Der neue Antisemitismus (2): Wie ich zur „unbewussten Faschistin” wurde

Fiamma Nierenstein, Jewish World Review, 15. Juli 2003

1967 war ich eine junge Kommunistin, wie die meisten italienischen Jugendlichen. Von meinem rebellischen Verhalten gelangweilt, schickten mich meine Eltern in einen Kibbuz in Obergaliläa, Neot Mordechai. Ich war dort recht zufrieden; der Kibbuz gab jeden Monate etwas Geld an den Vietcong. Als der Sechs-Tage-Krieg begann, sprach Mosche Dayan im Radio um in zu verkünden. Ich frage: „Was sagt er?“ und die Kameraden von Neot antworteten: „Schtuyot“ – dummes Zeug. Während des Krieges brachte ich Kinder in Bunker; ich hob Gräben aus; und ich lernte ein wenig zu schießen und etwas Selbstverteidigung. Wir arbeiteten weiter in den Obstgärten, konnten aber auch schnell die eindringenden MiGs und die dagegen haltenden Mirages erkennen, die einander am Himmel über den Golanhöhen jagten.

Als ich nach Italien zurück kam, starrten mich einige meiner Mitschüler als jemand Neues an, einen Feind, eine betrügerische Person, die bald ein Imperialist sein würde. Mein Leben sollte sich verändern. Ich wusste das noch nicht, denn ich dachte einfach, dass Israel zu Recht einen Krieg gewonnen hatte, nachdem es mit einer unglaublichen Zahl von „Belästigungen“ überhäuft worden war. Aber bald stellte ich fest, dass ich die Unschuld des guten Juden verloren hatte, der ganz besonderen jüdischen Freundin, ihrer Jüdin: Ich war nun verbunden mit den Juden des Staates Israel; und bald wurde ich aus dem dedokaphonischen, psychoanalytischen Freud-Stetl mit Bob Dylan, Woody Allen, Isaac Bashevis, Philip Roth – der Clique, die mein Judentum in den Augen der Linken geheiligt hatte.

Ich habe seit Langem versucht, diese Heiligung zurückzugewinnen; sie haben auch versucht, sie mir zurückzugeben, weil wir einander verzweifelt brauchen, die Linke und die Juden. Aber der heutige Antisemitismus hat jede gute Absicht überwältigt.

Im Lauf der Jahre wurden selbst Menschen wie ich, die Petitionen unterschrieben hatten, die von der IDF forderten, sich aus dem Libanon zurückzuziehen, zu „unbewussten Faschisten“, wie ein Leser meiner Worte mir in einem Brief voller Beleidigungen schrieb. In einem Buch wurde einfach geschrieben, dass ich „eine leidenschaftliche Frau sei, die sich in Israel verliebt habe und Jerusalem mit Florenz verwechselt“. Ein Palästinenser sagte mir, da ich die Dinge so anders als die Mehrheit sehe, das einfach bedeute, dass mein Gehirn nicht allzu gut arbeitet. Ich wurde auch eine grausame und unsensible Menschenrechts-Verweigerin genannt, die sich überhaupt nicht um das Leben der palästinensischen Kinder kümmere. Ein berühmter israelischer Autor sagte mir am Telefon vor einigen Monaten: „Du bist wirklich rechtsextrem geworden.“ Was? Rechtsextrem? Ich? Eine alte, feministische Menschenrechts-Aktivistin, die sogar Kommunistin war, als sie jung war? Nur, weil ich den arabisch-israelischen Konflikt so genau beschrieb, wie ich konnte und weil ich mich manchmal mit einem Land identifizierte, das ständig von Terror angegriffen wurde, wurde ich zur Rechtsextremen? Wenn man in der gegenwärtigen Welt, der Welt der Menschenrechte, jemanden rechtsextrem nennt, ist das der erste Schritt zu seiner oder ihrer Delegitimierung.

Die Linke segnete die Juden als „das“ Opfer schlechthin, ein immer großartiger Partner im Kampf für die Rechte der Schwachen gegen die Bösen. Als Gegenleistung dafür, dass man sie verhätschelte, veröffentlichte, filmte, als Künstler betrachtete, als Intellektuelle und moralische Richter, gaben die Juden selbst während der sowjetischen antisemitischen Verfolgungen der Linken moralische Unterstützung und luden sie ein, mit ihnen an Holocaust-Mahnmalen zu weinen. Heute ist das Spiel eindeutig vorbei. Die Linke hat sich als echte Wiege des zeitgenössischen Antisemitismus verwiesen.

