Moderate Stimmen des Islam

Daniel Pipes, New York Post, 23. September 2003

„Früher oder später wirst du für deinen Haufen Lügen bezahlen“, hieß letzte Woche die drohende Botschaft an die Autorin von „The Trouble with Islam: A Wake-up Call for Honesty and Change“ (Das Problem mit dem Islam: ein Weckruf für Ehrlichkeit und Veränderung).

In diesem gerade in Kanada veröffentlichten Buch untersucht Irshad Manji so ungewöhnliche Tabu-Themen wie Antisemitismus, Sklaverei und den erniedrigenden Umgang mit Frauen – alles in dem, was sie als „höchste Ehrlichkeit“ bezeichnet.

„Werdet erwachsen!“, schimpft sie die Muslime aus, „und übernehmt Verantwortung für unsere Rolle in dem, was dem Islam Probleme bereitet.“

Obwohl sie Fernseh-Journalistin und -Persönlichkeit ist, bringt Manji – eine praktizierende Muslima – echten Einblick in ihr Thema mit. „Ich schätze, dass jeder Glauben seinen Teil an Buchstaben-Gläubigen hat. Die Christen haben die Evangelikalen. Die Juden haben die Ultra-Orthodoxen. Um Gottes Willen, selbst die Buddhisten haben ihre Fundamentalisten. Was aber dieses Buch einbläuen will: Nur im Islam ist der Glaube an die wortwörtliche Wahrheit des heiligen Buchs der Mainstream.“

Für ihre Mühen ist Manji „selbst hassend“ genannt worden, „irrelevant“, „eine Ausverkäuferin der Muslime“ und eine „Blasphemistin“. Ihr wird „Verunglimpfung des Islam“ sowie Entmenschlichung der Muslime vorgeworfen.

Dieser Ausbruch von Feindseligkeit veranlasste Manji einen Wachmann anzustellen und kugelsichere Scheiben in ihrem Haus zu installieren. Die Polizei von Toronto gibt „ein hohes Bewusstseinslevel“ bezüglich ihrer Sicherheit zu.

Manjis Notlage in unglücklicherweise nur allzu typisch für das, was mutigen, moderaten, modernen Muslimen blüht, wenn sie sich gegen die Geißel des militanten Islam äußern. Ihre Erfahrung entspricht der Bedrohung des Lebens von Schriftstellern wie Salman Rushdie und Taslima Nasreen.

Und Nicht-Muslime fragen sich, warum anti-islamistische Muslime in Westeuropa und Nordamerika so schweigsam sind?

Anti-islamistische Muslime – die ein modernes Leben führen wollen, das nicht von Burkas, Fatwas und gewalttätigen Visionen des Jihad belastet ist – befinden sich in der Defensive und sind mehr oder weniger bedeutungslos. Wie wortgewandt sie auch sein mögen, ihre vereinzelten Stimmen können nicht mit dem Brüllen der Entschiedenheit des militanten Islam konkurrieren, mit seinem Geld (von dem vieles aus Übersee kommt) und mit der Gewalt. Das Ergebnis davon ist, dass der militante Islam mit seiner Phobie vor dem Westen und dem Ziel der Welthegemonie den Islam im Westen dominiert und vielen die einzige Art Islam zu sein scheint.

Aber anti-islamistische Muslime gibt es nicht nur; in den zwei Jahren seit dem 11. September haben sie zunehmend ihre Stimme erhoben. Sie sind ein bunt gemischter Haufen, die weder einen gemeinsamen Ansatz teilen, noch einen Plan. Einige sind strenggläubig, andere nicht und wieder andere sind Freidenker oder Atheisten. Einige sind konservativ, andere liberal. Sie haben nur eine Feindschaft gegenüber dem Wahabismus, Khomeini und anderen Arten des militanten Islam gemein.

Sie beginnen Bücher zu produzieren, die die totalitäre Vision der Islamisten herausfordern. Abdelwahab Meddeb von der Sorbonne schrieb das anschaulich betitelte „Krankheit des Islam“, in dem er den militanten Islam mit dem Nationalsozialismus vergleicht. Akbar Ahmed von der American University schrieb „Der belagerte Islam“, in dem er Muslime aufrief, Nicht-Muslime zu respektieren.

Zu weiteren offen redenden Akademikern gehören Saadollah Gaussy, der früher an der Sophia Universität in Tokio lehrte, Hussein Haqqani von der Brookings Institution, Salim Mansur von der University of Western Ontario und Khalil Mohammed von der San Diego State University.

Journalisten wie Taschbih Sayyid von „Pakistan Today“ und Stephen Schwartz (der u.a. für „The Post“ und den „Weekly Standard“ schrieb) stehen in der Frontlinie gegen den militanten Islam in den USA, ebenso der Schriftsteller Khalid Durán. Tahir Aslam Gora füllt dieselbe Rolle in Kanada aus. Ein Ex-Muslim mit dem Pseudonym Ibn Warraq hat eine Reihe von Büchern geschrieben, die Muslime ermutigen sollen ihren Glauben zu hinterfragen.

Es gibt eine Reihe anti-islamistischer Organisationen, darunter das „Islamic Supreme Council of America“, das „Council for Democracy and Tolerance“, den „American Islamic Congress“ und schiitische Organisationen wie die „Society for Humanity“ und „Islam in America“. Eine Reihe türkischer Organisationen haben einen entschieden säkularen Touch, darunter die „Atatürk Society“ und die „Assembly of Turkish American Associations“.

Einige Anti-Islamisten haben öffentliche Ämter übernommen. Ayaan Hirsi Ali in Holland, der den Islam eine „rückwärtige“ Religion nannte, ist Mitglied des niederländischen Parlaments. Nasser Khader in Dänemark ist ebenfalls Parlamentsmitglied und ein Säkularist, der fordert, dass die Muslime sich vollständig in das dänische Volk integrieren.

Die schwache Stellung der anti-islamistischen Muslime hat zwei wichtige Folgen:

  • Damit sie durch das islamistische Getöse hindurch zu hören sind, braucht es Hilfe von außen – dass sie von Regierungen gefeiert werden, Fördermittel von Stiftungen erhalten, von den Medien anerkannt werden und Beachtung aus dem akademischen Bereich bekommen.
  • Dieselben Institutionen müssen dem jetzt dominanten, militant-islamischen Establishment aus dem Weg gehen. Moderate haben eine Chance gehört zu werden, wenn die Islamisten zurückgewiesen werden.

Wenn ein moderater und moderner Islam im Westen aufkommen soll, ist es entscheidend, dass Anti-Islamisten gefördert und Islamisten geschwächt werden.

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Ein Gedanke zu “Moderate Stimmen des Islam

  1. Im Islam hat es bislang nichts gegeben, das mit der Europäischen Aufklärung verglichen werden könnte, und mit der Androhung der Todesstrafe bei Apostasie — siehe dieses Rechtsgutachten (Fatwa) von al-Azhar aus dem Jahr 1978: https://de.wikipedia.org/wiki/Apostasie_im_Islam#Urteil_des_Fatwa-Ausschusses_der_Azhar_%C3%BCber_die_T%C3%B6tung_von_Apostaten — ist (der) Islam eine weitaus vereinnahmendere Religion und ein despotisches System als andere.

    Wenn man dies berücksichtigt, wird die Kritikphobie, die Religionsfreiheitsphobie sowie die Selbstkritikphobie verständlich, die in islamischen Gesellschaften und überall dort weit verbreitet ist, wo islamische Gesetze gelten oder wo Islam Staatsreligion ist.

    Eckhardt Kiwitt, Freising

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