Spielt die Wahrheit überhaupt eine Rolle?

Warum ignoriert die Welt die Beweise für Saudische und Arafats Verbindung zum Terror?

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 13. Mai 2002

Als ich kürzlich eine Highschool-Klasse besuchte, stellte mir einer der Schüler eine recht gezielte Frage:

„Gibt es so etwas wie eine Geschichte, die objektiv wahr ist?“, erkundigte er sich.
„Todesanzeigen“, antwortete ich.

Die Antwort erntete Gelächter, aber er verdiente eine tiefer gehende Antwort als die begrenzte Zeit erlaubte.

Beobachtet man das diplomatische Menuett, das derzeit von Israel, den USA und unserem arabischen „Hauptverbündeten“, Saudi Arabien, getanzt wird, kann ich nur denken, wie wenig Wirkung die grundsätzliche Sorge dieses Studenten – die Suche nach Wahrheit – heute auf die amerikanische Außenpolitik hat.

Knackpunkt sind die Beweise, die Israel zur direkten Verwicklung des palästinensischen Führers Yassir Arafat zum Terrorismus vorgelegt hat.

Arafat war immer ein Terrorist. Seine Palästinensische Befreiungsorganisation – 1964 gegründet (3 Jahre VOR der „Besetzung“, die angeblich den Vorwand für antiisraelischen Terrorismus liefert) – hatte vom ersten Tag an Terror als Daseinsgrund. Er war der Pionier der Flugzeugentführungen und des bewussten Zielens auf unschuldige Zivilisten, besonders Frauen und Kinder.

Aber nachdem er einmal die Osloer Friedensvereinbarungen 1993 unterschrieb, war das alles vorgeblich Vergangenheit. Seit diesem Tag wurde Arafat von der Weltpresse wie ein Staatsmann behandelt.

Die folgenden 8 ½ Jahre boten haufenweise Gründe, diesen Status in Frage zu stellen, aber nichts scheint diese Einstellung seitens des Großteils der diplomatischen und des Pressekorps erschüttert zu haben.

Aber anders als einige seiner Vorgänger der letzten Jahre hat die jetzige Regierung Israels die schlechten Manieren gezeigt, ein Dossier mit vernichtenden Beweisen zusammenzustellen, das zeigt, dass palästinensischer Terrorismus nicht das Werk einiger weniger Extremisten ist, wie man uns erzählt hat.

Ein Schulterzucken und ein Gähnen

Stattdessen hat eine systematische Terrorkampagne, die hunderte Israelis in den letzten 19 Monaten das Leben gekostet hat, direkt zu Yassir Arafat zurück verfolgt werden. Er ist nicht nur derjenige, der Gewalt durch Hass erfüllte Reden angezettelt hat oder sie mit der Ermutigung zu „Jihad“ schürt und die steigenden Verluste von „Märtyrern“ betrauert, die Israelis umbringen.

Die riesigen Stapel an Dokumenten, die Israel im Verlauf seiner Durchforstung der terroristischen Büros in den Gebieten entdeckte, zeigen, dass Arafat auch der Zahlmeister und Koordinator des Terrorismus ist.

Unglücklicherweise wird die Wahrheit auch bezüglich unserer saudischen „Verbündeten“ als irrelevant betrachtet. Derselbe Schatzfund an palästinensischen Unterlagen enthüllte, dass die saudische Königsfamilie und Regierung Millionen von Dollars in die terroristische Infrastruktur schleuste, wobei besonders die Familien der Selbstmord-Bomber begünstigt wurden, die die Saudis lieber „Märtyrer“ nennen.

Die Beweise werden auch von Washington ignoriert, das sich selbst in die Vorstellung hinein täuscht, dass es die Finanziers des Terrorismus als Verbündeten im Krieg gegen die Täter gewinnen könnte.

Die Dokumente zeigen auch, dass die Palästinensische Autonomiebehörde, wie die Saudis, direkt mit den islamischen Fundamentalisten-Gruppen – Hamas und Islamischer Jihad – in Verbindung steht, die Arafat auf Flehen westlicher Regierender unterdrücken soll. Die PA selbst bildet eine Infrastruktur des Terrors, deren gesamte Mittel auf den Terror gerichtet wurden.

Aber Washingtons Antwort auf diesen wasserdichten Fall gegen Arafat sind ein Schulterzucken und ein Gähnen gewesen.

Ein von der New York Times zitierter „hochrangiger amerikanischer Beamter“ sagte am 5. Mai, dass er nicht genau wüsste, was er mit den von Israel vorgelegten Beweisen anfangen solle. Selbst wenn sie wahr wären – und er räumte ein, dass „einiges davon“ wahr ist – sei man unbeeindruckt.

„Israel kann letztlich nicht die palästinensische Führung aussuchen und es muss mit sich der Autonomiebehörde arrangieren.“

Der erste Teil dieser Stellungnahme ist unzweifelhaft wahr, der zweite aber folgt daraus nicht zwingend. Denn die P A hat sich dem Terrorismus verschrieben – und ein Haufen von Vorfällen wie das Waffenschmuggel-Schiff Karine-A und neun Jahre des Terrors sind objektiver Beleg dafür – was wird solches Arrangieren mit der PA erreichen?

