Verbeugt euch nicht vor der „Beeb“

Der Kollaps der Glaubwürdigkeit der BBC geht nicht nur die Briten etwas an

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 12. Februar 2004

Ein britischer Akzent hat etwas, das die Amerikaner weiche Knie bekommen lässt.

Nennen Sie es „Meisterwerk-Theatersyndrom“, ein Gebrechen, das tief in unserem intellektuellen und kulturellen Leben liegt. Es verursacht, dass viele von uns jeden anzuhimmeln, der ein „Sir“ vor dem Namen hat und ihn als jemanden anzusehen, der als aus Shakespeares „Zeremonien-Insel“ offenkundig jedem hier geborenen überlegen ist.

Diese dümmliche Anglophilie ist in den Künsten ein Problem und hat genauso Auswirkungen auf den Journalismus. Insbesondere der Ruf der British Broadcasting Corporation beruht mehr auf diesem Pseudo-Snobismus als den tatsächlichen Referenzen des mächtigen internationalen Fernseh- und Radio-Netzwerks.

Wie alle Mythen gründet sich die aufgeblähte Reputation der „Beeb“, wie die BBC manchmal in Großbritannien genannt wird, auf ein Stück Wahrheit. In Großbritannien wurde der regierungseigene Sender einmal als unparteiische Quelle angesehen, die sich von der überaus einseitigen englischen Presse abhob. Der Respekt und die Zuneigung, mit der das Netzwerk in der ganzen Welt betrachtet wird, gründen sich auch auf seine historische Rolle im Zweiten Weltkrieg als das Organ der freien Welt für das besetzte Europa.

Eine Lüge senden

Das ist aber lange her. Die BBC ist nicht länger die einzige Nachrichtenquelle der Welt. Und der einst unparteiische Ton ihrer Radio- und Fernseh-Nachrichten ist genauso tot wie Winston Churchill.

Alle Zweifel über diese Wendung wurden Anfang des Monats ausgelöscht, als eine Kommission, mit dem Auftrag eine kontroverse BBC-Nachricht zu untersuchen, entschied, dass das Netzwerk Informationen ausgab, von denen es wusste, dass sie falsch waren.

Die Erkenntnisse der Hutton-Kommission enthüllten, dass BBC-Reporter Andrew Gilligan wissentlich die Lüge sendete, die britische Regierung habe Informationen gefälscht, was dann an anderer Stelle ausführlich aufgewärmt wurde. Der Hauptpunkt zur Story ist, dass Gilligans Lügen von seiner eigenen Gegnerschaft zu Premierminister Tony Blair und dem Krieg im Irak inspiriert waren. Noch wichtiger war die Tatsache, dass die Führung der BBC nicht bereit war die Unzulänglichkeiten des Netzwerks zu untersuchen, bis sie durch öffentlichen Druck dazu gezwungen wurde.

Aber das ist längst nicht das einzige Beispiel für Befangenheit der Beeb. In ihrer Berichterstattung über Israel hat das Netzwerk bewiesen, dass einseitige Berichterstattung wie die von Gilligan eher die Regel als die Ausnahme ist. So, wie es keine redaktionelle Kontrolle oder Entschuldigung der BBC zu ihrer Verleumdung von Blair gab, gab es auch keine, als eine BBC-Dokumentation den israelischen Premierminister Ariel Sharon fälschlicherweise des Begehens von Kriegsverbrechen beschuldigte. Sie ruderte auch nicht zurück, als eine weitere BBC-Produktion fälschlich sagte Israel benutze Giftgas gegen die Palästinenser.

Diejenigen, die daran gewöhnt sind, sich über die Behandlung Israels durch die amerikanischen Medien zu beschweren, müssen verstehen, dass im Vergleich zur BBC selbst die krassesten hiesigen Täter kleine Fische sind.

