Parteiisches Redigieren bei der Herald Tribune

Original: Partisan Editing at Herald Tribune
übermittelt durch HR-Newsletter vom 27.01.2004

HonestReporting sagt seit Langem, dass die falsche Darstellung des Nahost-Konflikts in den Medien eine der wichtigsten Quellen weltweiter antiisraelischer und antijüdischer Einstellungen ist. Der neueste beunruhigende Hinweis: Die Umfrage einer italienischen Zeitung stellte fest, dass ein Drittel der Europäer das Gefühl haben, die Juden sollten „aufhören ‚Holocaustopfer-Spielchen‘ zu treiben“ und fast die Hälfte der Europäer glauben, „Juden sind anders“ und haben „eine besondere Beziehung zum Geld“. In allen europäischen Ländern korrelierten antisemitische Gefühle positiv mit antiisraelischen Gefühlen.

Während die derzeit statt findende Verunglimpfung Israels in den europäischen Medien Teil des Problems ist, hat das journalistische Urgestein Evelyn Gordon eine andere beunruhigende Entwicklung festgestellt: Die gezielte Veränderung ehedem ausgewogener Artikel einer prominenten europäischen Zeitung – der „International Herald Tribune“. In einem Artikel der heutigen „Jerusalem Post“, der unten wieder gegeben ist, stellt Gordon fest, dass die „Herald Tribune“ mindestens zwei Artikel der „New York Times“ über den israelisch-arabischen Konflikt abänderte, um Israel für die zumeist europäischen Leser der „Herald Tribune“ schlechter aussehen zu lassen. (Wir haben Links zu den ursprünglichen Artikeln der NY Times und der Herald Tribune eingefügt, damit Gordons Äußerungen überprüft werden können.)

Redigiert von … „The Herald Tribune“

Evelyn Gordon, Honestly Concerned, 27. Januar 2004

Jeder, der von der riesigen Unterschieden zwischen europäischen und amerikanischen Ansichten zu Israel verwirrt ist, sollte etwas Zeit mit dem Vergleich zweier Zeitungen verbringen: Der „New York Times“ und der in Paris sitzenden „International Herald Tribune“ [IHT].

Das mag als seltsame Äußerung erscheinen, da die IHT sich im Besitz der Times befindet und die meisten ihrer Artikel Abdrucke der Times sind – das dürfte der Leser zumindest annehmen, da sie der Times zugeschrieben werden und unter Angabe der Reporter der Times erscheinen.

Es stellt sich aber heraus, dass die IHT-Redakteure oft die Times-Artikel ein wenig „verbessern“. Die Justierungen sind gemessen an verändertem Text gering, reichen aber aus, um dem Leser ein völlig anderes Verständnis der Ereignisse zu vermitteln.

Ich entdeckte das erst im letzten Monat, weil ich vorher nie auf den Gedanken kam, einen IHT-Artikel mit dem Original in der Times zu vergleichen. Die Entdeckung kam durch einen Text in der IHT-Ausgabe vom 27./28. Dezember, der den Titel „Palästinenser behaupten: Israelische Taktiken sorgen für zukünftige Anschläge“, der der Times zugeordnet war. Die hauptsächliche Zielrichtung des Artikels war, dass das israelische Militär glaube, seine zweiteilige Antiterror-Kampagne – Bau eines Trennungszauns und regelmäßige Vorstöße zur Verhaftung von Terroristen und der Vernichtung von Einrichtungen zur Bombenherstellung – habe die Zahl der erfolgreichen Anschläge bedeutend verringert.

Aber der Artikel behauptet auch, dass der Anschlag an der Geha-Kreuzung im Gazastreifen am 25. Dezember habe eine drei Monate dauernde Zeitspanne beendet, die „eine Art inoffizieller Waffenstillstand zu sein schien. In dieser Zeit führten die radikalen palästinensischen Gruppen keinen einzigen Selbstmordanschlag aus.“

Das erschien mir unerhört, denn ein Waffenstillstand impliziert, dass kein Versuch eines Anschlags unternommen wurde – während es nach Statistiken der IDF nicht weniger als 22 versuchte Selbstmord-Anschläge in diesem Zeitraum gab, die alle von den israelischen Sicherheitskräften verhindert wurden. Als ich aber in Vorbereitung eines verärgerten Leserbriefs an die Zeitung den Artikel auf der Internetseite der Times überprüfte, entdeckte ich Folgendes:

  • Die Times bezeichnete diesen Zeitraum nie als Waffenstillstand.
  • Die Times erwähnt ausdrücklich, dass „eine Vielzahl von Terroranschlägen“ in diesem Zeitraum versucht und von Israel vereitelt worden waren; der gesamte Absatz wurden aus dem Text in der IHT gestrichen.
  • Die Times sagte nicht, dass die Palästinenser „keine Selbstmordanschläge verübte“, durch den die IHT den falschen Eindruck erweckte, es seien keine versucht worden; dort hieß es nur, richtigerweise, dass keine Anschläge statt fanden.

