Erziehung mit Mord in Holland

Daniel Pipes, The New York Sun, 16. November 2004

Erziehung durch Mord“ beschreibt die langsame und schmerzliche Art und Weise, in der Menschen gegenüber dem Problem des radikalen Islam wach werden. Es waren 3.000 Tote nötig, damit die Amerikaner aufwachten, zumindest ihre konservative Hälfte. Ähnlich mussten Hunderte bei der Explosion in Bali sterben, um die Australier halbwegs zu wecken, für die Spanier war der Anschlag in Madrid notwendig und für die Russen die Gräueltat von Beslan. Zwölf im Irak geköpfte Arbeiter weckten die Nepalesen.

Es war aber nur ein Toter nötig, um viele Holländer zu wecken. Ein grauenvoller Mord könnte tatsächlich mehr getan haben, um die Niederlande aufzurütteln als der 11.9.2001 für die Amerikaner.

Der Grund dafür liegt in der Identität des Opfers und der Natur des Verbrechens. Es war Theo van Gogh, 47, ein bekannter, radikal liberaler Freidenker, Filmemacher, Fernseh-Produzent, Talkmaster, Zeitungskolumnist und rundum-Unruhestifter, der sich des Unterschieds erfreute ein Verwandter von Hollands berühmtesten Künstler, Vincent van Gogh, zu sein. In den letzten Jahren sammelte Theo Aufmerksamkeit durch Kritik am Islam in seinem Buch von 2003 (Allah weiß es am Besten) und einem Film von 2004 (Unterwerfung).

Er wurde am 2. November um 8.40 Uhr in seiner Heimatstadt Amsterdam ermordet, als er auf einer belebten Straße zur Arbeit radelte. Während wiederholt auf ihn geschossen wurde, flehte van Gogh seinen Killer an: „Tu es nicht. Tu es nicht. Gnade. Gnade!“ Dann stach der Killer ihm mit einem Messer in die Brust und schlitzte ihm mit einem anderen die Kehle auf, wobei er van Gogh fast enthauptete.

Der Mordverdächtige, Mohammed Bouyeri, 26, ein in Holland geborener marokkanischer Niederländer, hinterließ eine fünfseitige Note in arabischer und holländischer Sprache, das er van Gogh an den Körper heftete. Darin drohte er Jihad gegen den Westen allgemein an („Ich weiß sicher, dass du, o Europa, vernichtet werden wirst“), insbesondere aber gegen fünf prominente Holländer.

Die Ermittler der Polizei erkannten schnell, dass der Mörder ein Islamist war, den sie gut kennen und den sich bis zwei Wochen vor der Tat überwachten; sie hatten ihn sogar ins „Hofstadsgroep“-Netzwerk eingegeben und warfen ihm und sechs seiner Freunde „Verschwörung mit terroristischen Motiven“ vor. Die Behörden sagten außerdem, dass sie möglicherweise Verbindungen zu den Terrorgruppen Takfir wa’l-Hijra und Al-Qaida hatten.

Dass ein nicht muslimischer Kritiker des Islam rituell ermordet wurde, weil er seine Ansichten künstlerisch ausdrückte, war beispiellos, nicht nur in Holland, sondern überall im Westen. Die holländische Abscheu angesichts der Tat erschütterte die tiefe Selbstgefälligkeit der vielleicht tolerantesten Gesellschaft der Welt. Einwanderungsministerin Rita Verdonk, eine der fünf bedrohten Personen, verwünschte öffentlich, dass das Land lange die Präsenz des radikalen Islam ignoriert hat. „Zu lange haben wir gesagt wir hätten eine multikulturelle Gesellschaft und alle könnten einfach miteinander auskommen. Wir waren zu naiv zu glauben, die Leute würden in unserer Gesellschaft miteinander leben.“

Jozias van Aartsen, parlamentarischer Leiter der VVD-Partei, ging weiter und warnte, dass der „Jihad in die Niederlande gekommen ist und eine kleine Gruppe jihadistischer Terroristen die Prinzipien unseres Landes angreifen. Diese Leute wollen unsere Gesellschaft nicht verändern, sondern sie wollen sie zerstören.“

Einen Tag nach dem Mord versammelten sich 20.000 Demonstranten, um die Tötung zu verurteilen; dreißig wurden verhaftet, weil sie Hass gegen Muslime schürten. Innenminister Johan Remkes verkündete, dass er Unruhen nicht ausschließen könne. „Das Klima hat sich ernstlich verschärft.“ Er wurde bestätigt, als in den nächsten beiden Wochen mehr als zwanzig Brand- und Bombenanschläge und Gegenangriffe auf Moscheen, Kirchen und andere Einrichtungen stattfanden, dazu einige größere Polizeiaktionen, was dem Land das Gefühl eines Bürgerkriegs auf niedrigem Niveau vermittelte.

Die holländische Haltung gegenüber den Muslimen verhärtete sich sofort und stark. Eine Umfrage stellte fest, dass 40 Prozent er Bevölkerung sich wünschen, dass die fast eine Million starke Gemeinde der Muslime sich in den Niederlanden nicht länger Zuhause fühlen. Die doppelte Zahl befürwortete eine strengere Politik den Einwanderern gegenüber.

Die führende Zeitung „De Telegraaf“ veröffentlichte einen Kommentar, der vor dem Mord an van Gogh unvorstellbar war: er forderte „ein sehr öffentliches, hartes Vorgehen gegen extremistische Muslim-Fanatiker“. Selbst linke Politiker kamen zu der Einsicht, dass es nötig ist „harte Wahrheiten“ zur Einwanderung auszusprechen und konzentrierten sich auf die unverhältnismäßig hohe Kriminalität der Muslimen.

Islamistischer Terror im Westen ist kontraproduktiv, weil er die schlafenden Massen aufweckt; kurz gesagt: der Jihad provoziert Kreuzzüge. Ein raffinierterer islamistischer Feind würde sein totalitäres Programm durch mafiaartige Einschüchterung voran treiben, nicht durch dreiste Morde.

Aber wenn die Islamisten mit offenem Terror weiter machen, wird sich die harte holländische Reaktion überall wiederholen.