Krieg und Frieden

ICEJ, E-Mail-Newsletter (engl.), 7. März 2003

Sonder-Kommentar
Die folgende Bibelauslegung von ICEJ-Verwaltungsdirektor Malcolm Hedding richtet sich an Christen, die überlegen, wie sie sich zum drohenden Krieg im Irak stellen sollen.

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Krieg und Frieden

Wir stehen vor sehr kritischen Zeiten. Es ist niemandem entgangen, dass wir Stück um Stück einem möglichen Konflikt in der Region des Mittleren Ostens entgegen gehen. In vielen Kirchen gibt es verstärkten Widerstand gegen einen Krieg gegen den irakischen Diktator Saddam Hussein. Die Kirchen wollen daher wissen, wo die Internationale Christliche Botschaft in Jerusalem in dieser überaus wichtigen Frage steht.

Unsere Antwort ist weder für Krieg noch für Frieden. Interessanterweise muss unsere Antwort eine biblische sein. Es klingt gut zu sagen: „Wir sind für Frieden und für Liebe“, denn das scheint mit einem biblischen oder christlichen Standpunkt überein zu stimmen. Aber das ist sicher nicht der Standpunkt der Bibel in ihrer Gesamtheit. Wie antworten wir also auf diese Ereignisse und wo sollten wir unserer Haltung dazu formulieren?

Eine der tief gehendsten Stellen der Bibel bezüglich Konflikten finden wir in Jeremiah, Kapitel 18. In diesem Kontext droht der Prophet mit Krieg gegen Israel durch Gott selbst, wegen Israels Ungehorsam und Rebellion gegen den offenbarten Willen Gottes. Ich möchte aber das Prinzip hervor heben. Beachten Sie, wie der Prophet in Jeremiah 18,7-10 spricht: „ Einmal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es ausreißen, niederbrechen und zugrunde richten . Kehrt aber jenes Volk, über das ich geredet habe, von seiner Bosheit um, lasse ich mich des Unheils gereuen, das ich ihm zu tun gedachte. Und ein anderes Mal rede ich über ein Volk und über ein Königreich, es bauen und pflanzen zu wollen. Tut es aber, was in meinen Augen böse ist, indem es auf meine Stimme nicht hört, so lasse ich mich des Guten gereuen, das ich ihm zu erweisen zugesagt habe.“ (Elberfelder Übersetzung)

Hier haben wir Gott, der höchstpersönlich damit droht, dass Er Nationen aufgrund ihrer Ungerechtigkeit niederreißen wird. Der Abschnitt gibt uns klar die Kriterien, aufgrund derer Gott Nationen angreift. Im Buch Joel haben wir eine weitere Erinnerung an Gottes Handeln im Krieg. Es gibt Zeiten, zu denen Gott zu Krieg aufruft. Daher können wir Christen diese Frage nicht simplistisch angehen. Zu sagen, wir seien auf der Seite des Friedens, ist nicht christlich; und zu sagen, wir seien für Krieg, ist nicht christlich. Die Wahrheit ist, dass wir auf der Seite des souveränen Gottes sind. Das ist christlich.

Im vierten Kapitel bei Joel finden wir bemerkenswerte Worte – sie sind ein Spiel mit dem, was wir in Jesaja 2 lesen, wo über die letzten Tage gesprochen wird, nach der Vollendung der Zeiten und der Einführung des tausendjährigen Reichs des Messias. In diesen Versen lehrt die Bibel, dass die Nationen ihre Schwerter zu Pflugscharen und Sicheln umschmieden werden und Jahr für Jahr werden sie nach Jerusalem ziehen, um das Wort des Herrn zu hören. Im Buch Joel spielt der Prophet direkt mit dem, was her in Worten der prophetischen Äußerungen hörte. Sehen Sie, was er in Joel 4 sagt, besonders in Vers 9: „Ruft dies unter den Nationen aus, heiligt [andere Übersetzer: rüstet euch für] einen Krieg (hier spricht Gott!), erweckt die Helden! Herankommen und heraufziehen sollen alle Kriegsleute! Schmiedet eure Pflugscharen zu Schwertern und eure Sicheln zu Lanzen! (Er dreht die Worte Jesajas um!) Der Schwache sage: Ich bin stark!“

Wie viele von Ihnen haben oft dieses Lied gesungen? – „Lass die Schwachen sagen: Ich bin stark!“ Wie haben wir uns daran gefreut! Nun, es war aber Gott, der den Nationen sagte, sie sollten ihre Panzer und Raketen für den Krieg bereit machen – es hat nichts mit Ihnen als Christ zu tun, dass Sie sich in die Brust werfen und sagen: „In Jesus bin ich stark!“ Es hat ausschließlich damit zu tun, dass sich Nationen gegenseitig mit Massenvernichtungswaffen auslöschen! Es tut mir leid, dass ich den Zusammenhang eines unserer Lieblingslieder in Frage stelle.

Joel fährt fort: „Eilt und kommt her, all ihr Nationen ringsumher, und versammelt euch! Dahin, HERR, sende deine Helden hinab!“ Das ist ein Kriegsruf; es ist kein spiritueller Aufruf innerhalb der christlichen Kirche, auch wenn er oft in diesem Zusammenhang zitiert wird. Das ist falsch geleitet.

