Über die Verantwortung des Islam (2): Macht den Islam verantwortlich

Aber nicht den ganzen

Jonah Goldberg, 12. Juli 2002

Die Anschläge vom 11. September in den USA haben eine vorsichtige Debatte in Saudi Arabiens abgeschlossener Gesellschaft ausgelöst. Es geht darin um die Intoleranz gegenüber Nichtmuslimen und die Einstellung gegenüber dem Westen, die jetzt von manchen als Inspiration inakzeptabler Gewalt betrachtet werden.

So begann ein Artikel in der New York Times vom heutigen Freitag.

„Die Debatte scheint eine bedeutende Verschiebung in einer Gesellschaft zu repräsentieren, deren wahhabitischer Zweig des Islam dazu tendiert, eine solche Fragestellung für tabu zu erklären“, fährt Times-Reporter Neil MacFarquhar fort. „Offenbar regt eine kleine Gruppe Intellektueller, Akademiker, Journalisten und religiöser Gelehrter leise an, dass eine Veränderung nötig ist.“

„Mir müssen uns mit einer Menge Dinge beschäftigen, von denen wir dachten sie seien normal“, sagte Khaled M. Batarfi der Times. Batarfi ist der Chefredakteur von Al Madina, einer Tageszeitung, die nach der Times progressiv ist und neue Wege zu gehen versucht.

„Vor dem 11. September war das nur eine Meinung: ‚Ich glaube, wir sollten die anderen hassen’“, sagt Batarfi. „Nach dem 11. September fanden wir heraus, dass einige dieser Gedanken Handlungen zur Folge hatten, die uns weh tun, die alle Muslime vor Gericht bringen.“

Ach so: Es ist nicht der Hass an sich, der das Problem ist. Es ist dieser dumme Gegenwind, den der Hass verursacht. Wenn wir „die anderen“ (sprich: die Christen, Juden, Hindus und alle andere, die nicht muslimisch sind) einfach hassen könnten, ohne den Muslimen so viel Unannehmlichkeiten zu bereiten, nun, dann würde alles in Ordnung sein.

Bedenken Sie, dass Herr Batarfi in Saudi Arabien als ein Herzblut-Liberaler gilt. Er möchte einfach ohne Unannehmlichkeiten hassen können. Saudische „Konservative“ empfinden solche Ansichten als gotteslästerlich, zu was ist schließlich Hass ohne zu töten gut? Hass ohne zu töten, das ist nicht richtig. Da könntest du deine Schwester küssen, wenn du Juden und Christen hasst ohne sich umzubringen. Ich meine: Wo ist da der Sinn?

Die Times berichtet zum Beispiel, dass Ansichten wie die von Herrn Batarfi „kontrovers bleiben“. Als eine Gruppe saudischer Intellektueller ein Manifest veröffentlichte, in dem sie die Idee aufbrachten, dass es „gemeinsame Grundlagen mit dem Westen“ gäbe, wurden sie nach der Times „einer vernichtenden Rüge derer ausgesetzt, die den wahhabitischen Begriff anerkennen, der Islam gedeihe auf der Feindschaft gegenüber den Ungläubigen“.

„Es wird der falsche Eindruck vermittelt, dass viele Menschen den Krieg gegen Amerika verurteilten“, eiferte ein Kritiker auf einer populären Internetseite. „Aber die Wahrheit ist, dass viele Menschen glücklich sind, dass dieser Krieg erklärt ist, der den Muslimen ein Gefühl der Erlösung gibt.“

Scheik Hamad Rais al-Rais, ein älterer, blinder Gelehrter, beschwerte sich, dass die Sympathie des Manifests für die Opfer des 11. September – nach den Worten der Times – „dem Islam die Grundlage entzögen“, weil sie vergäßen, dass der Jihad eine zentrale Lehre des Islam sei. „Ihr weint über das, was den Amerikanern auf ihren Märkten und in ihren Büros und Ministerien geschah und den Katastrophen, die sie erfahren mussten“, schrieb der Scheik. „Und ihr vergesst die Unterdrückung und Ungerechtigkeit und Aggression dieser Amerikaner gegen die gesamte islamische Welt.“

(Eine kurze Zwischenfrage: Warum scheint so, dass viele islamische Gelehrte, dabei besonders die widerlichen, blind sind? Sagt der Koran, dass man kein Vitamin A nehmen darf? Ich habe sicher etwas nicht mit bekommen, aber Rabbis und Franziskanermönche scheinen nicht häufiger zu erblinden als die Durchschnittsbevölkerung.)

Merken Sie sich, dass der Scheik die „gesamte islamische Welt“ anruft. Mehr dazu gleich.

