Warum die Linke Osama (und Saddam) liebt

Daniel Pipes, New York Post, 19. März 2003

Hat jemand die Gleichgültigkeit im Feld der äußersten Linken gegenüber den Toten des 11. September und dem von Saddam Hussein verübten Horror bemerkt?

Unmittelbar nach dem Anschlag vom 11.9. nannte der deutsche Komponist Karlheinz Stockhausen diesen „das größte Kunstwerk des gesamten Kosmos“. Eric Foner, Aushängeschild des marxistischen Firmaments der Columbia University, spielte ihn herunter, indem er verkündete, er sei unsicher „was beängstigender sei: Der Horror, der New York City verschlang, oder die apokalyptische Rhetorik, die täglich vom Weißen Haus ausgeht“. Norman Mailer nannte die Selbstmordbomber „brillant“.

Weniger weit zurück liegend erscheint es so, dass keiner der Millionen der Antikriegs-Demonstranten ein schlechtes Wort über Saddam Hussein verliert, es noch nicht einmal eine Andeutung von Mitleid für die von seinem Regime Unterdrückten, Gefolterten und Ermordeten gibt. Stattdessen machen sie ihrem Ärger über den amerikanischen Präsidenten und den britischen Premierminister Luft.

Warum ist die Linke gegenüber den Verbrechen gleichgültig, die von Al Qaida und Bagdad begangen werden?

Lee Harris, Schriftsteller aus Atlanta, bietet in einer der letzten Ausgaben des „Policy Review“, dem Journal der Hoover Institution, eine Erklärung an. Er tut dies, indem er weit zurück geht und an die zentrale These von Karl Marx zum Untergang des Kapitalismus erinnert, der Ergebnis einer Reihe unvermeidbarer Ereignisse ist:

* Geschäftsgewinne in den industrialisierten Ländern gehen stark zurück;

* die Bosse „quetschen“ ihre Arbeiter aus;

* die Arbeiter verarmen;

* die Arbeiter rebellieren gegen die Arbeitgeber und

* die Arbeiter errichten die sozialistische Ordnung.

Hier hängt alles daran, dass die Arbeiter im Lauf der Zeit ärmer werden – was natürlich nicht passierte. Die Wahrheit war, dass die Arbeiter im Westen wohlhabender wurden (und zunehmend un-revolutionär). Spätestens in den wilden 1950-ern wurde der Linken klar, dass Marx falsch lag.

Statt aber die geliebte Erwartung der sozialistischen Revolution aufzugeben, so Harris, feilten die Marxisten ihre Theorie um. Sie ließen die Arbeiter der fortschrittlichen industrialisierten Länder fallen und wandten sich stattdessen den kompletten Bevölkerungen armer Länder zu, die die Revolution durchführen sollten. Klassenkampf-Analysen verflogen und wurden durch Geographie ersetzt.

Dieser neue Ansatz ist als „Dependenz-Theorie“ bekannt ist und besagt, dass die Erste Welt (und die USA mehr als alle anderen) davon profitiert, dass die Dritte Welt gewaltsam ausgenutzt wird. Die Linke stellt die Theorie auf, dass die USA arme Länder unterdrückt; daher kommt Noam Chomskys Ausdruck, Amerika sei ein „führender terroristischer Staat“.

Zur Rechtfertigung dieser Behauptung warten die Marxisten ungeduldig darauf, dass die Dritte Welt sich gegen den Westen erhebt. Betrüblich war für sie, dass die einzige echte Revolution seit den 50-er Jahren die des Iran von 1978/79. Diese endete damit, dass sich der militante Islam an der Macht und die Linke im Untergrund befanden.

Dann kam der 11. September. Die Marxisten interpretierten ihn so, dass die Dritte Welt (endlich!) gegen ihren amerikanischen Unterdrücker zurückschlug. Harris erklärt, dass in der Vorstellung der Linken dieser Angriff nichts weniger war als „Weltgeschichte von größter Bedeutung: die Morgendämmerung eines neuen, revolutionären Zeitalters.“

Nur ein Pedant würde darauf hinweisen, dass die Selbstmord-Hijacker wohl kaum für die Elenden der Welt stehen und dass ihre Ziele nun überhaupt nichts mit dem Sozialismus zu tun haben, sondern mit allem, was – nein, nicht schon wieder! – mit dem militanten Islam zusammenhängt.

Die Linke sucht so verzweifelt nach einem Zeichen des wahren Sozialismus, dass sie solche lästigen Details übersieht. Stattdessen bewundert sie misstrauisch Al-Qaida, die Taliban und den militanten Islam allgemein dafür, dass sie die Schlacht gegen die USA führen. Die Linke versucht die leicht unsozialistischen Praktiken des militanten Islam zu übersehen – wie die Verhängung religiöser Gesetze, den Ausschluss von Frauen von Arbeitsplätzen, den Bann auf Zinszahlungen, die Förderung von Privateigentum und die Verfolgung von Atheisten.

Dieser Geist der Bewunderung erklärt die gleichgültige Antwort der Linken auf den 11. September. Sicher, sie bedauerten den Verlust von Leben, aber nicht allzu sehr. Dario Fo, italienischer Marxist, der 1979 den Literatur-Nobelpreis gewann, erklärt: „Die großen Spekulanten [der Wall Street] suhlen sich in einer Wirtschaft, die jedes Jahr Millionen Menschen durch Armut tötet. Was sind da 20.000 Tote in New York?“

Genauso sieht man Saddam Hussein, dessen grausame Qualitäten für die Linke weniger bedeutend sind als die Tatsache, dass er sich gegen die USA stellt und sich ihnen widersetzt. Aus dieser Sichtweise kann keiner, der das tut, allzu schlecht sein – macht nichts, wenn er seine Untertanen brutal behandelt und seine Nachbarn überfällt. Die Linke geht auf die Straße um sein Überleben sicher zu stellen, gleichgültig gegenüber dem Schicksal der Irakis und sogar der eigenen Sicherheit. Stattdessen klammern sie sich an die Hoffnung, dass dieses Monster irgendwie den Sozialismus näher bringt.

Zusammengefasst: der 11. September und die Aussicht auf Krieg gegen Saddam Hussein, haben die Selbsttäuschung der Linken, ihren intellektuellen Bankrott und ihre moralische Verdorbenheit offenbart.