Wenn ein neuer Krieg im Gazastreifen ausbricht, wird Israels Ziel nicht Abschreckung sein, sondern Sieg

Yaakov Lappin. BESA Center Perspectives Paper Nr. 570, 26. August 2017

Soldaten der Brigade Südliches Gaza-Territorium während eines Manövers an der Grenze zwischen Israel und dem Gazastreifen. Photo via Amit Schechter/IDF Sprecher-Einheit)

Kurzfassung: In den letzten drei Konflikten, die Israel gegen die Hamas ausgefochten hat, bestand sein Ziel in Abschreckung, aber dieses ist beiseitegelegt worden. Jeder bewaffnete Zusammenstoß der Zukunft mit Gazas islamistischen Herrschern wird von einem neuen israelischen Ziel geleitet werden: einem glasklaren Sieg über den Feind.

In Konfliktmodellen der Vergangenheit reagierte Israel auf Aggressionen der Hamas durch Gewaltanwendung auf eine Weise, die dazu gestaltet war die Hamas zu bestrafen und davon zu überzeugen in einen Ruhezustand zurückzukehren. Systematisch die militärischen Fähigkeiten der Hamas zu vernichten war kein Ziel der Israelis.

Während Israel heute hofft Krieg zu vermeiden, bereitet es sich auf die Möglichkeit eines neuen Konflikts vor. Im Gazastreifen könnte aus einer großen Bandbreite aus Gründen wieder Krieg ausbrechen.

Sollten wieder Feindseligkeiten aufgenommen werden, planen die israelischen Verteidigungskräfte (IDF) sicherzustellen, dass der Endzustand des Zusammenstoßes ein eindeutiger israelischer Sieg sein und niemand in der Lage sein wird ihn als Unentschieden oder Patt misszuverstehen.

Diese Herausforderung der Methode hat während der letzten drei Jahre gebrodelt, seit dem Ende der Operation Fels in der Brandung 2014. Diese Operation wurde von Israel gestartet, um sich gegen die groß angelegten Flugkörper-Angriffe und grenzübergreifende Tunnelbedrohung aus dem Gazastreifen zu verteidigen. Mit einer Dauer von zwei Monaten war es einer von Israels langgezogensten Konflikte.

Sollte die Hamas einen weiteren Konflikt mit Israel anfangen, sollte von Jerusalem nicht ewaret werden zum Abschreckungsmodell zurückzukehren. Es wird sich nicht mit dem Ziel der Rückkehr der Ruhe in der Region zufrieden geben, wie es das 2014, 2012 und 2009 tat.

Stattdessen würde Israel wahrscheinlich nicht anstreben den militärischen Arm der Hamas einschließlich ihres Untergrundlabyrinths an Tunneln unter Gaza Stadt zu vernichten, die gebaut wurden, um außerhalb des Sichtfelds Israels zu operieren.

Die Entscheidung der Hamas, viele ihrer Offensivfähigkeiten in Gazas zivilen Gebieten einzubetten, wird sie nicht gegen israelische Angriffe immun machen. Die ID würde jedoch alles utnernehmen, um Schaden für Nichtkombattanten zu minimieren.

Nach 2014 begann das Kommando Süd der ID vom Modell der „regelmäßigen Runden“ Abstand zu nehmen; man kam zu dem Schluss, dass Israel nicht länger alle zwei bis drei Jahre in größere bewaffnete Konflikte gezogen werden sollte.

Das Kommando Süd bestimmte drei Alternativen für Israel und den Gazastreifen. In der ersten würde Israel weiter kurz, zeitlich begrenzte Waffenruhen fortführen – eine Option, die als inakzeptabel erachtet wurde.

Im zweiten Szenario würde Israel den Gazastreifen erobern und das Hamas-Regime komplett stürzen. In einem solchen Szenario würde Israel entweder über den Strip und seine zwei Millionen palästinensischen Einwohner herrschen oder jemanden finden, der das übernimmt.

Es ist unwahrscheinlich, dass die palästinensische Autonomiebehörde (PA) den Gazastreifen nach einer israelischen „Übergabe“ übernehmen würde. Die PA würde nicht nur innenpolitische Legitimation verlieren, sondern auch ihre Fähigkeit den Gazastreifen ohne Hilfe der IDF zu behalten würde ernsthaft infrage stehen.

