Bauern und Patriarchen

Annika Hernroth-Rothstein, Israel HaYom, 9. Juli 2017

Unsere Weisen lehrten uns, dass es drei Teile Israels gibt, zu denen die jüdischen Eigentumsrechte nicht bestritten werden können, selbst wenn man das göttliche Versprechen und das Band zwischen Gott und dem jüdischen Volk verneint. Diese Orte sind der Tempelberg in Jerusalem, den König David vom Jebusiter Araunah kaufte; der Teil von Schechem (Nablus), den Jakob der Familie von Hamor kaufte und das Feld und die Höhle Machpelah in Hebron, die Abraham von Ephron, dem Hethiter kaufte.

Die Ironie ist atemberaubend.

Abraham tätigte seinen Kauf und achtete sorgfältig darauf ihn legal bindend zu machen, damit er einen Vertrag über Landbesitz hatte, der niemals in Frage gestellt werden kann, unabhängig vom Glauben. Und trotzdem finden wir uns heute hier, werden – zumindest theoretisch – mit wenig Rücksicht auf Geschichte oder Recht bezweifelt.

Letzte Woche stimmte bei einem Treffen in Polen die UNESCO, eine UNO-Organisation mit dem Auftrag Welterbestätten zu bestimmen, dafür die Patriarchenhöhle in Hebron zu einer gefährdeten palästinensischen Welterbestätte zu bestimmen. Selbst nach UNO-Standards schockiert diese Entscheidung. Das auf den Gräbern unserer Patriarchen errichtete Gebäude wurde von Juden vor über 2000 Jahren gebaut, rund 700 Jahre vor dem Entstehen des Islam und weit länger bevor es die Idee eines Palästinenserstaats gab.

Ich habe dieses Gebäude oft besucht und was ich dort sehe sind Juden und Muslime, die zusammenleben, die gegenseitigen Rechte zu Gebet respektieren, einen Weg gefunden haben an einem der explosivsten Orte der Welt miteinander auskommen. Die jüngste Abstimmung der UNESCO ist ein direkter Angriff auf das Miteinander und eine Deklaration der Aggression, die versucht das zarte Gewebe Hebrons zu zerreißen.

Eines meiner Lieblingsfotos ist eines, das ich letztes Jahr beim Besuch des Tempelbergs mit einer Gruppe religiöser Juden aufnahm. Wir wurden von einer lauten Gruppe an Menschen belästigt, die uns ins Gesicht brüllten, uns einschüchterten, als wir herumgingen. Es war beängstigend, stressig und traurig, also gingen wir schweigend, um dorthin zu kommen, wohin wir gingen. Der Angriff hielt uns davon ab anzuhalten und das Wunder auf uns wirken zu lassen.

Dann, unmittelbar bevor ich den Berg verlassen wollte, sah ich einen muslimischen Mann, der sich auf einer höher gelegenen Stelle niedergelassen hatte, der sorgfältig in Koran las. Ein älterer Mann, der scheinbar den Tumult nicht bemerkte, der still seine Lippen bewegte, als er den Text durchging. Ich schoss ein Bild in dem Moment, als die Sonne auf seinen Rücken traf, denn das Bild fasste alles zusammen, von dem ich wünschte, dass wir es sein konnten. Diese Frauen, die mich jedes Mal, wenn ich auf den Tempelberg gehe, belästigen, sind weder gläubig noch fromm, sie nutzen diesen heiligen Ort um mich zu verletzen und mich mit wenig Rücksicht auf seine Heiligkeit zu verscheuchen. Aber dieser den Koran studierende Mann war ein Mann im Gespräch mit Gott und das war etwas, das ich nachvollziehen konnte. Mit ihm könnte ein Zusammenleben aufgebaut werden.

Die Menschen, die gefühlskalt die UNO benutzen, um Israel zu delegitimieren und die Lügen verbreiten, um historische Verbindungen auszulöschen, sind nicht die Männer die täglich in der Patriarchenhöhle betten. Es sind Menschen, die für ihre gefährliche Politik bezahlt werden und die bequem in Palästen sitzen, weit weg von den Konsequenzen ihrer Hass-Politik. Und es wird Konsequenzen geben.

Was mich in Sachen der jüngsten UNESCO-Abstimmung vielleicht am meisten aufbringt ist die absolute Gefühlslosigkeit, mit der sie vorgebracht wurde. Wir alle wissen, dass es kein Endspiel gibt. Wir wissen, wenn die dahinter steckenden Leute mit ihrer Machtergreifung erfolgreich sind, dann werden sie weder bereit noch in der Lage sein sich um ihre eigenen Leute zu kümmern. Das ist ein Spiel, ein grausames und gefährliches Spiel, in dem die Frommen die Bauern werden.

Ich nahm das Bild aus einem Grund auf – weil Männer wie er so selten sind. Nicht interessiert an Auseinandersetzungen und dem Text verschrieben; er sah tatsächlich die Schönheit des Berges. Die Männer, die behaupten für ihn zu sprechen, nutzen ihn in Wirklichkeit aus und das ist der Grund, dass ich mich so entmutigt fühle. Es gibt nicht nur keine Friedenspartner, es gibt in Wirklichkeit nur solche, die den Krieg verewigen und dafür scheint es keine Lösung zu geben.

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