Wenn ich von Antisemitismus spreche, spreche ich nicht von legitimer Kritik am Staat Israel. Ich spreche von purem Antisemitismus: Kriminalisierung, Stereotype, besondere und unspezifische Lügen, die zwischen Lügen über die Juden (verschwörerisch, blutdürstig, die Welt dominierend) und Lügen über Israel (verschwörerisch, unbarmherzig gewalttätig) geschwankt sind, was am Stärksten seit Beginn der zweiten Intifada im September 2000 verbreitet wird und seit der Operation Chomat Magen (Schutzschild), als die IDF als Antwort auf den Terrorismus wieder in die palästinensischen Städte einzog, immer wilder wird.

Der Grundgedanke des Antisemitismus, heute wie schon immer, ist, dass die Juden eine pervertierte Seele haben, die sie als moralisch minderwertige Menschen unfähig macht, normale Mitglieder der Menschheitsfamilie zu sein. Heute hat sich diese Untermenschen-Ideologie auf den jüdischen Staat verschoben: ein abgeteilter, ungleicher, grundsätzlich bösartiger Fremder, dessen nationale Existenz langsame aber sicher ausgeleert und dem seine Rechtmäßigkeit vorenthalten wird. Israel, wie der klassische Jude, hat entsprechend dem zeitgenössischen Antisemitismus kein Geburtsrecht, sondern lebt in seiner „Ursünde“, die es gegen die Palästinenser verübt hat. Israels heldenhafte Geschichte ist eine Geschichte der Arroganz geworden.

Heutzutage konzentrieren sich Berichte viel mehr auf das Deir Yassin-Massaker als auf die Gründung und Verteidigung des Kibbuz Degania; mehr auf die Leiden der palästinensischen Flüchtlinge als auf die Überraschung, fünf Armeen zu erleben, die Israel das Existenzrecht absprechen, nachdem es von der UNO gegründet wurde; viel stärker auf die jüdischen Untergrundorganisationen, wie Lechi und die Irgun, statt auf die heldenhafte Schlacht entlang des Wegs nach Jerusalem. Die Karikatur des bösen Juden wird in die Karikatur des bösen Staates verwandelt. Und so trägt der traditionell hakennasige Jude ein Gewehr und bringt genüsslich arabische Kinder um.

Auf den Titelseiten der europäischen Zeitungen kaut Scharon palästinensische Kinder und kleine Jesusse in Wiegen werden durch israelische Soldaten bedroht. Diese neuer Antisemitismus hat sich in beispielloser physischer Gewalt gegen jüdische Personen und Symbole materialisiert und kommt von Organisationen, die sich offiziell den Menschenrechten verschrieben haben. Seinen Höhepunkt fand das auf dem UN-Gipfel in Durban, als Antisemitismus offiziell zum Banner der neuen säkularen Religion der Menschenrechte wurde und Israel und die Juden ihr offizieller Feind wurden.

Die Juden – und die internationalen Gemeinschaft im Allgemeinen – hat es unerwartet erwischt und sie haben es versäumt den neuen Trend des Antisemitismus anzuprangern. Niemand ist schockiert, wenn Israel heute täglich ohne Erklärung vorgeworfen wird, es benutze übertriebene Gewalt, verübe Gräueltaten, sei grausam. Jeder ist gequält von der Notwendigkeit, schmerzliche Angriffe gegen Terrornester durchzuführen, die sich oft mitten unter Familien und Kindern befinden. Aber jedes Land hat das Recht sich zu verteidigen. Nur den Juden der Geschichte ist das Recht auf Selbstverteidigung verweigert worden, und so ist es heute noch.

Warum wird der Krieg gegen den Terrorismus oft als strategisches Problem betrachtet, das die Welt noch lösen muss (siehe den US-Krieg gegen Afghanistan und den Irak) und Israel wird behandelt wie ein schuldiger Angeklagter, weil es den Terrorismus bekämpft? Ist es nicht Antisemitismus, wenn man so tut, als ob Juden still und leise sterben müssten? Warum wird Israel offiziell von der Menschenrechtskommission in Genf beschuldigt Menschenrechte zu verletzen, während China, Libyen, der Sudan nie auch nur ein einziges Mal beschuldigt wurden? Warum wird Israel ein fester Platz in Regionalgruppen der UNO verweigert, während Syrien im Sicherheitsrat sitzen darf? Warum kann jeder an einem Krieg gegen den Irak teilnehmen, außer Israel, trotz der Tatsache, dass Saddam Israel immer mit vollständiger Vernichtung gedroht hat? Wenn souveräne Staaten und Organisationen Israel mit dem Tod drohen, warum bringt das nie jemand in der UNO auf? Ist Italien von Frankreich oder Spanien bedroht worden wie diese iranischen Führer, die offen sagen, dass sie Israel mit einer Atombomber vernichten werden? Und was wird gesagt, wenn ein großer Teil der Zeitungen, Fernseh- und Radiosender und Schulbücher der Welt empfiehlt, die Juden aus Israel hinauszuwerfen und überall in der Welt durch terroristische Bomber zu töten? Sie internationale Gemeinschaft betrachtet das nicht als Problem. Israel ist ein „Unterstaat“, dem die Grundrechte jeden anderen Staates verweigert werden, in Ehre und Frieden zu existieren. Der jüdische Staat ist nicht gleichwertig.

