Die Araber haben Israel nie akzeptiert

Daniel Pipes, Wall Street Journal, 3. Dezember 2001

Im Juni diesen Jahres übertrug das palästinensische Fernsehen einen Gottesdienst aus einer Moschee in Gaza, in der der Imam, Ibrahim Madi, folgende Erklärung abgab: „Wenn es Gott gefällt, dann wird dieser Unrechtsstaat Israel ausradiert, der Unrechtsstaat USA wird ausradiert, der Unrechtsstaat Großbritannien wird ausradiert.“

Am Wochenende fühlte ich mich an diese liebenswürdige Predigt des Scheichs erinnert, als palästinensische Selbstmord-Bomber beinahe zeitgleich Anschläge auf israelische Zivilisten in Jerusalem, Haifa und Gaza begingen, bei denen sie 26 Menschen töteten und fast 200 verwundeten. Wenn es einer Erinnerung bedurfte, dass der Krieg gegen den Terrorismus über den 11. September und die Kämpfe in Afghanistan hinaus geht , dann sorgten die Palästinenser für eine kräftige Gedächtnisstütze. Noch während US- und britische Truppen auf die Gräueltat am World Trade Center antworten, indem sie auf Kandahar marschieren, der letzten Stadt unter der Herrschaft des militanten Islam in Afghanistan, begannen israelische Streitkräfte mit der Vorbereitung einer Antwort auf die Gräueltat in Jerusalem mit einem „direkten Angriff“ gegen die Autonomiebehörde.

Die Situationen der Amerikaner und Israelis erscheinen manchem sehr unterschiedlich zu sein, aber Scheich Madis Bemerkungen zeigten, dass dem nicht so ist. In beiden Fällen zielen die (Streit-)Kräfte des militanten Islam auf ein westliches Land und wollen es zerstören. Osama bin Laden erklärte schon vor Jahren allen Christen und Juden den Heiligen Krieg, während sein Freund Mullah Omar, der Taliban-Diktator, Mitte November genauere Einzelheiten unterbreitete: „Die derzeitige Situation in Afghanistan hängt mit der größeren Sache zusammen – das ist die Zerstörung Amerikas. Mit Gottes Hilfe wird das in kurzer Zeit passieren – behaltet diese Prophezeiung im Gedächtnis. Was wirklich zählt, ist die Vernichtung Amerikas und mit Gottes Hilfe wird es fallen.“

„Krebsgeschwür“

Genauso rufen militant-isamische Führer mit einer fast betäubenden Routine zur Zerstörung Israels auf. Der mächtigste von ihnen, Irans oberster Führer Ayatollah Khamenei, rief vor gar nicht langer Zeit dazu auf, „dieses Krebsgeschwür von einem Staat aus der Region zu entfernen“.

Sicher gibt es Unterschiede. Die Schlacht gegen die USA ist neuer, weniger weit fortgeschritten und weniger durch nicht-militante islamische Elemente unterstützt. Ironischerweise hat aber die US-Regierung einen „Krieg gegen den Terrorismus“ erklärt, während ihre israelischen Gegenüber immer noch (mit US-Ermunterung) versucht, eine Verhandlungslösung mit ihren Feinden zu finden. Außer diesen Unterschieden ist der Trieb, die USA und Israel zu zerstören, im Grunde der gleiche.

Die jüngsten Anschläge auf Israel dienen uns auch zur Erinnerung an etwas anderes: dass der Versuch, den jüdischen Staat zu zerstören, geführt wird, seit dieser 1948 gegründet wurde. Seit über einem halben Jahrhundert habt die Mehrheit der Araber darauf bestanden, in Israel nicht mehr zu sehen als ein vorübergehendes Ärgernis, von dem sie erwarten, dass es beseitigt werden kann – im günstigsten Fall mit der Erlaubnis an die Israelis, in „Palästina“ als unterworfenes Volk zu leben, im schlimmsten Fall sie zu massakrieren.

Dieser zerstörerische Trieb hat seit 1948 ab- und zugenommen. Als ein scheinbar schwaches Israel erstmals zu existieren begann, war er sehr hoch. Dann ließen 45 Jahre ständiger Niederlagen gegen ein starkes und entschlossenes Israel die Araber bis 1993 schwindlig werden und sich teilweise für die Möglichkeit seiner Akzeptierung öffnen. Statt aber diesen Vorteil zu nutzen und die volle Akzeptanz zu erreichen, machten die Israelis den historischen Fehler, nachzulassen und ihren beiden Hauptfeinden, den Syrern und Palästinensern einen vorteilhaften Handeln anzubieten.

