Die arabisch-palästinensischen Beziehungen widersetzen sich der herkömmlichen Meinung

Yoram Ettinger, The Ettinger Report, 14. März 2018

Westliche herkömmliche Meinung hat es systematisch verfehlt die Entwicklungen im Nahen Osten auszuwerten.

1978 zum Beispiel wendete sich die herkömmliche Meinung vom Schah des Iran ab, der ein US-Polizist am Golf war, und gab Ayahollah Khomneini Rückenwind, der den Iran in eine der gefährlichsten, klarsten und gegenwärtigsten Bedrohungen der regionalen und globalen Stabilität sowie der Heimatsicherheit der USA und Europas verwandelte. 1981 und 2007 kritisierte die herkömmliche Meinung Israel aggressiv wegen der Bombardierung der Atomreaktoren des Irak und Syriens. Bis Saddam Husseins Invasion Kuwait 1990 betrachtete die herkömmliche Meinung den skrupellosen irakischen Diktator als Verbündeten der USA, der es Wert war Geheimdienstinformationen mit ihm zu teilen, Dual-Use-Systeme zu liefern und Multimilliarden-Dollar-Lohngarantien zu geben.

1994 verlieh die herkömmliche Meinung Arafat den Friedensnobelpreis; Arafat war ein Vorbild für Hasserziehung, Terrorismus und innerarabische Heimtücke. 2010 verstand die herkömmliche Meinung den Ausbruch des antiwestlichen arabischen Tsunamis als Arabischen Frühling, eine Facebook-und Jugendrevolution. 2012 kehrte die herkömmliche Meinung dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak den Rücken, hieß den Aufstieg der Muslimbruderschaft an die Macht willkommen – der größten islamischen Terrorgruppe der Welt.

2018 begrüßt die herkömmliche Meinung Mahmud Abbas als im Vergleich mit der Hamas Moderaten; sie betont Abbas‘ Gerede statt sich auf sein Tun zu konzentrieren: innerarabische Zersetzung, das auf Terror ausgerichtete 12-jährige Bildungssystem, großzügige monatliche Beihilfe für Terroristen und ihre Familien und Unterhalt enger Beziehungen zu Feinden und Widersachern der USA.

Die herkömmliche Meinung des Westens einerseits und die Realität des Nahen Ostens andererseits haben ein klassisches Oxymoron erzeugt.

Unter Missachtung der westlichen herkömmlichen Meinung sind sich arabische politische Entscheidungsträger der Irrelevanz der Palästinenserfrage für die Turbulenzen bewusst, die den Nahen Osten seit dem 7. Jahrhundert heimgesucht haben, ebenso für die aktuellen (2010-2018) seismischen Entwicklungen, die jedes arabische Regime von Nordwestafrika bis zum Persischen Golf und von Syrien und dem Libanon bis zum Jemen und dem Sudan traumatisieren.

Mehr noch: Im Gegensatz zur westlichen herkömmlichen Meinung betrachten arabische politische Entscheidungsträger die Palästinenser nicht als Kronjuwel, sonder erkennen ihre innerarabische, zersetzende, terroristische und unzuverlässige/verräterische Bilanz.

Daher die Flut an propalästinensischem arabischem Reden, das nie von arabischem Tun unterstützt worden ist.

Folglich ist jedes arabische Regime – und besonders Saudi-Arabien, die Golfstaaten, Jordanien und Ägpyten – nie mit der Palästinensersache beschäftigt gewesen, sondern mit den unmittelbaren und tödlichen Bedrohungen durch die Ayatollahs und den islamischen Terrorismus, die sie stürzen könnten und ihre Länder in traumatisierende Arenen nach irakischem, syrischem, libyschem, jemenitischem Vorbild verwandeln könnten.

Von 1979 bis 1989 zum Beispiel demonstrierte Saudi-Arabien während des Bürgerkriegs in Afghanistan seine Reihenfolge der nationalen Sicherheitsprioritäten; es investierte $1 Milliarde jährlich in den Kampf der afghanischen Rebellen gegen das von den Sowjets gestützte Regime in Kabul. Das war zehnmal so viel wie die jährliche Auslandshilfe der Saudis für die PLO ($100 Millionen).

Außerdem gehörte die palästinensische Autonomiebehörde nicht zu den zehn ersten Empfängern der $33 Milliarden Auslandshilfe, die Riyadh von 2007 bis 2017 an folgende Staaten zahlte: Jemen, Syrien, Ägypten, Niger, Mauretanien, Afghanistan, China, Pakistan, Jordanien und Tunesien.

