Wenn Diplomaten in die Irre gehen, geben sie immer weiter Gas

Daniel Pipes, New York Post, 6. Mai 2002

Was ist die instinktive Reaktion auf einen Fehlschlag? Natürlich die Anstrengungen zu verdoppeln.

Hat man sich verirrt? Nur nicht zugeben – man müsst ja anhalten um herauszufinden, was falsch gelaufen ist, vielleicht sogar die Erniedrigung erleben, jemanden nach der Richtung fragen zu müssen. Stattdessen gibt man einfach Gas und fährt schneller – damit wird man die verlorene Zeit wieder gut machen.

Das kann man auch in der Politik beobachten. Schulen, die in schlimmer Verfassung sind? Pumpt mehr Geld in das bestehende Schlamassel. Verläuft ein Krieg nicht nach Wunsch? Gebt den Generalen, die versagt haben, mehr Soldaten. Die palästinensisch-israelische Krise? Verstärkt die Diplomatie, die versagt hat und das Schlamassel erst hat entstehen lassen.

Den letzten Punkt wollen wir untersuchen. Vor zehn Jahren stand es um die Dinge zwischen den Arabern und Israel nicht gut; aber sonderlich war es auch nicht. Israels Härte erlaubte die Erreichung von ein Bisschen Akzeptanz durch seine arabischen Nachbarn, wie sie durch Anwar Sadats Reise nach Jerusalem 1977 symbolisiert war.

Um 1993 überzeugte die israelische Führung sich selbst, dass die Araber die Existenz eines souveränen jüdischen Staates vollständig akzeptierten, also änderten sie ihr Vorgehen radikal. Weil sie glaubten, dass sie ihre Existenz nicht länger in Frage gestellt sahen, zeigten sie ihre freundlichere Seite in der Hoffnung, dass die Diplomatie solche zweitrangige Dinge wie Grenzen, den Status von Jerusalem und die Flüchtlinge regeln und damit den arabisch-israelischen Konflikt beenden könnte.

Eine schöne Idee, die allerdings fehl schlug. Indem sie Israels Bereitschaft zu verhandeln als ein Zeichen seiner Verwundbarkeit ansahen, antworteten die Araber nicht mit dem erwarteten guten Willen, sondern mit Gewalt. Statt mehr Akzeptanz für Israel zu erreichen, ´ließ die Diplomatie es die Anerkennung verlieren, die es vorher erlangt hatte.

Israels Antwort auf dieses Desaster? Ganz im Sinn der zeitgeistigen Mode trat es aufs Gaspedal, bot den Palästinensern immer großzügigere Bedingungen an. Es erhielt im Gegenzug immer mehr Gewalt.

Die Gewalt nahm bis Ende 2000 derart alarmierende Ausmaße an, dass die Israelis ihren Ansatz überdenken mussten. Sie schlossen, dass ihre Zugeständnisse bezüglich der Grenzen, Jerusalems und der Flüchtlinge nutzlos seien, sogar kontraproduktiv, so lange die Palästinenser den Staat Israel zu zerstören suchten.

Als die Israelis ihre Sinne wieder beisammen bekamen (und zu ihrer Politik der Härte und Abschreckung von vor 1993 zurückkehrten) bestand die Bush-Administration darauf, die fehl geschlagene Politik der Kompromisse über zweitrangige Dinge weiter voran zu treiben. Die abwärts führende Kurve des letzten Jahrzehnts schein in keiner Weise ihren Glauben in die Diplomatie erschüttert zu haben.

Das erklärt, warum die Bush-Administration immer noch mit Gedanken wie diesen warm hält:

* Ein hochrangiger Regierungsvertreter: „Das Gewicht der arabischen Welt liegt nun auf einem Frieden mit Israel.“

* Ein anderer Regierungsvertreter: „Der Kern des Ansatzes des Präsidenten ist der, dass angesichts des Fehlverhaltens [des Vorsitzenden der Autonomiebehörde] Arafats und andere, viele weitere Spieler ins Spiel gebracht werden müssen.“

* Ein gut informierter Artikel der Washington Post: „Bushs Plan scheint zu sein Sharon zu überzeugen, dass die Vereinigten Staaten seine Sicherheit garantieren werden, wenn schon nicht mit amerikanischen Soldaten, dann mit der Schaffung eines palästinensischen Staates, mit dem Israel leben kann.“

* Der Sprecher des Weißen Hauses versicherte Israel, dass Washington diesem palästinensischen Staat „richtig Geld“ opfern würde.

