Skeptiker aus Übersee

Fans und Skeptiker des neuesten Friedensschachzugs müssen aufpassen

Jonathan Tobin, Jewish World Review, 17. Januar 2005

Es war Karl Marx, der falsche Prophet des Kommunismus, der einmal schrieb, dass sich Geschichte wiederholt, „das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce“.

Dieses Bonmot könnte mehr oder weniger die Reaktion einiger skeptischer Zuschauer der Umarmung des neuen palästinensischen Führers Mahmud Abbas durch die Regierungen von Israel und den USA zusammenfassen.

Für diejenigen, die die 90-er Jahre damit zubrachten anzuführen, dass der Oslo-Prozess durch den Unwillen der Palästinenser Frieden zu schließen bedeutungslos gemacht wurde, hat der Rummel um Abbas’ nicht überraschenden Wahltriumph von dieser Woche etwas von einem déja vu.

Sie zeigen auf Abbas’ Akte der persönlichen Beteiligung am Terrorismus, seinen erklärten Unwillen die Terrorgruppen zu entwaffnen, seine Unterstützung des palästinensischen „Rückkehrrechts“ – was gleich bedeutend ist mit der Eliminierung Israels als jüdischem Staat – und fragen, warum irgendjemand sich vorstellen kann, dass eine solche Person sich irgendwie anders verhalten könnte als Yassir Arafat, der Mann, dem er Jahrzehnte lang loyal folgte.

Was geht hier vor? Man mag die Motive dieser unveränderten Oslo-isten in den Medien in Frage stellen, weil sie Abbas den Mantel des Friedensmachers aufzwingen. Aber sind die Israelis und in Erweiterung auch die Regierung Bush, die sich hinter deren Spiel stellt, einfach dumm?

Wenn man israelischen Regierungssprechern folgt, dann ist die Antwort auf die letzte Frage ein „Nein“. Anders als der blauäugige Glaube an einen „Neuen Nahen Osten“, der die von der Regierung der Arbeitsparte unter Yitzhak Rabin verbreitete Oslo-Euphorie charakterisierte, behauptet Israels neue Koalition von Scharon und dem immer hoffnungsvollen Shimon Peres, dass sie nichts nur aus Glauben heraus annimmt.

Blinde Unterstützung

In der Zwischenzeit stecken Israels amerikanische Freunde in einem Dilemma: Wie enthusiastisch sollten sie über das sein, was einige als eine echte Gelegenheit zum Frieden darstellen?

Und hier spielt die Bemerkung hinein, dass sich Geschichte wiederholt. Ein kurzer Überblick der Haltung amerikanischer Juden zum Friedensprozess ab 1993 bis in die Gegenwart zeigt die Gefahren, denen man sich aussetzt, wenn man Annahmen über die Palästinenser macht.

Von dem Augenblick an, als die Oslo-Vereinbarungen 1993 auf dem Rasen des Weißen Hauses unterzeichnet wurden – bis zum Moment ihres endgültigen Zusammenbruchs im Feuer und Blutvergießen, der im Beginn des palästinensischen Terror-Abnutzungskriegs im September 2000 gesehen wird – unterstützten die meisten amerikanischen Freunde Israels diesen Prozess instinktiv.

Das war nicht überraschend. Wenn Israels demokratisch gewählte Führer sich entscheiden dem Frieden eine Chance zu geben, sollte der natürliche Instinkt derer, die nicht im jüdischen Staat abstimmen, Steuern zahlen oder Militärdienst leisten, so aussehen, dass sie sich deren Urteil beugen.

Amerikaner, die sich als bessere Experten für die israelische Sicherheit aufspielen als israelische Generale mögen nicht falsch liegen, aber ihre Haltung ist schwer durchzusetzen. Zionistischer zu sein als die Israelis ist eine Pose, die nur wenige glaubwürdig durchhalten können.

Was hier im Verlauf der Oslo-Periode passierte ist, dass einige Amerikaner diesen Fehler nicht machten. Stattdessen verlangten sie lediglich, dass die Palästinenser ihren Oslo-Versprechungen nachkommen den Terror zu stoppen, ebenso das Lehren des Hasses auf Israel und die Juden. Verfochten von der Zionist Organization of America und ihrem Leiter Morton Klein, begann die Forderung nach Verantwortlichkeit als marginale Bewegung. Aber gegen Ende des Jahrzehnts, als die Perfidität Arafats immer klarer wurde, wurde Oslo-Skeptizismus zum Mainstream.

