„Wir verurteilen diese Tat“

Micah Halpern, IsraelInsider, 27. Februar 2004

Augenblicke nach der jüngsten der brutalen Bus-Bombe gegen Israelis, die bisher 8 unschuldige Leben forderte und mehr als 60 Menschen verletzte, veröffentlichte der palästinensische Premierminister eine Stellungnahme.

In drei knappen Sätzen folgt das, was Ahmed Qurei, besser bekannt als Abu Ala, sagte:

Satz Nr. 1:
„Wir verurteilen diesen Akt, der von Palästinensern ausgeführt wurde und unschuldigen Zivilisten Schaden zufügte.“

Satz Nr. 2:
„Dieser Angriff fügte den palästinensischen Interessen allgemeinen Schaden zu und war durch den Zeitpunkt, vor den Diskussionen am Internationalen Gerichtshof in den Haag, besonders schädlich.“

Satz Nr. 3:
„Wir fordern die Regierung Israels auf, sofort Schritte zu unternehmen um einen Waffenstillstand zu erzielen und die Gewalt zu beenden.“

Die Stellungnahme war nicht für die interne palästinensische Verbreitung oder die in der arabischen Welt bestimmt. Es handelte sich um eine formale Stellungnahme, die der Auslands- und israelischen Presse geschickt wurde. Sie wurde aus diplomatischen Gründen herausgegeben, damit die USA und Europa sehen konnten, dass die palästinensische Führung offiziell den Terroranschlag verurteilt hatte.

Aber machte sie das wirklich?

Seitdem er ernannt wurde, habe ich die Erklärungen verfolgt und die Botschaft ausgewertet, die Premierminister Qurei aussandte. Was ich noch herausfinden muss: warum er wegen seiner absurden öffentlichen Stellungnahmen bisher von der internationalen Gemeinschaft noch nicht zur Rede gestellt, geschweige denn getadelt worden ist.

Lassen Sie uns die offizielle palästinensische Reaktion auf einen Terrorakt analysieren, der von einem palästinensischen Selbstmord-Bomber in Israel verübt wurde.

Beim ersten Lesen klingt der erste Satz, als ob er wirklich eine totale Ablehnung des Anschlags auf den Bus sei. Die Worte „verurteilen“ und „unschuldig“ werden gebraucht, selbst wenn „Bus“ und „Selbstmord“ nicht vorkommen. Aber es fehlen weitere sehr wichtige Worte; Worte, die aus der Stellungnahme eine mit mehr Bedeutung gemacht hätten; Worte wie: Terror, Horror, Mord, getötet; Worte, die im Zusammenhang mit dem „Akt“ angemessen gewesen wären, der immerhin eine Bombe war, die 8 Menschen nicht nur „schädigte“, sondern umbrachte.

Der zweite Satz enthüllt das Motiv der Stellungnahme. Die PA drückt nicht ihre Ablehnung der Ermordung Unschuldiger aus, weil diese an sich falsch ist, sondern sie „verurteilt diesen Akt“ nur, weil er den palästinensischen Interessen schadet. Ihren Interessen, macht die Stellungnahme klar, wurde auf zweierlei Art „Schaden“ zugefügt: im Allgemeinen und im Besonderen. Das Timing war schlecht. Insbesondere, sagt der Premierminister tatsächlich, war der Vorabend der Anhörungen in den Haag ein schlechter Zeitpunkt um Israelis zu ermorden. Der Schluss, die klare Folge dieses Teils der Stellungnahme ist verwerflich. Gibt es einen besseren Zeitpunkt dafür, Unschuldige zu ermorden? Offensichtlich, wenn man der palästinensische Premierminister ist: Ja, den gibt es. Man beachte auch den Gebrauch des Wortes „diesen“ – diesen Akt, nicht „jeden“ Akt – als Zeichen der wirklichen Gefühle und Einstellung.

Und dann gibt es die dritte Stellungnahme: „Wir fordern die Regierung Israels auf…“ Diese Stellungnahme fordert tatsächlich von Israel Schritte zu unternehmen, die die Gewalt beenden und einen Waffenstillstand erzielen. Glaubt er schlicht, der Rest der Welt lässt sich so einfach an der Nase herum führen? (HE: Er glaubt es nicht nur, er hat – zumindest in Deutschland – auch Erfolg damit: Unsere Medien melden immer nur die Verurteilung, nicht das, was dahinter steckt!)

Israel tut alles in seiner Macht um Terroristen daran zuhindern in seinen Städten Unschuldige zu ermorden – Israelis, Araber, Arbeiter aus dem Ausland und Touristen. Es ist dabei bemerkenswert erfolgreich, aber trotzdem kommen Terroristen durch und machen aus Israels Straßen Kriegsgebiet.

Die Ironie ist, dass die PA, d.h. Abu Ala, d.h. Arafat, wirklich glauben, dass diese Stellungnahme ein Kompromiss ist und dass sie die Erwartungen der westlichen Welt erfüllen, indem sie „den Akt“ verurteilen oder zumindest die Worte von sich geben.

Bis heute hat die Palästinensische Autonomiebehörde niemals öffentlich die Ablehnung eines Anschlags zum Ausdruck gebracht, weil dieser falsch war.

Selbst unabhängige palästinensische Intellektuelle sind in ihrem Aufruf zur sofortigen Einstellung des Mordes von Individuen zurückhaltend gewesen. Im Sommer 2002 unterschrieben 100 palästinensische Intellektuelle eine in palästinensischen Zeitungen gedruckte Anzeige, die zum Stopp des Terrors aufrief. Warum? Weil, so schrieben sie, er nicht zur Erreichung unserer Ziele beiträgt. So etwas bezeichnet man als intellektuelle Unehrlichkeit!

So etwas bezeichnet man als politische Doppelzüngigkeit und Heuchelei! Die Augen der Welt müssen offen sein, ebenfalls ihre Ohren – und dann werden wir, vielleicht, ihre kollektive Stimme hören.

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