglieder seiner Autonomiebehörde (PA) haben formal „Terrorangriffe gegen Zivilisten auf jeder Seite“ kritisiert und deuteten damit an, dass Anschläge im Inneren der „Grünen Grenze“ Israels (der Frontlinien Israels vor 1967) „kontraproduktiv“ seien. Aber die palästinensische Führung und ihre Medien umarmen öffentlich diejenigen, die israelische Soldaten und israelische „Siedler“ töten.

In einem seltsamen Beitrag am Sonntagmorgen, der direkt nach den Nachrichten gesendet wurde, beschrieb die VOP-Reporterin Juma’a Kuneis Internet- und Computerspiele, in denen virtuelle Israelis virtuell erschossen und in die Luft gejagt werden. „Israelische und arabische ‚Hacker‘ greifen sich gegenseitig regelmäßig auf diesem Kanal an“, merkte Kuneis an. Sie bot eine Empfehlung für ein solches Internetspiel an, in dem sorgsam darauf geachtet wird, nur auf Siedler und Soldaten zu schießen, nicht auf Ziele innerhalb Israels. „Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Spreng-Einsätze innerhalb Israels stattfinden“, schließt Kuneis.

Israel ist allerdings ein billiges Ziel der Aufhetzung in den palästinensischen Medien, die auf Israels arabische Bürger zielt und sie offen ermutigt, eine militantere Haltung einzunehmen und separatistische Stellung zu beziehen. „Die Beziehungen der arabischen Massen in Israel sind wegen Israels rassistischer Politik in ständigem Niedergang“, verkündete Hashem Mahmid, eine arabisch-israelisches Knesset-Mitglied (MK) in einem Interview, das letzte Woche gesendet wurde.

Mahmid und andere israelisch-arabische Parlamentarier – Mohammed Baraka, Azmi Bashara und Ahmed Tibi – sind regelmäßiger Teil des palästinensischen Fernsehens und Radios geworden; sie geben Erklärungen ab, die sie nur im israelischen Funk und Fernsehen zweimal überlegen würden. „Die extremistischen, Rechtsaußen-Mitglieder des israelischen Parlaments werden nicht aufhören, bis sie alle Araber aus dem parlamentarischen Spiel hinaus geworfen haben“, behauptete Sprecher Al-Ghul, als er ein Interview mit Ahmed Tibi ankündigte, dem israelisch-arabischen MK, der auch als politischer Berater Arafats diente.

Der schnurrbärtige Tibi, der gerne die Pose des „Moderaten“ und „gegen Gewalt“ einnimmt, wenn er in israelischen Medien auftaucht, nimmt eine völlig andere Haltung ein, wenn er glaubt, dass nur die Araber zuhören. „Rund um die Welt und in den Zeitungen müssen wird die Demokratie (Israels) wegen seiner Beschränktheit und ihres angeborenen Rassismus angreifen“, sagte Tibi, dessen erster Beruf Gynäkologe war, der aber beschuldigt worden ist, in seinem Zweitberuf als Politiker noch weniger feinfühlig zu sein.

Ein israelisches Parlamentskomitee stimmte letzte Woche ab, Tibis parlamentarische Immunität einzuschränken, nachdem Tibi im letzten Jahr in mindestens vier Fällen von Raufereien israelische Polizisten oder Gerichtsdiener physisch angriff. „Zeigt mir, wer sie sind und ich sorge dafür, dass sie nie wieder auf die Straße kommen“, schrie Tibi im Komitee, als ihm gesagt wurde, dass sogar ein oder zwei arabische MKs von seinem Verhalten in Verlegenheit gebracht wurden und im Stillen darum gebeten hatten ihn zu disziplinieren. Tibi wusste, dass seine Kommentare von einem Radioreporter vor dem Raum aufgenommen wurden. „Es gibt niemanden, der mich davon abhalten kann, die Söhne unseres Volkes in Gaza und Ramallah zu besuchen“, prahlte Tibi letzte Woche im palästinensischen Radio. „Sie sind mein Volk“, sagte und bezog sich auf die Menschen in der Westbank und dem Gazastreifen, „und niemand kann mich aufhalten.“

