Der Krieg an den Unis

Daniel Pipes, New York Post, 17. September 2002

Letzte Wochen kamen zwei Prominente des Nahen Ostens an zwei nordamerikanische Universitäten um Reden über (jedenfalls hauptsächlich) den arabisch-israelischen Konflikt zu halten. Eine der prominenten Persönlichkeiten konnte ihre Rede halten; die andere nicht. Und damit gibt es eine Geschichte zu erzählen.

Am Montag fuhr der frühere israelische Premierminister Benjamin Netanjahu zur Concordia-Universität in Montreal um zu erklären, warum „es keine Alternative zum Gewinn dieses ohne Verzögerung zu führenden Krieges [gegen den Terror]“ gibt. Aber er sprach dort nie – er schaffte es nicht einmal auf den Campus – denn tausend anti-Israel-Demonstranten veranstalteten einen kleinen Krawall mit der Absicht, ihn am Reden zu hindern; „Benjamin Netanjahu kommt nach Montreal. Macht ihm klar, dass er nicht willkommen ist“, stand auf einem ihrer Schilder.

Die anti-Israel-Kräfte griffen die potenziellen Zuhörer körperlich an. Eine Religions-Professorin von Concordia erzählte, wie einige von ihnen „mit ihren Schlägen auf meine Brüste zielten“.

Sie warfen Spiegelglas-Fenster ein und Gegenstände auf die drinnen stehende Polizei. Sie schleuderten Möbelstücke von einem Treppenabsatz aus auf die Polizei. Torontos Zeitung „Globe & Mail“ meinte: „Zur Mittagszeit war die Vorhalle von Concordias Hauptgebäude in der Innenstadt mit Papier, umgekippten Stühlen, zerbrochenen Möbeln und den Würgen erzeugenden Nachwirkungen von Pfefferspray bedeckt.“

Die Polizei sagte, sie könne Netanjahus Sicherheit nicht mehr gewährleisten und sagte die Veranstaltung ab. Dazu prahlte Wassim Moukahhal, ein arabischer Führer der nahen McGill-Universität: „Der Mann ist ein Kriegsverbrecher. Wir wollen nicht, dass unsere Stadt und unsere Universitäten einem solchen Kriegsverbrecher ein Podium bieten.“

Das war nicht das erste Mal, dass Netanjahu von einer Rede an eine Universität abgehalten wurde. Im November 2000 schafften es „hunderte rauer Protestierer“ seinen Auftritt an der Berkeley Universität in Kalifornien zu verhindern.

Am Dienstag kam Hanan Ashrawi, ehemalige Sprecherin und Kollegin von Yassir Arafat ins Colorado College in Colorado Springs um eine Schlüsselrede auf einem Symposium zum Thema „Der 11. September – ein Jahr danach“ zu halten.

Protestierer merkten an, dass Ashrawi ein Hauch auf der die Seite der Feinde Amerikas im Krieg gegen den Terrorismus sei. Während z.B. die US-Regierung die Hamas formal als Terroristische Gruppe bezeichnet, erklärt Ashrawi, sie „empfinde Hamas nicht als Terrorgruppe“. Israelische Zivilisten, die in der Westbank leben, betrachtet sie als „legitime Ziele des palästinensischen Widerstands“ – soll heißen: legitime Ziele tödlicher Gewalt.

Die vielen Einsprüche gegen Ashrawis Ehrung am Colorado College konzentrierten sich auf die Anstößigkeit ihrer Teilnahme an einer Veranstaltung, die sich mit den Nachwirkungen des 11. September beschäftigt. Colorados Gouverneur Bill Owens drückte aus, was viele meinen, als er sagte: „Es ist empörend diese Frau hierher zu bringen, die so viel dazu beigetragen hat den Nahen Osten zu entzweien und die dem Terrorismus applaudiert.“ Beide US-Senatoren des Staates sprachen sich gegen ihre Teilnahme aus. Rudolph Giuliani fügte hinzu: „Ich hätte sie nicht eingeladen. Sagt das ab.“

Aber sie sprach, ohne dass jemand einschritt. Die Proteste waren absolut nicht gewalttätig; es gab ein paar vereinzelte Buh-Rufe, von Hand hochgehaltene Schilder und eine Widerlegung ihrer Aussagen nach der Rede (gegeben durch den Autor dieses Artikels).

Diese parallelen und doch so unterschiedlichen Episoden zeigen mehrere Schlussfolgerungen auf:

* Beide Seiten des arabisch-israelischen Konflikts versuchen die Bedingungen der Debatte zu verändern. Die pro-israelische Seite will die Sprecher deligitimieren, die praktisch zu einer Vernichtung des jüdischen Staates aufrufen. Die anti-israelische Seite will die Israel positiv gegenüber stehenden Sprecher aus dem Weg räumen.

* Beide Vorfälle zeigen die schwer wiegenden Probleme in den Universitäten auf; auch, weshalb Abigail Thernstrom sie „eine Insel der Unterdrückung in einem Meer der Freiheit“ nennt. In Colorado traf die Verwaltung die moralisch idiotische Entscheidung eine Terror-Befürworterin zu ehren. An Concordia ließ die knieweiche Antwort die Rowdies die Redefreiheit unterbinden.

* Die Vorfälle zeigen auch die unterschiedlichen Gesichter des pro- und des anti-israelischen Aktivismus auf – der erste politisch akzeptabel, der zweite rüde gewalttätig. Der erste erinnert an die zurückhaltenden Aktionen der israelischen Streitkräfte. Der zweite ist das nordamerikanische Gesicht der Selbstmord-Attentate.

Grundsätzlicher ausgedrückt: Wir sehen hier den Unterschied zwischen dem zivilisierten Charalter Israels und seiner Freunde gegenüber dem rüden Barbarismus der Feinde Israels.

Es verspricht ein heißes politisches Jahr an den Unis zu werden. Wie die Dinge sich entwickeln wird davon abhängen, welche Art des Aktivismus vorherrschen wird – das Hochhalten von rosa Papieren mit den Worten „Ich bin nicht einverstanden“ oder die von Treppenabsätzen geworfenen Stühle.