Mit den dummen Einbildungen aufhören

Nissan Ratzlav-Katz, Israel National News, 19. Mai 2002 (per E-Mail)

Stellt euch vor, liebe europäischen Leser, lieber eleganter Linker, lieber antiisraelischer Intellektueller: Stellt euch vor, dass Israel der Schaffung eines arabischen Staates westlich des Jordans zustimmen würde.

Am Tag nach der Unterzeichnung des „historischen Übereinkommens“, das einen arabischen Staat in dem Tel Aviv überblickenden Hügelland schafft, nur einen Steinwurf von Israels großen Bevölkerungszentren entfernt, wird jemand – vielleicht US-Außenminister Colin Powell – eine bewegende Rede halten. Um die phänomenale Vereinbarung zwischen Israel und den neu gegründeten „Palästina“ nicht zu gefährden, wird der diplomatische Redner versuchen, Hamas und die Fatah-Terroristen mit legal bewaffneten jüdischen Zivilisten gleich zu setzen. „Es gab beiderseits eine hochgradig aufgeputschte Bevölkerung“, würde er vielleicht sagen, „es gab Extremisten auf beiden Seiten, die bereit waren, Vorfälle zu schaffen und zu provozieren; es gab eine große Menge an Waffen, bei Weitem nicht nur in den regulären Streitkräften.“ Eine solche Situation, wird er betonen, verlangt außergewöhnlichen politischen Willen auf beiden Seiten und einiges an Wirken mit Zuckerbrot und Peitsche durch die Amerikaner. Der „Frieden der Mutigen“ ist erreicht worden, wird er erklären.

Der Politiker wird den neuen arabischen Staat mit warmen Worten willkommen heißen und beide Seiten für ihren Mut loben. Er wird seine Zuhörerschaft zu Tränen rühren, die Namen von arabischen und jüdischen Opfern dessen erwähnen, was er „die Gewaltspirale“ nennen wird. Er wird biblische Bilder der Endzeit beschwören. Er wird – natürlich – aus der Bibel und dem Koran zitieren.

Stellen Sie sich vor, da es ein amerikanischer Diplomat ist, dass dieser Sprecher das jüdische Volk direkt ansprechen – sozusagen: „dass er ihren Schmerz fühlen“ – und sagen wird, dass das Volk der USA sich voll und ganz mit den israelischen Opfern des Terrorismus identifiziert, erst recht seit dem 11. September 2001. „Wir müssen Sympathie für eine kleine und tapfere Nation in der Stunde ihrer nationalen Trauer und Verlustes empfinden…“, wird er sagen. „Wegen ihrer Zurückhaltung, ihrer Würde, ihrer großartigen Disziplin angesichts einer solchen Herausforderung, wie sie wenige Nationen jemals zu bestehen hatten…“ In seiner Rede wird der Amerikaner versuchen, die Israelis zu versichern, dass sei nicht alleine sind. „Es ist meine Hoffnung und mein Glaube, dass unter dem neuen System der Garantien“, so mag er ernsthaft betonen, Israel „mehr Sicherheit erhalten wird als es je in der Vergangenheit der Fall war.“

Natürlich wäre es undiplomatisch, die arabische Seite nicht auch zu loben. Der Sprecher wird die „Reformen“ anschneiden, die vom PLO-Führer gemacht wurden und seine Zuhörer aufrufen „die Schwierigkeiten zu anzuerkennen, die ein Mann in dieser Position durchmachen muss, solch entschiedene Erklärungen zurückzunehmen, die er bereits unter dem enthusiastischen Jubel seiner Anhänger abgegeben hatte…“ – Bilder von Arafat könnten einem da vor Augen stehen, wie er vor Massen von Arabern steht und ruft „eine Million Märtyrer werden auf Jerusalem marschieren!“ Der Sprecher wird den Verhandlungsprozess selbst zu einem Maß der Flexibilität der PLO machen und sagen, „dass mit der Bereitschaft, wenn auch erst im letzten Moment“, – wie es ihre Art ist, werden die Diplomaten alle in sich hinein lachen – „…diese Dinge von ihm bereits festgelegten und bereits ein für alle Mal entschiedenen Sachlagen zu diskutieren, war ein wirklicher und reeller Beitrag seinerseits.“

Können Sie sich das vorstellen? Sie brauchen es sich nicht vorzustellen, denn wir haben das bereits erlebt.

All diese eben gemachten Zitate stammen aus einer Rede, die der britische Premierminister Neville Chamberlain am 3. Oktober 1938 hielt, in der er das Münchener Abkommen verteidigte, das das zur Tschechoslowakei gehörende Sudetenland an Adolf Hitler übergab. Das Abkommen folgte, nachdem eine von den Nazis unterstützte sudetendeutsche Befreiungsbewegung namens Sudeten-Freikorps zu einer Reihe von gewalttätigen Aufständen anstiftete – die die Tschechen sich durch Gewalt zu unterdrücken gezwungen sahen – und eine Nazi-Propagandakampagne den „tschechischen Terror“ und die Unterdrückung der Sudetendeutschen beschrieb. Kommentare bestimmter französischer Politiker bezüglich der Israelis 60 Jahre später im Voraus widerspiegelnd hatten die Nazis die damalige Weltgemeinschaft überzeugt, dass „dieses unbedeutende Stückchen Europa die menschliche Rasse beunruhigt“.

Genau wie die Naziführer Europas vor dem Zweiten Weltkrieg hat die PLO-Führung eine verängstigte Welt dazu gebracht zu glauben, dass ihre territorialen Forderungen begrenzt und vernünftig sind. Wie aber Hitler die ganze Tschechoslowakei durch diplomatische Amputation des Sudetenlandes erobern wollte, will die PLO einen eigenen Staat nur als Mittel benutzen, die Beseitigung des jüdischen Staates voran zu treiben. Sie brauchen nicht mir zu glauben. Am 1. Januar 2002 erklärte ein Manifest der Fatah-Miliz und Terrororganisation, der PLO-Führer Arafat vorsteht, ganz offen: „Ein legitimes palästinensisches Staatswesens bildet die wichtigste Waffe, die die Araber gegen Israel haben…“ Die Fatah-Veröffentlichung geschah zum 38. Jahrestag der Gründung der Organisation und hob treffend heraus, dass sie in den späten 50-er Jahren gegründet wurde und ihren ersten Terroranschlag auf Israel 1965 ausführte – mehrere Jahre, bevor Israel Judäa, Samaria (die „Westbank“) und Gaza eroberte.

Chamberlain schloss seine Ausführungen vor dem britischen Parlament, indem er sagte: „Der Weg, der zur Beruhigung führt, ist lang und starrt vor Hindernissen. Die Frage der Tschechoslowakei ist die letzte davon und vielleicht das gefährlichste. Nun, da wir es hinter uns gebracht haben, habe ich das Gefühl, dass wir es ermöglicht haben, weiteren Fortschritt auf dem Weg zur Vernunft gemacht zu haben.“

Als das Jahr 1946 begann, war dieser Weg mit den Leichen von Millionen Menschen gepflastert .

Liebe Intellektuelle, elegante Linke und europäische Regierende, legen Sie ihre dummen Einbildungen beiseite, bevor es zu spät ist.