„Mythen und Katastrophen“

Jordan Times, übermittelt von IMRA, 3. März 2002 (kommentiert)

von Hassan Abu Nimah
(früherer Botschafter und permanenter Repräsentant Jordaniens bei der UNO)

heplev: Aus meiner Sicht stellt dieser Artikel sehr schön dar, wie die „arabische Seite“ im Nahost-Konflikt Tatsachen verdreht und vor allem Israel das zu tun vorwirft, was die Araber selbst betreiben: Geschichtsverfälschung und Tatsachenverdrehung.

Auszüge aus dem Text

Übersetzter Originaltext Kommentare des Übersetzers und von IMRA
Ich war kürzlich in Washington um an einer Konferenz über regionale Sicherheit teilzunehmen.
… große Teile der Diskussion konzentrierten sich … auf Palästina und den Irak….ermutigende wie enttäuschende Wiederkehr eines alten und starken Mythos bezüglich der Unveränderbarkeit der Situation zwischen den Palästinensern und den Israelis.
Der Mythos ist die weitgehend geglaubte israelische Propaganda, dass der Ausbruch der Gewalt in den besetzten palästinensischen Gebieten ein direktes Ergebnis der Entscheidung Arafats war, das großzügige Angebot aus dem Juli 2000 durch Barak sei… Nach Aussagen führender Palästinenser ist das kein Mythos, sondern Tatsache; ein Basteln daran kann nur ein Ziel haben: Verdrehung der Wahrheit, damit man selbst besser da steht.
Nach dieser Propaganda ging Barak weiter als jeder israelische Premierminister der Geschichte und bot den Palästinensern einen eigenen Staat auf 97 Prozent der Westbank und dem Gazastreifen an. Nicht weniger dramatisch wird von Barak behauptet, er habe alle israelischen roten Linien überschritten, indem er anbot Jerusalem zu teilen und den Palästinensern eine eigene Hauptstadt in der Hälfte der Stadt zu geben. IMRA: nicht die Hälfte.
Während der letzten zweieinhalb Jahre wurden alle Elemente dieses Mythos überzeugend widerlegt da hätte ich gerne ein paar Zitate und Tatsachen; die können aber nicht geliefert werden, also lediglich die Behauptung, es sei so – damit die Allgemeingut wird.
nicht nur durch die Palästinenser, sondern ebenso durch unabhängige amerikanische und israelische Stellen. Die „unabhängigen“ Stellen sind: 1. ein bekannt antiisraelischer US-Diplomat, dem alle andere Beteiligten widersprechen; 2. bekannt und offen antiisraelische „Nahost-Experten“, die sich auf diesen Amerikaner und die Palästinenserführung stützen – unheimlich glaubwürdig also; und 3. jüdische Antisemiten wie Uri Avnery – Mann, toll
Barak bot keinen Friedensplan mit klaren Parametern und Karten an, sondern Ideen, die nur mündlich weiter gegeben wurden… IMRA: Und Arafat hat sie abgelehnt, ohne dass er ihre Verschriftlichung verlangte.

Israels Können mit Wortspielen während Verhandlungen ist gut bekannt.
heplev: Das ist die Anführung eines alten antijüdischen Vorurteils – wenn nicht sogar die Offenbarung einer durch und durch antisemitischen Haltung.
Israels Anerkennung eines Prinzips oder Friedensplans bedeutet oft in Wirklichkeit die komplette Ablehnung, wenn alle verlangten Abänderungen und Ausnahmen in die Rechnung aufgenommen werden. heplev: Wie „wahr“ das ist, beweisen ja die Friedensverträge Israels mit Ägypten und Jordanien – sie werden ohne Wenn und Aber von Israel eingeladen, was zumindest von Ägypten nicht gesagt werden kann.
Was die Westbank im internationalen Recht bedeutet und was sie für israelische Unterhändler bedeutet können zwei vollständig verschiedene Dinge sein. heplev: Wieder eine wilde Behauptung, für die absolut kein Beleg angeführt wird. Im Gegensatz dazu haben die Israelis die Rechtsposition deutlichst klar gelegt; eine Widerlegung dieser Position ist bisher nicht zu finden!