Dann gibt es den Abschnitt in Matthäus, den Christen und selbst die Welt liebend gerne zitieren. Nach Matthäus, Kapitel 5, wo Jesus das Vorwort zu den Zehn Geboten beginnt, was als Seligpreisungen bekannt ist, sollen wir Friedensstifter sein und werden dafür gesegnet. Schauen Sie sich Vers 9 an: „9 Glückselig die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.“ Auch dieser Vers wird oft aus dem Zusammenhang gerissen. Es ist wahr, dass wir uns als Christen um den Frieden kümmern sollen; und wir erkennen, dass die Bibel uns aufruft für den Frieden zu beten. Das steht nicht in Frage, aber dieser Abschnitt hat wenig mit den großen Fragen in Bezug auf Konflikte zwischen Völkern zu tun.

Wir wissen aus dem ersten Timotheus-Brief, dass das Wort Gottes uns ermahnt für den Frieden zu beten. Warum sollte es in der Welt Frieden geben? Will Gott das nur, damit Völker sicher in garantierten Grenzen leben können? Natürlich nicht! Das lehrt die Bibel auch nicht. Aber man könnte denken, wenn man vielem Reden in der christlichen Welt zuhört, dass wir einfach nur für Frieden beten brauchen und die Völker könnten dann leben, wie sie wollen, und sein, was sie wollen. Aber so ist das nicht. Lesen wir: „Ich ermahne nun vor allen Dingen, dass Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen getan werden für alle Menschen, für Könige und alle, die in Hoheit sind[a], damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Dies ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, welcher will, dass alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

Tatsache ist, dass wir nicht einfach nur für Frieden sind. Wir sind keine Vertreter des „Frieden um jeden Preis“. Trotzdem versucht die Kirche im Gleichschritt mit der Friedensagenda der Welt zu gehen. Ist das nicht erstaunlich?

Warum also wollen wir Frieden? Als Christen wollen wir Frieden wegen des Evangeliums von Jesus Christus. Das ist der Grund, warum wir für Frieden beten und für die, die die Macht haben. Wir wollen Stabilität und Frieden in jedem Land, soweit dies in der Souveränität Gottes möglich ist, denn Er weiß mehr als wir, so dass alle Menschen mit dem Wissen um die Wahrheit erreicht und gerettet werden können. Konflikt im Land macht es unmöglich zu predigen, wenn jedermann in seinem Bunker sitzt, um den Raketen zu entgehen. Die Menschen kommen dann nicht zum Gottesdienst.

Noch einmal: Die Art von Frieden, nach der wir Linie trachten, ist in erster Linie der Frieden, der Versöhnung und Frieden zwischen Einzelnen bringt. Das ist der Zusammenhang aus Matthäus 5. Dein Leben nach der Ethik des „Wiedergeborenen“ zu leben, wo du ein Friedensstifter bist, weil du ein Kind Gottes bist. Du bemühst dich um die in deiner Umgebung; du heilst Wunden; du bringst die Verlorenen, die verlorenen Schafe zurück. Du übersiehst eine Vielzahl von Sünden, denn dir ist nicht wichtig, was dir die Leute antun. Du lebst nach deinem Gewissen, das aus der Sicht Gottes rein und klar sein sollte, daher kannst du viele Dinge übersehen. Wenn jemand etwas über dich sagt, was soll’s? Du weißt, dass dein Gewissen klar und dein Herz rein ist. Daher kannst du sagen: „Ich vergebe dir.“ Das ist Gottes Wille für uns. Gesegnet sind die Friedensstifter, denn sie sollen die Söhne Gottes genannt sein. Auf dieser Ebene ist das für eine ziemlich große Herausforderung, nicht wahr?

Das ist der Zusammenhang von Matthäus 5; es ist die Ethik des „Wiedergeborenen“; ein Vorwort zu den Zehn Geboten, durch das Er uns eine kurze Zusammenfassung dessen gibt, was es bedeutet deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst und Gott aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand.

Andererseits sind wir unterschiedlicher Meinung, wenn es um die Frage von Krieg und Frieden geht. Wenn man mich fragt, ob die ICEJ für Krieg oder für Frieden ist, werde ich daher sagen: „Ich weiß es nicht.“ Ich weiß, dass es in Gottes Souveränität Zeiten gibt, wo er zum Krieg ruft. Ich sehe das klar und deutlich in der Bibel. Ich weiß auch, dass nichts in der Welt ohne die Zustimmung Gottes geschehen kann. Und je länger ich warte und schaue, was passiert, und je mehr ich sehe, dass diese Sache unvermeidbar wird, desto mehr muss ich sagen, dass es in der Souveränität Gottes geschieht, denn sonst würde es nicht geschehen.

