Über die antijüdischen Christen

Joseph Farah, WorldNetDaily, 9. Mai 2002

Rund um die Welt befindet sich der Antisemitismus im Kommen.

Wir sehen, wie er sein hässliches Gesicht in Europa wieder erhebt. Und wir sehen ihn weitaus deutlicher in der widerlichen Rhetorik und unaussprechlicher, selbstzerstörerischer Gewalt im Nahen Osten.

Meine Theorie zu den Wurzeln des Antisemitismus ist sehr einfach. Er offenbart sich in denen, die gegen den Gott der Bibel rebellieren.

Warum sollten die, die sich mit Gott im Krieg befinden, Juden hassen? Weil diese Juden die Empfänger eines einzigartigen Versprechens Gottes sind. Sie sind das auserwählte Volk – erwählt nicht, weil sie ein überlegenes Volk sind, sondern weil sie ein unterdrücktes Volk waren, dessen wundersame Talente und Langlebigkeit nur dazu dienen können, den Gott zu verherrlichen, der für es verantwortlich ist. Wenn dieses Volk zerstört werden kann – oder auch nur so weit an den Rand zu drängen, dass es in der Welt praktisch unbedeutend wird – dann würde im Effekt Gott selbst geschlagen, entthront, delegitimiert.

Das ist meine Theorie.

Aber was ist mit dem offensichtlichen Anstieg des Antisemitismus der Leute, die sich nicht mit dem Gott der Bibel im Krieg befinden – Menschen, die behaupten, Jünger dieses Gottes zu sein?

Letzte Woche veröffentlichte WorldNetDaily eine beunruhigende Geschichte über abscheulichen Antisemitismus arabischer „christlicher“ Geistlicher.

Einige der Zitierten forderten einen neuen Kreuzzug gegen die Juden. Andere nannten die Juden „satanisch“. Wieder andere zitierten die gefälschten „Protokolle der Weisen von Zion“ als Quelle ihres Hasses.

Warum übernehmen zumindest einige arabische Christen – einschließlich Männern in Führungspositionen – antijüdische Rhetorik von den extremsten Islamisten? Ich kann mir ein paar Gründe für dieses rätselhafte Phänomen denken:

  • Christen sind im Nahen Osten selber seit langer Zeit verfolgt worden – und die Bedingungen werden für sie schlechter. Die große Mehrheit der arabischen Christen floh bereits vor .angem aus der Region. Viele derer, die dort blieben, haben versucht, ihren „eigenen Frieden“ mit den dominanten Muslimen zu machen. Manche glauben, sie können sich bei der islamischen Mehrheit lieb Kind machen, indem sie mit ihnen gegen die Juden Stellung beziehen.
  • Israel hat manchmal zum arabisch-christlichen Skepsis gegenüber den Juden beigetragen, indem es sie im Libanon, in Bethlehem, in Nazareth und anderswo im Stich ließ. In dem Versuch, sich seinen islamischen Gegnern anzupassen und sie zu beschwichtigen hat es sich auf den Kopf gestellt und die vergessen – sogar missachtet – mit denen es eine strategische Allianz hätte bilden und eine gemeinsame Sache finden können.
  • Einige dieser sogenannten „Christen“, die mit dem Finger auf die Juden zeigen, weil die an ihren Problemen schuld sein sollen, sind Hochstapler. Sie mögen kulturelle Christen sein. Sie mögen Christen aus Tradition sein. Aber sie sind kaum die geistigen Nachfolger des Jesus von Nazareth – des jüdischen Zimmermanns, des Rabbi aus Galiläa.

Der letzte Grund für den kochenden Antisemitismus einiger „christlicher“ Araber mag hart klingen, richtend, sogar verdammend. Das mag sein, aber meine Worte sind wahr.

Obwohl von uns niemand das Herz eines anderen beurteilen kann, ist uns geboten „sie an ihren Früchten zu erkennen“.

Welche Art von Frucht bringt bösartiger Antisemitismus hervor? Schlechte Frucht. Verfaulte Frucht. Tödliche Frucht.

Ich denke, diese Lehre passt genauso auf diese sogenannten „Christen“ im Westen, die ihre antisemitischen Züge zeigen. Diese Leute befinden tatsächlich auch Rebellion gegen Gott. Sie dienen nicht dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Sie dienen einem anderen oder vielen anderen Göttern.

Antisemitismus ist der Definition nach antichristlich. Christen dienen dem Gott der Hebräer. Der Gott der Christen wählte die Juden als Sein Volk aus und schloss einen besonderen Bund mit ihnen. Ihr Retter kam als Jude auf die Erde. Die frühe Kirche bestand zum größten Teil aus Juden.

„Anti-jüdische Christen“ ist daher ein Widerspruch in sich selbst.

Die gute Nachricht für Christen wie Juden ist, dass sie große Mehrheit der Christen – besonders die im Westen – instinktiv und reflexartig Unterstützer Israels und der jüdischen Sehnsucht nach einer Heimat sind, die sicher und gesichert von Angriffen der Hasser ist. Tatsache ist, obwohl das nicht immer so war, dass die Kirche heute der wichtigste Verbündete der Juden in dieser Welt ist. [heplev: Das mag für die Kirchen in Amerika gelten; für unsere offiziellen Volks-Kirchen in Deutschland wie auch in anderen Staaten Europas trifft es nicht zu. Hier müssen wir den Maßstab des wiedergeborenen Christseins anlegen und weniger von den Kirchen reden!]

Es sind immer teuflische Dinge im Namen des Christentums begangen worden. Es hat immer Wölfe im Schafspelz gegen. Es hat immer Hasser gegeben, die sich als rein im Herzen ausgegeben haben.

Aber Gott sitzt noch immer auf dem Thron. Seine Versprechen gelten wirklich für alle Zeit. Er hat einen Plan und die Juden sind Teil davon.

Und das ist es, was die Antisemiten wirklich umtreibt.

Ein Gedanke zu “Über die antijüdischen Christen

  1. Danke für diese Veröffentlichung und auch für Deine Anmerkung, lieber heplev.

    Ich gebrauche mal ein Bild:

    Papst Johannes Paul II hat die Weiche gestellt und den Zug in Richtung der Juden bestiegen und ist ein Stück mitgefahren.
    Papst Franziskus hat den Zug angehalten und ist dabei auszusteigen.

    Das ist mein Eindruck.
    Diese Entwicklung bedauere ich sehr.

    Herzlich, Paul (Katholik)

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