Liberaler Kolumnist ruft Hamas zur Beendigung des Terrorismus auf

MEMRI-Sonderbericht Nr. 401, 21. Juli 2002

Der tunesische Liberale Al-Afif al-Akhdhar, der in Paris lebt und für die arabischsprachige Londoner Tageszeitung Al-Hayat schreibt, veröffentlichte einen offenen Brief an Hamas, in dem er alle Organisationen aufruft die Selbstmordanschläge zu beenden. Es folgen Auszüge aus dem Artikel:
(heplev: Die Einschätzung Israels durch den Autor kann ich nun überhaupt nicht teilen. Ich werfe ihm auch vor, dass er Terror nicht aus moralischen Gründen ablehnt, sondern nur, weil „seine Zeit“ vorbei sei! Aber die Vorwürfe an die Hamas finde ich sehr interessant. )

Ihr dient Israel

… Eure Selbstmordaktionen und eure arroganten Erklärungen bezüglich der Notwendigkeit der Elimination des Staates Israel, das ein Mitglied der UNO ist, gibt der israelischen Propaganda einen Trumpf, der es ihr ermöglicht den Propagandakrieg mit der Behauptung zu gewinnen, dass die Palästinenser keinen Staat neben Israel wollen, sondern einen Staat auf den Ruinen des Staates Israel. Diese Erklärung [dass Israel ausgelöscht werden muss] ist im internationalen Konsens nicht akzeptabel und passt nicht zu einem vernünftigen Politiker, denn sie führt zur diplomatischen und medialen Isolation und setzt das Volk den Tragödien aus…

Was ist das Ziel dieser Selbstmordanschläge und kann dieses Ziel in absehbarer Zukunft erreicht werden?

Die von nationalen Befreiungsbewegungen [in aller Welt] seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts benutzte bewaffnete Gewalt, z.B. in Algerien und Vietnam, hatte nie gezielt Zivilisten angegriffen. Ihr erklärtes Ziel war, den Feind zu zwingen sich an den Verhandlungstisch zu setzen und eine Einigung zu erzielen. Im Gegensatz dazu seid ihr von der Hamas von diesem politisch-militärischen Weg abgewichen und greift israelische Zivilisten an und erklärt dazu, dass Verhandlungen mit Israel ein Verbrechen seien. Ihr habt es sogar abgelehnt, an den Wahlen von 1994 teilzunehmen, weil die Palästinensische Nationale Autonomiebehörde, die sie organisierte, aus Verhandlungen mit Israel entstanden war…

Irrational nihilistisches Verhalten

Dieses irrational nihilistische Verhalten hat einen Namen: nihilistische Worst-case-Politik. Sie ist die schlimmste, denn sie geht unweise Risiken ein. Sie folgt der Logik des biblischen Samson: „Lass mich mit den Philistern sterben.“ Sie ist nihilistisch, weil sie im Endeffekt alle Werte und Normen negiert, die die internationale Gemeinschaft untermauern. Euch sind die zerstörerischen Ergebnisse der Selbstmordoperationen egal, wie auch die zunehmende Unterdrückung eures Volkes und die Ausdehnung des Krieges in arabische Länder der Region, wodurch in diesen Anarchie gespäht und sie unregierbar gemacht werden.

In dieser Gleichgültigkeit gegenüber menschlichem Schmerz, in der ihr Blut [das der Palästinenser] so gering geschätzt wird, in der ihr Leben verachtet wird und in der ihre Zukunft auf dem Altar der naiven Illusion der „Befreiung Palästinas bis zum letzten Grashalm“ enteignet wird, drückt sich eine halluzinatorische Paranoia aus, die Mord und Selbstmord als Ziele an sich betrachtet. Es drückt sich eine Art Identität aus, die von denen geliebt wird, die nach Macht und Blut hungern, die religiöse Werte genauso verachten wie die Werte dieser Welt.

Diese Worst-case-Haltung ist die Quelle aller politischen Blindheit. Sie ist es, die dafür gesorgt hat, dass ihr euch in den eigenen Fuß geschossen habt und menschliche Bomben gegen die Zukunft eures Volkes explodieren lässt. Sie ist es, die dazu geführt hat, dass eure politischen Möglichkeiten sich allem annähern, das dem Feind eures Landes nutzt. Beleg dafür ist das Timing eurer Selbstmord-Anschläge und eurer schändlichen Kooperation mit Sharon im Widerstand gegen alles, was den Frieden voran bringt.

Ihr habt in den letzten Jahrzehnten alle Chancen verpasst

1996 habt ihr eure Selbstmordanschläge zeitlich so abgepasst, dass sie mit den israelischen Wahlen zusammen fielen, damit ihr Netanyahu helfen konntet den Friedensprozess abzubrechen und Peres zu stürzen, dessen Plan es war in die Geschichte als der Verfasser des arabisch-israelischen Friedens einzugehen. 1997 sagte der verstorbene syrische Präsident: „Wäre Peres gewählt worden, gäbe es bereits Frieden zwischen uns und Israel.“

Rabins Ermordung durch einen jüdischen Terroristen und der Sturz seines Verbündeten Peres durch euch beendeten jede Friedensdynamik. Das kranke palästinensische Volk und seine Führer bezahlen immer noch für diesen Fehler. Hamas und die Likud-Führung teilen als gemeinsamen Nenner die resolute Opposition gegen alles, was in Richtung Frieden geht und verhindern die Gründung eines palästinensischen Staates, den der Likud als den Anfang des Endes Israels betrachtet und ihr als Garantie für Israels Existenz! Als Sharon in der Knesset gegen den ägyptisch-israelischen Frieden stimmte, stimmtet ihr durch die Moslem-Bruderschaft in den Straßen von Kairo dagegen… Sharon stimmte gegen die Madrider Friedenskonferenz; so auch ihr auf eure besondere Weise. Er stimmte gegen die Oslo-Vereinbarungen; so auch ihr, indem ihr sie als Gotteslästerung bezeichnetet. Der Held von Sabra und Shatila stimmte gegen den israelisch-jordanischen Frieden; so auch ihr.