Der schlimmste Aspekt dieser Diskussion war das dumme Beharren seitens der Israelis wie der Clinton-Administration darauf, dass über die Nichteinhaltung der Vereinbarung durch Arafat und die Palästinenser gelogen wurde. Am Ende untergrub dieses weiß waschen der Palästinenser nur die Glaubwürdigkeit der Pro-Oslo-Kräfte.

Wird das alles wieder passieren?

Klein ist einer, von Abbas genauso wenig beeindruckt wie von Arafat, der denkt, dass wir wieder da zu sein scheinen, wo wir 1993 standen.

„Die meisten Amerikaner haben sich von Arafat täuschen lassen“, sagt er. „Wir sollten uns sehr bewusst sein, dass Abbas 40 Jahre lang Arafats erster Stellvertreter war.“ Klein glaubt, dass amerikanische Juden denselben Druck auf Washington ausüben sollte, dass es auf konkreten Schritten zum Frieden besteht, wie sie das in der Zeit Oslos taten.

So prinzipientreu sie auch sein mag, läuft eine solche Haltung dem Wunsch der israelischen Regierung voll entgegen, dass ihre amerikanischen Freunde nichts tun, das die Chance vernichtet, dass Abbas Israel ein gewisses Maß an Stabilität, vielleicht sogar Frieden geben wird.

Scharon kann seinen amerikanischen Kritikern zu Recht antworten, dass er, nicht sie, die Unterstützung der Mehrheit der Israelis für seinen Plan zum Abzug aus Gaza und den Versuch erneuter Verhandlungen hat. Abbas’ lange Liste heimtückischer Taten hilft dabei nicht, sagen seine Leute.

Reichlich Spielraum

Derzeit wird das vermutlich den meisten Amerikanern reichen, selbst für die Politiker, die einst Kleins Forderungen nach palästinensischer Verantwortlichkeit unterstützten. Scharons Ruf als „Hardliner“ (wie vor ihm schon der von Yitzhak Rabins) und Bushs leidenschaftliche Unterstützung der Sicherheit Israels werden ihnen reichlich Spielraum bei den amerikanischen Juden und der pro-israelischen Mehrheit im Kongress verschaffen.

Das bedeutet, dass die rechten Israelis, die sich von Amerika Hilfe dabei erwarten, dass der Gaza-Rückzugsplan gestoppt wird, dazu verdammt sind eine Enttäuschung zu erleben. Angesichts dieser Tatsache wird die ZOA klug beraten sein, wenn sie nur darauf besteht, dass die Palästinenser ihre Versprechen einhalten. Wenn ihre Haltung in offene Opposition zu Scharon übergehen sollte, werden ihr wenige folgen. Und der Himmel helfe dem amerikanisch-jüdischen Leiter, der auch nur mit dem Gedanken spielt israelische Soldaten zu unterstützen, die sagen, wie würden Befehle nicht befolgen die Siedlungen zu räumen.

Die hiesigen Rechten müssen aufpassen, dass sie sich von allem fern halten, das nach Unterstützung einer regelrechten Rebellion wegen Gaza riecht. Tun sie das nicht – und Klein besteht darauf, dass seine Gruppe glaubt, Soldaten sollten ihren Befehlen folgen – dann sind sie ganz schnell politisch vergessen.

Derzeit werden die meisten von uns sich zurücklehnen und besorgt zusehen, ob Scharons Wette auf Abbas weise ist. Die Palästinenser, nicht die Argumente der Skeptiker, so überzeugend sie auch sein mögen, werden diese Frage beantworten.

Aber wir sollten ein Warnsignal für Gefahr genau im Hinterkopf behalten.

Sollten wir, nach Monaten oder vielleicht sogar Jahren immer noch desselben Verhaltens seitens der Palästinenser, weiter Entschuldigungen für Abbas’ Verhalten hören und Botschaften über die Bedeutung alles zu ignorieren, was den Optimismus abwürgt, dann ist der Erweis gebracht, dass die Skeptiker recht hatten.

Wenn dem so sein wird, dann werden wir, wie es schon so oft in der jüdischen Geschichte gewesen ist, einer Tragödie zusehen, keiner Farce.