Wie die mythische Medusa hat dieser neue Antisemitismus ein Gesicht, das jeden versteinert, der ihn ansieht. Die Menschen wollen das nicht zugeben, nicht einmal beim Namen nennen, weil das zu tun das Wesen seines Täters und seines Opfers enthüllt. Nicht einmal Juden wollen einen Antisemiten beim Namen nennen, weil sie den Bruch alter Bündnisse fürchten. Weil die Linken eine genau Vorstellung davon haben, wie ein Jude zu sein hat, fragen sie, wenn Juden ihrer Vorschrift nicht entsprechen: Wie kannst du nur anders sein, nicht der Jude, den ich verlange? Terror bekämpfen? Scharon wählen? Bist du verrückt? Und hier ist die Antwort der Juden und Israelis dieselbe. Wir sind immer noch sehr scheu, sehr besorgt wegen eurer Zuneigung. Statt also zu fordern, dass Israel eine gleichwertige Nation wird und dass Juden gleichberechtigte Bürger der Welt werden, ziehen wir es vor, Schulter an Schulter mit euch zu stehen, selbst wenn ihr mit Hunderten und Tausenden antisemitischer Statements aufwartet. Wir zeihen es vor, mit euch an Holocaust-Denkmälern zu stehen und den alten Antisemitismus zu verfluchen, während ihr Israel – und damit die Juden – anklagt rassistische Killer zu sein.

Nehmen wir ein gut bekanntes Beispiel: Ein berühmter italienischer Journalist, früher Direktor des Corriere della Sera, wurde zum Präsidenten der RAI ernannt, was ein sehr wichtiger Posten ist. Die RAI ist ein Empire, das die öffentliche Meinung Italiens formt und Millionen von Dollars verwaltet. Der Nachname des Kandidaten, Mieli, ist ein jüdischer.

Mieli ist ein weithin anerkannter Journalist und Historiker, der sich eines enormen und sehr verdienten Prestiges erfreut. Noch in der Nacht, als er ernannt wurde, wurden die Mauern der RAI-Zentrale mit Graffitis gefüllt.

RAI steht für „Radio Televisione Italiana“ – Italienisches Radio und Fernsehen. Die Graffiti-Autoren schrieben das Wort „raus“ darüber. Sie malten einen Davidstern über das A von „RAI“ und verwandelten die Abkürzung in „Radio Televisione Israeliana“ – Israelisches Radio und Fernsehen. Der Satz ist eine perfekte Kreuzung dessen, wovon wir reden. „Raus“ und die Benutzung des Davidsterns sind klassische Zeichen des traditionellen antisemitischen Verachtung und des Hasses; die Worte „Radio Televisione Israeliana“, Israel in das Zentrum des Bildes zu setzen, ist ein eindeutiger Hinweis darauf, dass Israel der Fokus des linken antisemitischen Hasses von heute ist.

Überraschenderweise – oder vielleicht vorauszusehen – verursachte dieser eklatante Ausdruck des Antisemitismus sehr wenig Reaktion der italienischen Behörden wie auch der italienischen jüdischen Gemeinde. Die Aggression gegen einen solch berühmten Intellektuellen und seine Bedrohung ließen schwache Ausrufe in unterdrücktem Ton und wurde wie ein unbedeutender Fall einer Debatte behandelt, die sich auf wichtigere Dinge konzentriert, wie das Management der RAI und ihrer politischen Bedeutung.

Eine andere bedeutungsvolle Episode: Eine Gruppe Professoren der Ca Foscari Universität, einer Prestige trächtigen venezianischen Institution, unterzeichnete eine Petition, die forderte israelische Professoren und Forscher zu boykottieren. Der Inhalt des Dokuments ist völlig bedeutungslos, aber die Reaktion, die es in der jüdischen Gemeinde provozierte, ist sehr interessant.

Ein prominenter venezianischer Jude sagte, nach seiner Meinung befragt: „Sie begehen einen schweren Fehler. Diese Professoren erkennen nicht, dass sie mit ihrem Boykott Scharons Politik stärken.“

Eine solch absurde Reaktion ist deutlicher Beleg für das Versagen der jüdischen Welt, diesen völlig neuen, sich auf den Staat Israel konzentrierenden Typ des Antisemitismus zu verstehen. Ein weiteres Dokument, diesmal der Brief einer Gruppe Professoren der Universität von Bologna „an ihre jüdischen Freunde“, der mit einer sehr großen Zahl von Unterschriften veröffentlicht wurde.

