Christlicher Zionismus und die Balfour-Erklärung

Während es zweifelsohne Protestanten gibt, die den Zionismus als eine Ankündigung der Wiederkunft Jesu betrachten, sollten wir nicht alle Christen ablehnen, die Israel eifrig unterstützen.

Eli Kavon, Jerusalem Post, 21. Oktober 2017

Während wir uns dem hundertsten Jahrestag der Balfour-Erklärung nähern, ist ein Grund für die britische Anerkennung einer jüdischen Heimstatt am 2. November 1917 übersehen worden. Zwar schreiben viele Historiker die Balfour-Erklärung entweder Chaim Weizmanns Beitrag zu den Kriegsanstrengungen zu oder dem Versuch bei amerikanischen und russischen Juden Wohlwollen für den britischen Kampf zu schaffen, aber ein tiefgreifender Grund für die britische Anerkennung wurzelt in der Religion, insbesondere im protestantischen Christentum.

Die christlich-zionistische Bewegung wird heute von jüdischen Anstrengungen überschattet – verwurzelt in der Bibel, aber in einer modernen Bewegung zum Ausdruck gebracht – einen jüdischen Staat in Israel aufzubauen. Fakt ist: bereits im 17. Jahrhundert, dem modernen Zionismus um mehr als 100 Jahre vorausgehend, traten Christen für eine jüdische Rückkehr in das Land Israel ein und malten sich diese aus.

In seiner bahnbrechenden Studie des christlichen Zionismus betont Prof. Shalom Goldman den Einfluss der Religion auf die Erschaffung der Balfour-Erklärung. In „Zeal for Zion“ (2009) widerlegt Goldman den Mythos, dass nur ein paar wenige „gerechte Heiden“ das jüdische Ringen zru Gründung eines Staates unterstützten. Goldman schreibt:

„Bis ins späte 19. Jahrhundert waren die meisten Pläne für ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina christlich. Diesen Plänen ging die Vorstellung voraus, dass Palästina geografisch die uralte Heimat war, die den Juden ‚gehörte‘. Diese Auffassung wurzelte in einer biblischen Weltsicht, das von breiten Sektoren des Christentums beeinflusst war.
Es handelte sich um eine vormoderne Auffassung, die in die Moderne bestehen blieb und bis heute immer noch viele Christen beeinflusst, besonders, aber nicht ausschließlich in den Vereinigten Staaten.“

Es sollte nicht überraschen, dass christliche Zionisten in England großen Einfluss auf das Thema der Balfour-Erklärung hatten. Nach Angaben von Goldman beeinflussten die religiösen Überzeugungen von Außenminister Lord Arthur James Balfour „seine politischen Entscheidungen, insbesondere zur Frage einer jüdischen Rückkehr nach Palästina, von der er das Gefühl hatte, sie sei die Erfüllung biblischer Prophetie“. Die Erklärung Balfours, zugestellt an Lord Lionel Walter Rothschild, den nominellen Präsidenten der British Zionist Federation, war genauso sehr ein religiöses Dokument, wie es ein politisches war. „Die Gründung einer nationalen Heimstatt für das jüdische Volk in Palästina“ verkörperte die christliche Überzeugung einer messianischen Wirklichkeit. Die Balfour-Erklärung war nicht einfach ein Dokument internationaler Diplomatie und Anerkennung jüdischer Ansprüche durch eine Großmacht.

Ich möchte mich auf einen der frühesten Fürsprecher einer jüdischen Rückkehr in das Land Israel konzentrieren. (Es gibt eine beeindruckende Liste christlicher Einzelpersonen und Bewegungen – in Joseph Adlers Restoring the Jew to their Homeland von 1997 – die die Vorläufer von Lord Balfour waren und der Unterstützung Israels bei amerikanischen Evangelikalen unserer Tage.) Holger Paulli (1644-1714) ist ein früher christlicher Zionist, dessen Leben rätselhaft und exzentrisch war. Nach dem Studium der Theologie machte er mit dem Sklavenhandel für die Westindischen Inseln ein Vermögen. Er durchlief als junger Mann eine mystische Erfahrung und erklärte sich zum König der Juden. Sein ultimatives Ziel war die Bekehrung aller Juden zum Christentum. Dann würde er „sein Volk“ in das Land Israel führen, was die Ankunft des Messias einleiten würde.

Paulli war erfolgreich. Lange vor Herzls diplomatischen Bemühungen und Treffen mit eruopäischen Führungskräften, um für den Zionismus zu werben schickte der Däne Paulli Abhandlungen mit seinen Ideen an König William III. von England und den Kronprinzen von Frankreich. Er sagte voraus, dass der Wiederaufbau Jerusalems 1720 stattfinden würde. Seine einzige Bedingung für die Rückkehr lautete, dass alle Juden getauft werden. Sein Untergang war seine Rückkehr nach Dänemark im Jahr 1706. Die dänischen Behörden wollten ihm nicht zugestehen, dass er der Messias sei, um unter der Bevölkerung von Kopenhagen keine Ärger zu erwecken und von diesen frühen christlichen Zionisten hörte man nie wieder.

Viele Juden von heute sind angesichts des Eifers amerikanischer Evangelikaler für den Staat Israel argwöhnisch. Während die Christen von heute nicht so sehr wie Holger Paulli auf Übertritt bestehen, bleibt ein Restzweifel. Für was warb Lord Balfour in seiner öffentlichen Erklärung? Gründete sein Glaube an die Erfüllung biblischer Prophetie auf der Idee, dass alle Juden getauft würden, sobald sie das Land Israel erreichten?

Mein Bauch und meine Studien der Geschichte sagen nein, wenn es zur Lage von heute kommt. Es gibt zwar keine Zweifel, dass Protestanten, die den Zionismus als Einleitung der Wiederkunft Jesu betrachten, doch wir sollten nicht alle Christen ablehnen, die Israel eifrig unterstützen. Ich glaube, dass es bei christlichen Unterstützern Israels echte Begeisterung gibt – die Menschen der hebräischen Bibel wandeln wieder in den Fußspuren von Jesaja, Jeremia und Judas Makkabäus. Freie Religionsausübung zu haben und dort entlang zugehen, wo Jesus ging, inspiriert diese Unterstützer. Wie immer die Motive von Lord Balfour aussahen, sein Handeln ermöglichte den Juden in die Familie der Nationen einzutreten und zurückzukehren um Israel so aufzubauen, wie es heute ist.