Was sorgt dafür, dass eure Haltung der der Feinde eures Volkes und eures Staates sich so annähert? Könnte es Kollaboration sein? Gott bewahre! Es gibt einen anderen Grund, der das Ergebnis nicht minder schwer wiegend macht. Es ist eure Unfähigkeit euch von der Religion hin zur Politik zu bewegen.

(Der Journalist) Huda Al-Husseini schrieb: „In einem Telefongespräch sagte mir ein britischer Experte für islamistische Bewegungen, dass es das Ziel der Hamas sei den Staat Israel zu eliminieren…“ Dieser Experte sagte: „Als ich mich mit Hamas-Führern traf, war ich von der Entdeckung überrascht, dass die meisten ihrer Mitlieder sagen, die Gründung eines islamischen Staates würde etwa um 2022-23 kommen… Da muss ein Datumsfehler vorliegen, denn 1999 besagte ein religiöses Urteil von Ahmed Yassin, dem spirituellen Führers der Hamas, dass das Datum der Gründung des islamistischen Staates in Palästina, auf den Ruinen Israels und in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen der Tora, 2027 stattfinden würde – 40 Jahre nach Ausbruch der ersten Intifada.“

Wenn ihr euch nicht ändert, werde ihr mehr verlieren

Ich frage die Intelligenten unter euch: „Erlauben euch eure Religion und euer moralisches Bewusstsein die palästinensischen Jugendlichen, deren Leben ihr mit solchem Unsinn riskiert, einer Gehirnwäsche zu unterziehen?“ Wie könnt ihr eurer Strategie erlauben, dass sie auf einer halluzinösen Interpretation der jüdischen Theologie gründet? Ist es nicht diese theologische Interpretation der Sache des palästinensischen Volkes, die seine Tragödien schuf? [Wegen eben solcher Theologie] kollaborierte Hadsch Amin Al-Husseini mit Hitler und lehnte die Einigung ab, die ihm 1937 von der Peel-Kommission zur Teilung Palästinas angeboten wurde und bei der 20% an die Juden und 80% an Palästina gehen sollten. Dann wiederholte er seinen Fehler, als er den Teilungsplan ablehnte, der diesmal 55% für die Juden und den Rest für Palästina vorsah… Ihr habt den Clinton-Plan abgelehnt, der eurem Volk 96-97% der Westbank gegeben hätte. Dazu habt ihr religiöse Entscheidungen angeführt, dass ihr das ablehntet, weil es eine amerikanisch-jüdische Verschwörung gegen das palästinensische Volk war…

Ich verlange nicht, dass ihr strategische Pläne entwickelt, obwohl eure politischen Aktivitäten ohne Strategie nicht möglich sind. Alles, was ich von euch verlange, ist, dass ihr ein bisschen Realismus behaltet, der euch helfen wird, die Trennung zwischen euren Wünschen und der regionalen und internationalen Realität zu verstehen. Wenn ihr diesen euren Ansatz nicht aufgebt, werdet ihr ihm weiter bis zum bitteren Ende folgen – in der Rolle der sturen Verweigerer, die in ihren Illusionen über sich selbst und die Welt falsch liegen.

Ohne Veränderung werdet ihr die Botschaft des 11. September nicht begreifen – dass die Ära der Selbstmordoperationen vorbei ist und jede Gewalt an sich international unakzeptabel ist und Terror darstellt, egal, welche Gründe dahinter stehen. Gewalt wird keinerlei politische Belohnung finden. Der vorbeugende Krieg, d.h. die Offensive als beste Form der Verteidigung, ist die strategische Regel im Krieg gegen Terror. Es ist kein Zufall, dass die EU-Staaten kürzlich die PFLP und die Al Aksa-Märtyrerbrigaden auf die Liste der Terror-Organisationen setzten – die Liste, auf der ihr und der Islamische Jihad als erste verzeichnet ward.

Al-Hayat (London), 14. Juli 2002

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2 Gedanken zu “Liberaler Kolumnist ruft Hamas zur Beendigung des Terrorismus auf

  1. der Aufruf ist in einem Stil verfasst, der die Hamas&Co. gleich im ersten Satz gegen sich aufbringt und folge dessen auch nichts anderes erreicht. Es scheint, als ob sich der Autor nur mal auskotzen wollte.

    • Ich frage mich, was man bei Typen wie der Hamas überhaupt erreichen will. Glaubt tatsächlich irgendjemand, dass ein Hamas-Terrorist mit sich reden lassen will keinen Terror mehr zu verüben? Träum weiter!

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