Die Roadmap des Nahost-Quartetts (8) – Roadmap ins Nichts

Paul Greenberg, The Washington Times, 23. Mai 2003

Sollte es jemals einen arabischen Staat Palästina geben, wird das mehr als eine Roadmap zum Frieden benötigen. Denn, um ein Stückchen Volksweisheit der südlichen Hemisphäre zu zitieren: Die Karte ist nicht die Straße. Und diese Straße führt weiterhin immer nur in einen Hinterhalt.

Das Ende der Straße – ein palästinensischer Staat, der in Frieden mit seinem Nachbarn lebt – ist nicht länger in Sicht und könnte die ganze Zeit schon eine Fata Morgana gewesen sein. Das Territorium, das nach diesem Traum-Schema ein friedliches Palästina werden soll, wimmelt im Wahrheit von Bombenwerfern, „Heiligen Kriegern“, irregulären Kämpfern und dem ganzen, variantenreichen Sortiment von Meuchelmördern, die in den Nachrichten taktvoll „Militante“ genannt werden. (Wir Nachrichtenmenschen müssen immer objektiv erscheinen; die Wahrheit steht erst an zweiter Stelle.)

Entgegen der üblichen Propaganda weltmännischer arabischer Sprecher ist der größte Klotz auf dem Weg zu einem palästinensischen Staat nicht Israel – und ist es nie gewesen. Es ist die eigene, weiderholte, historische Ablehnung der Palästinenser einen solchen Staat anzuerkennen, der bedeuten würde, dass man einen Kompromiss akzeptiert. Also fahren ihre Führer fort die Terroristen zu tolerieren, zu ermutigen und zu versorgen, die sie offiziell – und nur offiziell – verurteilen.

Erinnern Sie sich an die Karine-A, ein Schiff voller Waffen, das die Israelis abfingen, bevor es nach Gaza ankam? Das war der Tropfen, der für Präsident Bush das Fass zum Überlaufen brachte; er hat seitdem die schäbige Existenz von Yassir Arafat nicht mehr wahr genommen. Herr Arafat soll nicht mehr auf der Bildfläche erscheinen, aber wo er wirklich steht, muss man abwarten.

Wenn die neue palästinensische Regierung nicht in der Lage ist, all diese Störer des Friedens auszumerzen, sie nicht nur für eine Weile leiser zu bekommen, dann wird es keinen palästinensischen Staat geben. Die Israelis werden nicht einfach zusammenzucken und die Terroristen einen einseitigen Krieg gegen sie führen lassen, nicht noch einmal.

Es gibt einen Weg da hinaus – für Juden wie Araber. Er wurde sogar schon einmal ausprobiert. Und er funktionierte – für einen anderen kleinen Staat. Die, die versuchen, einen im Entstehen begriffenen palästinensischen Staat zu formen, könnten eine Menge aus seiner Geschichte lernen.

Dieser kleine Staat war auch tief gespalten – zwischen einer offiziellen Regierung und verschiedenen bewaffneten Banden, die die Sympathie eines lange unterdrückten Volks gewonnen hatten, weil sie die Besatzung bekämpften.

Dieser kleine Staat stand auch einer Autoritätskrise gegenüber, als er seine Geburtswehen durch machte, mit Terrorführern, die eine moderate Regierung herausfordern.

Dieser kleine Staat war Israel.

Sein Führer in diesen ersten Jahren war David Ben-Gurion, der sich Bedrohungen von allen Seiten ausgesetzt sah – nicht zuletzt aus seinem eigenen Volk. Sein Hauptrivale war Menachem Begin von der Irgun, einer irregulären Gruppe, deren undifferenzierte Taktik regelmäßig unschuldige Zivilisten – Juden und Araber – unter Trümmern begrub.

Als Herr Begin sich dem neuen jüdischen Staat widersetzte, indem er seine eigenen Waffen importierte – seine „Karine-A“ heiß Altalena – befahl Ben-Gurion seinen Soldaten, auf die Irgunisten zu schießen. Die Altalena wurde abgeschlagen, in Brand gesetzt und eine kurzer Bürgerkrieg folgte.

Israels neue Regierung fand sich in einem Kampf nicht nur gegen eine Invasion von Außen, sondern auch gegen eine Rebellion von innen. Juden bekämpften Juden, aber Ben-Gurion blieb entschlossen. Die Irgun wurde geschlagen und ihre Bewaffneten in die reguläre nationale Armee integriert. Sie wurde nicht nur kontrolliert, sie verschwand. Menachem Begin sollte für Jahrezehnte lang ein politischer Pariah werden, bis er moderater und der Staatsmann wurde, als der er später bekannt wurde.

Wenn es einen einzelnen Grund gibt, warum dieser kleine Staat Israel aufgeblüht ist und warum dieser neue Staat Palästina nie aufgelegt wurde, dann könnte es sein, weil Israel in seinen Gründungsjahren einen Führer wie David Ben-Gurion hatte und die Palästinenser mit Yassir Arafat geschlagen sind.

Jetzt haben die Palästinenser einen nicht geprüften neuen Führer, Mahmud Abbas, der gelobt hat die Terroristen zu zähmen: Hamas, Hisbollah, Islamischer Jihad, Yassir Arafats eigene Fatah-Brigaden – sie alle. Das wird mindestens eine so beängstigende Aufgabe sein wie die, vor die sich Ben-Gurion vor vielen Jahren gestellt sah.

Wenn Mahmud Abbas keinen Erfolg hat – oder wenn es ihm nie ernst damit war, den Killern in seinen Reihen entgegenzutreten –, dann wird sich all das Gerede über eine Roadmap zum Frieden als bloße Worte erweisen. Und Israelis wie Palästinenser werden einen Fahrplan ins Nichts in der Hand halten.

Die fortgeführten Bombardierungen in Jerusalem und Hebron und Shaarei Tikvah – vier alleine, während Mahmud Abbas sein erstes Treffen mit Israels Ariel Sharon hatte – sind nur der Anfang von dem, dem sich der neue palästinensische Führer gegenüber sieht, wenn er den Frieden sucht.

Es wird einfach sein festzustellen, ob es Herrn Arafat ernst ist. Es muss einen palästinensischen Bürgerkrieg geben, so kurz oder lang er auch sein mag. Das ist die einzige Möglichkeit sicher zu stellen, dass der Terrorismus nicht weiter die Chancen für den Frieden bedroht. Kein Krieg, dann auch kein Frieden. Es ist einfach so einfach.