Treffen von Eurabia-Forschern in Den Haag

Paul Belien, Brussels Journal, 20. Februar 2006

Gestern hatte ich das unerwartete Vergnügen einen sehr besonderen Menschen zu treffen. Wenn man die kleine, anspruchslose und lebhafte, grauhaarige Dame nicht kennt, neben der zu sitzen ich das Privileg hatte, dann würde man nicht denken, dass sie eine der beachtlichsten Persönlichkeiten unserer Zeit ist. Als ich nach Den Haag fuhr, wusste ich nicht, dass ich sie treffen würde, aber ich kannte ihren Namen – oder, besser gesagt, das Pseudonym, dass sie gewöhnlich benutzt: Bat Ye’or. Das ist Hebräisch für „Tochter des Nils“. Sie wurde in Kairo geboren, aber ihre Familie wurde 1957 aus Ägypten ausgewiesen und ihr die ägyptische Staatsbürgerschaft entzogen, weil sie Juden waren.

Die Familie ließ sich als staatenlose Flüchtlinge in Großbritannien nieder. Bat Ye’or wurde Historikerin. Sie zog drei Kinder groß, bevor sie zu schreiben begann. Ihr erstes Buch, vor 35 Jahren veröffentlicht, war eine Geschichte der Juden in Ägypten. Später schrieb sie eine Geschichte der ägyptischen Kopten [Orthodoxe Christen, die wahren Eingeborenen Ägyptens]. Noch später begann sie die Lage der Nicht-Muslime unter muslimischer Herrschaft zu studieren.

Juden und Christen, die unter muslimischer Herrschaft lieben, werden auf Arabisch Dhimmis genannt. Sie werden ein wenig besser behandelt als andere Nicht-Muslime (die verfolgt werden), weil das islamische Gesetz eine Situation toleriert, durch die Dhimmis ihre Religion ausüben dürfen. Die Bedingung für diese Toleranz (eine Gunst, die nicht immer gewährt wird) ist allerdings, dass die Dhimmis wegen ihrer Ablehnung des Islam systematisch erniedrigt werden. Dhimmis haben einen Status als Bürger zweiter Klasse und müssen besondere Steuern zahlen.

Meine Frau und ich aßen mit Bat Ye’or zu Abend und ich fragte sie, wie sie sich gefühlt hatte als Dhimmi in Ägypten zu leben. Aber sie sagte, dass sie erst, als sie in den Westen kam, begriffen habe, was Dhimmitum wirklich ist. „Das versteht man erst, wenn man das von außen sieht“, sagte sie. Vielleicht liegt es daran, dass sie diese „privilegierte“ Erfahrung gemacht hatte, dass sie in der Lage war seit den 1970-er Jahren festzustellen, wie die Europäer langsam in Dhimmis verwandelt werden. Ihr Buch von 2005, „Eurabia: The Euro-Arab Axis“, beschreibt diesen Verwandlungsprozess.

Bat Ye’or war in Den Haag, um an einem internationalen Treffen westlicher Jihad-Experten teilzunehmen. Zu der Gruppe gehörten Daniel Pipes, Robert Spencer, Ibn Warraq, David G. Littman, die holländischen und flämischen Arabisten Hans Jansen (Universität Utrecht) und Urbain Vermeulen (Universitäten Leuven und Ghent) und andere.

Bat Ye’or argumentiert überzeugend, dass die Transformation Europas in Eurabia das Ergebnis einer wohl erwogenen Strategie ist, die törichterweise von französischen Gaullisten angestoßen wurde, die ein europäisch-amerikanisches Gegengewicht zu den USA schaffen wollten. Heute führt die Europäische Union diese Politik fort, die einen vereinigten mediterranen Kontinent schaffen will, der auf einer Symbiose der nördlichen und der südlichen Mittelmeeranrainer gründet. In ihrem Eurabia-Buch beschreibt sich akribisch, wie diese Strategie während der letzten 35 Jahre umgesetzt wurde und wie die Werbung für muslimische Integration in Europa einen Teil dieses Plans darstellt.

Seit sie Ägypten verlassen musste, hat Bat Ye’or in Europa gelebt. Sie hat nicht die Absicht es zu verlassen. Sie fühlt sich alt und müde, aber sie drängt junge Leute sich dem Dhimmi-Status zu widersetzen. „Wir sollten nicht die moderaten Muslime auffordern uns zu retten. Wir müssen die jetzige Lage selbst verändern. Das ist unsere Pflicht unseren Kindern und unseren Vorfahren gegenüber.“ Ihre Studien haben ihr bewusst gemacht, dass die Zerstörung christlicher Gesellschaften durch Jihadisten immer durch christliche Führer und die Kirchen selbst herbei geführt wurde. „Ich denke, dass wir nicht in der Lage sein werden verantwortlich zu handeln, solange wir die Dynamik, den Geist und die Funktion von Eurabia nicht verstehen; das Konzept ist in Europa von Europäern entwickelt worden und wurde uns nicht von außen aufgedrückt.“