Hatte Arafat schließlich nicht jedes Mal, wenn er eine Friedensvereinbarung mit Israel unterschrieb, dem Terror entsagt? Da aber israelische Zugeständnisse in mehr Macht für ihn umgesetzt wurden, wuchsen seine Verletzungen des Banns gegen den Terror immer unverschämter an.

Jedes Mal, wenn er bei diesen Lügen ertappt wurde, hatte man ihn mit mehr Druck der internationalen Gemeinschaft belohnt – Druck auf Israel, nicht auf Arafat. Alles, was seit 1993 geschehen ist, hat ihn überzeugt, dass Terror sich wunderbar auszahlt.

Ist die Ermordung von Juden eine gerechte Sache?

Was motiviert diese internationale Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit über Arafat? Eine hetzerische Karikatur von Tony Auth vom Philadelphia Inquirer am 7. Mai könnte einen Erklärungsansatz bieten.

Auth zeigte einen aufgedunsenen israelischen Premierminister Ariel Scharon, der sich bei Präsident Bush beschwerte: „Ihr müsst nicht mit dem Terroristen bin Laden verhandeln, wie kommt es, dass ich mit diesem Stinktier verhandeln muss?“, während er auf Arafat zeigt, der buchstäblich als riechendes Stinktier gezeichnet ist. Auth lässt Bush antworten: „Für den Anfang: Er hat eine gerechte Sache.“

Auth (der ohne Zweifel Beschwerden von arabischen Lesern bekommen wird, die dagegen Einspruch erheben, dass Arafat als stinkendes Tier gezeigt wird) hat offensichtlich den Eindruck, dass Arafats Terror eine angemessene, sogar eine „gerechte“ Sache ist, die sein scheußliches Verhalten als vernünftig darstellt. Wird die Belohnung mit Zugeständnissen, von denen der Karikaturist und der „ranghohe“ US-Beamte glauben, dass sie ihn befriedigen werden, eine gerechtere Welt schaffen?

Diese Geisteshaltung zu verstehen bedeutet die Feindseligkeit all derer offen zu legen, die uns erzählen, dass Arafats kriminelle Vergangenheit unbedeutend ist.

Denn wenn die ursprünglichen Oslo-Vereinbarungen und Ehud Baraks Angebot eines Staates, der praktisch aus dem gesamten Gebiet besteht, das Israel 1967 eroberte, Arafat nicht befriedigt oder ihn vom Terror abhält, dann ist die unvermeidliche Schlussfolgerung, dass sein Ziel die Auslöschung des jüdischen Staates ist, egal, wie eingeschränkt seine Grenzen sein mögen.

Daher dürfte Israels größtes Problem nicht darin bestehen, die Welt zu überzeugen, Arafat als Terroristen zu betrachten, sondern darin, sie aufzufordern, ernsthaft darüber nachzudenken, was seine wirklichen Ziele sind und ob er sie mit fairen Mitteln verfolgt oder nicht.

Die Wahrheit über Arafat zu ignorieren, ist nicht nur diplomatische Höflichkeit. Es ist eine Erklärung, dass die Ermordung von Juden, wie der schlechte Geruch, der von Arafat in Auths Karikatur ausgeht, nicht mehr als schlechte internationale Manieren sind – und kein Verbrechen.

Für die „hochrangigen Beamten“, die die Korridore des Außenministeriums und des Weißen Hauses patrouillieren – gar nicht zu reden von der UNO – ist ein „Freifahrtschein aus dem Gefängnis“ für Arafat, trotz des jüdischen Blutes, das deutlich an seinen Händen klebt, nicht mehr als das gewöhnliche Staatsgeschäft, während sie versuchen eine Irritation für ihre Pläne des Krieges gegen den Irak aus dem Weg zu räumen.

Aber die Amerikaner sollten erkennen, dass die Kosten dieses Wahnsinns nicht von den Israelis allein getragen werden müssen.

Während sich der Schwung für die nächste Runde der „Friedens“-Verhandlungen aufgebaut, wird uns zunehmend erzählt, dass amerikanische Friedenstruppen oder „Beobachter“ nötig sein werden, um den Handel zu sichern. In der Zukunft werden es möglicherweise wirklich Amerikaner sein, die ihr Leben verlieren, wenn Arafat und seine kriminelle Bande ihren nächsten Vertrag verletzen. Wir können auch nicht sicher sein, dass palästinensische oder saudische „Märtyrer“ nicht wieder amerikanische Städte ins Ziel nehmen, während wie uns in neue Beschwichtigungsrunden drücken.

Wie ich meinem jungen Freund hätte sagen sollen: die Wahrheit ist mehr als nur ein ästhetischer Wert. Sie zu ignorieren, verlangt uns manchmal einen hohen Preis ab. Obwohl es Arafat zukünftigen Opfern kein Trost sein wird: Es soll keiner behaupten, wir seien nicht gewarnt worden.