Zum Jahrestreffen der WHO 2003

Analyse und Kommentar von UN Watch, 26. Mai 2003 (IMRA, per E-Mail)

NACHRICHT:
Die Weltgesundheits-Organisation beendete heute ihr jährliches Treffen. Wichtige Diskussionen zu SARS und die Verabschiedung des Meilensteins der Rahmenwerks-Konvention zur Tabak-Kontrolle wurden unglücklicherweise mit politisiertem Missbrauch des Forums gekoppelt.

ANALYSE:

Die SARS-Epidemie brachte das Beste der Weltgesundheits-Organisation in ihrer Rolle als internationaler Koordinator für nationale, öffentliche Gesundheits-Institutionen hervor. Als sich aber Gesundheitsminister vom gesamten Globus in den letzten zehn Tagen zur Weltgesundheits-Versammlung in Genf versammelten, kam die tief sitzende Versuchung, sich auf politische Fragen zu konzentrieren, schnell wieder an die Oberfläche, zum Nachteil von Millionen Menschen, die verzweifelt Gesundheitshilfen brauchen.

Einige Länder, die gegen den Krieg gegen Saddam Hussein opponierten, beschwerten sich über die gesundheitliche Lage im Irak, obwohl der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz gesagt hatte, „dass es keine dramatische oder ernsthafte humanitäre Krise im Irak gibt“. Es spielte auch keine Rolle, dass Hungersnöte im südlichen Afrika mehr als 14 Millionen Menschen bedrohen. Sie entschieden sich, den Irak herauszuheben.

China, das SARS nach Taiwan exportierte und den Tod von mehr als 30 Taiwanesen verursachte, sorgte dafür, dass Taiwan nicht einmal einen Beobachterstatus in der WHO bekam, der Institution, die an vorderster Front des Kampfes gegen SARS steht. Als die Entscheidung, Taiwan auszuschließen, verkündet wurde, reagierte ein Taiwanese so gewalttätig, dass er aus dem Raum entfernt werden musste. Später wurde gesagt, dass seine Nichte an SARS gestorben war.

Die traurige Tatsache ist, dass kein UN-Treffen ohne besondere Aufmerksamkeit für den arabisch-israelischen Konflikt stattfinden darf. Sogar die WHO ist gegenüber dieser Krankheit nicht immun. Dem arabisch-israelische Konflikt wurde das Eindringen in die WHO seit deren Gründung 1948 erlaubt, als das erste Treffen von Gesundheitsministern eine Resolution verabschiedete, in der ein Appell zu Gunsten der palästinensischen Flüchtlinge anerkannt wurde.

Von 1948 bis 1967 lag die Verantwortung für die Gesundheitslage der palästinensischen Flüchtlinge allein bei Jordanien und Ägypten, die die Westbank und Gaza bis zum Krieg von 1967 besetzten. In diesen 19 Jahren erhöhte sich die Lebenserwartung für einen palästinensischen Mann von 42 auf 44 Jahre; die Säuglings-Sterblichkeitsrate fiel von 200 pro 1000 Geburten auf 170. Nachdem Israel 1967 die Kontrolle über die Gebiete gewann, gab es einen radikalen Wechsel in der Haltung der arabischen Staaten gegenüber der WHO. Sie drückten scharfe Resolutionen durch, die die Bemühungen israelischer Politik in den Gebieten verurteilten, obwohl die Gesundheitsverhältnisse in der Westbank und Gaza sich verbesserten: Die Lebenserwartung des männlichen Palästinensers stieg von 44 auf 63 Jahre und die Säuglingssterblichkeit fiel von 170 pro 1000 Geburten auf 60.

Während die WHO weiterhin die palästinensische Bevölkerung herausgreift, gibt es heute viele Länder mit weitaus mehr öffentlichen Gesundheitsproblemen. In Botswana lebt fast 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mit HIV/AIDS. Die Lebenserwartung der Männer in Äthiopien, Mali, dem Tschad und anderen afrikanischen Ländern liegt bei Mitte 40. Sogar unter den arabischen Ländern übertreffen nur die kleinen, reichen Öl-Staaten (Kuwait, Qatar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate) die derzeitige palästinensische Lebenserwartung von 70 Jahren.

Trotzdem gab es dieses Jahr, wie in vielen voran gegangenen, in der WHO nur eine Resolution, die sich auf ein einzelnes Land bezog: „Gesundheitsbedingungen der und Hilfe für die arabische Bevölkerung der besetzten Gebiete, einschließlich Palästinas.“ Und was besagt diese wiederholte Resolution? Über die Jahre hat sie Nicht-Gesundheits-Themen wie die Siedlungen, Selbstbestimmung und „Land für Frieden“ angesprochen. Dieses Jahr gibt sie die groteske Deklaration ab: „Die israelische Besatzung ist ein schwer wiegendes Gesundheitsproblem.“ Es gibt keine Erwähnung der ungünstigen gesundheitlichen Auswirkungen davon, dass man sich mehrere Kilogramm Sprengstoff an den Körper bindet und diesen dann mit der Absicht zündet, möglichst viele unschuldige Zivilisten zu töten.

Die Weltgesundheits-Organisation hat wohl verdientes Lob für ihre Handhabung der SARS-Epidemie geerntet. Sie kann diesen Ruf ausbauen, wenn sie den politisierten Missbrauch des Forums beendet, einer sinnlosen Ablenkung von substantieller Arbeit zur Verbesserung der Gesundheit aller Menschen, besonders denen in größter Not. Beklagenswerterweise irrt die WHO, wie die Menschenrechtskommission und andere UN-Agenturen, weiterhin von ihren humanitären Zielen ab, um politischen Zielen der Länder zu dienen, die Israels Existenzrecht nie akzeptiert haben.