Diese Einseitigkeit ist in allen Einzelheiten durch Quellen wie die „Beeb Watch“ des britischen Daily Telegraph (www.dailytelegraph.co.uk) und durch Medienbeobachtungs-Organisationen wie CAMERA (www.Camera.org) und HonestReporting.com dokumentiert worden. Ihre Erkenntnisse zeigen, dass BBC-Nachrichtensendungen im Ton wie in der Substanz routinemäßig Geschichten herunter spielen, die Terrorangriffe gegen Israelis zeigen und sich statt dessen auf eine inflationierte Berichterstattung über die leidenden Palästinenser konzentrieren. Bei der BBC stehen Israels Legitimität und sein Existenzrecht immer zur Debatte (obwohl seine Verteidiger selten an dieser Debatte teilnehmen können), während das Recht der Palästinenser, ihren Terrorkrieg zu führen, selten in Frage gestellt wird.

Aber der Zusammenbruch der Fassade der Integrität der BBC betrifft nicht nur die Briten. Die BBC in inzwischen in den Vereinigten Staaten über Satelliten-Fernsehnetzwerke und die Nutzung des World Service der BBC über mit dem National Public Radio (NPR) verbundenen Radiosender verfügbar.

Hier in Philadelphia z.B. wird NPR über den öffentlich geförderten Sender WHYY-91 FM gehört; das ist ein reiner Nachrichtensender, der – wie alle an NPR angeschlossenen – von der Regierung subventioniert wird und individuelle Spenden von Hörern erhält. WHYY hat kürzlich den Anteil der BBC ausgedehnt, von den Stunden nach Mitternacht auch auf die Frühsendung um 5 Uhr, sowie die Berufsverkehrs-Nische um 9 Uhr.

NPR ist selbst wegen seiner frisierten Nahost-Berichterstattung ins Feuer geraten, aber die Hinzufügung von BBC-Sendungen und die darin zu findende Geringschätzung Israels, die oft an Antisemitismus grenzt – sie treiben die Besorgnis bezüglich der NPR-Sender in neue Höhen.

Schlechter Rat

Wie sollten wir auf dieses Problem reagieren? Wie sich zeigt, haben unsere englischen Cousins uns ein gutes Beispiel dafür gegeben, was nicht funktioniert. Englands Oberrabbiner Jonathan Sacks wurde vor Kurzem angegriffen, weil er die BBC gegen Vorwürfe der einseitigen Berichterstattung gegen Israel verteidigte, obwohl er selbst schon einmal eine Delegation von Rabbinern anführte, die sich dort gegen diese Berichterstattung beschwerte. Sacks erklärte in einer Kolumne in der Jerusalem Post, was gebraucht werde sei nicht lauter Protest, sondern ruhige Stimmen, die die Medien diplomatisch bilden könnten.

Sacks hat Recht damit, dass die pro-Israel-Vertreter nicht voreilig loslegen sollten. Aber wenn er uns warnt, dass wütende Juden, denen die Verdrehungen zu viel werden, nicht wissen, wie sie den Lords der BBC gegenüber das Englisch der Queen sprechen sollen, dann offenbart sich, dass er den Protest abwürgt, statt ihn in die richtige Richtung zu lenken.

Statt einer kraftvollen Antwort riecht sein Artikel nach einem älteren, diskreditierten jüdischen Muster. Die Zeit ist lange vorbei, in der wir uns auf jüdische Prominente – wie Rabbi Sacks – verlassen sollten, die persönlich Fairness einfordern, wenn wir uns Vorurteilen gegenüber sehen.

Amerikanische Hörer – und Spender – des öffentlichen Radios sollten diese Sender wissen lassen, was genau sie wegen ihres zunehmenden Gebrauchs der BBC fühlen. Wir müssen uns von unserem „Meisterwerktheater-Syndrom“ befreien, das geholfen hat, diese vermeintlich hoch moralischen Sendern geholfen haben, die Fälschungen der BBC in unsere Gemeinden einzuschleusen.

Unsere Stirnfalten in Richtung ihres arroganten Akzents zu ziehen, wird nicht funktionieren. Wir müssen der BBC und ihren amerikanischen Mittelsmännern sagen, dass wir ihre antiisraelischen Verfälschungen nicht wieder – über Steuerdollars oder Einzelspenden – subventionieren wollen.

Werbeanzeigen