Palästinensischer Aufruf gegen Selbstmordattentate (2/3)

Am 19. und am 21. Juni 2002 erschien in der palästinensischen Tageszeitung „Al-Quds“ eine Anzeige mit einem Aufruf von palästinensischen Intellektuellen, der weltweit – auch in unseren Medien – große Beachtung fand.

Palästinensische Reaktionen:

2.1. PLC/Fatah-Mitglied Hatem Abd Al-Qader:(3)

In einem Interview mit der arabisch-israelischen Wochenzeitschrift Al-Sinara erklärte das Mitglied des PLC und der Fatah-Führung Hatem Abd Al-Qader:

Dieses Kommunique ist für die Fatah-Bewegung nicht akzeptabel. Es ist nicht ausgewogen, denn es bezieht sich auf Operationen gegen israelische Zivilisten, aber nicht auf die von Sharon begangenen Verbrechen gegen das palästinensische Volk. Die Unterzeichner sollten sich auf diese Verbrechen konzentrieren. Wenn diese Operationen terroristisch sind, dann ist das, was Sharon ausübt, auch Terror. Und Terror kann nicht nur aus einem Blickwinkel betrachtet werden.

Als der Interviewer anmerkte, dass das Kommunique sich nicht auf Sharon und die Operationen der israelischen Regierung in den Gebieten bezieht, erklärte Abd Al-Qader:

Ich weiß, was in dem Kommunique steht. Es wurde mir gezeigt, aber ich habe mich geweigert es zu unterzeichnen. Es stimmt, dass das Kommunique eine Richtung einschlägt, wo ein gewisser Menschenverstand zu finden ist, aber trotzdem ist es nicht ausgewogen. Wir könnten eine Kommunique haben, das einige Dinge in den richtigen Rahmen setzt. Wir sind absolut gegen die Tötung von Zivilisten auf beiden Seiten; wir lieben auch das Blutvergießen nicht. Aber die Frage ist, wie der Teufelskreis durchbrochen werden kann. Es muss durch die Beendigung der Aggression gegen das palästinensische Volk geschehen.

Der Interviewer fragte weiter: Was sind die Voraussetzungen für die Einstellung der Märtyreroperationen? Al-Qader antwortete:

Konkrete Bemühungen zur Beendigung dieser Operationen könnten gemacht werden, wenn Israel sich zu fünf Punkten verpflichtet:

Erstens muss es die Aggression gegen das palästinensische Volk beenden – das heißt: die Vorstöße auf unser Gebiet einstellen. Zweitens muss es sich allen besetzten palästinensischen Gebieten abziehen. Drittens muss es die Belagerung der Palästinenser in den Gefängnissen aufheben. Viertens muss es alle [palästinensischen] Gefangenen frei lassen. Fünftens msus die internationale Gemeinschaft für Garantien sorgen, das wir in der Lage sein werden unser Recht auf Widerstand über die 1967-er Grenzen hinaus auszuüben… Ohne diese Bedingungen wird es schwierig sein, diese Operationen zu begrenzen. Niemand kann das, so lange die israelische Aggression weiter geht. Und wer immer behauptet, er könne diese Operationen ohne die passende Atmosphäre beenden, der träumt oder befindet sich im Delirium.

Der Interviewer meinte dann: Aber Präsident Yassir Arafat gab ein Kommunique heraus, in dem er einen Stopp der Operationen verlangte. Er griff diese sogar an. Abd Al-Qader antwortete:

Die einzigen, die diese Operationen ausführen, sind lokale Führer… Sogar die Entscheidungen der Al Aksa-Märtyrerbrigaden hängen heute von der politischen Lage ab… Die Al Aksa-Märtyrerbrigaden, der militärische Arm der Fatah, sind nicht der zentralen Entscheidung der politischen Führung unterstellt… Arafat hat fast keine Kontrolle und der andere Verantwortliche ist Israel…

2.2. Einer der obersten Hamas-Repräsentanten, Dr. Abd al-Aziz Al-Rantissi:(4)

In einem anderen Al-Sintara-Interview wrude Dr. Abd al-Aziz Al-Rantissi, einer der Hamas-Köpfe im Gazastreifen, zu dem Kommunique befragt. Er sagte:

