[Kofi Annan und] Die höfliche Eliminierung Israels

Daniel Pipes, New York Sun, 13. Dezember 2005

Es gibt seltsamerweise eine richtige und eine falsche Art die Eliminierung Israels zu fordern.

Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen, lieferte in den letzten Wochen für beides ein Beispiel. Als Mahmud Ahmadinedschad, der Präsident des Iran, am 26. Oktober erklärte, dass „das Regime, das Jerusalem besetzt, aus den Seiten der Geschichte eliminiert werden muss“, antwortete Annan damit, dass er „Bestürzung“ ausdrückte. Als Ahmadinedschad am 8. Dezember forderte, dass Israel nach Europa umziehen solle, antwortete Annan „schockiert“.

Aber Entsetzen und Schock wegen Ahmadinedschads Äußerungen hielten Annan nicht davon ab am 29. November, genau zwischen den Ausbrüchen aus dem Iran, an einem von der UNO gesponserten „Internationalen Tag der Solidarität mit dem palästinensischen Volk“ teilzunehmen. Anne Bayefsky von „Eye on the UN“ berichtet, dass Annan in der Nähe einer arabischsprachigen „Landkarte Palästinas“ auf dem Podium saß; diese zeigte ein Palästina, das Israel ersetzte. Kartographisch erreichte sie genau das, was Ahmadinedschad forderte: die Eliminierung des jüdischen Staates.

Annans widersprüchliches Tun kommt daher, dass seit 1993 ausdrückliche Rufe nach der Vernichtung Israels beleidigend geworden sind, indirekte aber akzeptabler. Zu den Letzteren gehören:

Die Fatah und die Hamas zeigen diese Zweiteilung. Beide wollen Israel eliminieren, aber haben unterschiedliche Wege gewählt, um dort hinzukommen.

Die Taktik der Fatah ist ab 1988 opportunistisch, doppelzüngig und unbeständig gewesen, seit Yassir Arafat nominell den Terror verurteilte und den „Friedensprozess“ mit Israel begann – während er gleichzeitig Selbstmord-Terrorismus sponserte und eine Ideologie propagierte, die die Legitimität Israels ablehnte. Diese durchsichtige Ablenkung ermöglichte es der Fatah aus Israel großen Nutzen zu ziehen, darunter Selbstverwaltung, eine quasi-militärische Truppe, riesige westliche Subventionen und die Beinahekontrolle einer der Grenzen.

Im Gegensatz dazu hat die Hamas Israels Existenz beständig abgelehnt und immer größere Teile der palästinensischen öffentlichen Meinung für sich gewonnen (die jüngste Umfrage zeigen sie für die anstehenden Wahlen mit 45 zu 35% vor der Fatah liegend). Aber diese offene Ablehnung hat sie auch für Israel und andere zum Gräuel gemacht und ihre Effektivität eingeschränkt. Das Ergebnis ist, dass die Hamas in den letzten Monaten begonnen hat mehr Flexibilität zu zeigen; z.B. hat sie eine Waffenruhe mit Israel weit gehend eingehalten und bewegt sich auf den Einstieg in einen diplomatischen Prozess vor. Das bringt Vorteile; das „Conflicts Forum“ und andere präsentieren Hamas mit einigem Erfolg als neuen, legitimen Gesprächspartner.

Es könnte sein, dass der Palästinensische Islamische Jihad sich als einzige puristische Ablehnungs-Organisation gegen Israel wieder findet.

Warum spielen solche Unterscheidungen im Stil eine Rolle? Weil der Ansatz der Fatah für die Israelis verführerisch genug ist, um mit ihr zusammenzuarbeiten; arafatartige Beschönigungen, Unstimmigkeiten, Tricks und Lügen ermutigen sie „schmerzliche Zugeständnisse“ zu machen. Im Gegensatz dazu konfrontiert der Ahmadinedschad-PIJ-Ansatz Israel mit offenen und brutalen Drohungen, die nicht wegerklärt werden können. Unverhohlene Forderungen nach Israels Verschwinden sorgen dafür, dass sich den Israelis die Nackenhaare sträuben, sie sich neue Waffen zulegen und diplomatisch zu machen.

Diese Tricks könnten die Gutgläubigkeit überanstrengen – die Israelis werden doch sicher begreifen, dass die einen nicht weniger tödlich sind als die anderen?

Tatsächlich tun sie das nicht. Seit 1993 haben die Israelis sich – in den Worten des Philosophen Yoram Hazony – als „erschöpftes Volk gezeigt, verwirrt und ohne Orientierung“, bereit und sogar eifrig bemüht von seinen Feinden betrogen zu werden. Alles, was sie brauchen, sind einige Angebote, so wenig überzeugend diese auch sein mögen, dass sie vom Krieg befreit werden und sie können sich kaum davon abhalten Tod bringenden Feinden Zugeständnisse zu machen.

Und so kann die aufgeklärte Weltmeinung Ahmadinedschad verurteilen, weil sie fühlt, dass er zu weit ging, und die Israelis zum Rückzug veranlassen. Wenn er seine Äußerungen nur etwas herunterschrauben und Israels Eliminierung höflich fordern würde, z.B. durch die Befürwortung einer Einstaaten-Lösung, würde alles gut sein.

So haben die Israelis effektiv definiert, welcher Antizionismus akzeptierbar ist und welcher nicht. Kofi Annans Geschichte der Verurteilungen und Begrüßung der Eliminierung Israels spiegelt lediglich die Etikette der Vernichtung wider, wie sie durch die Israelis selbst etabliert wurde.

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