Die Roadmap des Nahost-Quartetts (7) – Roadmap in die Hölle

Melanie Phillips, The Spectator, 17. Mai 2003

Melanie Phillips sagt, die Araber wollen keinen separaten palästinensischen Staat: Sie wollen das Ende Israels

Colin Powell hat gesagt, dass er wegen der Nahost-Roadmap Zeichen des Fortschritts sehen kann. Israel, merkte er an, hat Maßnahmen ergriffen, die „den Beginn des Prozesses der Roadmap darstellen“. Nun, das ist einfach toll, Herr Außenminister, denn wir alle wissen, dass die große Frage die ist, dass Israel die Roadmap nicht angenommen hat, die alle richtig denkenden Menschen loben, und daher das Haupthindernis für den Frieden ist. [Der 17.5.03 lag noch vor der Annahme der Roadmap durch Israel, wenn auch mit 14 Änderungsforderungen.]

Wo sind also diese israelischen Maßnahmen? Sie entließen 180 palästinensische Gefangene und öffneten den Gazastreifen und die Westbank (die geschlossen waren, um Massenmörder dort zu halten) als Gesten des guten Willens. Was waren die Gesten guten Willens, die die Palästinenser im Gegenzug gaben? Sie töteten einen israelischen Gärtner in der Westbank, schossen Raketen von Gaza auf die israelische Stadt Sderot und schickten eine menschliche Bomber von Nablus auf den Weg nach Israel, der weitere folgen sollen. Israel riegelte den Gazastreifen prompt wieder ab. Aber natürlich ist Israel der Unterdrücker, Israel ist aufhetzend und muss auf Linie gebracht werden. Erzählt uns die BBC das nicht immer wieder?

Natürlich tut Israel manchmal schlechte Dinge und sollte dafür kritisierte werden. Aber im Ganzen betrachtet soll es sich nach einem Drehbuch verhalten, das von Kafka geschrieben ist. Es streckt die Hand vorsichtig Leuten entgegen, die ständig seine Bürger ermordet. Als Ergebnis werden wieder mehr Israelis ermordet. Die internationale Gemeinschaft versäumt es, die palästinensischen Übeltäter zur Verantwortung zu ziehen und gibt statt dessen Israel die Schuld dafür, dass es die Roadmap nicht annimmt.

Ähem – ist die allererste Forderung der Roadmap, dass die Palästinenser „sofort die Gewalt bedingungslos einstellen“? Hat nicht Powell dem neuen palästinensischen Premierminister Abu Mazen entsprechend gesagt, er soll die terroristische Infrastruktur in der Autonomie abbauen? Und was war die Antwort der „reformierten“ PA? Oberst Rahid Abu Schbak, Kopf des Abwehrdienstes in Gaza, sagte, dass er nicht die Absicht habe, irgendeinen Palästinenser zu entwaffnen, da dieser das Recht habe zu versuchen, die Besatzung der Gebiete zu beenden.

Ist nicht die grundlegende Vorrausetzung hinter der Roadmap – dass Yassir Arafat ganz aus der Gleichung verschwindet – auch durch die Tatsache vernichtet, dass er weiterhin sehr heftig in dieser Gleichung verbleibt, dadurch, dass er gerade 58 seiner Handlanger auf Posten in der PA berief und damit Abu Mazens Autorität zu einer Farce machte? Aber natürlich sind es die Israelis, die die Barrieren zum Frieden schaffen, indem sie es ablehnen die Road Maß anzunehmen. Nun, gebt dem Kartographen die Karte; wir sind oft genug dorthin gefahren. Es ist ein gut bekannter Ort namens Appeasement.

Die Roadmap wird fehl schlagen, weil sie annimmt, dass der Konflikt ein Disput um territoriale Grenzen zwischen Israel und den Palästinensern ist. Das ist er nicht. Er ist viel mehr eine Fortsetzung des 55 Jahre alten arabischen Vernichtungskriegs gegen Israel. Die Menschen in Großbritannien – einschließlich des Haupt-Förderers der Roadmap, Tony Blair – glauben, dass die Wurzel des Problems die Westbank und der Gazastreifen sind. Wenn Israel da nur raus ginge und die Palästinenser ihren Staat bekommen ließen, denken sie, würde das Problem gelöst sein.

Werdet realistisch, Leute. Den Arabern wurde in dem Teil Palästinas 1948 ein Staat angeboten. Sie hätten ihn zwischen 1948 und 1967 haben können, als die Territorien, von denen so viele fälschlich glauben, dass Israel sie den Palästinensern gestohlen hätte, in Wahrheit von Jordanien und Ägypten illegal besetzt waren. Sie hätten ihn nach dem Krieg von 1967 haben können, als Israel die Gebiete im Tausch für Frieden anbot. Und sie hätten ihn – einschließlich Jerusalems – haben können, als Israel sie 2000 in Taba anbot.