Wir halten niemanden davon ab seine Meinung nach Belieben zu sagen. Die meisten Unterzeichner haben keine Verbindung zum Widerstand und glauben in keiner Weise an den palästinensischen Widerstand… Uns ist bewusst, dass es Uneinigkeiten gibt, aber wir schauen in der Folge auf die palästinensische Straße, was die Hamas-Aktion von Dienstag und die der Fatah in Jerusalem am Montag und weitere Operationen angeht. Und wir erkennen eine Regel: dass das palästinensische Volk den Widerstand unterstützt, wie es auch die verschiedenen palästinensischen Fraktionen tun…

Die Unterzeichner des Kommuniques ignorieren die Belagerung des palästinensischen Volkes und fingen an, von den Leiden der Aggressoren zu reden – womit sie die Wut der palästinensischen Straße erregten… Dieses Kommunique wurde von Europa bezahlt. Statt die Hungrigen unter den Palästinensern zu ernähren, bezahlt Europa Kommuniques mit politischen Positionen, die den Widerstand des palästinensischen Volkes negieren.

2.3. Al-Rantissi auf der Hamas-Internetseite:(5)

In einem Artikel auf der Internetseite von Hamas schrieb Al-Rantissi: „…Warum unterstütztet ihr nicht, was CNN-Gründer Ted Turner sagte, als er Verständnis für die Märtyreroperationen zeigte, die die Palästinenser gegen die zionistische Militärmaschinerie unternimmt… Euer Freund Uri Avneri vom zionistischen Peace Now-Block, war ausgewogener als ihr; das wirft bezüglich der Ziele dieses verwünschten Kommuniques viele Fragen auf… Wenn Avneri bescheinigt, dass Millionen den Widerstand und den Jihad unterstützen, für wen steht ihr, oh [Unterzeichner] des europäisch finanzierten Kommuniques? Warum richtet ihr eure Pfeile nicht gegen die wirklichen Gründe des Hasses und der Feindseligkeit? Oder denkt ihr, wür müssten der Besatzung und ihren Handlungen zustimmen?… Oh Unterzeichner des Kommuniques, das vom Euro unterstützt ist – ich erinnere auch daran, dass das palästinensische Volk vom Blut unterstützt ist.“
2.4. Die Haltung der Fatah-Führung:(6)

Zwei grundsätzliche Ansätze können in der Haltung der Fatah-Führer beobachtet werden: Die erste legt der Beendigung der Märtyreroperationen Bedingungen auf, während die zweite völlig Arafats Haltung ignoriert mit der Begründung, dass Arafat „nicht länger die Kontrolle des militärischen Arms der Fatah“ hat.

In einem Interview mit der israelisch-arabischen Wochenzeitung Al-Sinara erklärt der Generalsekretär der Fatah in der Westbank, Hussein Al-Scheik, dass einige der Operationen „weder zum rechten Zeitpunkt noch am richtigen Ort“ stattfanden. „Sharon ist derjenige, der für die Eskalation und die palästinensische Reaktion verantwortlich gemacht werden muss. Der Ball sollte nicht auf der palästinensischen Seite liegen.“
2.5. Ein Gegen-Kommunique (Al-Watan, Saudi Arabien, 30. Juni 2002
(http://www.memri.org/bin/articles.cgi?Page=countries&Area=palestinian&ID=IA10102)

150 arabische Intellektuelle, darunter viele Palästinenser, gaben ein Gegen-Kommunique heraus, das Selbstmord-/Märtyreranschläge unterstützt. Dieses Kommunique sagt:
„Was heute von allen arabisch-palästinensischen Menschen verlangt werden muss, von allen Fraktionen, ist der Widerstand gegen die Besatzung und sie von all unserem Land auf alle Arten und mit allen Mitteln zu entfernen, hauptsächlich durch bewaffneten Kampf mit allen Waffen, die zu finden sind. Das muss die Antwort sein auf die zionistische Militärmaschine, die mit amerikanischen Waffen ausgestattet ist und übermäßig gegen unser Volk eingenommen ist, gegen unsere Sache und gegen alles in der arabischen Welt.“

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