Palästinensischer Aufruf gegen Selbstmordattentate (3/3)

Am 19. und am 21. Juni 2002 erschien in der palästinensischen Tageszeitung „Al-Quds“ eine Anzeige mit einem Aufruf von palästinensischen Intellektuellen, der weltweit – auch in unseren Medien – große Beachtung fand.

andere Reaktionen und Einschätzungen:

IMRAs Aaron Lerner kommentierte am 20. Juni 2002 in seinem wöchentlichen Kommentar auf Israel National Radio:

Palästinenser stellen die Effizienz des Terrors nicht in Frage, nicht die Moral

Es ist wichtig, dass fest gestellt wird, dass die verschiedenen Palästinenser Erklärungen bezüglich Terroranschlägen die Anschläge nicht als „unmoralisch“ bezeichnen – nur als kontraproduktiv. Für die Palästinenser ist das nicht die Frage der Moral des Terrors, sondern der Effizienz des Terrors.

Terranschläge wie der mörderische Anschlag heute Abend in Itamar oder z.B. ein Anschlag auf die Westmauer in Jerusalem werden von keiner dieser für den Konsum im Ausland bestimmten Erklärungen abgedeckt, da sie jenseits der grünen Linie statt finden. Alle Erklärungen beziehen sich nur auf Angriffe gegen Zivilisten „innerhalb Israels“, also innerhalb der „grünen Linie“.

heplev: Ich denke, dem ist nichts hinzu zu fügen. Es wird von diesen ganzen „moderaten“ Palästinensern nicht in Frage gestellt, ob Selbstmord-Operationen moralisch nicht zu rechtfertigen sind. Im Gegenteil. Jede Erklärung des Kommuniques beinhaltet immer wieder, dass „Märtyreroperationen“ gut und richtig sind, wenn sie Erfolg versprechen. Der einzige Grund, der das Kommunique veranlasst hat, ist die Befürchtung, dass diese Taten kontraproduktiv sind. Zur Verdeutlichung hier eine Äußerung von Sari Nusseibeh, einem der Erstunterzeichner und im Westen so hoch gehaltenen „Moderaten“, im Al Jazira-TV. Er befand sich in einer „Talkshow“ mit einem Hamas-Führer und der begeisterten Mutter eines Selbstmordbombers, die er kurz vor dem folgenden Absatz in höchsten Tönen lobte:

Nusseibeh wurde zu der Anzeige „gegen“ Selbstmordbomber in Israel befragt. Er antwortete:

Nach dem, was ich gehört habe, gibt es einige Missverständnisse zwischen dem Rahmen der persönlichen Motivation derer, die diese Aktionen durchführen einerseits und dem Rahmen, über den wir reden andererseit. Der letzte ist die Frage des politischen Gewinns oder Nutzens (einer solchen Aktion). Ich möchte mich nicht zur Frage der persönlichen Motivation eines Einzelnen äußern, sondern wir wollen besonders den Bereich des politischen Nutzens diskutieren, denn wir glauben, dass jede Aktion des Widerstands dieser Frage untergeordnet werden muss. Das heißt: verursacht diese Aktion Nutzen oder Schaden. Wir müssen auch unterscheiden zwischen demjenigen, der den Märtyrertod gegen militärische Ziele sucht und dem, der ihn gegen zivile Ziele sucht. In unserer Anzeige richteten wir uns ausdrücklich an potentielle Märtyrer der letzteren Kategorie, die Art mit der Sprengsatz-Operationen. Und denen sagten wir Folgendes: Wir sagten – und das will ich betonen -, dass wir weder (ihre Aktionen) weder verurteilen noch verunglimpfen und wir frönten keinen Sentimentalitäten. Statt dessen sprachen wir brüderlich, um einen Dialog zu schaffen, damit es eine Auswertung gibt, an der alle Theoretiker und die Aktiven teilnehmen können. Wie Sie selbst zu Beginn erklärten, Bruder Ghassan [das ist der anwesende Hamas-Führer], alle sind an dieser Frage beteiligt, vom Standpunkt der Bewertung des positiven Nutzens, des positiven Nutzens gegenüber dem Schaden der Aktionen gegen Zivilisten innerhalb Israels.“
[http://www.aljazeera.net/programs/open_dialog/articles/2002/7/7-2-1.htm]

Es wird von palästinensischer Seite in keiner Weise irgendwo anerkannt, welchen Anteil (nach meiner Meinung nämlich den allergrößten) die Palästinenser an den derzeitigen Zuständen haben; es wird nirgendwo Verantwortung übernommen für die Hass-Erziehung in den Schulen und Medien, für die Hass-Predigten in den Moscheen usw. – für die Gehirnwäsche, der die palästinensische Bevölkerung seit fast einem Jahrzehnt ausgesetzt ist.

Ich finde es unbegreiflich, dass bei uns im Westen solche Erklärungen wie das Kommunique der „moderaten palästinensischen Intellektuellen“ nicht in richtigen Zusammenhang dargestellt werden. Unsere Medien berichteten lediglich, dass „moderate Palästinenser“ Selbstmordaktionen verurteilten. Dem westlichen Wunschdenken entsprechend wird von neuer Friedenshoffnung geschwärmt, statt den Wortlaut zu analysieren. Der zynische Gebrauch der westlichen Träume durch palästinensische Propaganda – so kontrovers sie auch innerhalb bzw. unter den Fraktionen dort diskutiert werden – fällt hier nicht einmal auf!

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