Sie stellt heraus, dass nach der Osterweiterung der EU die arabischen Staaten die Sorge hatten, dass weniger europäische Gelder für die Staaten des Maghreb zur Verfügung stehen würden. Sie ließen Europa versprechen, dass die EU-Gelder für die Südküste des Mittelmeeres nicht abnehmen würden, sondern auch, dass die Einwanderung aus arabischen Ländern nicht zu Gunsten der Einwanderung aus Osteuropa gestoppt würde. Das ist der wahre Grund, warum die polnischen Klempner nicht willkommen sind, während Menschen aus dem Maghreb weiterhin nach Europa strömen.

„Einwanderung“, sagt Bat Ye’or, „ist Teil der Gesamtstrategie, die eine Ambition zur Schaffung eines neuen Zivilisationskonzepts ist, das auf Multikulturalismus gründet, auf der Auflösung der typischen Charakteristika der Völker.“ Für Bat Ye’or ist die Affaire um die dänischen Karikaturen „ein Aufstand, zur Geltendmachung der westlichen Werte der Meinungsfreiheit, freien Rede und freien Religionsausübung“.

Nicht nur die Europäische Union drängt die Ideologie des Multikulturalismus auf, sondern auch die UNO. David Littman ist Experte für den „schleichenden Islamismus in der UNO“. Littman, Repräsentant der Association for World Education (AWE, Vereinigung für die Bildung in der Welt) bei der UNO in Genf, sagte vor kurzem vor der UNO aus, wurde aber zensiert, als er moderate Muslime zitierte, die jihadistische Bombenanschläge verurteilten. Nach Angaben der 56 Mitgliedstaaten der Organisation der islamischen Konferenz (OIC) ist selbst „die Benutzung des Adjektivs ‚islamisch’ vor ‚Terrorismus’ ein Sakrileg.“ Durch die Kanäle der UNO versuchen sie die Freiheit von Gedanken, Meinung und Ausdruck mit Vorwürfen von „Blasphemie“, „Islamophobie“, „Verleumdung des Islam“ oder „Sakrileg“ zu einzuschränken.

Ich war von Daniel Pipes nach Den Haag eingeladen worden. Ich entdeckte, dass die berühmtesten der Konferenzteilnehmer im Hotel nicht unter ihren eigenen Namen eingetragen waren und dass ein Wachmann (in zivil) sie schützte. Offensichtlich kann eine Zusammenkunft von Menschen zu einem wissenschaftlichen Austausch von Ansichten zur Bewahrung westlicher Freiheiten im freien Westen nicht länger ohne Sicherheitsmaßnahmen stattfinden.

Flemming Rose, der dänische Journalist, der die zwölf Zeichnungen Mohammeds (nach westlichen Standards kaum beleidigend; sehen Sie sich sie hier an, ungefähr die halbe Seite hinunter) in Auftrag gab, befindet sich zur Zeit in den Vereinigten Staaten. Der Journalist wollte testen, in welchem Ausmaß sich der „Multikulturalismus“ auf die Redefreiheit ausgewirkt hat. Er ahnte nicht, dass die Dinge bereits so schlecht standen. Der Ausgang seines Tests ist, dass sein Leben in Europa jetzt gefährdet ist. Flemming könnte gezwungen sein den Rest seines Lebens in Verstecken zu verbringen.

Der dänische Historiker und Journalist Lars Hedegaard, ebenfalls in Den Haag anwesend, teilt meine Befürchtung, dass Dänemark bald von den Jihadisten angegriffen wird. Letztere haben regelmäßig verkündet, dass sie vorhaben Dänemark zu „bestrafen“ und werden das tun, wenn sie nicht in der muslimischen Welt das Gesicht verlieren wollen. Ein Bombenanschlag oder ein Mord vor Jahresende werden nicht als Überraschung kommen.

Die Europäer werden schnell in ihren eigenen Ländern zu Bürgern zweiter Klasse. Man ist versucht aus einem Kontinent zu fliehen, der bereits in großem Ausmaß Eurabia geworden ist und sich in der relativen Sicherheit der USA zu verstecken. Aber die Europäer sollten vor Ort bleiben und Widerstand gegen die Bemühungen leisten Europa in Dhimmi-Land zu verwandeln. „Es ist möglich, dass einige Muslime durch die dänischen Karikaturen beleidigt sind“, sagt Daniel Pipes. „Trotzdem hätten alle Medien sie veröffentlichen sollen. Während es bei der Rushdie-Affäre um die Redefreiheit ging, weil das eine innermuslimische Angelegenheit war, geht es bei der Karikaturen-Affäre um die Verteidigung der Identität des Westens und darum, ob wir ihnen erlauben ihre Werte unserer Gesellschaft aufzuzwingen.“