Südafrika und Israel – Zeit die Dinge richtigzustellen

Ron Traub, MiDA, 3. Dezember 2017

Währen Israel seien Beziehungen zu afrikanischen Ländern ausbaut, bleibt Südafrika feindselig, zumeist wegen verzerrter Interpretation der Geschichte.

Nelson Mandela mit Ezer Weizman, damals Präsident Israels (Foto: GPO)

Der israelische Premierminister Netanyahu komplettierte letzte Woche seinen dritten Besuch bei afrikanischen Ländern innerhalb von 18 Monaten. Netanyahu hat die Verbesserung der Beziehungen zu Afrika zu einer seiner wichtigsten außenpolitischen Prioritäten erhoben. Israels expandierende und gegenseitig nützlichen Beziehungen zu afrikanischen Ländern bildet einen starken Kontrast zu den antagonistischen Beziehungen, die es zu Südafrika hat.

Als in den 1990-er Jahren die Apartheid zu Ende ging, bewegte sich das Land dahin die Missstände des Apartheidregimes zu korrigieren. Im Verlauf der Jahre strebte es an das Land von aller radikal diskriminierender Politik und Einstellungen zu befreien. Alle, so scheint es, mit Ausnahme der Einstellungen der Apartheidführung gegenüber Israel.

Im Gegensatz zur gängigen Meinung war der Staat Israel niemals ein Verbündeter des Apartheid-Regimes. Es hatte Beziehungen, wie auch viele andere Länder. Eine einfache Prüfung der Geschichte der beiden Länder beweist, das und verrät sogar Fakten, die oft übersehen werden.

1947 war die Regierung von Südafrika unter der Führung von Jan Smuts eines der Länder, die in der UNO für die Gründung des Staates Israel stimmten.

Eifrig darauf bedacht nach seiner Gründung diplomatische Beziehungen aufzubauen, hoffte Israel zur Bandung-Konferenz von 1955 eingeladen zu werden, an der 29 afrikanische und asiatische Staaten teilnahmen. Das Ziel dieser Konferenz war eine Strategie gegen Kolonialismus zu formulieren.

Wie so oft wurde Israels Bemühungen mit Ländern der Dritten Welt zu kooperieren mit erbitterter arabischer Opposition begegnet. Die 1945 gegründete Arabische Liga drohte die Bandung-Konferenz zu boykottieren, sollte Israel eingeladen werden; sie hatte mit ihren Anstrengungen Erfolg. Zu den berüchtigtsten Teilnehmern gehörte Haddsch Amin al-Husseini, der Ex-Mufti von Jerusalem, der ein Intimus Hitlers und einer der Planer der Auslöschung der Juden war.

Im Versuch diese diplomatische Isolation zu überwinden, schickte Israel 1957 Golda Meir nach Afrika. Tief bewegt von den Herausforderungen, denen die jungen Staaten Afrikas sich gegenüber sahen, gründete Meir Israels internationales Entwicklungsprogramm, MASHAV. Das Ziel bestand darin die Probleme in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Unterernährung, Entwicklungsressourcen und niedrigem Status der Frauen anzugehen. Als Folge des Programms wurden israelische Experten in 33 afrikanische Staaten geschickt.

1961 stimmte Israel in der UNO gegen die Apartheid. Oliver Tambo, damals ANC-Chef, schickte dem israelischen Präsidenten Yitzhak Ben Zvi einen Brief, in dem er ihm für Israels Handeln dankte.

Dieses Eintreten Israels gegen die Apartheid erzürnte Hendrick Verwoerd, den Premierminister der damaligen nationalistischen Regierung Südafrikas. Er lehnte Israels Gegnerschaft zur Apartheid ab und erklärte Israel selbst zum Apartheidstaat; dazu behauptete er, die Juden hätten das Land den Arabern weggenommen, „die dort seit tausenden Jahren gelebt hatten“.

Es ist ironisch, dass diese historisch verzerrte Anschuldigung, vorgenommen von einem rassistischen Premierminister des Apartheidregimes, heute zur Verunglimpfung Israels von genau den Leuten übernommen und wiederholt wird, die er unterdrückte.

Ein paar Monate vor seiner Verhaftung 1962 durchlief Nelson Mandela in Äthiopien militärisches Training durch Mossad-Agenten; er nutzte dabei das Pseudonym David Mobsari. Nelson Mandela war bei weitem nicht der einzige Teilnehmer an diesem geheimen Programm. Ander Antiapartheid-Bewegungen und –Einzelpersonen waren beteiligt, darunter Potelkako Leballo, der Chef des militärischen Arms des P.A.C. (Pan-Africanist Congress).

