Das Mädel mit dem Rucksack

Naomi Ragen, 17. Juli 2017

Das Erstaunliche daran tatsächlich in Israel zu leben ist, dass selbst die einfachsten Dinge des Alltags manchmal mit viel Bedeutung aufgegossen sind. Lassen Sie mich ein Beispiel geben.

Ich wollte mir die Haare schneiden lassen. Meine Friseurin ist in Ramat Gan, was bedeutet, dass ich den Bus vom zentralen Busbahnhof in Jerusalem nehmen muss. Also gehe ich dort hin. Und während ich durch die Türen in den Busbahnhof gehe, sehe ich viele junge Soldaten in Uniform, Männer wie Frauen. Und sie gehen mit schweren Rucksäcken, vermutlich nach einem Tag oder ein paar Stunden Heimaturlaub. Ein Mädel war so zierlich und ihr Rucksack war so groß, dass sie fast gleich groß erschienen. Aber da war sie, stark, unverwüstlich, schleppte ihn ohne en Zeichen von Anstrengung. Und die jungen Männer, so groß und schlank und hübsch. Und jeder von ihnen hatte entweder ein Gewehr dabei oder ein Pistole im Halfter. Da dachte ich: Nein, ich habe keine Sorge wegen Terroristen. Überhaupt nicht. Nicht mit all diesen großen, hübschen, intelligenten, trainierten jüdischen Kids um mich herum.

Und ich dachte darüber nach, woher jeder von ihnen kam. Ihre Großeltern – egal, welchen Hintergrund sie haben – waren aus allen möglichen Orten überall in der Welt geflohen. Wenn sie aus arabischen Ländern kamen, waren sie verfolgt und all ihres Besitzes beraubt worden, bevor sie ihren Weg nach Israel fanden. Wenn sie aus Europa kamen, waren sie wahrscheinlich die einzigen Mitglieder ihrer gesamten Familie, die überlebten. Und hier war die dritte Generation: stark, furchtlos, bewaffnet. Diese Kids, dachte ich, haben es möglich gemach tin einem Land zu leben, wo man eine Jarmulke oder einen Davidstern trägt und sich nicht sorgen muss deswegen zusammengeschlagen oder ermordet zu werden. Sie haben es möglich gemacht etwas zu besitzen – Häuser, Land, Geschäfte – ohne sich Sorgen zu machen, dass Antisemiten an die Macht kommen und alles wegnehmen werden. Sie haben es möglich gemacht eine neue Generation jüdischer Kinder aufzuziehen, die wissen, wie es ist ihr eigenes Land zu haben, ihre eigene Armee, ihre demokratisch gewählte Regierung.

Meine Friseurin ist aus Paris neu eingewandert; sie floh vor der sich verschlimmernden Lage, wo Juden in Supermärkten in die Luft gejagt und von ihren muslimischen Nachbarn aus Fenstern geworfen werden. Sie versteht nicht, warum nicht alles französischen Juden ihre Sachen packen und herkommen. Sie ist sehr spirituell und erzählt mir oft von den Rabbinern, deren Vorträge sie besucht. Sie hat ihren eigenen kleinen Laden an einer freundlichen kleinen Straße gegenüber eines schönen Parks eröffnet. Sie ist glücklich.

Wenn man in Israel lebt, kommt man jeden einzelnen Tag in Kontakt mit Menschen, die die lebende Fortsetzung jüdischer Geschichte sind, das Ende eines langen, manchmal verzweifelten Weges, der nach vielen, vielen Kämpfen in Erholung und Frieden endete. Ein ganzes Land angefüllt mit solchen Menschen – wenn Sie also darüber nachdenken, dann muss es Ihnen das Herz bis an den Rand füllen und Tränen in die Augen und ein Dankgebet auf die Lippen bringen, dass man das große Privileg hat an diesem Wunder unserer Zeit teilzunehmen und sein Zeuge zu sein.

Wie wunderbar ist es ein dieser Zeit der Geschichte Jude zu sein. Ich danke dem großen, jungen Luftwaffenoffizier und den winzigen Mädel, das ihren gewaltigen Rucksack schleppte. Jeder von ihnen macht auf seine eigene Weise dieses Wunder möglich.

Ich liebe euch alle.

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