Ein anderer populärer (und wahrscheinlich sichtbeschränkter) Scheik, der letztes Jahr starb, veröffentlichte eine Fatwa, die erklärt, das im Ausland lebende Muslime „Feindseligkeit und Hass auf die Ungläubigen im Herzen verankern und davon Abstand nehmen sollten, sich mit ihnen anzufreunden.“

Nun, einige Saudis mögen den Unterschied zwischen Konservativen und Liberalen zu machen und erklären, dass die Unterscheidung zwischen Hassen und Töten nicht die richtige Wahl ist, wie Bill Clinton sagen würde. Man kann hassen, so viel man will, ohne dass es Gegenwind gibt. Ein Professor für islamisches Recht erklärte der Times: „Natürlich hasse ich Sie, denn Sie sind Christ, aber das heißt nicht, dass ich Sie töten will.“

Gut, machen wir nicht den Islam, sondern die Wahhabiten verantwortlich

Ich könnte den ganzen Tag über diesen Artikel der Times weiter machen. Er liest sich wie eine Onion-Parodie. Lesen Sie das selbst und stellen Sie sich einen identischen Artikel über Nazideutschland vor. „’Bis zur Invasion in der Normandie glaubten viele hier, dass Nichtarier zu hassen nur eine Meinung darstelle, aber jetzt haben einige unter uns das Gefühl, dass unser Völkermord und die Eroberungen den Deutschen schadet und alle Deutschen vor Gericht stellt’, sagt Piter Thorman… Andere haben das Gefühl, dass Sympathie für die massakrierten Juden vollständig den Lehren Adolf Hitlers widerspricht…“ usw. usw.

Ich möchte aber über John Derbyshires wundervolles Essay „Gebt nicht dem Islam die Schuld“ sprechen. Ich empfehle es jedem sehr. Derb – wie wir ihn gedruckt nennen – unternimmt einen überzeugenden Versuch nicht den Islam verantwortlich zu machen. Ein zentraler Punkt seiner Argumentation ist, dass es fundamental unfair ist einer Religion – egal welcher – die Taten der Menschen vorzuwerfen, die sie falsch interpretieren. Die jüdische Bibel beinhaltet alle möglichen Schlägereien und Wut. Aber außerhalb von Israels Nachbarschaft hat mein Volk in der letzten Zeit nicht gerade viel Schläge verteilt. Und unsere Wut äußert sich meistens in der Art von Klagen vor Gericht oder dem Boykott chinesischer Restaurants. Die christliche Bibel predigt Liebe und dass man die andere Wange auch hin halten solle. Und trotzdem sind die Christen in ihrer Geschichte mehr als ein paar Male von diesem Text abgewichen. Der Koran war einmal der Text, der eine große und relativ tolerante Zivilisation definierte. Die Tatsache, dass er jetzt benutzt wird um alle möglichen Arten des Horrors zu rechtfertigen, spricht für die Probleme der verschiedenen arabischen Gesellschaften. Um Derbs Argumentation einmal unfair zusammenzufassen: Nicht Religion tötet Menschen, sondern Menschen töten Menschen.

Meine Antwort darauf ist: Jein. Wie Derb wahrscheinlich sehr viel besser weiß, gibt es sehr reale Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum. Der Islam war eine Religion des Schwertes. Die vielleicht wichtigste Definition des Jihad ist, historisch gesprochen, ein Heiliger Krieg um muslimisches Land zurückzuerobern oder zu verteidigen. Wer stirbt, während er die Erde verteidigt, wird seine Jungfrauen und den Rest der Geschenke hinter dem Vorhang bekommen. Das, so scheint mir, ist eine religiöse Doktrin, die besonders auf den Aufbau eines Reiches passt. Aber ihr könnt mich ja als verrückt bezeichnen.

Das Christentum wurde dagegen im Leiden geboren. Ein christlicher Märtyrer starb, wenigstens in den Gründungsjahrhunderten der Christenheit, weil er es ablehnte seinen Glauben aufzugeben, nicht, weil er es ablehnte, Territorium aufzugeben.

Jeder Nichtmuslim kann immer noch (an)erkennen, dass Mohammed nach jeder Definition einer historisch großen Persönlichkeit unzweifelhaft ein großer Mann war. Er war weise und mutig, intelligent und viele andere wunderbare Sachen. Er veränderte die Welt schneller und bedeutender als jeder sonst in der menschlichen Geschichte, auch unter Einschluss Jesu und aller Propheten. Aber anders als Jesus war Mohammed auch ein General. Er befahl seine Feinde zu köpfen. Er nahm die Frauen und Kinder der Besiegten und gab sie seinen Männern als Beute. Jesus machte nichts dergleichen. Ich bin kein Experte, aber ich glaube das Gewalttätigste, was er je tat, war einige Tische umzustoßen und einigen Geldwechslern in den Hintern zu treten.