Sie wollten aber keinen separaten palästinensischen Staat. Sie wollten statt dessen das Ende des jüdischen Staates. Das bleibt auf ihrer Tagesordnung. Die Palästinenser betrachten ganz Israel als besetztes Gebiet, das befreit werden muss. Auf ihren Landkarten, in ihren Schulbüchern, auf ihren Abzeichen – von Flaggen bis zu Kragenknöpfen – zeichnen sie ganz Israel als Palästina. Sie wollen die Juden raus haben.

Verräterisch ist, dass selbst der „reformierte“ Abu Mazen das „Rückkehrrecht“ verlangt, so dass alle Araber, die beanspruchen aus Palästina zu stammen, nach Israel gehen und dort leben können. Er sagt, dass er einen palästinensischen Staat will – aber er will auch, dass den Palästinensern das absolute Recht gegeben wird, im Land von jemand anderem zu wohnen. Warum also wollen sie ihren eigenen haben? Aber egal: Was bedeutet dieses „Rückkehrrecht“? Keine UN-Resolution hat je den Arabern ein solches Recht zugestanden. Und wer soll zurückkehren? Diejenigen, deren Familien 1948 flohen, sind nur ein Bruchteil der vier Millionen Araber in den umstrittenen Gebieten. Viele der Flüchtlinge stammen aus ganz anderen arabischen Ländern.

Hundertausende Juden wurden als Ergebnis von Pogromen und Verfolgung aus arabischen Ländern vertrieben, bevor und nachdem Israel gegründet wurde. Sie sitzen nicht als hilflose, grausam manipulierte Kriegspropaganda-Waffen in Flüchtlingslagern; sie haben sich lange in Israel und andernorts niedergelassen. Aber sagt irgendjemand, dass diese Opfer arabischer Verfolgung als Gegenleistung ihre Heime zurückbekommen sollten?

Die arabische Forderung, sich wieder in Israel ansiedeln zu können, ist praktisch ein Mittel, um den jüdischen Staat auszurotten. Aber für Colin Powell dient Israels Bestehen darauf, dass diese Forderung fallen gelassen wird, bevor Verhandlungen beginnen können, lediglich dazu „die Frage zu komplizieren“.

Oh, tut mir leid, die unangenehme kleine Sache aufzubringen, dass die Palästinenser Israel von der Landkarte wischen wollen. Aber, wenn wir hier über Komplikationen sprechen, ist es dann nicht ein wenig verbogen von Israel zu erwarten, die Konturen eines palästinensischen Staates mit Leuten zu diskutieren, die stattdessen davon reden, den jüdischen Staat zu vernichten? Immerhin ist Abu Mazens hoch gelobte Gegnerschaft zum Terror ein schlicht taktische. Seine Bemerkungen deuten an, dass er findet Juden zu ermorden sei lediglich kontraproduktiv und wird die Verwirklichung des eigentlichen Endziels verzögern – die Wiedererschaffung Israels als arabischem Staat.

Unter diesen Umständen untergräbt die Roadmap aktiv den Krieg gegen den Terror. Durch die Voraussetzung einer moralischen Gleichwertigkeit zwischen auslöschendem Terrorismus und dem davon angegriffenen Staat wird Druck auf Israel ausgeübt; und das ermutigt die Terroristen, eine Taktik fortzuführen, die solch ungeheure Beschwichtigung hervor bringt.

Der Westen sollte diese Scharade beenden. Es reicht nicht aus den Palästinensern zu sagen, sie sollten ihre Massenmörder im Zaum halten. Wenn der Terror geschlagen werden soll, muss der Westen zeigen, dass er sich nicht länger an der Nase herum führen lässt und als ein Haufen Einfaltspinsel da stehen will.

Nur wenige Briten erkennen den wahren arabischen Plan gegen Israel. Die generelle Ignoranz der Geschichte des Nahen Ostens hat der palästinensischen Propaganda erlaubt, die Realitäten der Vergangenheit wie der Gegenwart umzukehren, was in einer zunehmenden Delegitimierung Israel resultiert.

Das Ergebnis ist, dass israelische Eroberung als Problem angesehen wird, obwohl es in Wirklichkeit die pathologische Unfähigkeit der Araber ist, die legitime Souveränität der Juden in einem kleinen Teil des Landes zu tolerieren, auf das das jüdische Volk den älteren Anspruch erhebt. Wenn die Araber wirklich Israels Existenz anerkennen würden, dann – mit Sharon oder ohne Sharon – wäre ein palästinensischer Staat morgen schon möglich.

Nur, wenn diese Wahrheiten gesagt werden, wird Frieden möglich. Im Gegensatz dazu ist die Roadmap nur ein weiteres Signal, dass sich Terror auszahlt.