* Was diese Erklärung voraus setzt ist, dass Diplomatie plus Kompromisse den arabisch-israelischen Konflikt lösen können.

Das könnte plausibel sein – wenn wir nicht gerade seit 1993 hätten zusehen können, wie solch allzu schlaue Diplomatie dazu führte, dass eine schlechte Situation sich in eine Krise wandelte.

Muss die US-Regierung ihre falsche Politik des vergangenen Jahrzehnts wiederholen? Sollte sie darauf bestehen dies zu tun, dann könnte diesmal aus einer Krise ein richtiger Krieg werden.

Statt dessen sollte Washington die Wurzeln des arabisch-israelischen Konflikts suchen und diese angehen. Diese haben mit den derzeit diskutierten Dingen nichts zu tun – Israels Grenzen, ein Palästinenser-Staat, arabische „Flüchtlinge“ oder wirtschaftliche Verbesserungen.

Sie haben vielmehr mit etwas zu tun, das fast nie in offiziellen Kreisen erwähnt wird, denn das ist eine unangenehme Tatsache, die Politiker lieber vermeiden würden: die beharrliche arabische Ablehnung der Existenz Israels. Diese Ablehnung lag hinter dem arabischen Angriff auf Israel 1948 und aller Gewalt seitdem, einschließlich der derzeitigen Kampagne der Selbstmord-Attentate.

Wenn die Bush-Administration sich nützlich machen will, dann sollte sie die Wirklichkeit der arabischen Ablehnung ansprechen. Das würde nicht eine leichte Abänderung der gegenwärtigen Politik bedeuten, sondern die Übernahme eines komplett anderen Ausblicks:

* Eindeutig auf der Seite Israels zu stehen um den Arabern zu signalisieren, dass ihr Traum der Zerstörung Israels aussichtslos ist.

* Schritte zu unternehmen, um arabischer Gewalt gegen Israel zu verhindern.

* Arabisch-israelische Verhandlungen zu verhindern, bis die Araber klar und konsequent zeigen, dass sie mit der Existenz Israels wirklich ins Reine kommen.

Nur wenn die US-Regierung den Bankrott der derzeitigen Vorgehensweise anerkennt – arabische Ablehnung durch Kompromisse spitzfindig zu umgehen – könnte sie die viel schwierigere Arbeit angehen, die Quellen des arabisch-israelischen Konflikts direkt anzugehen.

Natürlich heißt das, vom Gas zu gehen und nach der Richtung zu fragen.

Ein Gedanke zu “Wenn Diplomaten in die Irre gehen, geben sie immer weiter Gas

  1. Erich Honecker tönte noch, als sich das Ende der Politik abzeichnete, für die er stand „Vorwärts immer, rückwärts nimmer“. Eine „Philosophie“, der auch Hitler folgte, in dem er zum Ende zu noch Kinder in den Krieg schickte.
    Meist haben diejenigen, die solche Entscheidungen treffen, die wenigsten Nachteile, Daniel Pipe’s Beschreibung passt auch auf die Politik in Deutschland, wo man lieber immer weiter fährt und in einer Umkehr und Korrektur etwas ganz böses sehen will, naiven Fortschrittsglauben hat und meint, eine Umkehr würde eine Neuauflage des 3. Reiches bringen.
    Dazu kommen noch Pallywoodmedien, bestimmte jüdische Kreise, die diesen alles glauben, wenn es nicht mit dem Thema „Israel“ zu tun hat und die nichts dagegen sagen, dass Judenhasser importiert werden und auch nichts sagen, wenn der BDS mit linken Gruppen demonstriert oder man das Jammern des „palästinensischen Volks“ übernimmt.
    Der angebliche Judenhass bestimmter Gruppierungen macht mehr Angst, als der offensichtliche, der im übrigen sogar geduldet wird. Hauptsache nicht von „rechts“.

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