Palästinensische Zeugen: Arabische Führer verantwortlich für die palästinensischen Flüchtlinge

Itamar Marcus und Nan Jacques Zilberdik, Palestinian Media Watch Bulletin vom 23. Juli 2009

„Die Radiosender der arabischen Regime wiederholten immer wieder und sagten uns: ‚Geht aus den Kampflinien. Es ist eine Sache von zehn Tagen oder höchstens zwei Wochen, dann bringen wir euch zurück nach Ein-Kerem [bei Jerusalem].‘ Und wir sagten uns: ‚Das ist eine ziemlich lange Zeit. Was ist das? Zwei Wochen? Das ist viel!‘ Und jetzt sind 50 Jahre vergangen.“ [PA-TV, 7. Juli 2009]

Mit diesen Worten erinnert sich ein arabischer Einwohner eines Flüchtlingslagers an den Grund, weshalb seine Familie Israel 1948 verließ; das Interview wurde diesen Monat im palästinensischen Fernsehen gesendet.

In den letzten Jahren haben palästinensische Führer, Autoren und Flüchtlinge zunehmend in den palästinensischen Medien das Wort ergriffen und die arabische Führung für die Schaffung des palästinensischen Flüchtlingsproblems verantwortlich gemacht. Nach diesen Schilderungen und im Gegensatz zu dem palästinensischen Mythos, dass Hunderttausende Palästinenser 1948 von Israel vertrieben wurden, war die weit überwiegende Mehrheit des arabischen Exodus aus Israel freiwillig und das Ergebnis der Anweisungen der arabischen Führung.

Darüber hinaus legt die Tatsache, dass diese Information von Personen der Öffentlichkeit und Flüchtlingen in den Meiden der Autonomiebehörde selbst offen diskutiert wird, nahe, dass ein Bewusstsein für die Verantwortung weite Verbreitung finden könnte – obwohl die palästinensischen Führer aus Propagandazwecken weiterhin Israel für „die Vertreibung“ verantwortlich machen.

Die folgenden Äußerungen in den PA-Medien werfen ein bedeutendes Licht auf die Ereignisse von 1948 und kontern die Versuche der palästinensisch Autonomiebehörde diesen Teil der Geschichte zu verstecken.

(Klicken Sie hier, um die palästinensischen Aussagen auf der Internetseite von PMW anzusehen.)

1. Arabischer Bewohner eines Flüchtlingslagers:

„Eine Woche, bevor wir Ein-Kerem [bei Jerusalem] verließen, wurde dieses Foto im Juni 1948 vor unserem Haus aufgenommen. Die Radiosender der arabischen Regierungen wiederholten für uns immer wieder: ‚Geht aus den Kampflinien raus. Es ist nur eine Sache von zehn Tagen, höchstens zwei Wochen und wir bringen euch zurück nach Ein-Kerem.‘ Und wir sagten uns: ‚Das ist eine ziemlich lange Zeit. Was ist das? Zwei Wochen? Das ist viel! Das dachten wir damals. Und jetzt sind 50 Jahre vergangen.‘“ [PA-TV, 7. Juli 2009]

(Hier das Video des Interviews)

2. Jawas Al-Bashiti, palästinensischer Journalist in Jordanien:

„Erinnern Sie mich an den wirklichen Grund all der Faktoren, die die ‚palästinensische Katastrophe‘ verursacht haben [die Gründung Israels und die Schaffung des Flüchtlingsproblems] und ich werden Sie daran erinnern, dass es immer doch da ist… Die Gründe für die palästinensische Katastrophe sind dieselben Gründe, die unsere heutigen Katastrophen geschaffen haben und immer noch schaffen.

Während der Kleinen Katastrophe, also der palästinensischen Katastrophe, passierte Folgendes: Der erste Krieg zwischen den Arabern und Israel hatte begonnen und die ‚Arabische Heilsarmee‘ kam und sagte den Palästinensern: ‚Wir sind zu euch gekommen, um die Zionisten und ihren Staat zu beseitigen. Verlasst eure Häuser und Dörfer, ihr werdet in ein paar Tagen sicher zurückkehren. Verlasst sie, damit wir unseren Auftrag (Israel vernichten) so gut wie möglich zu erfüllen und damit ihr nicht verletzt werdet.‘ Es wurde damals schon klar, als es zu spät war, dass die Unterstützung der arabischen Staaten (gegen Israel) eine große Illusion war. Die Araber kämpften, als hätten sie vor die ‚palästinensische Katastrophe‘ zu verursachen.“ [Al-Ayyam, 13. Mai 2008]