Hier ein Auszug: „Wir haben das jüdische Volk immer als intelligent und sensible angesehen, denn es ist ausgewählt worden (das stimmt: ausgewählt!) durch die Leiden der Verfolgung und Erniedrigung. Wir haben Schulfreunde und einige jüdische Studenten, denen wir geholfen und die wir ausgebildet haben, die wir auf akademisches Niveau brachten und von denen heute viele an israelischen Universitäten lehren. Wir schreiben, weil dir das Gefühl haben, dass unsere Liebe und Anerkennung für euch wird in eine brennende Wut verwandelt… Wir glauben, dass viele Menschen, auch außerhalb der Universität, genauso fühlen. Ihr müsst erkennen, dass das, was euch in der Vergangenheit angetan wurde, ihr jetzt den Palästinensern antut… Wenn ihr diesen Weg weiter geht, wird der Hass auf euch in der ganzen Welt wachsen.“

Dieser Brief ist eine ausgezeichnete Zusammenfassung aller Charakteristika des neuen Antisemitismus. Da ist die präzionistische Definition des jüdischen Volkes als dem, das leidet, der Natur nach leiden muss, ein Volk, das die schlimmste Verfolgung ohne einen Finger zu heben, tragen muss, und es daher des Mitgefühls und der Solidarität wert ist.

Und da gibt es den etablierten, demokratischen, militärisch starken und wirtschaftlich florierenden Staat Israel, der die Antithese dieses Stereotyps ist. Der „neue Jude“, der versucht nicht zu leiden, und der, darüber hinaus, sich verteidigen kann und will, verliert auf der Stelle in den Augen der Linken all seinen Charme.

Das war anders, bevor die Landkarte des Nahen Ostens vom Kalten Krieg rot gemalt und Israel zum verlängerten Arm des amerikanischen Imperialismus erklärt wurde. Das neu geborene Israel war bis zum Krieg von 1967 auf einer Ideologie aufgebaut, die es der Linken erlaubte und sie sogar dazu verpflichtete, auf die Juden stolz zu sein und die Juden, stolz auf die Linke zu sein, sogar, als die Israelis schwierige Kriege führten und gewannen.

Die Juden, die die nazi-faschistische Verfolgung überlebten, die Verfolgung der Rechten, schufen einen sozialistischen Staat, der von den Werten der Linken inspiriert war – Arbeit und Kollektivismus – und dadurch wieder die Linke als Schutz der Opfer weihte.

Im Austausch dafür wurde den Juden Legitimation garantiert. Aber Fakt war, dass die Juden für die Linke von enormer Wichtigkeit waren. Das Volk von Israel war ein lebender Vorwurf des Antisemitismus, der den Holocaust markierte, den nazi-faschistischen Antisemitismus; und nun bauten sie Kollektiv-Farmen auf und eine omnipotente Gewerkschaft! Zu einem gewissen Grad gab das dem stalinistischen Antisemitismus Absolution oder weitaus weniger Bedeutung, als er wirklich hatte. Die Juden wurden für die Linke unentbehrlich: betrachten wir den leidenschaftlichen und väterlichen Ton der Professoren aus Bologna, als sie zu betteln scheinen: „Kommt zurück, unsere lieben Juden. Seid wieder unser. Lasst uns Israel gemeinsam verfluchen und dann gemeinsam eine Reise zu den Holocaust-Mahnmalen unternehmen.“

Aber der Widerspruch ist selbst ontologisch untragbar geworden: Wie kann man mit den Überlebenden um Juden weinen, die von den Nazis getötet worden, wenn die lebenden Juden beschuldigt werden, selbst Nazis zu sein? In einer europäischen Radiosendung sagte jemand nach der Verbreitung der Bilder von Mohammed al Dura, dass Europa endlich die berühmten Bilder des Jungen im Warschauer Ghetto mit seinen erhobenen Händen vergessen könne. Die Bedeutung dieser Aussage, die in anderer Form oft wiederholt wurde, ist die Auslöschung des Holocaust durch die Überlappung von Israel und Nationalsozialismus, insbesondere Rassismus, Völkermord, gewissenlose Elimination von Zivilisten, Frauen und Kindern, ein ungerechtfertigter Ausbruch von Grausamkeit und der brutalsten Instinkte. Es bedeutet, dass man vorgibt blind, ohne nachzuforschen der palästinensischen Version einer hoch umstrittenen Episode und vielen, vielen anderen glaubt; es bedeutet, dass man die „Gräueltaten“ als gegeben hinnimmt, von denen die palästinensischen Sprecher immer reden und alle Beweise oder Fakten ignoriert, die das nicht unterstützen.

