Warum die USA die Kriegsregeln verwerfen

Daniel Pipes, New York Post, 22. Juli 2003

„Seit den Ereignissen vom 11.9.“, beobachtet Amerikas beherrschender Philosoph zum 11. September, „hat sich die politische Debatte in den USA hauptsächlich auf eine Gruppe von Problemen konzentriert – den radikalen Islam und den Krieg gegen den Terrorismus, den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern und Massenvernichtungswaffen in den Händen von Saddam Hussein im Irak.“

Wir fühlen, dass diese drei Probleme miteinander verbunden sind, notiert Harris in einem Artikel auf TechCentralStation.com; aber wir können nicht so ganz herausfinden, wie. Er schlägt eine subtile Verbindung zwischen diesen scheinbar grundverschiedenen Fragen vor – und das ist explizit nicht ihre gemeinsame muslimische Identität. Sie hat vielmehr mit ihrer unverdienten Macht zu tun.

„Alle vorherigen Bedrohungen in der Menschheitsgeschichte hatten ein gemeinsames Element. Sie wurden von historischen Gruppen ausgeübt, die – physisch wie kulturell – Waffen geschaffen hatten, die sie nutzten, um ihre Feinde zu bedrohen.“ Staaten erzielten Macht durch ihre eigene Arbeit und Opfer, durch die Entwicklung ihrer eigenen Wirtschaft, Ausbildung ihrer eigenen Truppen und Aufbau ihres eigenen Waffenarsenals.

Dasselbe kann nicht über die Bedrohung gesagt werden, die von der muslimischen Welt ausgeht.

Al Qaida zerstört Flugzeuge und Gebäude, die sie selbst nicht zu bauen in der Lage wären. Die Palästinensische Autonomiebehörde ist auf jedem Gebiet gescheitert, außer beim Töten von Israelis. Saddam Husseins Irak wurde gefährlich, weil er mit Geld aus dem Westen überschüttet wurde, um Öl zu bezahlen, das die Irakis weder entdeckt noch gefördert hatten.

Wie hat es dieses Trio trotz seiner generellen Inkompetenz geschafft, den Verlauf des Geschehens zu führen, als wären sie Mächte im traditionellen Verständnis?

Harris antwortet, dass die Ursache dieser Anomalie die ist, dass der Westen nach einem strikten Regelwerk spielt, während er Al Qaida, den Palästinensern und Saddam Hussein erlaubte ohne Regeln zu spielen. WIR halten uns nach den Standards des über die Jahrhunderte verfeinerten zivilisierten Umgangs zurück; SIE betreiben maximale Rücksichtslosigkeit.

Hätten die Vereinigten Staaten in gleicher Weise auf den 11. September reagiert, erzählt mir Harris, wären die heiligen Stätten des Islam zerstört worden. Wären die Israelis dem Arafat-Modell des Blutrünstigkeit gefolgt, gäbe es jetzt in der Westbank und im Gazastreifen keine Palästinenser mehr. Hätte sich der Westen gegenüber dem Irak verhalten, wie es der Irak gegenüber Kuwait tat, wäre das irakische Staatswesen lange annektiert und seine Ölreserven konfisziert worden.

Während das moralisch lobenswert ist, argumentiert Harris, hat es einen hohen und weiter steigenden Preis, dass der Westen auf die muslimische Rücksichtlosigkeit nicht mit gleicher Rücksichtslosigkeit antwortet. Es erlaubt den muslimischen politischen Extremisten der verschiedenen Sorten die Fantasie, dass sie ihre Macht erworben hätten, während diese in Wirklichkeit ausschließlich aus der total zivilisierten Zurückhaltung des Westens erwächst.

Dieses Durcheinander lässt die muslimischen Extremisten sich in dem Fehler schwelgen, dass ihre Erfolge eine höhere Tugendhaftigkeit oder sogar Gottes Hilfe bedeuten. Sie nehmen im Gegenteil die Zurückhaltung des Westens als ein Zeichen seiner Dekadenz wahr. Solche Fantasien, macht Harris geltend, nähren sich aus sich selbst, führen zu immer wahnsinnigerem und gefährlicherem Verhalten. Westler sorgen sich um die Sicherheit von Stromnetzen, Computerfehlern und Wasser-Reserven; kann ein atomarer Angriff auf eine westliche Metropole so weit entfernt sein? Mit anderen Worten: Westliche Zurückhaltung isoliert dessen Feinde von den verdienten Konsequenzen ihrer Taten und ermutigen so unabsichtlich ihr schlechtes Verhalten.

Für den Westen bedeutet die Umkehr dieses Prozesses weit rauere Mittel als er zu benutzen vorzieht. Harris, Autor eines weit denkenden Buches über diese allgemeine Frage, das Anfang 2004 bei Free Press heraus kommt, besagt, dass das Alte Europa und die meisten Analysten es versäumt haben, die Erfordernis des Wechsels zu begreifen. Allerdings hat die Bush-Administration das herausgefunden und hat auf mehrere Arten begonnen hat ungerührt einen grundlegenden Bruch mit den Beschränkungen der Vergangenheit durchgeführt:

  • Präventiv vorgehen: Ausschalten von Führungs-Fantasten (den Taliban, Saddam Husseins, Yassir Arafats), bevor sie mehr Schaden anrichten können.
  • Wiederherstellen: Ihr Staatswesen abbauen, dieses dann mit zivilisierten Richtlinien wiederherstellen
  • Durchsetzung von zweierlei Maß: Handle aufgrund der Voraussetzung, dass es der US-Regierung allein „gestattet ist, Gewalt gegen andere anzuwenden, die keine Gewalt benutzen dürfen.“

Kurz gesagt: Bis die, die Harris die „islamischen Fantasten“ nennt, nach den Regeln spielen, muss Washington bereit sein, wie sie zu handeln: ohne Regelwerk.

Dieser Appell an Amerika, weniger zivilisiert zu handeln, wird bei manchen Anstoß erregen; aber er bietet eine überzeugende Erklärung für die innere Logik von Amerikas harter, neuer Außenpolitik.