Israel ist gut darin, vage Ideen in die Welt zu setzen
heplev: Camp David hatte sehr konkrete Vorschläge, vage war da nichts.
die in ihrer Großzügigkeit und Edelmut zu wachsen scheinen, wenn sie abgelehnt werden, sich aber schnell als leere Versprechen jeglichen bedeutungsvollen Inhalts erweisen, wenn sie akzeptiert werden. IMRA: Warum wird dafür kein einziges Beispiel angeführt?
heplev: Im Gegenteil: die Verträge mit Ägypten und Jordanien werden ausdrücklich ignoriert!
… Jerusalem, von dem den Palästinensern vorgeworfen wird, dass sie es nicht von Barak als ihre Hauptstadt angenommen haben, war nicht mehr als das staubige Dorf Abu Dis, das nie Teil von Jerusalem war. Israel nahm einfach dieses Dorf her und benannte es mit der Hilfe einiger palästinensischer Beamter in Al Quds um. heplev: Das ist einmal mehr ein Beleg dafür, dass die Araber absolut keine Kompromisse zu machen bereit sind, Israel aber alles geben soll. Die „Umbenennung“ hat nie statt gefunden.
Der Name Al Quds (die Heilige) ist das arabische Synonym für Jerusalem und bezieht sich auf ganz Jerusalem in seinen historischen Grenzen. Es ist absolut unwahr, dass Al Quds nur der arabische Teil Jerusalems sein soll… heplev: Hat auch nie jemand behauptet. Lässt aber auch wieder außer Acht, dass „arabische“ Viertel Jerusalems zum Palästinenserstaat gehören sollten.
… Die Verträge von Oslo und die folgende Vereinbarung Abu Mazen-Beilin von 1995 IMRA: Die Mazen-Beilin-Vereinbarung hat keine Geltung, da nie offiziell geworden.
war Grundlage einer möglichen Lösung, nach der die Palästinenser Abu Dis als ihre Hauptstadt akzeptieren sollten statt des arabischen Jerusalem, IMRA: Warum dann die oben angeführte Klage darüber, dass Barak im Jahr 2000 Abu Dis als palästinensische Hauptstadt anbot?
akzeptierte die Anerkennung der Siedlungen Israels und stimmte still schweigend zu, dass die Frage der Flüchtlinge komplett zu Lasten der unveräußerlichen Rechte der Flüchtlinge geregelt würde. Das waren nur einige der Dutzende katastrophaler Zugeständnisse, die die Palästinenser machten, also war keine dieser Fragen ein Problem. heplev: Und warum wurde davon nie etwas umgesetzt? Warum wurden dann weitaus bessere „Bedingungen“ von Camp David abgelehnt? Warum werden gerade diese Fragen immer als die Stolpersteine bezeichnet, an denen der Frieden im Nahen Osten scheitern muss?
Das wirkliche Problem war, dass Barak nicht in der Lage war, sich einem endgültigen Verhandlungsergebnis mit den Palästinensern verpflichten könnte, als seine Chancen auf Wiederwahl gefährdet schienen. IMRA: Die nächsten turnusmäßigen Wahlen waren damals noch Jahre entfernt.
heplev: Schwachsinn. Barak war gerade mal ein Jahr im Amt. Die nächste Wahl war drei Jahre entfernt. Im Nachhinein Camp David zur Wahlkampf-Veranstaltung zu machen, für einen Wahlkampf, der erst Monate später überhaupt beschlossen werden konnte, von dem kein Mensch bis dahin etwas wusste, schon gar nicht Barak, ist nur eins: verlogene Geschichtsfälschung, die nicht einmal mehr etwas mit Wunschdenken zu tun hat.
Sein Ziel war es, den Prozess, in die Länge zu ziehen, aus den Palästinensern Zugeständnisse herauszuquetschen, um ihre Schwächen und Isolation auszunutzen, wie es Sharon jetzt tut. Was in Wahrheit den Handel brach, war Baraks Versuch die Palästinenserführung zu überzeugen, in Camp David ein Dokument zu unterzeichnen, das das Ende des palästinensisch-israelischen Konflikts erklärte, bevor sie auch nur die Bedingungen der Beendigung des Konflikts kannten. heplev: Die nächste eklatante Lüge – alles lag auf dem Tisch, alles war verhandelbar. Aber Arafat sagte einfach nein und tat nichts, das auch nur einen Schritt in Richtung Lösung angedeutet hätte. Der nächste Satz gehört auch dazu.
Das hätte bedeutet, dass die Palästinenser auf die juristische und internationale Grundlage ihrer Rechte und Ansprüche verzichtet hätten, mit exakt nichts als Gegenleistung. … Wer immer noch diesen Mythos füttert und nährt, kann nicht behaupten, er kenne die Wahrheit nicht. Sein Ziel ist eher, die Ursachen des andauernden Konflikts und der Gewalt zu vertuschen und so jede friedliche Lösung unmöglich zu machen. Dem wird die neumodische Behauptung hinzugefügt, dass durch einen undefinierten Prozess ein Krieg im Irak irgendwie ein besseres Klima zur Lösung des arabisch-israelischen Konflikts geschaffen wird. Die Vertreter dieser Idee gründen ihre Theorie auf den Präzedenzfall des Golfkriegs, der zum Beginn des so genannten Friedensprozesses auf der Konferenz von Madrid im Oktober 1991 führte. heplev: Und was ist dieser Präzedenzfall? Israel beugte sich internationalem Druck und bekam für dieses Wohlverhalten den Oslo-Prozess, der nachweisbar nur eins brachte: ein Sprungbrett für Arafats Krieg zur Vernichtung Israels, von diesem und weiteren Palästinenserführern klar und deutlich formuliert und immer wieder wiederholt. Aber der Westen will’s nicht hören und die Araber leugnen es.
… die USA verpflichteten sich damals dazu, sich dem arabisch-israelischen Konflikt zu widmen, nachdem sie mit dem Irak fertig waren; ihnen wurde die Anwendung von zweierlei Maß vorgeworfen – Gewalt zur Sicherstellung Irakischen Gehorsams bezüglich der UNO-Resolutionen und dem irakischen Rückzug aus Kuwait zu benutzen, während sie Israel erlauben weiterhin mehr zu tun, straflos und mit voller Unterstützung. heplev: Was für ein Quatsch: Israel wird Oslo aufgedrückt, Arafat vom Müllhaufen der Geschichte geholt und in Gaza inthronisiert! In den Folgejahren wird Israel ein Rückzug nach dem anderen abverlangt, ohne dass die Palästinenser auch nur ansatzweise ihren Verpflichtungen nachkamen. Und dieser Schreiber hat die Stirn zu behaupten, Israel hätte könne tun und lassen können, was es wolle!