Die wachsende Radikalisierung und palästinensische Medienprominenz israelisch-arabischer Politiker kommt zu einer Zeit, in der eine wachsende Zahl israelischer Araber an palästinensischen Terroraktionen gegen Israel teilnehmen. Der jüngste veröffentlichte Fall betrifft zwei Schwesternpaare aus den Gemeinden Arabeh und Saknin in Nordisrael; diese Fälle haben dafür gesorgt, dass es in Israel Rufe nach einer härteren Politik gegenüber militanten Arabern gibt. Das ist es, warum einige israelischer Araber im Stillen die Politik von Tibi und seinen mit-MKs nicht so gut finden. „Sein Name ist Ahmed Tibi, aber in seiner Heimatstadt Taibeh haben die Leute angefangen, in lächerlich zu machen, indem sie ihn ‚Ahmed TV‘ nennen“, sagte ein israelischer Geheimdienstler.

Die palästinensischen Staatsmedien hofieren offen die arabisch-israelischen Staatsbürger, die sie „unsere Brüder innerhalb der Grünen Grenze“ nennen oder „unsere Brüder von 1948“. Die Palästinenser benutzen den Begriff Israel nicht in Bezug auf Araber; sie deuten allgemein an, dass die israelischen Araber eines Tages umkehren und sich ihren Brüdern unter arabischer Herrschaft anschließen.

Ein anderes Gebiet arabischer Solidarität in den palästinensischen Medien ist die ständige positive Beachtung, die Iraks Saddam Hussein gegeben wird. Die Zeitungen Al-Ayyam und Al-Hayyat al-Jadida brachten beide letzte Woche Titelseiten-Geschichten in ihren Internet-Ausgaben, die Saddam unterstützten. „Zwei Märtyrer im Südirak durch Raketenangriffe der Amerikaner“, hieß die eine Schlagzeile, die den getöteten Irakern in der Schlacht gegen amerikanische und britische Flugzeuge den Status des „Märtyrers“ gaben. Eine weitere Titelgeschichte fasste die Chancen für eine Verbesserung der Stimmung zwischen dem Irak und Saudi Arabien zusammen.

Über Reden von Saddam und diplomatische Treffen zwischen irakischen Beamten und anderen arabischen Beamten wird auch immer positiv berichtet – teilweise ein Zeichen des palästinensischen Danks für die fortgesetzten irakischen Zahlungen an die Familien der palästinensischen Märtyrer, besonders der Selbstmord-Bomber, die beim Angriff auf Israelis starben.

Die Indoktrination der Palästinenser, Israel zu hassen, beginnt im palästinensischen Fernsehen sehr früh.

In den letzten zwei Wochen – vielleicht, weil wir uns im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft befinden – hat das palästinensische Fernsehen Nachmittagsfilme gebracht, die eine israelische Gräueltat einschließen, die an Fußball spielenden palästinensischen Kindern verübt wurde. In den kurzen Filmen, die zwischen 14 und 15 Uhr gesendet werden (optimierte Zeit für zusehende Kinder), entscheidet sich eine Bande israelischer Soldaten (gespielt von ägyptischen und palästinensischen Schauspielern), die 10-jährigen palästinensischen Fußball-Kinder als Zielscheiben zu benutzen. Es gibt keinen Grund für den Angriff durch die israelischen Soldaten, von denen die meisten als Kippa oder Jarmulke tragend dargestellt werden – die jüdischen Käppchen, die von religiösen Juden getragen werden.

Nachdem sie mehrere der Kinder mitten auf dem Spielfeld getötet haben, sieht man die israelischen Soldaten, wie sich lachend einander auf die Schultern schlagen, während die Kamera zu einer Nahaufnahme auf die toten palästinensischen Kinder zu fährt.

© 2002 Michael Widlanski

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