Als Ergebnis dieser Kalkulationen diagnostizierte der israelische Verteidigungsbetrieb als beste Option eine langfristige Waffenruhe, verstärkt von israelischer Abschreckung. Dass ist die aktuelle Lage zwischen den Kombattanten: eine langfristige Waffenruhe.

In der Zeit, die die Waffenruhe angedauert hat, hat sich die Idee sich zwei schlechten Optionen gegenüber zu sehen entwickelt: Gaza zu besetzen oder das Modell der „regelmäßigen Runden“ zu akzeptieren.

Eine Möglichkeit für den Fall eines neuen Konflikts besteht darin, dass die IDF den militärischen Arm der Hamas auszuschalten, aber ihren politischen Arm und die Polizeikräfte intakt zu lassen, womit ein durchführbarer Abgang aus dem Gazastreifen geschaffen würde, der nicht davon abhängig wäre, dass Jerusalem neue Herrscher für den Strip findet.

Heute, drei Jahre nach der Operation Fels in der Brandung, baut die Hamas weiter auf. Ihre interne Waffenindustrie produziert Raketen, Mörsergranaten und Tunnel. Tunnel unter Gaza Stadt sind dazu geschaffen die Hamas-Bataillone in die Lage zu versetzen kurze Angriffe mit schneller Flucht auf die IDF durchzuführen und Waffen und Logistik außerhalb der Sicht Israels zu bewegen.

Für die andere Art Tunnelbedrohung, das Netzwerk der grenzüberschreitenden Tunnel, läuft die Zeit ab. Israel baut eine unterirdische Mauer entlang der 65 Kilometer langen Grenze mit dem Gazastreifen und sie macht jeden Tag Fortschritte. Israel hat Milliarden Schekel in dieses Projekt investiert und ein System zum Entdecken von Tunneln ist ebenfalls einsatzbereit.

Die Hamas bleibt während der Waffenruhe nicht untätig. Sie sucht nach neuen Angriffstaktiken. Sei strebt nach der Fähigkeit Südisrael mit Kurzstrecken-Projektilen zu fluten, die einen Sprengkopf mit bis einer halben Tonne tragen können, die eine größere Bedrohung darstellen würden als jedes bebaute Gebiet nahe des Streifens.

Die Hamas kann auch versuchen Zentralisrael mit Mittelstreckenraketen zu lähmen, selbst wenn diese vom Verteidigungssystem Eiserne Kuppel abgefangen würden. Luftschutzsirenen sind für Israel enorm störend, selbst ohne beträchtlichen Schaden durch Beschuss.

Die Hamas arbeitet weiter an ihren Marine-Eliteeinheiten, die geschaffen wurden, um über die Küste nach Israel einzudringen. Sie setzt außerdem ihre Drohnenprojekt fort, mit dem sie hofft Sprengstoff gelenkt auf Ziele zu steuern.

Israel ist sich dieser Fähigkeiten durchaus bewusst. Die Hamas bleibt eine ernsthafte Herausforderung für den Kampf dar und hat ihre Fähigkeit bewiesen sich an Israels Fortschritte anzupassen.

Doch die  Hamas steht auch unter intensiver, unaufhörlicher israelischer Beobachtung durch den Geheimdienst. Sie ist sich vermutlich bewusst, dass jede neue Kampfhandlung modernisierte israelische Kampffähigkeiten involvieren würde, die für den Schauplatz Gazastreifen besser geeignet sind.

Israel hat die Waffenruhe genutzt, um seine Streitkräfte aufzubauen und das Schlachtfeld im Gazastreifen zu studieren. Es baut eine wachsende Flotte Schützenpanzerwagen und Panzer auf, die sich mit aktiven Schutzsystemen verteidigen können. Im Gazastreifen, wo praktisch jeder Hamas-Kämpfer mit einer panzerbrechenden Panzerfaust ausgerüstet ist, sorgt diese Art von Schutz für eine Kräfteverschiebung.

Israels Fähigkeit die Untergrundeinrichtungen der Hamas anzugreifen ist in den letzten Jahren ebenfalls beträchtlich verbessert worden. Die Hamas wird keine Verstecke mehr haben, wenn der Krieg wieder aufgenommen wird. Wahrscheinlich ist sich die Hamas bewusst, dass sie für die IDF und die israelische Heimatfront zwar ernste Herausforderungen darstellen kann, Israel aber das Endspiel geändert hat.

Einstweilen hat die Kosten-Nutzen-Analyse die Hamas zu dem Schluss geführt, dass eine lange andauernde Waffenruhe für sie von Vorteil ist.

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