Tod Amerika

Daniel Pipes, New York Post, 8. September 2002

(Vorbemerkung heplev: Persönlich denke ich, dass Amerikas Krieg gegen den Terror nicht schon 1979 begann; angesichts der Versäumnisse, die Daniel Pipes hier und in anderen Artikeln aufzeigt, begann 1979 der Krieg des militanten Islam gegen Amerika, aber noch nicht umgekehrt. Dieser findet erst seit dem Herbst 2001 statt.)

Amerikas Krieg gegen den Terrorismus begann nicht im September 2001. Er begann im November 1979.

Das war kurz nachdem Ayatollah Khomeini die Macht im Iran mit dem Slogan „Tod Amerika“ übernommen hatte – und prompt begannen bald darauf die Anschläge auf Amerikaner. Im November 1979 besetzte ein militant-islamischer Mob die US-Botschaft in Teheran und nahm 52 Amerikaner 444 Tage lang als Geiseln.

Das Rettungsteam, das die Geiseln im April 1980 befreien sollte, hatte acht Tote; das machte sie zu den ersten von vielen amerikanischen Opfern des militanten Islam. Andere folgten, darunter:

April 1983: 17 Tote in der US-Botschaft in Beirut.

Oktober 1983: 241 Tote in der Kaserne der US-Marines in Beirut.

Dezember 1983: 5 Tote in der US-Botschaft in Kuwait.

Januar 1984: Der Präsident der Amerikanischen Universität von Beirut wird getötet.

April 1984: 18 Tote in der Nähe einer US-Luftwaffenbasis in Spanien.

September 1984: 16 Tote in der US-Botschaft in Beirut (einmal mehr).

Juni 1985: Ein Toter bei einer Flugzeugentführung nach Beirut.

Nach einer Pause begannen die Angriffe erneut: 5 und 19 Tote in Saudi Arabien 1995 und 1996; 224 Tote bei den US-Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 und 17 Tote auf der USS Cole im Jemen im Oktober 2000.

Gleichzeitig fand der mörderische Angriff des militanten Islam auch auf amerikanischem Boden statt:

Juli 1980: ein iranischer Dissident in der Umgebung von Washington D.C. getötet.

August 1983: ein Führer der islamischen Ahmadiyya-Sekte in Canton, Michigan getötet.

August 1984: drei Inder in einem Vorort von Tacoma, Washington getötet.

September 1986: ein Arzt getötet in Augusta, Georgia.

Januar 1990: ein ägyptischer Freidenker getötet in Tucson, Arizona.

November 1990: ein jüdischer Führer in New York getötet.

Februar 1991: ein ägyptischer Islamist in New York getötet.

Januar 1993: zwei CIA-Mitarbeiter vor dem Hauptquartier in Langley, Virginia getötet.

Februar 1993: 6 Menschen im World Trade Center getötet.

März 1994: ein jüdisch-orthodoxer Junge auf der Brooklyn-Bridge getötet.

Februar 1997: ein dänischer Tourist im Empire State Building getötet.

Oktober 1999: 217 Passagiere der Egypt Air vor New York getötet.

Vor dem September 2001 verloren alles in Allem 800 Menschen durch Angriffe des militanten Islam auf Amerikaner ihr Leben – mehr als von jedem anderen Feind seit dem Vietnamkrieg getötet wurden. (Außerdem schließt diese Liste nicht die Dutzende Amerikaner in Israel mit ein, die von militant-islamischen Terroristen getötet wurden.)

Und trotzdem wurden diese Morde kaum wahr genommen. Erst mit den Ereignissen vor einem Jahr begriffen die Amerikaner endlich, dass „Tod Amerika“ wirklich ein Schlachtruf des gefährlichsten Feindes aus dieser Gegend ist – des militanten Islam.

Im Nachhinein betrachtet fing der Fehler an, als Iraner die US-Botschaft in Teheran angriffen und keinen Widerstand erlebten. Es ist interessant, dass ein Marine-Feldwebel, der sich an diesem schicksalsträchtigen Tag im November 1979 in der Botschaft befand, dieser Wertung zustimmt. Als der militant-islamische Mob die Botschaft stürmte, folgte Rodney V. Sickmann seinen Befehlen und schützte weder sich noch die Botschaft. Das Ergebnis war, dass er zur Geisel wurde und heute seine Geschichte erzählen kann. (Er arbeitet jetzt für Anheuser-Busch.)

In der Rückschau betrachtet, sieht er seine Passivität heute als Fehler an. Die Marines hätten ihren Dienst tun sollen, auch wenn es ihr Leben gekostet hätte. „Hätten wir das Feuer auf sie eröffnet, hätten wir vielleicht nur eine Stunde durchgehalten.“ Aber hätten sie das getan, dann „hätten sie die Geschichte verändert“.

Sich zu verteidigen hätte ein starkes Signal ausgesandt, dass die USA nicht straflos angegriffen werden können. Die Kapitulation der Botschaft sandte statt dessen das gegenteilige Signal – dass die Amerikaner Freiwild sind. „Wenn man zurück blickt, dann fing es 1979 an und eskalierte seitdem“, schlussfolgert Sickmann völlig zu Recht.

Dem kann der größte geostrategische Denker des Landes, Robert Strausz-Hupé nur seine Zustimmung geben. Kurz bevor er dieses Jahr im Alter von 98 Jahren starb, schrieb Strausz-Hupé seine letzten Worte und zwar über den Krieg gegen den Terrorismus: „Ich habe lange genug gelebt um das Gute mehrfach über das Böse gewinnen zu sehen, wenn auch zu einem Preis, der höher war als nötig. Diesmal haben wir bereits den Preis für den Sieg bezahlt. Es ist an uns, ihn zu gewinnen.“