Saeb Erekat über Friedensverhandlungen mit Israel

MEMRI-Special Dispatch Nr. 2313, 14. April 2009
(Original zu finden auf der MEMRI-Homepage http://www.memri.org)

Palästinensischer Chef-Unterhändler Saeb Erekat:
„Abbas wies Israels Vorschlag in Annapolis zurück,
wie Arafat 2000 den Camp David-Vorschlag zurückwies“

Es folgen Auszüge einer Fernseh-Diskussion mit dem palästinensischen Chef-Unterhändler Saeb Erekat. Die Diskussion wurde von al-Jazira am 27. März 2009 ausgestrahlt. (Um diesen MEMRI-Fernsehclip zusehen, besuchen Sie http://www.memritv.org/clip/en/2074.htm.)

„Arafat wurde in Camp David belagert und wurde ungerechtfertigt getötet, nur weil er an Jerusalem festhielt“

Saeb Erekat:

Ich sitze hier in Jericho, in dem Haus, in dem ich geboren wurde, vier Kilometer entfernt vom Jordan und es gibt israelische Flaggen vom Jordan bis zum Mittelmeer. Also leben wir unter israelischer Besatzung. Aber lassen Sie mich sage, dass Jerusalem nicht verloren gegangen ist und nicht verloren gehen wird. Dreihunderttausend palästinensische Bürger leben in Jerusalem.

Jerusalem ist nirgendwo hingegangen. Jerusalem ist hier, um zu bleiben – an demselben Ort, die ganze Geschichte hindurch. Wichtig ist, das wir nach Jerusalem zurückkehren und Jerusalem befreien.

Es stimmt, dass viele Jahre lang Verhandlungen geführt wurden, aber wissen Sie nicht, dass Präsident Yassir Arafat in Camp David belagert wurde und ungerechtfertigt getötet wurde, nur weil er an Jerusalem festhielt und wie er es ablehnte die israelischen Maßnahmen vor Ort zu einem [israelischen] Recht werden zu lassen oder zu einer [palästinensischen] Verpflichtung? Die palästinensischen Unterhändler hätten 1994, 1998 oder 2000 klein beigeben können und vor zwei Monaten hätte Bruder Abu Mazen [d.h. PA-Präsident Mahmud Abbas] einen Vorschlag zu Jerusalem und fast 100% der Westbank akzeptieren können, aber unser Ziel ist es nicht hier Punkte gegeneinander zu machen.

Unser strategisches Ziel, wenn wir uns um Frieden bemühen, ist es nicht, das um jeden Preis zu tun. Wir bemühen uns um Frieden auf Grundlage eines israelischen Rückzugs auf die Grenzen vom 4. Juni 1967, die Gründung eines unabhängigen palästinensischen Staates mit Ostjerusalem als Hauptstadt und mit einer geografischen Verbindung zwischen Westbank und Gazastreifen.

Es wird keinen wie auch immer gearteten Frieden geben, wenn nicht Ostjerusalem – mit jedem einzelnen Stein darin – die Hauptstadt Palästinas wird. …

In meiner Familie sind wir sieben Geschwister. Meine sechs Brüder und Schwestern sind in der Diaspora. Aber das verwehrt ihnen nicht das Recht dieses Land zu erben. Zehn Millionen Palästinenser sind die Eigentümer Palästinas, genauso wie ich. Unser Überleben und unsere Standhaftigkeit in diesem Land, dass wir einen unabhängigen palästinensischen Staat in den Grenzen von 1967 mit Ostjerusalem als Hauptstadt losreißen – das ist das, was wir in unserer Generation erreichen können. …

Lassen Sie mich zwei historische Ereignisse berichten, auch wenn ich ein Geheimnis offen lege. Am 23. Juli 2000 sagte Präsident Clinton bei seinem Treffen mit Präsident Arafat in Camp David: „Sie werden der erste Präsident eines palästinensischen Staates sein, in den Grenzen von 1967 – etwas mehr oder weniger, wenn man den Landtausch einrechnet – und Ostjerusalem wird die Hauptstadt des palästinensischen Staates sein, aber wir wollen, dass Sie, als religiöser Mann, anerkennen, dass der Tempel Salomos unter dem Haram al-Scharif ist.“

Yassir Arafat sagte herausfordernd zu Clinton: „Ich werde kein Verräter sein. Nach 10, 50 oder 100 Jahren wird jemand kommen und es befreien. Jerusalem wird nichts anderes als die Hauptstadt des palästinensischen Staates sein und es gibt nichts unter oder über dem Haram al-Sharif außer Allah.“ Das ist der Grund, dass Yassir Arafat belagert wurde und das ist der Grund, dass er ungerechtfertigt getötet wurde.

Im November 2008 … lassen Sie mich das zu Ende führen – bot Olmert, der heute über seinen Vorschlag an Abu Mazen sprach, die Grenzen von 1967 an, sagte aber: „Wir werden 6,5% der Westbank nehmen und euch im Gegenzug 5,8% des Landes von 1948 geben. Die 0,7% werden die sichere Passage sein und Ostjerusalem eure Hauptstadt, aber da gibt es ein Problem mit dem Haram und mit dem, was sie das Heilige Becken nennen.“ Abu Mazen antwortete ebenfalls herausfordernd und sagte: „Ich bin nicht auf einem Markt oder auf einem Basar. Ich kam her, um die Grenzen Palästinas festzulegen – die Grenzen vom 4. Juni 1967 – ohne einen einzigen Zentimeter abzuziehen und ohne einen einzigen Stein Jerusalems abzuziehen oder von den heiligen christlichen und muslimischen Stätten.“ Das ist der Grund, dass die palästinensischen Unterhändler nicht unterschrieben…

Fernseh-Journalist: „Okay…“

Saeb Erekat:

Das ist die palästinensische Haltung.

Fernseh-Journalist: „Aber lassen Sie uns nach Camp David zurückkehren. Als Sie bei den Treffen mit Shlomo Ben-Ami waren… Nach zwei Wochen Treffen zwischen Barak, Arafat und Clinton, die zu nichts führten, gab es ein Treffen, bei dem Sie vorschlugen, dass es [palästinensische] Souveränität gibt mit Arrangements in der Altstadt, einschließlich dem Haram al-Scharif. Mit anderen Worten, Sie schlugen palästinensische Souveränität vor, bei der Israel eine Rolle in den Verwaltungsbereichen spielen sollte. Anders ausgedrückt: Israel sollte an der Verwaltung des Haram-Bereichs teilhaben – nicht so, wie die ‚reduzierte Souveränität‘, die von Shlomo Ben-Ami bei den Treffen gefordert wurde. Mit anderen Worten, Sie wollten [Israel] eine Rollen spielen lassen, auf die eine oder andere Art, was das so genannte Heilige Becken angeht.“

Saeb Erekat:

Sie werden nie etwas derartiges haben. Wie Präsident Abu Mazen vor Präsident Bush und Premierminister Olmert sagte: Ich bin nicht auf dem Markt oder dem Bazar. Ostjerusalem ist besetztes Gebiet, genauso wie Khan Younis, Jericho oder Nablus. Sein Status nach dem internationalen Recht wird nie etwas anderes sein. Daher sind jegliche Arrangements bezüglich Ostjerusalem kategorisch inakzeptabel.“

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