Die zunehmende israelische Identität israelischer Araber

Evelyn Gordon, 17. Oktober 2017 (Commentary)

Im Verlauf der Sukkot-Feiertage der letzten Woche begann das israelisch-arabische Paar Khalil und Reem Bakly ihre eigenes, persönliches Koexistenz-Projekt mit dem Bau einer völlig koscheren Sukkah (unter Hilfe einer orthodoxen jüdischen Angestellten aus Khalils Zahnarztpraxis) und luden alle und jeden israelischen Juden ein sie zu besuchen. In derselben Woche traf eine komplett aus israelischen Arabern – Muslimen, Christen und Drusen – zusammengesetzte Delegation ihre letzten Vorbereitungen für eine Vortragstour zur Verteidigung Israels an amerikanischen Universitäten.

Beides könnte leicht als nicht repräsentativ für Israels arabische Gemeinschaft abgetan werden. Immerhin behauptete in derselben Woche die arabischen Knessetabgeordnete Hanin Zoabi in einer Rede in Dallas, das Juden kein Recht auf Selbstbestimmun ghaben, weil „die Juden keine Nationalität sind“. Und Zoabi, die nur geringfügig aufwieglerisch ist als ihre Parteifreunde, wurde auf einer gemeinsamen Wahlliste gewählt, die die überwältigende Mehrheit der arabischen Wählerstimmen erhält.

Aber wie eine aktuelle Meinungsumfrage bei israelischen Arabern belegt, verändert sich die Gemeinschaft – und nicht zugunsten von Zoabi.

Am auffälligsten war vielleicht die Tatsache, dass eine entscheidende Mehrheit der Befragten sich in erster Linie als Israelis statt als Palästinenser bezeichnet, was vor ein paar Jahren noch nicht war. 2012 zum Beispiel identifizierten sich nur 32,5 Prozent der israelischen Araber als „israelisch“ statt als palästinensisch. Die Zahl ist allerdings ziemlich stetig gestiegen und dieses Jahr entschieden sich auf die Frage, „welcher Begriff Sie am besten beschreibt“ 54 Prozent der Befragten eine Variante von „israelisch“ (die beliebteste Wahl war „israelischer Araber“, gefolgt von „arabischer Bürger Israels“, „Israeli“ und „israelischer Muslim“). Das ist mehr als das Doppelte der 24 Prozent derer, die sich für eine der Varianten von „palästinensisch“ entschieden (15 Prozent wählten einfach „palästinensisch“; die anderen wählten „Palästinenser in Israel“, „palästinensischer Bürger in Israel“ oder „israelischer Palästinenser“).

Zudem hielten 63 Prozent Israel für einen „positiven“ Lebensort; im Vergleich dazu sagten 34 Prozent das Gegenteil. 60 Prozent hatte eine vorteilhafte Meinung zu Israel; 37 Prozent betrachten es als nicht vorteilhaft. Das sind kleinere Mehrheiten als jede Frage bei israelischen Juden erhalten würde, aber sie sind immer noch eindeutig. Selbst und Muslimen, der ambivalentesten Gruppe, war das Verhältnis der positiven zu den negativen Ansichten ein statistisches Unentschieden (49:48). Bei den Christen betrug es 61:33 und bei den Drusen 94:6.

Einer von Zoabis Kollegen, MK Yusef Jabarin, beeilte sich der Jerusalem Post zu versicher, dass israelische Araber Israel negativer sehen als die Umfrage andeutet, denn „wenn ich Leute aus meiner Gemeinschaft treffe, höre ich immer Sorgen wegen zunehmender Diskriminierung und Rassismus“ sowie dem „sozioökonomischen Status, Fehlende Arbeitsplätze und Wohnungen“. Er liegt mit den Sorgen seiner Gemeinschaft nicht falsch: Volle 47 Prozent der Befragten hatten das Gefühl, dass sie als Araber „allgemein nicht gleichwertig behandelt“ werden. Viele machten sich auch Sorgen wegen wirtschaftlicher Themen und die hohe Kriminalitätsrate in ihrer Gemeinschaft.

Was Jabarin aber offensichtlich nicht begriffen hat: Eine insgesamt positive Sicht des eigenen Landes zu haben widerspricht keinesfalls eine lange Liste an Beschwerden zu ihm zu haben. Immerhin bescheren sich israelische Juden ständig über die Unzulänglichkeiten ihres Landes, während sie dennoch glauben, dass seine Vorzüge gegenüber seinen Minuspunkten schwerer wiegen. Warum sollten israelische Araber nicht dasselbe tun?

