Vom Ritualmord-Vorwurf zum Landraub-Vorwurf

Michael Freund, 15. November 2006

Für einen Kontinent, der stolz auf den Ruhm und den Tiefgang seiner Zivilisation über die Jahrhunderte ist, hat Europa noch ziemlich viel zu tun, wenn es um seinen Umgang mit dem jüdischen Volk geht.

Seit Hunderten von Jahren war die Haltung der Europäer gegenüber den Juden im Wesentlichen von einer gehässigen und boshaften Lüge geprägt. Und wenigstens diesbezüglich scheint sich wenig geändert zu haben.

Denn während sie uns einst Ritualmorde vorwarfen und sagten, wir würden verbotenerweise das Blut anderer Menschen benutzen, teeren sie uns stattdessen heute mit dem „Landraub-Vorwurf“ und behaupten, wir hätten anderen Land weggenommen. Und wie sie einst die Juden für alle Katastrophen – wie z. B. den Schwarzen Tod – verantwortlich machten, versuchen sie jetzt alle Krisen der Welt uns zur Last zu legen.

Nehmen wir z. B. den britischen Premierminister Tony Blair und seine Rede neulich bei einem Bankett in London; dort umriss er seine Ansicht, wie die Krise im Nahen und Mittleren Osten zu lösen sei. In erstaunlicher Einbildung, als Analyse getarnt, versuchte Blair praktisch seine Zuhörer zu überzeugen, dass der „Kern“ aller Probleme der Region – und ja, selbst der des Irak – irgendwie mit dem jüdischen Staat in Verbindung stehe: „Ein Großteil der Antwort zum Irak ist nicht im Irak selbst zu finden, sondern außerhalb, in der gesamten Region“, sagte Blair und fügte hinzu, dass es notwendig sei zu übernehmen, was er eine „Gesamt-Nahoststrategie“ nennt.

Und dann, nachdem er vorschlug die derzeitige Konzentration auf Syrien und den Iran sei fehlgeleite, fügte Blair den entscheidenden Trumpf an: „Im Gegenteil, wie sollten mit Israel/Palästina beginnen. Das ist der Kern.“

Der Kern?

Von was um alles in der Welt redet er da?

Anzudeuten, dass der israelisch-palästinensische Konflikt irgendwie mit dem baathistischen Aufstand im Irak zu tun hat oder mit Syriens Wunsch den Libanon abzuwürgen, Marokkos Besetzung der Westsahara, Sudans Mordtaten in Darfur oder irgendeinem der sonstigen nicht zu zählenden innerarabischen Konflikte der Region, ist nicht nur intellektuell geistlos, es ist schlichtweg dumm.

Schlimmer noch: Es ist ein billiger und durchsichtiger Versucht die arabischen Staaten zu besänftigen, indem man deren Parteilinie nachplappert: „Macht nicht uns für die Probleme der Region verantwortlich, sondern die Juden.“

Durch die Vertretung dieses Unsinns lenkt Blair die Aufmerksamkeit von der wahren Ursache ab, die den Krankheiten der Region zugrunde liegt, nämlich dem Fehlen von Freiheit, Demokratie, Toleranz und gegenseitigem Respekt in der arabischen Welt.

Während den Arabern den Hof zu machen für Herrn Blair nützlich sein könnte, da er für nächstes Jahr seinen Rückzug (vom Amt) plant, sollten wir uns nicht so weit verdummen lassen zu glauben, dass sein Vorschlag den Nahen Osten in irgendeiner Weise sicherer oder friedfertiger machen wird.

Stattdessen ist das nur ein weiteres trauriges Beispiel dafür, wie Europas tiefer liegende Haltung zu den Juden sich immer noch ändern muss.

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2 Gedanken zu “Vom Ritualmord-Vorwurf zum Landraub-Vorwurf

  1. Blair ist ein durch und durch verlogenes Subjekt. Der typische Sozialdemokrat neuerer Art. Dazu gehört der linke Antisemitismus, den ich für weit gefährlicher halte als den der tumben Glatzköpfe.
    Dummerweise hat dieser üble Charakter Einfluß auf Schröder gehabt, die Agenda 2010 wurde von Blair mitgeschrieben.
    Unmenschlichkeit ist Kennzeichen heutiger Sozialisten, den Juden gegenüber, weil sie die Dreistigkeit haben, ihre Heimat zu verteidigen und sich nicht ins Meer treiben zu lassen. Den Arbeitslosen und Kranken sowie Rentnern in den eigenen Ländern gegenüber, weil sie nicht mehr beim Tanz ums goldene Kalb mithalten können und den Arbeitern, weil sie Löhne verlangen, von denen sie leben können.

    • Man kann auch alles übertreiben. Verglichen mit den schwedischen Sozialdemokraten ist Blair fast ein Heiliger. Gegenüber seinen Parteigenossen in GB ist er schon fast konservativ.

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