Der Golfkrieg von 1991 schwächte die arabische Welt und brachte sie in direkte Verhandlungen, so wie es Israel immer gewollt hat.
IMRA: Wie schwächte der 1991-er Krieg die arabische Welt?
heplev: Nachdem Israel der Oslo-Prozess aufgezwungen wurde, ist diese Behauptung absoluter Schwachsinn!
Israel nahm das als Freibrief, die existierenden Dispute nicht zu lösen, sondern die Verhandlungen als Gelegenheit zu nutzen, die Expansion, Besatzung und Kolonisation mit anderen Mitteln fortzuführen. Diejenigen, die weiterhin den Mythos Camp David zu verbreiten, wollen selbst die Idee der Verhandlungen in Misskredit bringen, um den Weg zu bereiten für endlose israelische Aggression und amerikanisches Nichtstun. heplev: Was will der Autor denn nun? Eben hat er sich noch beschwert, dass Verhandlungen die arabische Welt schwächten. Jetzt will er Verhandlungen und beschwert sich, das diese in Misskredit gebracht würden! Er sollte sich entscheiden, was denn nun Sache ist!
… der Plan ist diesmal, die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen und vertiefen, statt sie zu vermeiden. Diesmal sieht der von Israel unterstützte US-Kriegsplan vor den Irak zu zerstören, Syrien und den Iran zu isolieren und zu schwächen und zu versuchen, jede Form von Widerstand gegen die israelische Besatzung auszuschalten. Das könnte Israel durch pure Verwüstung vorläufig Raum zum Atmen geben. Aber das wird nicht zum Frieden führen, auch wird es das palästinensische oder arabische Volk nicht dazu bringen seine Rechte zu aufzugeben. heplev: Das sehe ich auch so, allerdings genau umgekehrt wie der Autor: Es wird Israel nicht gut tun, was nach diesem Krieg im Nahen Osten angestrebt werden soll – es wird wieder in der Position sein, dass ihm etwas aufgedrückt wird, das seiner Sicherheit entgegen steht und die Terroristen stärkt.
So, wie Israels Versuch, den Libanon zu verwüsten, heplev: Wo gab’s denn da Verwüstung?
die Hisbollah aufkommen ließ, heplev: Die kam durch den Extremisten-Export des Iran auf!
die später Israel im Kampf besiegte, heplev: DAS ist ein Mythos: Israel zieht sich zurück, um guten Willen zu beweisen und weil es sich Ruhe an der Nordgrenze verspricht! Was ist eingetreten? Die Hisbollah macht weiter, ohne Rücksicht auf internationales Recht; der Libanon lässt sie machen, ohne Rücksicht auf internationales Recht; und Israel muss jetzt jeden Tag damit rechnen, dass sein Norden von den Hisbollah-Raketen verwüstet wird! So baut man sich die Geschichte um, damit sie ins eigene Konzept passt, ohne Rücksicht auf Tatsachen und Wahrheit!
wird auch der Versuch, der ganzen Region anzutun, was dem Libanon angetan wurde, enden, indem neue Arten des Widerstands entstehen. Es wird sicher stellen, dass ein Konflikt, der vor Jahren hätte beendet werden können, hätte Israel das großzügige Angebot angenommen, das seine Nachbarn machten, heplev: Welches Angebot? Wann haben die Araber „vor Jahren“ Israel etwas anderes angeboten, als die Vernichtung? Sadat wurde ermordet, weil der Israel Frieden anbot; Jordanien stand vor dem Kollaps, weil es einen Friedensvertrag hat!
über Generationen weiter geht und unvorstellbare Katastrophen über alle bringen wird, nicht zuletzt denen in Israel, die nun die Siege feiern, von denen sie glauben, sie kämen. IMRA: Es gibt keine Feiern.
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3 Gedanken zu “„Mythen und Katastrophen“

