Eine Würdigung für Ryan Bellerose

Michael Lumish, Israel Thrives, 9. März 2018

Ryan Bellerose ist ein Freund der projüdischen/proisraelischen Gemeinschaft, der, wie viele von uns, der Zweistaatenlösung gegenüber zunehmend skeptisch geworden ist.

Ich traf den Mann, als er bei Israel Thrives vor ein paar Jahren aufschlug, um einem meiner regelmäßigen Besucher Feuer unter dem Hintern zu machen.

Bellerose ist ein Métis aus der Siedlung Paddle Prairie im nördlichen Alberta – ich möchte nördliches Alberta betonen – und Kämpfer für die Rechte und das Wohlergehen indigener Völker, einschließlich des jüdischen Volkes.

Das macht ihn unter den Aktivisten für die Rechte von Ureinwohnern höchst ungewöhnlich, denn er gehört zu den sehr Wenigen, die jüdische indigene Rechte anerkennen. Juden sind aus progessiv-linken politischen Gründen aus dem Club für indigene Rechte ausgeschlossen worden.

Stattdessen werden wir als weiße, imperialistische, rassistische, militaristische, kolonialistische, unmenschliche Apartheid-Liebhaber betrachtet.

In einem neuen Artikel für Tablet scheibt Bellerose:

Um Indigenität zu verstehen, muss man auch indigene Völker begreifen, wie wir uns selbst sehen und wie wir die Welt sehen. In seiner einfachsten Form entstammt der Indigenen-Status der Genesis einer Kultur, Sprache und Traditionen in Verbindung mit ihren Beziehung zu einem Land ihrer Vorfahren, die zumeist von Verbindungen zu vorkolonialen Völkern herrühren. Besitzt ein Volk einmal einen solchen kulturellen, linguistischen und spirituellen Ursprung sowie ein Zusammenwachsen als Volk, wird es allgemein als indigenes Volk anerkannt.

Belleroses Diskussion der Indigenität gründet auf einem Bericht an das Wirtschafts- und Sozialforum der UNO aus dem Jahr 1981, der von dem Anthropologen José Martínez Cobo geschrieben wurde.

Man sollte verstehen, dass Bellerose auf der Straße ebenso wie auf den Seiten von Tablet überzeugt.

Ich wünschte mir sehr, er wäre während der Mahnwachen für Edward Joffe und Leon Kanner dabei gewesen.

Reem Assil vom antisemitischen Restaurant Reem’s bewundert, aus Gründen, die der moralischen Vorstellungskraft trotzen, die völkermörderischen Judenmörderin Rasmea Odeh. Außerdem wird sie derzeit für ihren Hass belohnt.

Die New York Times veröffentlichte kürzlich einen Artikel von Rebecca Flint Marx zu Assils Laden mit der die Überschrift An Arab Bakery in Oakland full of California Love (Eine arabische Bäckerei in Oakland voller kalifornischer Liebe).

Voller kalifornischer Liebe.

Eines der überspannten Dinge an diesem Artikel besteht dain, dass Marx kurz nach seiner Veröffentlichung eine Korrektur im Hauptteil des Textes vornahm; diese lautete:

1970 wurde Frau Odeh von israelischen Gerichten wegen ihrer Rolle bei der Ermordung von zwei Schülern verurteilt.

Die Times gibt also zu, dass Odeh eine verurteilte Mörderin ist, dennoch heißt es in der Schlagzeile weiter An Arab Bakery in Oakland full of California Love.

Die einzige Schlussfolgerung, zu der ich kommen kann, lautet, das die New York Times glaubt, dass Sie ein Haufen Idioten sind.

Darüber hinaus erzählt uns Justin Phillips vom San Francisco Chronicle, dass Reem Assil mit einem feinen Restaurant am Jack London Square weiterhin kometenhaft aufsteigt.

Oh, welche Freude.

(Aber ich schweife ab.)

Der Grund, dass Bellerose wichtig ist, liegt darin, dass er eine Erweiterung unseres Verständnisses des Konflikts anregt.

Damit, dass er zurecht auf der Indigenität des jüdischen Volks im Land Israel besteht, zwingt er eine Ausweitung des Gesprächs, sowohl geografisch als auch historisch.

Dieser Kampf wird nicht nur zwischen Israelis und Arabern geführt, die innerhalb der jüdischen Heimat wohnhaft sind. Es handelt sich um einen Kampf zwischen der indigenen jüdischen Bevölkerung und ihren ehemaligen arabischen und muslimischen Eroberern, die noch die Wiederherstellung der theologisch-politischen Herrschaft aufgeben müssen. Das macht den Kampf zu einem zwischen der winzigen jüdischen Minderheit im Nahen Osten und den weit größeren arabischen und muslimischen Bevölkerungen, die sie umgeben.