Diese Unterschiede sind kaum unbedeutend. Trotzdem übernehme ich Derbs Ansicht und stimme ihm überwiegend zu. Der Islam muss keine Hass erfüllte Religion sein und ist es für unzählige Millionen anständiger Menschen auf der ganzen Welt natürlich nicht. Ich glaube, jeder Muslim, dem ich persönlich begegnet bin, hat einen freundlichen und großzügigen Eindruck auf mich gemacht. Und da der Islam, ob wir wollen oder nicht, nicht verschwinden wird, sollten wir besser mit den Guten in der islamischen Welt an die Arbeit gehen, damit die Bösen nicht gewinnen.

Was mich wieder zu Saudi Arabien bringt und dazu, weshalb ich mit Derb nicht überein stimme. Er lässt den Wahhabismus und die Saudis in seinem Essay außer Acht und deshalb weiß ich nicht genau, wo er steht.

Ich akzeptiere das Argument, dass keine wirklich erfolgreiche und dauerhafte Religion fundamental bösartig sein kann. Religion kann so nicht funktionieren. Aber „dauerhaft“ kann eine sehr lange Zeit sein. Und die Geschichte ist voll von Beispielen kurzlebiger böser und gefährlicher Religionen.

Es hat Reihen von Kulten gegeben, die von sich behaupteten der „wahre Glaube“ einer größeren, dominanten Religion zu sein. Viele dieser Kulte schafften blühende, gesunde Konfessionen: Die schiitischen Muslime, Lutheraner, Lubawoitscher Juden usw. Und manchmal waren diese Kulte ganz einfach gefährlich und furchtbar. Und manchmal, denke ich, begannen diese Kulte verrückt und gefährlich zu werden und wurden im Laufe der Zeit milder.

Mit meiner Kolumne „Der Islam braucht einen Papst“ habe ich eine Menge dieses Bereichs abgedeckt, aber ich denke, dass ernsthafte Menschen sich der Tatsache zuwenden müssen, dass zwar der Islam vieler der Anwürfe gegen ihn unschuldig ist, aber der Wahhabismus schuldig in allen Punkten der Anklage. Er ist ein Kult, der jeden Tag neu Terroristen ausbrütet. Saudi Arabien ist das muslimische Äquivalent der Sowjetunion der 1930-er Jahre. Sie sind Zuhause brutal repressiv und im Ausland fanatische Bekehrer. Auf der ganzen Welt gehen die Menschen, die die Lüge „Islam bedeutet Frieden“ verbreiten, in wahhabitische Moscheen. Afghanistan unter den Taliban war politisch wie ideologisch ein saudischer Satellitenstaat. In Pakistan, Indonesien und den USA ist saudisches Geld und saudische (wahhabitische) Ideologie die Bedrohung. Der Artikel der New York Times ist nur ein Tropfen im Ozean der Beweise, aber er sagt alles, was man wissen muss. Der Islam predigt nicht unbedingt mehr Hass als das Christentum. Aber unter dem Wahhabismus ist Hass genauso eine Pflicht wie Gebet (und trotzdem fahren die Verteidiger der Saudis fort sie „moderat“ zu nennen, weil sie uns Öl verkaufen).

Offenbar mögen Wahhabisten es nicht Wahhabisten genannt zu werden, denn sie behaupten einfach, dass sie die tief gläubigsten Muslime sind. Sie Wahhabisten zu nennen legt nahe, sie seien nur ein Zweig – oder Kult – dessen, was ein geeinter, monolithischer Glaube sein sollte. Wahhabitische Kleriker behaupten für alle Muslime zu sprechen. Und sie sind keine islamischen Derbyshires. Sie sagen, dass sich alle Muslime mit allen Christen und Juden im Krieg befinden, denn Christen und Juden sind auf jeden Fall verantwortlich zu machen.

In der Zwischenzeit arbeiten die Saudis sehr hart an der Sicherstellung, dass sie tatsächlich für alle Muslime sprechen. Sie geben Millionen dafür aus, die ganze muslimische Welt zum „wahren Glauben“ zu konvertieren. Und wenn sie Erfolg haben, wenn die Muslime der Welt alle den wahhabitischen Weg wählen, dann wird Derb es viel schwerer haben, wenn er sagt, dass nicht der Islam verantwortlich ist. Daher sollten wir an die Arbeit gehen und den Muslimen helfen, von denen Derb redet, bevor es zu spät ist.