Während die Gesamtsumme der saudischen Auslandshilfe von 1985 bis 2015 – nach Angaben der in Dubai ansässigen Tageszeitung Gulf News – $130 Milliarden betrug, betrug die Finanzhilfe für die Sache der Palästinenser $100 Millionen bis $100 Millionen, was das nachrangige Gewicht der Palästinenserfrage in der saudischen Reihenfolge nationaler Prioritäten spiegelt.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wies Saudi-Arabien Ägypten ein Hilfspaket von $23 Milliarden zu, was die gemeinsame Front Kairo-Riyadh gegen einen gemeinsamen Feind spiegelt – die Muslimbruderschaft. Der in Toronto ansässige Geopolitical Monitor berichete, dass ein $12 Milliarden-Paket von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Kuwait an Ägypten erweitert, zusätzlich zu dem $8 Milliarden-Investment der Saudis in die ägyptische Wirtschaft.

Während die palästinensische Autonomiebehörde behauptet, Saudi-Arabien habe es versäumt seinen Zusagen für sein begrenztes Paket Auslandshilfe nachzukommen, berichtete Al-Arabiya TV aus Dubai, dass der Jemen die Palästinenser in den Augen Riyadhs verdrängte; das Königreich hat dem Regime von Abdrabbuh Mansur Hadi in Aden $8,2 Milliarden Hilfe im Kampf gegen die in Sanaa ansässigen, vom Iran unterstützten Houthis gegeben.

Die Palästinenser sind auch gegenüber Jordanien in den Hintergrund getreten, wenn es um die nationalen Prioritäten der Saudis geht, wie der Saudisch-Jordanische Koordinationsrat dokumentierte, der Milliarden Dollar an das Haschemiten-Regime freigibt.

Die relative Marginalisierung der Palästinenser – die von einem jährlichen $100-200 Millionen-Hilfspaket der Saudis profitieren (wann immer das nicht von Riyadh ausgesetzt wird – wie durch den Bericht von CNBC vom 18. Dezember 2017 über den Kauf eines seltenen Gemäldes von Leonardo da Vinci für $450 Millionen, eines erlesenen Palastes in Frankreich für $300 Millionen und einer königlichen Yacht für $500 Millionen herauskam.

Die erweiterten strategischen und wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Israel und den pro-amerikanischen arabischen Ländern sind eine Derivat der arabischen Anordnung der nationalen Sicherheitsprioritäten. Sie haben Israels einzigartigen – militärischen und wirtschaftlichen – Mehrwert für ihren Überlebenskampf gegen innere und regionale Bedrohungen und Herausforderungen erkannt.

Darüber hinaus vergessen und vergeben die proamerikanischen Entscheidungsträger der Araber die palästinensische Subversion nicht, die diese in Zusammenarbeit mit der Muslimbruderschaft in Ägypten während der frühen 1950-er und in Zusammenarbeit mit dem islamischen Terrorismus auf der Halbinsel Sinai 2018 betrieben; dazu die Ermordung eines syrischen Geheimdienstoffiziers 1966; den terroristischen Versuch in den 1970-ern ihre Gastgeber, das Haschemitenregime, zu stürzen; die Auslösung einer Reihe von Bürgerkriegen im Libanon in den 1970-ern; und dass dem ihnen gegenüber äußerst gastfreundlichen Regime in Kuwait in den Rücken stachen, indem sie mit der Invasion des Saddam Hussein 1990 und der Plünderung des Emirats kollaborierten.

Daher gab es 1991 allumfassendes arabisches Verständnis für die Vertreibung von rund 300.000 Palästinenser durch Kuwait 1991; und 2006 für die Vertreibung von mehr als 50.000 Pro-Saddam-Palästinensern aus dem Irak nach der Hinrichtung des irakischen Diktators.

Daher zögerten die arabischen Länder praktisch während der israelisch-palästinensischen Kriege im Libanon und dem Gazastreifen sowie der ersten und der zweiten Intifada zugunsten der Palästinenser – militärisch, wirtschaftlich oder diplomatisch – zu handeln.

Ungeachtet der westlichen gängigen Meinung sind arabische politische Entscheidungsträger sich zunehmend bewusst gewesen, dass die Überwindung der zunehmenden Bedrohungen für ihr Überleben es erfordert, die sich an die Realität zu  halten, die die zweit- bis drittrangige und verräterische Rolle unterstrichen hat, die die Palästinenser bei der Vorgabe der Richtung des Nahen Ostens spielten.