Taten, die zählen!

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 3. August 2005

Unter dem, was wir lachend „normale“ Umstände nennen, ist Israel mit Auslandskorrespondenten überschwemmt. Aber in diesem und dem nächsten Monat werden sogar noch mehr Reporter als gewöhnlich ins Land geworfen. Und man kann wetten, dass die meisten von ihnen noch ignoranter gegenüber den Zusammenhängen der Ereignisse sind, als die normale Truppe.

Der Grund dafür ist Israels geplante „Abkoppelung“ vom Gazastreifen, was den Hinauswurf tausender Juden mit sich bringt, die nicht bereits von selbst gegangen sind.

Der israelische Premierminister Ariel Sharon – der sich immer mehr auf Taktik als auf die große Strategie konzentriert – hat sich gut darauf vorbereitet Massenproteste abzuwehren, die bereits gesprengt oder weit gehend unterdrückt wurden.

Das ist das Drama, dem nicht nur eine neugierige Welt genau folgen wird, sondern auch von einer internationalen jüdischen Gemeinschaft.

Die Mehrheit der Israelis wie der Diaspora-Juden stehen hinter Scharon, weil sie das als eine sinnvolle Neu-Verschanzung ansehen, die Israel mehr als eine Million feindseliger Araber loswerden lässt, obwohl sie sich wegen der Gefahren innerer Auseinandersetzung sorgen.

Die beträchtliche Minderheit, die gegen diesen Zug ist, ist entschlossen Trauer und Wut wegen der Zerstörung der Siedlungen in Gaza zu demonstrieren und so ihr bestes zu tun werden, um die selbstherrliche und allgemein undemokratische Art zu illustrieren, mit der Sharon seinen Plan ausführt. Sie wollen auch herausstellen, dass Israel im Gegenzug von den Palästinensern und ihren Führern nichts bekommen wird.

Aber all das wird ebenfalls schnell irrelevant.

Man kann sich über Sharons Methoden beschweren, so viel man will, aber die Wahrheit ist, dass die Mehrheit der Israelis immer noch keinen Wert darin sehen wegen ein paar tausend Siedlern an Gaza und seinen Palästinensern festzuhalten. So lange Sharon eine Mehrheit der Knesset anführt, kann die stimmkräftige Mehrheit (die sich richtigerweise über seine Verhöhnung demokratischer Normen beschweren kann, auch über die Art, wie die Opposition in der israelischen und Auslands-Presse dämonisiert worden ist) nichts dagegen tun. Die Abkoppelung ist eine Tatsache, die nicht ungeschehen gemacht werden kann.

So bitter die Kritiker auch sein mögen, es wäre ein großer Fehler der Freunde Israels, sich zu sehr in diese Sache zu verstricken. Warum?

Denn ob man an den Abzug wegen der demographischen Herausforderung glaubt, die Gaza darstellt, oder einfach entsetzt darüber ist, wie Israel den Palästinensern einen Grund zu geben scheint zu glauben, dass der Terror funktioniert: Es wird bald Schlimmeres folgen.

Obwohl Sharon seinen Plan vorgeschlagen haben könnte, weil er einen einseitigen Rückzug auf verteidigungsfähige Linien als Möglichkeit ansah, der Scharade von Gesprächen mit einem Partner vorzubeugen, der klar an Frieden nicht interessiert ist, wird der Abzug weder ihm noch dem Land irgendeine Pause von den Prüfungen der Zeit geben.

Als der Erzterrorist und Führer der palästinensischen Autonomie Yassir Arafat noch in seinem Lager in Ramallah lebte, konnte sich Sharon auf die Administration von Präsident George W. Bush verlassen, dass sie ihm den Rücken stärkte. Aber Arafats Tod verwandelte einen sehr vernünftigen Plan in einen, der fehl schlagen könnte, wenn Washington seine Meinung ändert.

Obwohl Bush weiterhin meistens die richtigen Dinge sagt, haben die letzten Monate auch gezeigt, dass die Regierung bereit ist, eine Ausnahme von der Regel zu machen, dass Demokratie und Gegnerschaft zum Terror die Schlüssel für ihren guten Willen sind. Der jetzige PA-Präsident Mahmud Abbas scheint einen dauerhaften „du kommst nicht ins Gefängnis“-Pass von Bush und Außenministerin Condoleezza Rice erhalten zu haben.