Nun, die Menschen haben – und hatten – immer die Vorurteile über Juden als gegeben betrachtet; jeder darf denken, was er will. Aber wir, die Juden, müssen unser moralisches Recht behalten, solche Leute zur Rechenschaft zu ziehen: in unseren Augen werden sie schlicht und einfach Antisemiten sein. Wir werden ihnen sagen müssen: Wenn du lügst oder Vorurteile und Stereotype gegen Israel und die Juden benutzt, dann bist du ein Antisemit und ich werde dich bekämpfen.

Wer dürfen uns von den Professoren nicht einschüchtern lassen, die uns in ihrem Brief sagen: „Wir haben euch armen Juden geholfen, als ihr nichts hattet, eine nicht existente Nation ward, in der Diaspora und in Israel, damit ihr am Leben bliebt. Ohne uns seid ihr nichts. Und deshalb seid vorsichtig: Wenn ihr mit eurem Verrat weiter macht, werden wir euch auslöschen. Ihr existiert nicht, wenn ihr euren Platz nicht kennt und euer Platz ist nirgendwo.“ Sie werden sagen, dass das eine legitime Kritik am Staat Israel ist: Die Wahrheit ist, dass ein großer Teil dieser Kritik schlicht Lügen sind, so wenn Suha Arafat behauptet, dass Israel palästinensisches Wasser vergiftet oder wenn Arafat behauptet, dass Israel abgereichertes Uran gegen das palästinensische Volk einsetzt und dass israelische Soldatinnen nackt vor palästinensischen Kriegern auftauchen um sie zu verwirren. Es ist genau dasselbe, als wenn man sagt, dass die israelische Armee absichtlich auf Kinder oder Journalisten schießt.

Als Journalistin muss ich den bedeutenden Beitrag erwähnten, den die Massenmedien an diesem neuen Antisemitismus haben. Seit dem Beginn der Intifada, haben Freiheitskampf-Journalisten, die in den Che Guevara- und Fedayin-Universitäten aufwuchsen, dem israelisch-palästinensischen Konflikt eine der einseitigsten Berichterstattung in der Geschichte des Journalismus angedeihen lassen. Hier sind die Hauptprobleme, die zu verzerrter Berichterstattung über die Intifada führten:

  1. Fehlen historischer Tiefe in der Zuweisung der Verantwortung für ihren Ausbruch. Mit anderen Worten: das Versagen, die Geschichte des israelischen Angebots eines palästinensischen Staats und Arafats Ablehnung zu wiederholen, die in der Quintessenz eine Ablehnung der Anerkennung des jüdischen Staates ist und die fast 70 Jahre dauernde arabische Zurückweisung der Teilung des Landes Israel zwischen Arabern und Juden fort führt, die von den Briten 1936 empfohlen, von der UNO 1947 beschlossen und immer von den Vertretern der Juden akzeptiert wurde.
  2. Das Versäumnis, von den allerersten Zusammenstößen an den Kontrollpunkten an, die Verantwortung für die ersten Toten der Tatsache zuzuschreiben, dass – anders als in der erste Intifada – sich die israelische Armee in der zweiten bewaffneten Kämpfern gegenüber sah, die sich inmitten der unbewaffneten Menge versteckten.
  3. Das Versäumnis, den enormen Einfluss des kulturellen Drucks auf die Palästinenser zu erkennen, der von der systematischen Bildung in palästinensischen Schulen und Massenmedien ausgeht und die Juden und Israelis verleumden und Terrorakte, Morde und Chaos idealisieren.
  4. Der Tod palästinensischer Kinder wird beschrieben, ohne die Umstände zu beschreiben, unter denen sie umkamen. Die Gleichsetzung ziviler Verluste bei den Israelis mit denen der Palästinenser, als ob Terrorismus und der Krieg dagegen das Gleiche seien und als ob absichtliches Töten dasselbe sei wie eine beklagenswerte Folge eines schwierigen und neuen Typs von Kampf.
  5. Die Benutzung palästinensischer Quellen zu Vorfälle zu beglaubigen, als ob palästinensische Quellen die wären, denen man am meisten vertrauen könnte. Ich denke da an Jenin, an die unbestätigten Berichte, die als absolute Wahrheit ihren Weg auf gedruckte Seiten oder Fernsehschirme fanden. Im Gegensatz dazu werden israelische Quellen, die meistens sehr zuverlässig sind, als unterwürfig, vorurteilsbelastet und der Beachtung nicht wert angesehen, trotz des aggressiv freien und offenen Journalismus des Landes und der gleichermaßen vorhandenen entschiedenen Kritik an der Regierungspolitik durch Oppositionsparteien, Gewissens-Widersprüchlern, Kommentatoren und Journalisten.
  6. Manipulation der Reihenfolge, in der Nachrichten gebracht werden und der Nachrichten selbst. Die Schlagzeilen der Artikel , jedenfalls in Europa, führen die Zahl der getöteten oder verwundeten Palästinenser auf, bevor sie die Feuergefechte und Ursachen beschreiben, und halten sich mit dem alter und der Familiengeschichte der Terroristen auf. Das Ziel der IDF-Aktionen, wie die Gefangennahme von Terroristen, Zerstörung der Waffenfabriken oder Verstecke und Angriffsbasen gegen Israel, werden selten erwähnt. Im Gegenteil, Israels Operationen werden oft als völlig unangebracht, bizarr, bösartig und nutzlos beschrieben.
  7. Sprachliche Manipulation, die sich das große Durcheinander über die Definition von „Terrorismus“ und „Terroristen“ zu Nutze macht. Auch das ist ein altes Thema, verbunden mit dem Konzept des Freiheitskämpfers, das meiner Generation so am Herzen liegt.

