Den Feind beim Namen nennen

Daniel Pipes, New York Post, 17. August 2004

In einem erstaunlichen Eingeständnis sagte George W. Bush neulich: „Wir haben dem Krieg gegen den Terror eigentlich einen falschen Namen gegeben. Er sollte Kampf gegen ideologische Extremisten genannt werden, die nicht an freie Gesellschaften glauben und zufällig Terror als Waffe benutzen, um das Bewusstsein der freien Welt zu erschüttern.“

Dieses wichtige Eingeständnis folgt wachsender Kritik an dem fehl leitenden Begriff „Krieg gegen den Terror“ (wie kann man eine Taktik bekämpfen?) und ersetzt ihn durch den genaueren des „Kriegs gegen ideologische Extremisten“. Mit dieser Veränderung kann die Schlacht der Ideen beginnen.

Wer genau sind aber diese ideologischen Extremisten? Präsident Bush muss sie im nächsten Schritt beim Namen nennen.

Tatsache ist, dass er sich seit dem 11. September gelegentlich offen zu ihrer Identität geäußert hat. Bereits im September 2001 beschrieb er den Feind als „eine Randerscheinung des islamischen Extremismus“, der versucht „Christen und Juden zu töten, alle Amerikaner zu töten und der keinen Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten, einschließlich Frauen und Kindern macht“. Dieser islamische Extremismus ist auch Erbe „all der mörderischen Ideologien des zwanzigsten Jahrhunderts“, einschließlich „Faschismus, Nationalsozialismus und Totalitarismus.“

Im Januar 2002 wurde Präsident Bush noch genauer und fügte an, dass die terroristische Unterweltgruppen wie Hamas, Hisbollah, den Islamischen Jihad und Jaish-i-Mohammed“ einschließt. Im Mai 2002 stellte er heraus, dass eine „neue totalitäre Bedrohung“ existiert, deren Anhänger „durch ihren Hass definiert sind: sie hassen … Juden und Christen und alle Muslime, die nicht ihrer Meinung sind“ (voraus gesetzt sie sind Muslime). Diese Anhänger, sagte er, fühlen sich ermächtigt „im Namen einer falschen religiösen Reinheit“ zu töten.

Ein Jahr später, im Mai 2003, lieferte der Präsident Details zu den Zielen der Islamisten; er stellte fest, dass „neunzehn üble Männer – Stoßtrupp einer Hass erfüllten Ideologie – Amerika und der zivilisierten Welt eine Ahnung von ihren Zielen vermittelten. Sie stellten sich vor – wie es Ramzi Binaldschib ausdrückte, der Al-Qaida-Führer, dem vorgeworfen wird die Operation am 11.9. geleitet zu haben – dass der 11. September der ‚Anfang vom Ende Amerikas‘ sein würde.“

Die Terrorakte der letzten zwei Jahrzehnte, führte Bush im April 2004 an, sind das Werk fanatischer, politischer Ideologen, die „im Mittleren Osten und darüber hinaus die Tyrannei haben wollen. Sie wollen Frauen unterdrücken und verfolgen. Sie wollen den Tod von Juden und Christen und jedem Muslim, der Frieden dem theokratischen Terror vorzieht.“

Letzten Monat benutzte Bush zum ersten Mal den Begriff „islamische Militante“, vielleicht die bisher deutlichste Bezugnahme auf die islamistische Bedrohung; da sagte er, dass die Benevolcence International Foundation, eine so genannte islamische Wohlfahrtsorganisation aus Illinois, habe bis zu ihrer Schließung „Geld an islamische Militante weiter geleitet“.

Wenn man diese Kommentare in ein einzelnes Statement zusammenfasst, zeigt sich, wie Präsident Bush – und damit die gesamte US-Regierung – den Feind sehen: Eine falsche Doktrin islamischer Reinheit inspiriert eine totalitäre Ideologie der Macht und Dominierung. So erbarmungslos und mörderisch sie ihre Ziele verfolgt, erinnert sie an die Ideologien der Nazis und der Kommunisten. Die Extremisten, die diese Doktrin vertreten, betrachten Amerika als Haupthindernis für das Erreichen ihrer Ziele. Um Amerika zu besiegen, streben sie erst einmal Washingtons Rückzug aus der Außenwelt an. Letztendlich hoffen sie, dass sie den Zusammenbruch Amerikas herbeiführen, wie es ist. Um das zu erreichen sind sie bereit, jede beliebige Zahl an Amerikanern umzubringen.

Das ist eine gute Beschreibung des Islamismus, seiner Mentalität, Vorgehensweise und dazu benutzten Mittel. Sie zeigt auch, dass Präsident Bush die feine Unterscheidung zwischen persönlichem islamischem Glauben und der politischen Ideologie des Islamismus (oder militanten Islam) zieht.

Damit geht er mit dem konform, was eine Reihe muslimischer Führer sagten, darunter sogar einige Saudis. Nach Terroranschlägen in Riyadh im Mai 2003 schrieb Innenminister Prinzi Naif öffentlich diese Gewalt „Ideologie“ und „fanatischen Ideen“ zu. Und wenn Naif – selbst ein Islamist – das Problem letztlich nicht den Gewaltakten zuschreibt, sondern den hinter diesen stehenden Ideen, dann brauchen Amerikaner sich sicher nicht zurückhaltender zu äußern.

Präsident Bush hat bereits darauf angespielt, dass die Vereinigten Staaten sich der Konfrontation mit der dritten totalitären Ideologie stellen müssen. Jetzt muss er diese Ideologie beim Namen nennen. Ich hoffe, er wird sich mit einer Gruppe hervorragender antiislamistischer Muslime aus dem In- und Ausland umgeben und formell verkünden, dass Amerika die Führung im Krieg gegen den Islamismus annimmt.

Nur mit solcher Bestimmtheit kann die zivilisierte Welt anfangen den Weg zum Sieg über diese jüngste Manifestation der Barbarei zu gehen.