Ich beklage Krieg, genauso, wie es auch das Wort Gottes tut. Er ist ein bedauerliches, göttliches Mittel der Züchtigung und Gott selbst sagt das. Er will ein Volk aufbauen, es nicht nieder reißen. Aber die Verderbtheit fließt manchmal über, und in Teilen der Welt, sogar an Orten, die wir nicht als verderbt ansehen würden, werden wir trotzdem einige erstaunliche Dinge sehen. Gott wird sogar Völker nieder reißen, von denen wir dachten, sie würden wahrscheinlich die Gerechten, die Guten sein.

Das ist die Welt, in der wir leben. Als Christ bete ich für den Frieden, auch im Irak. Warum? Damit dort die Möglichkeit besteht, das Evangelium zu predigen. Ich begreife es auch so, dass, wenn die Verderbtheit so groß ist, dass Gott in Seiner Souveränität die Nation nieder reißen wird, es mein Glaube und Vertrauen ist, dass hinterher das Evangelium dort freier gepredigt werden kann. Mein Wertesystem ist völlig anders als das der Welt und ich verpflichte mich der biblischen Offenbarung von Frieden und Krieg in dieser Sache.

Daher können wir als Dienst keine Extremposition beziehen – wir sind nicht einfach nur für Frieden unter den Völkern. Auch sind wir nicht einfach nur für Krieg unter den Völkern. Das mag verwirrend erscheinen, aber letztlich gilt unser Glaube und Vertrauen einem souveränen Gott. „Des HERRN ist die Erde und ihre Fülle, die Welt und die darauf wohnen.“ (Psalm 24,1) Nichts kann in der Welt geschehen, ohne Bezugnahme auf die Souveränität Gottes.

In unserer Zeit scheint es so, dass Gott das Schwert gegen den Irak zückt. Das ist eine Angst einflößende Sache. Wir sollen für die Menschen des Irak beten. Am Wichtigsten ist der Fakt, dass sie die wunderbare Botschaft von Jesus hören müssen. Das ist der Gruß, dass wir dort Frieden wünschen und wir sollten in dieser Art beten. Das ist es auch, warum es so schwierig ist, in diesem Dingen simplistisch zu sein.

Auf der persönlicheren Ebene bedeutet das auch, dass wir für den Frieden in unseren Herzen beten sollten, denn die Bibel bestätigt, dass Gott alle Dinge kontrolliert. Daher müssen wir sicher stellen:

  1. dass wir vollkommen im Willen Gottes für unser Leben leben. Das ist der einzige und sicherste Ort, an dem wir sein können. Das heißt nicht, dass wir in einem Gebiet außerhalb des Konflikts leben. Man kann sich am friedlichsten Ort der Welt befinden, aber wenn man sich außerhalb des Willens Gottes befindet, befindet man sich möglicherweise an einem sehr gefährlichen Ort!
  2. dass wir uns in einer perfekten Beziehung zu Gott befinden. Man kann nicht charakterlich perfekt sein, aber man kann und sollte in einer perfekten Beziehung zu Jesus stehen. Beziehung hat mit Sehnen zu tun, nicht mit Leistung. Sie sollten ein perfektes Sehnen danach haben Gott zu lieben und auf Seinem Weg zu gehen. Wenn wir das in unserem Leben falsch machen, dann geht alles schief, besonders im Bereich der persönlichen Beziehungen zu Einzelnen. Wir sind leicht beleidigt und beschmutzt und manchmal wissen oder sehen wir das nicht einmal. Wir haben keine Gnade, keine Liebe, kein Mitleid und nicht die Fähigkeit, eine Vielzahl von Sünden zu vergeben.

Da wir in eine Zeit eintreten, in der wahrscheinlich ein Konflikt in unserer Region stattfinden wird, lasst uns erkennen, dass wir nichts zu befürchten haben. Lasst uns für den Irak beten, dafür, dass das Evangelium in diesem Land verkündet wird und dass der Wille Gottes geschieht. Wenn diese Art von Frieden die Frucht des Krieges ist, dann könnte es sein, dass der Gott des Himmels zu den Speeren und Schwertern ruft. Möge Gott uns helfen zu leben, wie wir leben sollten, und mögen wir, in Angst und Zittern, erkennen, dass Er immer mit dem Gedanken an Buße und Rettung urteilt.

Malcolm Hedding
ICEJ-Verwaltungsdirektor

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Ein Gedanke zu “Krieg und Frieden

  1. Ich glaube nicht, dass wir Vorredner brauchen, die ihre Ansichten uns aufoktruieren müssen.

    Ich halte mich zur Bibel, denn dort steht auch das Schiksal vom Iran (Persien) und vom Irak (Medien). Daniel 8 vermerkt den Untergang der beiden Gebiete, wobei der Irak wieder aufkommen wird, der Iran aber wird ganz vernichtet wird.
    Jeremia 50 und 51 sprechen vom gleichen Untergang der beiden Länder.
    Der Irak hat schon eine Erfüllung in Form vom Glofkrieg erfahren. Bei diesem Land handelt es um die Sühne vom ersten Tempel, der Nebutkatnezar zerstört hatte.

    Zudem vermittelt uns die Prophetie, dass in der Zukunft eine Verkehrslinie zwischen Ägypten, Israel und dem Irak (Medien) existieren wird.

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