    Vor ein paar Tagen, an einem Kontrollpunkt, führte ich Interviews durch. Es wurde mir bald klar, dass der Gebrauch des Wortes „Terrorist“ für jeden meiner palästinensischen Gesprächspartner wie eine politische und semantische Sünde anhörte. Die Presse hat das gut gelernt: die Besatzung ist Ursache für alles, Terrorismus wird Widerstand genannt und existiert nicht per se. Terroristen, die Frauen und Kinder töten, werden Militante oder Kämpfer genannt. Ein Terrorakt ist oft ein „Feuergefecht“, selbst wenn nur Babys und alte Männer in ihren Autos auf der Autobahn erschossen werden. Es ist auch interessant zu sehen, dass ein junger „Schahid“ Grund für großen Stolz auf den palästinensischen Kampf ist, aber wenn man fragt, wie denn ein zwölfjähriges Kind losgeschickt werden kann um zu sterben und warum junge Kinder indoktriniert werden, solche Taten zu begehen, dann ist die Antwort: „Also wirklich, ein Kind kann doch kein Terrorist sein. Wie kannst du einen 12-jährigen Jungen einen Terroristen nennen?“

    Das ist vielleicht der wichtigste Punkt: Angesichts der Tatsache, dass es eine heftige Diskussion über die Definition von Terrorismus gibt, wird weithin akzeptiert, dass Terrorismus eine Art des Kampfes ist. Dies ist ein semantisches und sogar substanzielles Geschenk des neuen Antisemitismus, bei dem es natürlich ist, dass ein Jude tot ist. Insbesondere die das absichtliche Zielen auf Zivilisten, um Angst zu verursachen und die Moral Israels zu stören, ist keine moralische Sünde. Das ruft nicht die Empörung der Welt hervor – und wenn doch, dann versteckt sich in der Empörung etwas oder auch viel Sympathie für den terroristischen Aggressor. Was die europäische Presse nicht versteht oder nicht verstehen will, ist, dass Terror eine zu verurteilende und verbotene Art des Kampfs ist, egal, welches politische Ziel er zu erreichen versucht.

  8. Die Medien haben die extravagante Vorstellung gefördert, dass Siedler, einschließlich Frauen und Kinder, keine wirklichen Menschen sind.

    Sie stellen Siedler als Bauern in einem gefährlichen Spiel dar, an dem diese sich beteiligen. Dass sie sterben ist ein fast natürliches und logisches Ereignis. Auf gewisse Art haben sie darum gebeten.

    Wenn andererseits ein Hamas-Kommandeur getötet wird, obwohl er offensichtlich „darum bat“, kommt eine ethische, philosophische Diskussion auf, die sich mit der Perfidität außergerichtlicher Tötungsurteile befasst.

    Das würde sicher eine legale Diskussion sein, gäbe es nicht das groteske zweierlei Maß, auf die die Weltpresse sie stellt.

  9. Es darf nicht übersehen werden, dass über die Zensur und Korruption in der PA und die physische Eliminierung ihrer politischen Gegner kaum je berichtet wird.

Die aufgeführten Punkte deuten alle in eine Richtung: Durban.

Hier wählten die Menschenrechtsbewegungen, die wir später auf den Straßen finden werden, um gegen den Krieg im Irak zu demonstrieren, hier wählten sie Israel zu ihrem Hauptziel und –feind. Diese Wahl stellt einen großen Erfolg für die palästinensische Propaganda dar, aber auch ein sehr ernstes Signal der Schwäche der Bewegungen selbst. Die ideologisch und politisch in die Ecke gedrängte Linke suchte es sich aus, einen sehr kontroversen und sektorisierten, vom Terrorismus stark vermarkteten Kampf als universell zu übernehmen. Eine Linke, die nicht in der Lage ist, dem kapitalistischen Globalisierungssystem entgegen zu treten, entschied sich, den Staat Israel zu ihrem Hauptziel zu machen. Kurz gesagt: Die Linke entschied sich, Israel für das zahlen zu lassen, was sie nach ihrer Meinung Amerika zahlen sollte. Ist das nicht wirklich feige?