Zur Zeit des Rivonia-Gerichtsverfahrens (1963/64), bei den Nelson Mandela und andere wegen Sabotage zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, bat Israels damalige Außenministerin Golda Meir in der Verhandlung um Milde und Umwandlung jeder Todesstrafe.

Die Beziehung zwischen afrikanischen Staaten und Israel kam nach dem Sechstagekrieg von 1967 und dem Yom-Kippuer-Krieg 1973 zu einem abrupten Stillstand. Diese Veränderung war eine direkte Folge der arabischen Drohung gegen alle Länder, die Beziehungen zu Israel hatten; sie sollten alle Hilfe für die Befreiungsbewegungen abbrechen, die Unterstützung für den jüdischen Staat zeigten.

Während der 1980-er Jahre wurde Israel in der internationalen Gemeinschaft wegen seines Handels mit Südafrika als Paria herausgestellt. Die Zahlen malen allerdings ein sehr anderes Bild. Südafrikas Haupthandelspartner in den 1980-ern waren die USA mit $3,5 Milliarden, Japan mit $2,9 Milliarden, Deutschland mit $2,8 Milliarden, Großbritannien mit $2,6 Milliarden. Der Handel Israels betrug gerade $200 Millionen, was etwa 1% des südafrikanischen Bruttoinlandsprodukts ausmachte.

Aufschlussreicher waren Südafrikas jährliche Öl-Importe im Wert von $2 Milliarden, von denen offensichtlich nichts aus Israel kam. Sogenannt Unterstützer des Befreiungskampfs, namentlich Saudi-Arabien, lieferten jährlich Öl im Wert von $1 Milliarde. Tauschgeschäfte mit dem Iran und dem Irak lieferten im Jahr jeweils $1 Milliarde bzw. $750 Millionen.

Es ist daher verwirrend, dass das Südafrika der Zeit nach der Apartheid sich mit all diesen Regimen versöhnen kann. Sie können sogar Beziehungen zu Tätern der Apartheid verbessern. Dennoch sondern sie, genauso wie der rassistische Afrikaner Verwoerd es machte, Israel heraus um es zu verurteilen.

Israel ist zudem fälschlich beschuldigt worden der Hauptwaffenlieferant der Apartheid-Regierung zu sein. Die Hauptwaffenlieferanten waren in Wirklichkeit die USA, Frankreich, Großbritannien, Kanada, Westdeutschland, Belgien und Italien. Zusätzlich kam ein durch den Physiker David Albright geschriebener, ausführlicher Artikel zu dem Schluss, dass „verfügbare Belege gegen bedeutende Kooperation“ mit Israel bezüglich des Atomprogramms argumentiert. Die Hauptspieler sind die USA, Deutschland und Frankreich gewesen.

Tatsächlich hat ist niemals ein Beweis vorgelegt worden, der Kooperation nachwies oder gemeinsam Bemühung in der Entwicklung militärischer Atomnutzung, wie es Israel oft vorgeworfen wird.

Trotz dieses ganzen Szenarios entwickelte Israel 1986 ein Gemeindeentwicklungs- und –führungsprogramm auf dem Bet Berl-Campus bei Kfar Saba, einer Stadt in Israel. Das Programm nahm geheime Gruppen auf, zu denen Führer sowohl des ANC als auch von AZAPO (Azanian Peoples Orgnization) gehörten.

Es wäre natürlich wünschenswert gewesen, hätte Israel sich auf keinerlei Weise mit der Apartheid-Regierung zusammengetan. Man muss aber daran erinnern, dass die Befreiungsbewegungen der damaligen Zeit einen großen Teil der Schuld zu schultern haben, da sie Israel für Öl verrieten. Erwarteten diese Bewegungen und heutigen politischen Führer wirklich, dass Israel ihre Interessen über sein eigenen stellt, nachdem sie es so schlecht behandelten?

Für westliche Länder, ist die Konzentration auf Israel sehr bequem, um die Aufmerksamkeit von ihrer eigenen Beteiligung am Apartheidregime und die finanziellen Nutzen, den sie aus dieser Beziehung zogen. Arabische Länder haben zusammen mit antiisraelischen Kräften im Westen sicher etwas zu gewinnen, indem sie Feindseligkeit gegenüber Israel bei den Südafrikanern fördern.

Doch während die Völker anderer afrikanischer Länder die Vorteile der wachsenden Beziehungen zu Israel einstreichen, ist es bedauerlich, dass das Volk im Post-Apartheid-Südafrika, diejenigen, die so dringend die vielen Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten brauchen, die Israel zu bieten hat, das verwehrt wird, weil ihre Führer eine windschiefe Auffassung von Geschichte haben.

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2 Gedanken zu “Südafrika und Israel – Zeit die Dinge richtigzustellen

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