Warum die Scharia abzulehnen ist

Daniel Pipes, National Post, 5. August 2009

Diejenigen von uns, die sich gegen die Scharia aussprechen, werden manchmal gefragt, warum das islamische Recht ein Problem darstellen soll, da moderne westliche Gesellschaften schon lange der Halacha, dem jüdische Recht, einen Platz eingeräumt haben. Das war sogar einer der Hauptpunkte derer, die 2005 die Meinung vertraten, die Scharia solle zu einem akzeptierten Teil der Resolution zu zivilrechtlichen Auseinandersetzungen in Ontario werden.

Die Antwort ist einfach: Die beiden trennt ein fundamentaler Unterschied. Der Islam ist eine missionierende Religion, das Judentum nicht. Die Islamisten trachten nach der Anwendung des islamischen Rechts auf jedermann, während fromme Juden das Leben nach jüdischem Gesetz nur für sich selbst anstreben.

Zwei frische Beispiele aus Großbritannien demonstrieren den immanenten Imperialismus des islamischen Gesetzes.

Bei dem ersten geht es um das Queens Care Center, ein uraltes Heim und Tageszentrum für Senioren in der Kohlestadt Maltby, 65km östlich von Manchester. Derzeit ist nach Angaben des Daily Telegraph keiner der 37 Angestellten oder 40 Bewohner Muslim. Obwohl das Management des Heims geltend machen, dass die „religiösen und kulturellen Überzeugungen“ der Bewohner respektiert werden, entschied Zulfikar Ali Khan, seit 1994 Eigentümer des QCC, dieses Jahr auf eigene Faust das Fleisch für das Heim nur noch bei einem Halal-Schlachter zu kaufen.

Diese heimliche Entscheidung bedeutete, dass die Rentner im QCC nicht länger ihre bacon and eggs (Eier mit Schinken), bangers and mash (Würstchen mit Kartoffelpürre), Schinken-Sandwiches, Schweinepastete (pork pie), bacon butties (Klappbrote mit gebratenem Schinken) oder sausage rolls (im Brot gebackene Wurst) essen können. Der Wechsel löste Zorn auf breiter Front aus. Ein Verwandter eines Bewohners nannte ihn „eine Schande. Die alten Menschen, die ihre letzten Jahre in dem Heim verbringen, verdienen etwas Besseres… Es ist schockierend, dass ihnen Essen vorenthalten werden soll, das sie mögen, nur weil dieser Mann das so will.“ Einer der Angestellten meinte, es sei „völlig falsch, dass jemand anderen auf diese Art und Weise seine Religion und kulturellen Überzeugungen aufzwingt“.

Nach seiner Entscheidung befragt, antwortete Khan lahm, er habe wegen der (nicht existenten) muslimischen Angestellten Halal-Fleisch bestellt. Dann ruderte er zurück: „Wir werden alle Fleischsorten bestellen“ und ging so weit zuzustimmen, dass religiöse Überzeugungen anderen nicht aufgezwungen werden sollten. Sein Rückzug überzeugte einen ehemaligen Angestellten des QCC nicht, der den Verdacht hat, dass Khan „die Absicht hat im Heim nur Halal-Fleisch zu servieren, es sich aber wegen des Aufsehens noch einmal anders überlegen musste“.

Das zweite Beispiel der zwangsweisen Einführung der Scharia für Nichtmuslime kommt aus dem südwestlichen England. Die Avon and Somerset Police Force fährt in den Städten Bristol und Bath, wie auch in der Umgebung Patrouille; sie hat gerade Hijabs für Polizistinnen ausgegeben. Die Hijabs, die auf Initiative zweier muslimischer Gruppen verteilt wurden und £13 (gut €15) kosten, sind mit dem Emblem des Polizeibezirks ausgestattet.

Nun ist die Ausgabe von Hijabs als Teil der Uniform in Großbritannien nicht neu – die Londoner Polizei machte 2001 den Anfang, gefolgt von anderen Polizeidirektionen, mindestens einer Feuerwehr-Einheit und sogar der Möbelkette Ikea. Was die Avon and Somerset-Hijabs von den anderen unterscheidet: Sie sind nicht nur für fromme weibliche muslimische Mitarbeiter vorgesehen, sondern auch für nicht muslimische Bedienstete, insbesondere zum Gebrauch beim Betreten von Moscheen.

[Rashad Azami von der Bath Islamic Society findet es „höchst zufriedenstellend“, dass die Polizeidirektion diesen Schritt unternahm. Eine der sieben nicht muslimischen Polizistinnen, die einen eigenen Hijab erhalten sollen, ist Assistant Chief Constable Jackie Roberts; sie nennt es „einen sehr positiven Zusatz zur Uniform, von dem ich sicher bin, dass er ein willkommenes Element für viele unserer Polizistinnen sein wird“.

Bat Ye’or prägte den Begriff Dhimmitum, um die Unterwerfung von Nichtmuslimen unter die Scharia zu beschreiben. Assistant Chief Constable Roberts‘ Begeisterung für den Hijab könnte „fortgeschrittenes Dhimmitum“ genannt werden.]

„Hijab Bullies“ (wie David J. Rusin von Islamist Watch sie nennt), die nicht muslimische Frauen zwingen sich zu verhüllen, sind schlicht eine weitere Art dem Westen die islamistischen Scharia-Gepflogenheiten aufzunötigen. Andere Islamisten konzentrieren sich darauf, die unzensierte Diskussion von Themen wie Mohammed und der Koran oder Islamistische Institutionen oder Terrorfinanzierung zu verhindern; wieder andere üben Druck aus, vom Steuerzahler finanzierte Schulen, Krankenhäuser und Gefängnisse an das islamische Recht anzupassen, ganz zu schweigen von Taxis und städtischen Schwimmbädern. Ihre Anstrengungen haben nicht immer Erfolg, aber in der Summe verschieben sie die Grundlagen des westlichen, insbesondere des britischen Lebens.

Kehren wir zum Schweinefleisch zurück: Sowohl der Islam als auch das Judentum verabscheuen das Fleisch des Schweins, daher bietet sein Verbot einen direkten und entlarvenden Vergleich der beiden Religionen. Einfach gesagt, akzeptieren Juden, dass Nichtjuden Schweinefleisch essen; aber Muslime nehmen daran Anstoß und versuchen seinen Verbrauch zu verhindern. Das erklärt, ganz kurz, warum das Entgegenkommen der Halacha gegenüber im Westen keine Bedeutung für den Umgang mit der Scharia hat. Und warum die Scharia als Linie öffentlicher Politik abgelehnt werden muss.