Dazu gibt es die Frage, wie die UNO ihre empörende Politik diesem Prozess geholfen hat und wie Europa ihn wegen seines alten Schuldgefühls gegenüber Israel und seines Hasses auf die USA, Israels Freund und Verbündeten, hat kochen lassen. Die Behandlung allein dieser Frage würde ein ganzes Buch füllen.

Diesen neuen Menschenrechts-Antisemitismus zu anzuprangern, ist eine psychologisch sehr mühsame Aufgabe für Israel und die Diaspora-Juden.

Sie wird noch schwerer dadurch, dass es zwischen den Juden und der Linken eine Trennung gibt, die von den zweiten nicht gewollt ist. Die Linke will weiterhin als Paladin der guten Juden betrachtet werden. Sie gibt vor, weiterhin die im Holocaust getöteten Juden zu betrauern, mit den Juden Schulter an Schulter zu weinen. Sie tut das, weil ihr das die moralische Autorität gibt, eine Sekunde später hinzugehen und von den „Gräueltaten“ Israels zu reden. Nachdem sie über die „Gräueltaten“ Israels geschrieben haben, werden die guten, europäischen Linken lebhaft mit dir über die faszinierende Stetl-Kultur und die Süße von Gerichten aus der marokkanisch-jüdischen Küche reden.

Bis wir diese Stille durchbrechen, geben wir, die Juden, ihnen die Erlaubnis uns das Recht auf eine eigene Nation zu verweigern und unser Volk gegen den nicht dagewesenen Antisemitismus zu verteidigen.

So, wie es Israel verflucht, preist die Linke der Menschenrechte, des Pazifismus, des Protestes gegen die Todesstrafe, Krieg, Rassen- und Geschlechter-Diskriminierung auch die Selbstmord-Terroristen und die Karikaturen von Scharon im „Stürmer“-Stil. Und keiner ihrer Leute wird sich je als menschlichen Schutzschild in ein israelisches Café oder in einen Jerusalemer Bus setzen.

Und doch hat dieser neue Antisemitismus ein merkwürdiges Charakteristikum: Er erlaubt Wandel. Diese Art des Antisemitismus ist, anders als der Nazi-Antisemitismus, eher wie der ältere, theologische Antisemitismus, denn er gibt den Juden die Wahl, auf den Teufel (Israel oder manchmal auch Scharon) zu verzichten. Wer immer ein Gefühl der Abscheu gegenüber Israel ausdrückt, dem wird wieder erlaubt, den Fuß in die zivile Gesellschaft zu setzen, die des gesunden Menschenverstandes, der zivilisierten Konversation, der Gruppen der guten Menschen, die voller guten Willens sind, die für die Menschenrechte kämpfen.

Wenn wir etwas bekommen wollen, wenn wir uns entscheiden, dass es Zeit ist zu kämpfen, dann müssen wir auf die „liberalen“ Hochstapler verzichten. Wir müssen wissen, wie wir zu sagen haben, dass die freie Presse ein Fehlschlag ist, wenn sie lügt, und dass sie lügt. Wir müssen sagen, dass alle Menschenrechte verletzt werden, wenn einem Volk das Recht auf Selbstverteidigung verweigert wird – dieses Recht wird Israel verweigert. Menschenrechte werden auch verletzt, wenn eine Naiton systematischer Diffamierung ausgesetzt und zu einem legitimen Ziel für Terroristen gemacht wird. Wir müssen das aufhalten, was wir akzeptiert haben, seit der Staat geboren wurde, insbesondere, dass Israel in der internationalen Gemeinschaft als ein anderer Staat angesehen wird.

Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt ist, dass von allen der jetzt benutzten Parameter des Antisemitismus, einer der Verwirrung um „Israeli“ und „Jude“ ist. Es wird davon ausgegangen, dass es falsch ist anzudeuten, dass die Juden im Interesse des Staates Israel und nicht ihres eigenen handeln. Je mehr ein Land die beiden Begriffe durcheinander bringt, als desto antisemitischer wird es angesehen; daher sollte man meinen, dass die Juden dieses Vorurteil bekämpfen.

Das ist ein schwerer konzeptioneller Fehler. Da der Staat Israel und mit ihm die Juden das Objekt der schlimmsten Sorte Vorurteile geworden sind, sollten Juden es als Wert und Ehre betrachten, überall mit Israel identifiziert zu werden.

Sie sollten diese Identifizierung mit Stolz geltend machen.

Wenn Israel der Fokus der antisemitischen Angriffe ist – und das ist es in der Tat –, dann muss unsere Aufmerksamkeit sich darauf konzentrieren. Wir müssen den moralischen Charakter der Person, mit der wir sprechen, auf dieser Grundlage messen: wenn du zu Israel lügst, wenn du es mit Einseitigkeit überziehst, dann bist du ein Antisemit. Wenn du Vorurteile gegen Israel hegst, dann bis du gegen die Juden.