Die Gegenüberstellung mit Israels Nachbarn ist offensichtlich nach der Implosion mehrerer arabischer Länder seit 2011 krasser geworden und das ist zweifelsohne ein wichtiger Faktor für die wachsende Wertschätzung Israels bei Israels Arabern. Aber auch Anstrengungen der Regierung zur Verbesserung ihrer sozioökonomischen Lage haben dazu beigetragen.

Zum Beispiel schuf eine gemeinsame Initiative der Regierung und den größten Arbeitgebern des Privatsektors des Landes eine starke Zunahme der Zahl israelischer Araber, die in diesen Firmen arbeiten, die üblicherweise bessere Bezahlung, Beihilfen und Beförderungsmöglichkeiten als kleinere Firmen bieten. Bei mehreren teilnehmenden Firmen stellen Araber inzwischen 14 Prozent der Lohnempfänger – weniger als ihr Anteil der Bevölkerung, entspricht aber in etwa ihrem Anteil an der Erwerbsbevölkerung.

Die Regierung hat auch mehr Geld in arabische Schulen investiert, die – zusammen mit einem neuen Schwerpunkt bei Bildung innerhalb der arabischen Gemeinschaft – ha geholfen die Schülerleistungen zu verbessern. Der Anteil der Studenten, die an Immatrikulationstests teilnehmen, ist heute in etwa für Araber derselbe wie für Juden und währen immer noch mehr Juden bestehen, hat sich die Lücke verkleinert. Tatsächlich nehmen zwei arabische Oberschulen im Land die erste und zweite Stelle bei akademischen Leistungen im Land ein.

Schließlich sind andere in scharfen Gegensatz zu den Nichtregierungsorganisationen, die ihre Zeit und Energie damit verbringen Israel im Ausland als rassistisch zu verleumden, korrekterweise zu dem Schluss gekommen, dass Ungleichheit nützlicher bekämpft werden kann, wenn man in arabische Bildung und Arbeitsstellen investiert. Die israelische NGO Tsofen zum Beispiel konzentriert sich auf die Stärkung technischer Bildung und Arbeitsplätze. Zum Teil dank dieser Anstrengungen ist die Zahl der israelischen Araber mit Arbeitsplätzen im High-Tech-Bereich im Verlauf des letzten Jahrzehnts um mehr als das Zehnfache gestiegen, die Zahl der Studierenden für Berufe im Bereich Wissenschaft, Technologie, Industrie und Mathematik an israelischen Universitäten um 62 Prozent gestiegen und die arabische Stadt Nazareth, einst frei von High-Tech-Industrie, ist heute stolz auf 50 lokale Startups neben Zweigen führender nationaler und internationaler Firmen.

Sogar einige Araber aus dem Ausland fangen an das zu begreifen. Erst letzten Monat veranstaltete eine Gruppe palästinensisch-amerikanischer Geschäftsleute ihr erstes Spendendinner für einen Stipendienfonds, um Palästinensern und israelischen Arabern zu helfen an Israels Universität Haifa zu studieren. Obwohl das Dinner neu ist, ist der Fonds seit 2015 aktiv gewesen und hat bisher mehr als 60 Studenten unterstützt. Es muss nicht erst erwähnt werden, dass dies weit mehr tut um Menschen zu helfen, als – sagen wir – für antiisraelische Boykotte einzutreten, die dafür sorgen, dass Palästinenser ihre Jobs verlieren.

Veränderungen der Art, wie sie die israelisch-arabische Gemeinschaft derzeit durchmacht, braucht Jahrzehnte, um Früchte zu tragen. Als ein Beispiel betrachte man die drusischen Einwohner der Golanhöhen, wo bisher trotz einer steten Zunahme während der letzten Jahre weniger als ein Viertel sich für die israelische Staatsbürgerschaft entschieden. Wie aber mehrere Drusen letzten Monat gegenüber Ha’aretz sagten, ist die Kluft eine der Generationen: Die ältere Generation fühlt sich immer noch syrisch; die jüngeren fühlen sich israelisch. Folglich sagen selbst in der jüngeren Generation viele, sie wollten die israelische Staatsbürgerschaft noch nicht annehmen, weil das „der älteren Generation gegenüber respektlos ist“.

Es müssen also viele Jahre vergehen, bevor Veränderung sich in der israelisch-arabischen Gemeinschaft bis zu dem Punkt ausbreiten, an dem die Baklys repräsentativer sind als Zoabi. Aber der Trend geht eindeutig dahin, sich in diese Richtung zu bewegen. Und trotz ihrer größten Bemühungen scheint das lautstarke antiisraelische Kontingent der Gemeinschaft nicht die Macht zu haben das aufzuhalten.

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