  1. Tatsachen verdrehen und das zu tun vorwerfen, was sie selbst betreiben, ist auch typisch für Nationalsozialisten und die restliche Linke generell. Zufall ist es nicht!

  2. Die große Kunst des Lügens ist die, dass der Lügner es perfekt versteht die Wahrheit so seitenverkehrt darzustellen, dass er diejenigen, welche keine Liebe zur Wahrheit haben, leicht auf seine Seite ziehen kann. Denn seitenverkehrt dargestellt ist alles was sich spiegelt zwar formgleich, aber nicht real.
    Die Israelis sind so an die Wahrheit gebunden, weil ihr Gott Wahrheit ist. Er liebt die Wahrheit, weil er selber die Wahrheit ist. Der falsche Prophet kann das nicht von sich behaupten. Er greift die Wahrheit mit seinen Lügen an. Was Lüge ist fällt als Schatten immer auf den Lügner zurück. Aus diesem Schattendasein nährt sich der Islam seit er besteht, weil sich die Wahrheit leider zu oft nicht deutlich genug vom Schatten abgrenzt. Deshalb waren ihnen die Nazis auch so zugetan und sind es bis heute. Beide leben in dem selben Wahn, sie müssten den Erben verfolgen, weil sie seinen Platz angeblich besser auszufüllen vermögen. Sie versuchen seid ewig den Erben zu töten und können es nicht.
    Der Erbe aber wird Gnade finden, sobald er das Licht der Welt erblickt und sich dazu stellt und sich niemand mehr dazwischenstellt. Seitenverkehrt hat sich der wahre Erbe ans Ende der Reihe gestellt und wird nun Erster. Die Letzten werden die Ersten sein. Das ist es, was seine Feinde so hassen.

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