Das bedeutet nicht, dass Kritik an Israel und seiner Politik verboten ist. Aber nur wenig von dem, was wir über Israel hören, hat mit verständlicher Kritik zu tun. Vorurteil und Einseitigkeit, nicht Scharons Persönlichkeit, ist der Hauptgrund für Kritik. Die selbst ernannten Kritiker sind nicht die gut meinenden Gesprächspartner für die Juden, als die sie sich ausgeben. Also müssen wir ihnen sagen: Ab jetzt könnt ihr den Menschenrechts-Ausweis nicht mehr kostenlos benutzen, ihr könnt keine falschen Stereotype benutzen. Ihr müsst beweisen, was ihr behauptet: dass die Armee rücksichtslos arme arabische Dörfer stürmt, die nichts mit dem Terrorismus zu tun haben; dass sie Kinder absichtlich beschießt, dass sie Journalisten mit Vergnügen tötet. Das könnt ihr nicht? Ihr nennt Jenin ein Abschlachten? Dann seid ihr antisemitisch, genau so, wie die alten Antisemiten, die ihr zu hassen vorgebt. Ihr müsst mich überzeugen, dass ihr nicht antisemitisch seid, wo wir jetzt wissen, dass ihr Terrorismus nicht verurteilt, dass ihr nie ein Wort gegen die zeitgenössischen Karikaturen hakennasiger Juden mit einem Sack voller Dollars in der einen und einem Maschinengewehr in der anderen Hand gesagt habt.

Israel ist durch den neuen Antisemitismus geschockt. Alle Theorien, die behaupteten, der klassische Antisemitismus würde mit der Gründung des Staates Israel nachlassen und auf lange Sicht würde er ausgelöscht, sind vernichtet worden. Israel ist darüber hinaus die Summe allen Bösen geworden, der Beweis, dass die Protokolle und Ritualmord-Vorwürfe richtig waren. Die Palästinenser werden zu Jesus gemacht, gekreuzigt; der Krieg der USA im Irak oder in Afghanistan ist Teil des jüdischen Plans zur Dominierung der Welt. Juden in der ganzen Welt werden bedroht, geschlagen, sogar getötet und zahlen so den Preis für die Existenz Israels.

Für Israel und die Juden ist heute nur eines sicher: Da die Juden heute ihre eigenen Mittle zur Verteidigung haben, ist ein neuer Holocaust nicht länger möglich. Wir müssen aber noch von dem Gedanken unserer möglichen physischen Eliminierung zu der möglichen moralischen Eliminierung kommen. Die einzige Möglichkeit, dieser Bedrohung zu begegnen, ist furchtlos zu kämpfen, auf unserem eigenen Gebiet, unter Benutzung aller historischen und ethischen Waffen, die Israel besitzt. Ohne Scham, ohne Furcht und ohne Schuldgefühl.

Israel hat die Chance sich als das zu erweisen, was es wirklich ist: der Außenposten des Kampfs gegen den Terrorismus und der Verteidigung der Demokratie. Das ist nicht wenig. Aber wir Juden posieren als Opfer und schrecken vor dieser Chance zurück, weil sie zu nutzen uns in Konflikt mit unseren alt hergebrachten Förderern und ihre Legitimation bringt. Wir müssen erkennen, das die Legitimierung in Wirklichkeit in unseren eigenen Händen liegt und wir sie nie genutzt haben.

Die Parole der Juden sollte „jüdischer Stolz“ sein – in dem Sinn von Stolz auf unsere Geschichte und nationale Identität – wo immer wir uns befinden.

Jüdischer Stolz bedeutet, dass wir die einzigartige Identität des jüdischen Volks und seines Existenzrechts in Anspruch nehmen müssen. Wer müssen handeln, als sei das nie anerkannt worden, denn heute wird es – einmal mehr – nicht weiter anerkannt. Bei der Verteidigung dieser Identität müssen wir, wie Hillel Halkin sagt, so hart wie möglich sein und so liberal wie sonst niemand.

Weder rechts noch links: Wir werden der Linken nicht die Macht geben zu entscheiden, wo wir stehen. Wir werden unsere Bündnisse selbst bestimmen, entsprechend der tatsächlichen Standpunkte unserer möglichen Partner.

Ein Gedanke zu “Der neue Antisemitismus (2): Wie ich zur „unbewussten Faschistin” wurde

  1. gleich ihren Naziahnen zeichnet sich auch die heutige Linke durch einen extremen Manichäismus aus, der alle Andersdenkende als Faschisten denunziert. Das war früher typisch für den äußersten extremistischen Rand der K-Gruppen und ist heute die allgemeine politisch-ethische Urteilskraft geworden.

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