Diese Angebote waren totale Rohrkrepierer: statt als weitsichtige Konzessionen angesehen zu werden, die darauf zielten, den Konflikt zu beenden, interpretierten die Araber sie als Zeichen israelischer Zersetzung. Das Ergebnis war ein Aufstand in Gewalt und erneuerte arabische Hoffnung auf die Zerstörung Israels durch die Macht der Waffen. Zum ersten Mal seit den 60-er Jahren riefen Politiker, Staatsdiener, religiöse Führer, Journalisten und Intellektuelle routinemäßig zur Vernichtung Israels auf.

Offensichtlich fügt diese Mauer der Ablehnung Israel Schaden zu, denn sie verweigert ihm, als normale Nation zu leben, unterwirft seine Bevölkerung mörderischen Angriffen und zwingt es, harte Maßnahmen gegen seine Nachbarn zu ergreifen. Aber Israel wächst trotz dieser Anschläge, weist einen hohen Lebensstandard auf, eine demokratische gestaltete Politik und eine Leben sprühende Kultur. In Wirklichkeit schaden die Araber sich selbst. Der zerstörerische Drang verhindert, dass talentierte und ehrbare Völker ihr Potenzial ausspielen. Die Araber konzentrieren sich darauf Israel zu schaden, statt ihren Lebensstandard zu verbessern, die Politik für alle zu öffnen und die (korrekte) Anwendung der Gesetze zu sichern. Das Ergebnis ist eindeutig: Die Araber sind weltweit führend im Anteil an Diktaturen, „Schurkenstaaten“, gewalttätigen Konflikten und bei den Ausgaben für das Militär.

Eine Lösung kann leicht angeboten, aber viel schwieriger durchgesetzt werden: Die Araber müssen sich mit der Existenz Israels abfinden. Nur das wird den Jahrhunderte alten Konflikt beenden, Israel erlauben zu Normalität zu finden und die Araber auf den Weg in die Moderne zu bringen.

Diese Interpretation des arabisch-israelischen Konflikts , der den Arabern die Verpflichtungen auferlegt, unterschiedet sich stark von der üblichen. Sogar Israelis, ganz zu schweigen von Arabern und allen anderen, neigen dazu zu denken, dass die arabische Anerkennung Israels bereits erfolgte und es jetzt an Israel liegt, seinen Teil mit einer Reihe von Konzessionen (Abgabe der Golan-Höhen, Jerusalems usw.) beizutragen.

Wut entfachende Reden

Wenn es 1991 möglich war an eine arabische Akzeptanz Israels zu glauben, dann beweisen die heutige flammende Rhetorik und die Schläge der palästinensischen Gewalt, dass es sich dabei um eine Fata Morgana handelte. Israel hat die nicht gerade beneidenswerte Aufgabe seine Feinde zu überzeugen, dass ihre Vernichtungsträume fehl schlagen werden; in Aktionen umgesetzt, bedeutet das, dass es Entschluss und Härte zeigen muss. Wie könnte es anders sein? So tödliche Absichten, wie man sie in den arabisch sprechenden Ländern weit verbreitet finde, können nur mit Strenge abgewendet werden. Das wird nicht angenehm sein; Israel wird sich Verurteilung von außen und innenpolitische Unzufriedenheit einhandeln, aber es hat keine Wahl.

Den Konflikt auf diese neue Weise zu verstehen, hat tief greifende Konsequenzen für den Westen. Es bedeutet, dass Europa und die USA, die immer eifrig bemüht waren, den arabisch-israelischen Konflikt zu lösen, am meisten dadurch helfen können, dass sie weniger kluge Pläne anbieten und größere Anstrengungen unternehmen, seine grundlegenden Wahrheiten zu verstehen. Das bedeutet, dass man die grundlegende Tatsache der fortgesetzten Ablehnung Israels durch die Araber mit all ihren zerstörerischen Folgen begreift. Es bedeutet, dass man die missliche Lage Israels sieht, toleriert, dass es hart sein muss und auf die Araber Druck ausübt, dass sie einen drastischen Kurswechsel vornehmen.

Für viele Regierungen, auch für die amerikanische, erfordert dieser Ansatz eine Umkehr von der derzeitigen Politik (die Druck auf Israel ausübt). Eine solche Veränderung ist nicht leicht erreichbar, aber sie ist beinahe eine Vorbedingung für jeden, der wirklich ernsthaft den arabisch-israelischen Konflikt beenden will.

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