3. Mahmud Al-Habbasch, palästinensischer Journalist der offiziellen PA-Tageszeitung Al-Hayat Al-Jadida:

„Die Führer und die Eliten versprachen uns am Beginn der ‚Katastrophe‘ 1948, dass das Exil nicht von langer Dauer sein und nicht mehr als einige Tage oder Monate dauern würde; hinterher würden die Flüchtlinge in ihre Häuser zurückkehren, die viele von ihnen erst verließen, als sie ihre Vertrauen auf diese „orkubianischen“-Versprechen setzten, die die Führer und die politischen Eliten machten. Hinterher vergingen Tage, Monate, Jahre und Jahrzehnte und die Versprechen wurden im Zug der Strapazen der folgenden Ereignisse vergessen…“

[Der Begriff „orkubianisch“ beschwört Orkub, eine Figur der arabischen Tradition, der dafür bekannt war seine Versprechen zu brechen und zu lügen.]
[Al-Hayat Al-Jadida, 13. Dezember 2006]

4. Asmaa Jabir Balasimah, eine Frau, die 1948 aus Israel floh:

„Wir hörten Anfang des Sommers im Jahr der ‚Katastrophe‘ [1948] Explosionen und Gewehrfeuer. Sie [die arabischen Führer] sagten uns: Die Juden griffen unsere Region an und es ist besser das Dorf zu evakuieren und zurückzukehren, nachdem die Schlacht vorüber ist. Und tatsächlich gab es unter uns solche, die aus Israel flohen, die ein Feuer unter dem Kessel brennen ließen, die ihre Schafherde verließen und die ihr Geld und ihr Gold zurückließen, aufgrund der Annahme, dass wir nach ein paar Stunden zurückkehren würden.“ [Al-Ayyam, 16. Mai 2006]

5. Ibrahim Sarsur, Kopf der Islamischen Bewegung in Israel:

Ein arabischer Zuschauer rief das PA-Fernsehen an und zitierte seinen Vater; er sagte, dass der arabische Landrat 1948 allen Arabern befahl Palästina zu verlassen oder als Verräter bezeichnet zu werden. Ibrahim Sarsur, jetzt arabisches Mitglied des israelischen Parlaments, der Knesset und zur Zeit der Sendung Chef der Islamischen Bewegung in Israel, verfluchte diese arabischen Führer, womit er Israels Berichte berstätigt.

Zuschauer: „Herr Ibrahim [Sarsur], ich wende mich an Sie als Muslim. Mein Vater und mein Großvater sagten mir, dass während der ‚Katastrophe‘ [1948] ein Landrat einen Befehl ausgab, dass jeder, der in Palästina und Majedel [bei Aschkelon in Südisrael] bliebe, ein Verräter sei, er ist ein Verräter.“

Ibrahim Sarsur, jetzt Knessetmiglied, damals Chef der Islamischen Bewegung in Israel: „Derjenige, der ihnen den Befehl gab, der ihnen verbot dort zu bleiben, trägt die Schuld dafür, in seinem Leben und im Leben nach dem Tod, durch die Geschichte hindurch bis zum Tag der Auferstehung.“ [PA-TV, 30. April 1999]

(Hier das Video dieses Interviews im PA-Fernsehen)

6. Fuad Abu Hajla, führender palästinensischer Journalist:

Fuad Abu Hajla, damals regelmäßiger Kolumnist der offiziellen PA-Tageszeitung Al-Hayat Al-Jadida, schreib vor einem arabischen Gipfeltreffen einen Artikel, in dem er die arabischen Führer kritisierte. Eine der Fehlleistungen, die er im Namen eines Gefangenen zitierte, war, dass eine frühere Generation arabischer Führer sie 1948 „gezwungen“ hatte Israel zu verlassen.

„Ich habe zum arabischen Gipfel einen Brief eines Gefangenen im Gefängnis von Akko erhalten:

An die arabischen und muslimischen Könige und Präsidenten: Die Armut bringt uns um, die Symptome saugen uns aus und die Seelen verlassen unsere Körper, doch ihr sucht immer noch nach einem Weg Hilfe zu leisten, wie jemand, der nach einer Nadel im Heuhaufen sucht oder wie die Armeen eurer Vorgänger im Jahr 1948, die uns zwangen Israel zu verlassen, unter dem Vorwand die Schlachtfelder zu räumen… Was wird euer Gipfel jetzt tun?“ [Al-Hayat Al-Jadida, 19. März 2001]

Kommentar: Bisher hatte es nur Aussagen aus den 1940-er/1950-er Jahren gegeben, die angeführt werden konnten. Es ist gut, dass es jetzt auch aktuellere Äußerungen zur Verfügung stehen. Palestinian Media Watch hat hier eine extrem gute Arbeit geleistet.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s