Weiche Ziele

David Parsons, Word from Jerusalem, Januar/Februar 2003 (aus der engl. Mailingliste der ICEJ)

[Vorbemerkung heplev: Es wird – besonders in Deutschland – so gerne der feine Unterschied gemacht zwischen Antisemitismus und Antizionismus. Dieser Text zeigt eigentlich doch recht deutlich, dass dieser Unterschied ganz schnell verschwindet und nicht mehr „die Israelis“ oder „die Zionisten“ gesagt wird, sondern „die Juden“ – weil in Wahrheit doch „die Juden“ gemeint sind, wenn „die Zionisten“ gesagt wird. Eine Wahrheit, die sich auch mit den Angriffen auf Juden in aller Welt bestätigt, weil Israel die Palästinenser unterdrückt.]

Toleranz zwischen den Religionen ist trendy geworden. Das Weiße Haus hat nun in der Feiertags-Saison nicht nur die Pflicht den Weihnachtsbaum der Nation zu schmücken und Hannuka-Kerzen mit führenden amerikanischen Juden anzuzünden, sondern auch das Ramadan-Fasten mit Gesandten der sprießenden muslimischen Gemeinschaft zu brechen.

Wenn aber US-Präsident George W. Bush wirklich wüsste, wie dieser heiligste Monat in der muslimischen Welt gefeiert worden ist, würde er es sich zweimal überlegen, aufgepeppte islamische Vorzeige-Männer ins präsidiale Landhaus einzuladen… oder seine Position dazu zu nutzen christliche Prediger zu maßregeln, die warnen, dass der Islam vielleicht nicht wirklich eine solch „friedliche“ Religion sein könnte.

Leider ist der Judenhass wieder einmal auf dem Vormarsch und das arabisch-islamische Kernland nahm ihn während diesen Ramadans so gierig auf, wie andere dem „heißesten“ Weihnachtsgeschenk hinterher jagen.

Erst einmal gab es im ägyptischen Fernsehen die heftig propagierte 40-teilige Fernsehserie „Reiter ohne Pferd“, die den Zionismus als jüdische Verschwörung zur Erlangung der Weltherrschaft darstellte. Jeden Abend im Ramadan, kurz nach dem Abendessen, setzten sich die Zuschauer in Ägypten und 21 weiteren arabischen Staaten hin, um eine Führung durch die Geschichte der „Protokolle der Weisen von Zion“ zu sehen – nachgewiesenermaßen eine Fälschung, die als bewiesene Tatsache hingestellt wurde. Dieser dramatische Quotenrenner stellte die Juden als verschlagene, mörderische, untermenschliche Wesen dar – eine ausführlich gestaltete Produktion zur Aufrührung antisemitischer Gefühle im gesamten Nahen Osten.

In der gesamten Region gab es keinen Geiz solcher Ramadan-Kost. Das syrische Staatsfernsehen brachte eine Serie, die die Zuschauer darüber aufklärte, dass es keine archäologischen Belege für die Geschichten des Alten Testaments gibt, die gefälscht seien, um den Juden einen Anspruch auf das Land Israel zuverschaffen. Die Zeitung der regierenden Ba’ath-Partei verteidigte auch die ägyptische „Reiter“-Serie als einen genauen Bericht darüber, wie die Juden „die menschliche Gesellschaft geißeln, ihr Blut aussaugen, ihre Heiligkeit verletzen und die Menschenrechte, die Moral und allgemeine Werte angreifen, um sich alle Nationen der Welt zu eigen zu machen.“

Um hinter dem nicht zurückzustehen, gaben die palästinensischen Medien im Ramadan ihren besonderen Beitrag zu den antijüdischen Themen dazu. Eine Reihe von Fernseh-Dokumentationen trichterte die einzige Botschaft ein, dass jedes Gerede über einen jüdischen Tempel in Jerusalem ein „Mythos“ sei, ausgedacht, um die heilige Stadt ihren rechtmäßigen muslimischen Eigentümern zu stehlen. Eine ausgestrahlte Predigt nannte die Juden „verflucht… die Brüder von Affen und Schweinen, mit einem Strom von Flüchen, der bis zur Auferstehung der Toten weiter gehen wird…“ Mehr noch: Angriffe auf Juden und sie zu quälen wurde als Teil des Schicksals dargestellt, die Muslime und Araber als religiöse Pflicht gegenüber Allah erfüllen müssten.

Während der ganzen, einmonatigen Pflichterfüllung brachten arabische Medien Programme und Interviews, die die Juden die Planung der Terroranschläge vom 11. September verantwortlich macht, palästinensische Selbstmordbomber-Aktionen als „edle, geschätzte und ehrenhafte Missionen“ pries und Gebete für alle Muslime und Araber bot, sie sollten „wie ein Mann aufstehen und die tyrannischen Juden bekämpfen.“ [Wieso erinnert mich das bloß an die Worte eines Herrn Joseph G. vor einigen Jahrzehnten: „Nun, Volk, steht auf und Sturm brich los!“?]

Der bekannte Experte für arabische Fragen, Ehud Ya’ari, merkte in einem Kommentar im „Jerusalem Report“ alarmiert an, der „Kern“ dieses zeitlich gut platzierten antisemitischen Crescendo sollte zeigen, „dass es keine Möglichkeit gibt, mit den Juden Frieden zu schließen – nicht wegen irgendeines Streits oder Zusammenstoßes wegen Land, sondern weil dieser Staat a priori nicht in der Lage ist, als der menschlichen Rasse zugehörig angesehen zu werden… es wird Stück für Stück die Rechtfertigung von Völkermord aufgebaut!“

Unterdessen strahlte Al-Manar, die Fernsehstation der Hisbollah, einen Aufruf des Führers der schiitischen Terrormiliz, Scheik Hassan Nasrallah, aus, der die Palästinenser drängt „Selbstmord-Anschläge weltweit durchzuführen. Scheut davor nicht zurück.“

Nasrallahs Aufruf kam just zu der Zeit, als das Al-Qaida-Netzwerk hunderte israelischer Touristen in simultanen Angriffen bei Mombasa in Kenia ins Visier nahm. Eine Internetseite der Al-Qaida behauptete, die Anschläge seien dafür gedacht gewesen, die Juden für ihre „Sünden gegen die Palästinenser“ zu bestrafen. Sie kündigte den Aufbau eines besonderen neuen Zweigs in Palästina an, um „die zionistisch-jüdischen Invasoren zu schlagen und dorthin zurück zu schicken, woher sie kamen.“ Sie Seite versprach der Welt auch ein weiteres „Feiertagsgeschenk“, um das Ende des Ramadan zu feiern.

Analysten schließen daraus, dass Al-Qaida ihre Vorgehensweise geändert hat, seit sie aus Afghanistan vertrieben wurden und nun nach „weicheren“ Zielen sucht, die verletzlicher und einfacher zu treffen sind: Synagogen, Discotheken und Hotelanlagen. Die zusätzliche Konzentration auf Juden zielt darauf ab, die Unterstützerbasis der Terrorgruppe rasch wieder aufzubauen, indem an den zügellosen, pan-islamischen Antisemitismus appellieren, während sie gleichzeitig die fortgesetzte Unterstützung Israels für die USA und andere westliche Staaten zu einer schmerzhaften Verpflichtung macht.

Hat die Geschichte nicht schließlich die Juden als das leichteste aller Ziele aufgezeigt?