Da kommt nichts bei raus

Daniel Pipes, The New Republic, 27. März 2002

Urteilt man nach der massiven Medienpräsenz, dann verspricht der arabische Gipfel in Beirut vom 27. bis 28. März ein Wendepunkt im arabisch-israelischen Konflikt zu werden. Die Hauptquelle der Aufregung ist der Vorschlag des saudischen Kronprinzen Abdullah, dass die Araber ihre Beziehungen zu Israel normalisieren, wenn diese zu den Grenzen von 1967 zurückkehren. Aber auch die weniger wichtigen Aspekte des Gipfels – Wird Yassir Arafat dort sein oder nicht? Warum entschied sich Hosni Mubarak gegen die Teilnahme? – machen Schlagzeilen, sind Top-Themen des Nachrichtenmaterials.

Aber es wird nichts Wichtiges in Beirut passieren. Tatsache ist, dass in einem Jahr dieser Gipfel und der Plan Abdullahs mit größter Wahrscheinlichkeit so gut wie vergessen sein werden. Ich sage dies hauptsächlich aus Gründen voraus:

Es ist ein Krieg im Gang. Wäre jemand Mitte Oktober auf die USA und die Taliban mit einem Plan zugegangen, „wie die Gewalt beendet“ werden könne, hätten beide Seiten das Angebot ignoriert. Kriege finden statt, weil die kämpfenden Seiten glauben, dass sie in dem Kampf mehr gewinnen können als ohne ihn; sie machen weiter, bis eine Seite glaubt, dass sie besser dran ist, wenn sie aufgibt. Bis eine Seite aufgibt, führen die Ansätze, sich auf halbem Weg entgegen zu kommen, zu nichts.

Zur Zeit glauben beide, Israelis wie Palästinenser, dass sie durch Gewalt mehr gewinnen können als durch Verhandlungen. Wie beklagenswert das auch ist, so sind die Tatsachen und sie zu ignorieren wird zu nichts führen.

Es ist, als ob man mit einer Mullbinde Krebs behandelt. Die auf dem Tisch liegenden Pläne – Mitchell, Tenet, Abdullah – sind oberflächliche Lösungen eines tiefer gehenden Problems. Diese Vorschläge nehmen alle an, dass das große grundlegende Problem des arabisch-israelischen Konflikts – die arabische Ablehnung der bloßen Existenz Israels – gelöst worden ist, was lediglich zweitrangige Dinge wie Grenzen, Jerusalem, Flüchtlinge, Wasser und Waffen übrig lässt. Wenn aber die arabische Ablehnung Israels in den Hoch-Zeiten des Oslo-Prozesses nicht selbstverständlich war, ist sie es doch seit dem September 200, als die Palästinenser die derzeitige Runde der Gewalt begannen. Die Frage heute, wie während der gesamten 54 Jahre, die Israels besteht, betrifft die Existenz eines souveränen jüdischen Staates im Nahen Osten. Die Palästinenser wollen diese politische Einheit zerstören, während die Israelis ihre Akzeptanz zu gewinnen suchen.

Es gibt keine Chance, dass die versammelten Präsidenten, Könige und Emire (oder die Untergebenen, durch die sie vertreten werden) sich diese Woche entscheiden werden, die arabische Feindseligkeit gegenüber Israels Existenz zu beenden. Und wenn das nicht in Frage kommt, dann ist kaum zu sehen, was sie entscheiden könnten, das zu mehr als einer geschichtlichen Fußnote werden könnte.

Der Plan Abdullahs ist eine Totgeburt. Die Israelis mögen einmal geglaubt haben, dass die Aufgabe wesentlicher Teile von Territorium im Austausch gegen von ihren Feinden unterschriebene Papiere Sinn macht. Das ist vorbei. Nachdem sie die minimale Brauchbarkeit der Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien gesehen haben (in beiden Fällen spornten sie antizionistische Gefühle an statt sie zu dämpfen) und den faktischen Schaden, der aus den Oslo-Abkommen entstand, dann ist es schwer zu glauben, dass die Israelis diesen Weg noch einmal einschlagen werden. Sie werden mit Sicherheit etwas tiefer gehendes und etwas mit mehr Bedeutung verlangen als ein Blatt Papier.

Das verlangt von seinen Nachbarn zwei Besonderheiten: einen Wechsel der Herzenseinstellung und einen Wechsel der Regierung. Das erste bedeutet die volle Akzeptanz der Existenz Israels, die sich durch die Bereitschaft zu zwischenmenschlichen Kontakten zeigt – Handel, Tourismus und all diese Dinge. Das zweite bezieht eine Umkehr zu politischer Beteiligung des Volkes ein, so dass ein Vertrag mehr bedeutet als die Laune eines Einzelnen.

* * * *

Man sagt, dass das Zeitalter der Propheten im Nahen Osten vor über einem Jahrtausend endete. Vielleicht stimmt das, aber es ist nicht nötig, göttliche Inspiration zu haben um vorauszusehen, dass der arabische Gipfel zum Gähnen ist.

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