Die Rolle der Arabischen Medien: eine geschichtliche Perspektive

MEMRI, 27. Dezember 2001

Die arabischsprachige Londoner Tageszeitung Al-Hayat veröffentlichte eine ganze Seite von Leserbriefen. Zoheir Abdallah, ein Leser aus den USA, schrieb folgendes:

In den letzten 60 Jahren durchliefen die arabischen Medien drei Phasen. Die erste Phase wurde durch ‚Hayy Al-Arab‘ gekennzeichnet, ein Programm, das von Yunis Al-Bahri aus Berlins arabischem Radiosender in Nazideutschland gesendet wurde. Yunis Al-Bahri sollte die arabischen Emotionen gegen den Westen und Großbritannien anstacheln und Hitler, Nazideutschland und die Achsenmächte verherrlichen. Die Nazis hatten die Araber am Ende der Skala der menschlichen Rassen angesiedelt; wären sie im Zweiten Weltkrieg erfolgreich gewesen, ging es den Arabern heute schlechter als es der Fall ist.

Trotzdem drängte sich das arabische Publikum um das Radio um Yunis Al-Bahri zu hören und seinen Hetzkommentaren Beifall zu spenden.

Die zweite Phase wird durch „Saut Al-Arab“ repräsentiert [Radiosender „Die Stimme der Araber“] aus Kairo in Person von Ahmad Said. Ich kann mich gut daran erinnern. Jeden Abend versammelten wir uns um das Radio um diesen Sender zu hören. Meine Erinnerung führt mich zurück zu einigen der Kommentare und Flüche, die gegen die moderateren [arabischen] Könige und Präsidenten und den Westen gerichtet waren. Ich erkenne (heute) das Ausmaß der Demagogie, die von einer gesamten Generation von Arabern aufgesaugt wurde, die einer Gehirnwäsche unterzogen worden sind [und daher] sich unlogisch und emotional verhalten – was beim Sturz der moderaten Regierungen z.B. im Irak und in Libyen und ihrer Ersetzung durch Tyrannen und faschistische Parteien half, unter deren Last sich Teile der arabischen Welt immer noch bücken müssen.

„Saut Al-Arab“ ging mit der Niederlage von 1967 unter. Nach dieser Niederlage erkannte die arabische Öffentlichkeit zu spät, dass diese Hetze die Araber in einen Krieg gedrückt hatte, für den die Nation nicht vorbereitet war. Die Wunden dieser Niederlage sind immer noch nicht verheilt. Daher ist uns klar geworden, dass die Saut Al-Arab-Generation die Lehre der Generation von „Hayy Al-Arab“ nicht gelernt hat. Das einzig Gute, das aus der Niederlage von 1967 entstand, war das Verschwinden von Saut Al-Arab und seiner Demagogie.

Die dritte Phase ist die moderne Phase der arabischen Medien. Wir können dies das „Taysir ‚Alooni(1) von Kabul-Phänomen“ oder das „Al-Jazira-Phänomen“ nennen. Der Al-Jazira-Korrespondent wurde bald – richtigerweise – der Sprecher der Taliban genannt. Er übertrug uns die Bilder der zivilen Opfer der Luftangriffe, aber nicht die Bilder der militärischen Rückschläge für die Taliban. Er zeigte uns nichts – und erwähnte auch nichts – von den Massakern der Taliban an Zivilisten. Er behauptete, dass die Öffentlichkeit sich hinter die Taliban stellte. Wir sahen auf Al-Jazira nicht, wie die Menschen sich auf den Straßen von Mazar Al-Sharif und Kabul freuten, als der Alptraum der Taliban beendet war. Trotzdem hat dieser Sender es geschafft, die dritte Generation der arabischen Menschen zu gewinnen. Mit dem Beginn des Zerfalls der Taliban begann Al-Jaziras Stern zu sinken, genau wie vorher die von „Saut Al-Arab“ und „Hayy Al-Arab“.

So wird deutlich, dass die dritte Generation nichts aus den Fehlern der vorigen Generationen gelernt hat. Mit dem Beginn des Ramadan-Monats begannen einige arabische Satelliten-Sender Serien auszustrahlen, die den Hass in einer Atmosphäre vertieften, die schon davon durchtränkt ist. Ein Beispiel dieser Serien ist eine über die Kreuzzugs-Kriege, die vor fast 1000 Jahr statt fanden, von denen wir aber immer noch reden, als seien sie erst gestern gewesen. Andere Serien zeigen die [vor-islamischen] Kriege von Dakhis und Ghabraa [mythische Kriege vor der Zeit des Islam].

Viele Nationen haben einander bekämpft und einige davon fanden in der heutigen Zeit statt. Trotzdem haben diese Nationen sich ausgesöhnt und die bestmöglichen Beziehungen aufgebaut. Die Medien waren immer Vorreiter des Aufbaus dieser Beziehungen. So machten es die Deutschen und die Franzosen, die Japaner und die Russen und viele andere Völker in der zivilisierten Welt. Im Gegensatz dazu lecken wir uns immer noch die Wunden der Vergangenheit und fächeln Hass in unsere Seelen. Unsere Print- und Rundfunk-/Fernseh-Medien spielen in dieser Beziehung die Vorreiter. Das hilft dabei, eine Gruppe junger Leute auszubilden, deren Hass für andere sie dazu führt Selbstmord zu begehen, um so Menschen zu töten, von denen sie nichts wissen, nur weil sie einem anderen Volk angehören und etwas anderes glauben.

Gibt es ein Licht am Ende dieses Medientunnels?(2)

——
Fußnoten:
(1) Taysir ‚Alooni war Al-Jaziras Korrespondent in Kabul vor und während des Kriegs in Afghanistan; er wurde aus Kabul evakuiert, als das Taliban-Regime fiel.
(2) Al-Hayat, London, 21. Dezember 2001.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s