Obwohl Abbas Wahlen abgesagt hat (um eine Niederlage durch die Hamas zu vermeiden) und nichts getan hat, um die Terroranschläge gegen Israelis zu stoppen, die trotz eines so genannten Waffenstillstands nie wirklich aufhörten, scheint Washington das nicht zu kümmern. Selbst nach einer Woche Schießens, Bombens und Raketenangriffen, die einige Israelis das Leben kosteten (und von denen einige von Abbas’ eigener Fatah-Bewegung, nicht von der Hamas und dem Islamischen Jihad ausgeführt wurden), sah sich Rice dazu veranlasst den Mann zu loben. Mit diesen falschen Äußerungen folgt die Sekretärin demselben Drehbuch, das das Verhalten der Clinton-Administration charakterisierte, als Arafat die Ereignisse in Bewegung brachte, die den Oslo-Friedensprozess dem Untergang weihten.

Was das heißt ist, dass, sobald die Israelis aufhören sich wegen Gaza gegenseitig zu prügeln, die Palästinenser die Agitation beginnen werden, um mehr Zugeständnisse zu bekommen ohne den Preis dafür in Einstellung des Terrors oder echte Friedensgespräche zahlen zu müssen. Was folgen wird, sind die Eröffnungsakte eines weiteren Krieges, dessen Ziel ein israelischer Rückzug aus Städten und Dörfern sein wird, in denen fast eine halbe Million Juden in der Westbank und Teilen von Jerusalem leben. Angesichts der Ergebnisse der letzten wenigen Jahre, in denen israelische Friedensvorschläge seine Feinde nur ermutigte, gibt es keinen Grund zu glauben, dass Abbas und seine Verbündeten sich nicht auf mehr Gewalt vorbereiten.

Inzwischen fangen einige Elemente der amerikanischen Presse bereits an die Ereignisse rund um den Abzug aus Gaza so zu interpretieren, dass die Verantwortung für zukünftige Gewalt den israelischen Opfern in die Schuhe zu schieben, statt den palästinensischen Tätern.

Die Kommentarseiten von Zeitungen wie der New York Times betrachten den Fluss palästinensischer Terroraktivitäten als nicht verbunden mit palästinensischer Politik und sind immer noch schnell dabei, jede israelische Verteidigungsmaßnahme gegen diese Anschläge als tadelnswert. Die Weltpresse und ein großer Teil der europäischen Meinung glauben, dass Israelis es verdienen von Terroristen ermordet zu werden.

Eine solche Stimme – Trudy Rubin, Auslands-Kolumnistin des „Philadelphia Inquirer“ – brandmarkte sogar Sharons Rückzug, weil der der Hamas helfen und Abbas beschädigen würde. Dass jüdische Gegner von Sharons Plan diese Äußerung als Beleg für Sharons Torheit hervorhoben – wie es die Zionist Organization of America tat – war an sich ein Akt unverständlicher Dummheit. Rubin und ihresgleichen wollen weitere israelische Rückzüge, nicht weniger; sie wollen mehr Zugeständnisse an den Terror, nicht dessen Ende.

Anstoß mit aller Macht

Israelische Geheimdienstquellen werden bereits weithin mit der Ansicht zitiert, dass die kommenden Monate eine Eskalation des Terrors bringen werden. Die Hoffnung der Palästinenser ist es, dass – anders als in der Situation des Jahres 2002, als Bush Sharon grünes Licht für die Gegenoffensive gegen Terrorbasen gab, die Amerikaner diesmal verlangen werden, dass Israel Abbas mehr gibt.

Und das ist es, wo die amerikanischen Juden und die große Zahl von Nichtjuden, die den jüdischen Staat unterstützen, ins Spiel kommen. Was in der unmittelbaren Zukunft gebraucht wird, ist ein Anstoß mit aller Macht, um die Administration dazu zu bringen, dass sie bezüglich Abbas und seinen Gangstern ihren Verstand wieder gewinnt.

Nichts wird der Sache der Mörder mehr helfen, als wenn sie es schaffen, dass die amerikanischen Juden sich wegen Gaza selbst zerreißen und sich so außer Stande setzen den politischen Willen aufzubringen sich zu Wort zu melden, wenn es wirklich zählt. Genauso sollten Sharons rechts gerichteten Feinde und die aus der Mitte nicht die Zeit der evangelikalen Verbündeten Zions und die pro-israelische Mehrheit des Kongresses damit verschwenden, dass sie sie auffordern gegen Sharon einzuschreiten, wie es die Kritiker des Gaza-Plan so töricht getan haben. Sie müssen sich dem Willen der israelischen Mehrheit beugen und vorbereitet sein aktiv zu werden, wenn der wirkliche Kampf losgeht. Es sieht so aus, als müssten sie darauf nicht lange warten.

Jetzt ist die Zeit für die Freunde Israels ihr Pulver trocken zu halten und nicht politisches Kapital für eine verlorene Sache zu vergeuden