So lautet die offensichtliche Folge davon auf jüdischer Indigenität zu bestehen, weil schon die Idee jüdischer Indigenität im Land Israel den imperialen Ambitionen der Araber und Muslime in der jüdischen Heimat widerspricht.

Dem kann man sich nicht entziehen.

Eine weitere offensichtliche Folge ist, dass es sich nicht nur um einen modernen Konflikt handelt. Die Geschichte beginnt nicht 1948, auch nicht 1967.

Jeder, der auch nur ein flüchtiges Verständnis der Geschichte hat, erkennt an, dass von der Zeit Mohammeds bis zum Versagen des osmanischen Reichs im Ersten Weltkrieg das jüdische Volk – und andere Dhimmis – als Nichtbürger zweiter und dritter Klasse lebte.

Der verstorbene Professor Martin Gilbert beschrieb den Dhimmistatus unter muslimischer Herrschaft wie folgt:

Es durfte keinen Bau neuer Synagogen oder Kirchen geben. Dhimmis durften nicht auf Pferden reiten, nur auf Eseln; sie durften keine Sättel benutzen, sondern nur Damensättel verwenden. Darüber hinaus konnten sie keine Muslime beschäftigen. Juden und Christen mussten gleichermaßen besondere Hüte, Mäntel und Schuhe tragen, die sie aus den Muslimen herausheben. Sie waren sogar verpflichtet Abzeichen auf ihrer Kleidung zu tragen oder bestimmte Arten und Farben von Kleidung tragen, die anzeigten, dass sie keine Muslime waren, während gleichzeitig Kleidung vermieden werden musste, die irgendeine Verbindung zu Mohammed und Islam hatte. Insbesondere grüne Kleidung war verboten…

Andere Aspekte der Dhimmi-Existenz bestand darin, dass Juden – und auch Christen – keine muslimischen Namen gegeben werden durften, niemanden vom Übertritt zum Islam abgehalten werden durfte und keine Gräber gestattet waren, die höher waren als die von Muslimen. Männer konnten öffentliche Badehäuser nur betreten, wenn sie ein besonderes Zeichen um den Hals trugen, dass sie von Muslimen unterschied, während Frauen nicht gemeinsam mit muslimischen Frauen baden und stattdessen separate Badehäuser nutzen mussten. Sexuelle Beziehungen zu einer muslimischen Frau waren verboten, ebenso den Propheten in der Öffentlichkeit zu verwünschen – ein Delikt, das mit dem Tod zu bestrafen war.

Unter Dhimmi-Regeln, wie sie sich entwickelten, durften weder Juden noch Christen Schusswaffen tragen, neue Gotteshäuser bauen oder ohne Genehmigung alte reparieren oder ein Gotteshaus bauen, das höher war als eine Moschee. Ein Nichtmuslim konnte nichts von einem Muslim erben. Ein Nichtmuslim konnte keine muslimische Frau heiraten, obwohl Muslime christliche oder jüdische Frauen heiraten konnte.

Martin Gilbert: In Ishmael’s House: A History of Jews in Muslim Lands. New Haven, Connectict, Yale University Press, 2010, S. 32-33.

Der Konflikt ist in seinem Ausmaß sowohl geografisch als auch historisch größer als die meisten Leute erkennen; das gilt insbesondere für progressiv-linke Feinde des jüdischen Volk, die den Konflikt als Ergebnis der „zionistischen“ Aggression im 20. Jahrhundert betrachten.

Indem er auf der Inidgenität des jüdischen Volks in Israel besteht, zwingt uns Bellerose die dominanten Ausformulierungen rund um den Konflikt auf zwei fundamentale Wege zu überdenken.

1) die Juden sind die kolonisierte indigene Bevölkerung, die es schaffte sich von den dreizehn Jahrhunderten unter dem Stiefel des arabischen und muslimischen Imperialismus zu befreien.

2) Es handelt sich um keinen Konflikt zwischen „Zionisten“ oder Israel und palästinensischen Arabern. Was wir stattdessen sehen, ist der aktuelle Augenblick im langen arabischen und muslimischen Krieg gegen jüdische Souveränität im Nahen Osten, der in koranischer Heimtücke gründet.

Das Konzept der Indigenität ist der Schlüssel; und Bellerose weiß das zwar, aber die meisten Juden nicht.

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