Darüber hinaus hatte der Artikel der Times eine völlig andere – und weitaus genauere – Schlagzeile:

„Bombe nach Ruhepause: Israel glaubt weiter, dass das Schlimmste vorbei ist“

Das Ergebnis ist, dass der durchschnittliche Leser der Times den folgenden Eindruck gewann: Israels Militäraktivitäten sorgten für drei Monate, in denen keine Israelis umgebracht wurden, trotz „einer Vielzahl von versuchten Terroranschlägen“. Dieses Handeln rettet daher israelisches Leben und ist deshalb möglicherweise rechtfertigbar.

Der IHT-Leser erhält aber den gegenteiligen Eindruck: Weder der Zaun noch die Vorstöße werden gerechtfertigt, denn es gab einen „inoffiziellen Waffenstillstand“ und die Palästinenser führten keinerlei Anschläge durch. Mehr noch: Da in diesem Zeitraum keine Anschläge versucht wurden, rettete Israels Handeln nicht einem einzigem Juden das Leben.

Kurz gesagt: Statt die Bomben-Anschläge zu verhindern, „sorgt Israel für zukünftige Anschläge“ durch grundlose Verfolgung der Palästinenser, wie die Schlagzeile behauptet.

Die IHT veröffentlichte später einen von mir geschriebenen Brief zu diesem Thema, allerdings einmal mehr mit entscheidenden Verdrehungen. Ein Satz war völlig gestrichen: „Die Richtung des Artikels, der in der New York Times erschien, erwähnte ‚eine Vielzahl‘ versuchter Anschläge, die in diesem Zeitraum vereitelt wurden und nannte sie keinen ‚Waffenstillstand‘.“

Ein weiterer Satz – „nach statistischen Angaben der israelischen Armee versuchten die Palästinenser in dieser Zeit 22 Selbstmord-Anschläge zu verüben“ – wurde ersetzt durch: „Nach einer Zählart versuchten die Palästinenser in dieser Zeit mehr als 20 Selbstmord-Anschläge zu verüben.“

Auf diese Weise streicht die IHT beide Quellen, die ich für meine Angabe zitierte – die Times und die IDF – dass Anschläge versucht wurden und ersetzte sie mit „nach einer Zählart“ ohne Quellenangabe. Das lässt den Leser mit dem Eindruck zurück, dass ich keine Quelle habe – ich könne nicht einmal sagen, wessen Zählart – und meine Angaben daher nicht glaubwürdig seien.

Seit diesem Vorgang habe ich entdeckt, dass die IHT oft die Artikel der Times subtil ändert, um ihre Leser dazu zu bringen, Israel noch weniger zu mögen.

Am 2. Januar brachte die Times z.B. einen Artikel, in dem erklärt wurde, dass die Nixon-Administration 1973 darüber nachdachte, in drei arabische Länder einzumarschieren „wenn das von den arabischen Nationen als Vergeltungsschlag für Amerikas Unterstützung Israels im Nahostkrieg von 1973 verhängte [Öl-] Embargo nicht enden würde“. Die IHT änderte das dahin gehend ab, dass Nixon eine Invasion plante, „wenn die Spannungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn nach dem Nahostkrieg vom Oktober 1973 weiterhin eskalieren oder das Ölembargo nicht nachlassen sollten“.

Darüber hinaus strich die IHT die – in der Times zweimal wiederholte – Aussage, dass das Embargo der Unterstützung Israels durch die Amerikaner im Krieg folgte und ersetzte sie mit der Erklärung, dass es durchgeführt wurde, „um zu versuchen auf die USA und andere westliche Staaten Druck auszuüben, Israel zum Rückzug von arabischem Land zu zwingen“.

Daher schließt der Leser der Times, dass Nixon über die arabische Reaktion – das Embargo – verärgert war, das wiederum Vergeltung für amerikanisches Handeln war – die Unterstützung eines Verbündeten im Krieg. Israel war eindeutig involviert, aber es war in erster Linie eine arabisch-amerikanische Auseinsandersetzung.

Der IHT-Leser schließt im Gegensatz dazu, dass Nixons Hauptsorge nicht das arabische Handeln war, sondern die „Spannungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn“; das Embargo ist zweitrangig. Mehr noch: Das Embargo zielte nicht gegen amerikanische Politik, sondern eine mysteriöse israelische Besetzung arabischen Landes, dessen Hintergrund – die Tatsache, dass es in einem Verteidigungskrieg gewonnen wurde – nie erklärt wird. Kurz gesagt: An der ganzen Krise war Israel Schuld.

Nur sehr wenige Menschen wissen mehr über Israel als das, was sie aus den Medien erfahren. Daher ist es nicht überraschend, dass Leser, die in den Genuss solch subtiler Verdrehungen kommen, Israel als den Übeltäter betrachten.

Unglücklicherweise ist das Verhalten der IHT in Europa eher die Norm als die Ausnahme.

2 Gedanken zu “Parteiisches Redigieren bei der Herald Tribune

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.