Gibt es etwas Dümmeres als Christen zurückzuweisen, die Israel unterstützen?

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 14. Oktober 2002

Eine „Friedensdemonstration“ im New Yorker Central Park war der Ort boshafter anti-israelischer Angriffe, die vom Rednerpult wie auch aus dem palästinensische Fahnen schwingenden Publikum geäußert wurden.

Sie wurde von einer Gruppe organisiert, die sich „Not in Our Name“ (nicht in unserem Namen) nennt und die schon eine ganzseitige Anzeige in der New York Times bezahlte, in der Widerstand gegen den Krieg gegen den Irak geäußert und auch israelische Politik angeprangert wurde, nicht aber arabischer Terrorismus. Sie wurde von Linken aus Hollywood unterstützt, darunter Susan Sarandon, Ed Asner, Feministenguru Gloria Steinheim und Michael Lerner von der extrem linken, jüdischen Tikkun-Gemeinschaft.

Am letzten Freitag, dem 11. Oktober, demonstrierte die Christian Coalition for Israel und äußerte vor dem Weißen Haus ihre Unterstützung für den jüdischen Staat. Es gab Reden von amerikanischen und israelischen Politikern, darunter Pastor Pat Robertson, der republikanische Mehrheitsvertreter im Repräsentantenhaus, Tom DeLay (Texas), und Jerusalems Bürgermeister Ehud Olmert.

Raten Sie einmal, welches dieser beiden Ereignisse bei vielen liberalen amerikanischen Juden die Alarmglocken schrillen ließ.

Sie liegen richtig: das zweite.

Ja, die Aussicht, dass amerikanische Christen sich in Washington versammeln, um ihre Liebe zu Israel auszudrücken und zu fordern, dass die Regierung nichts tut, was Israels Interessen schadet, macht vielen Juden Angst.

DAS WARTEN AUF EINEN ANDEREN MESSIAS

Das ist so beängstigend, dass nach einem Bericht der Jewish Telegraphic Agency eine feministische jüdische Gruppe namens Women Watching (Frauen, die beobachten) eine Brief-Kampagne begonnen hat, bei der möglichen Geldgebern ein Umschlag mit einem Kondom zugeschickt wird. Der Aufruf fragt, warum die jüdische Gemeinschaft mit Führern der christlichen Rechten „ins Bett geht“ – Leuten wie Robertson, Jerry Falwell und Ralph Reed.

Für solche Menschen ist christliche Unterstützung Israels nicht ansatzweise so wichtig wie die Tatsache, dass die meisten Juden mit ihnen über Dinge wie Abtreibung und Schulgebet uneins sind. Weil sie fürchten, dass jüdische Dankbarkeit auf andere Fragen übertragen wird, unternehmen einige Linke alles Mögliche, um die evangelikalen Zionisten in Verruf zu bringen.

Ein Beispiel dafür wurde am 7. Oktober geboten, als „Sixty Minutes“ von CBS die Frage behandelte. Yossi Alpher, Vertreter des American Jewish Committee in Israel, und Gershom Gorenberg, Redakteur des Jerusalem Report, nutzten die Sendung, um amerikanische Juden zu drängen christliche Zionisten zurückzuweisen. Es wurde behauptet, der Grund für christliche Unterstützung Israels sei der apokalyptische Glaube an eine kommende Schlacht von Harmaggeddon, die zwei Drittel der Juden der Welt den Tod bringt und das verbleibende Drittel sich zum Christentum bekehrt. All das würde natürlich passieren, nachdem Jesus wieder gekehrt sei.

Die bloße Erwähnung solcher Ideen reicht aus, um einigen amerikanischen Juden Schauer den Rücken hinunter laufen zu lassen. Die Erfahrungen des Europa vor Hitler, wo Antisemiten wahrscheinlicher unter den religiösen Christen als unter nicht Gläubigen zu finden waren, hat viele von uns so konditioniert, dass wir jeden religiösen Christen als potenziellen Feind betrachten.

Das stimmt aber nicht länger. Religiöse Christen sind in allen Fragen bezüglich des Überlebens Israels die besten Verbündeten gewesen. Nichts macht diese Tatsache deutlicher als die Ereignisse des letzten Frühjahrs, als die Regierung Bush darüber debattierte, wie hart sie auf Israels Antwort auf den palästinensischen Terrorismus des Passah-Massakers antworten würde. Als es so schien, als ob die Regierung sich gegen Israel wenden würde, wurde sie von Kritik von Präsident Bushs politischer Basis überwältigt: den konservativen Christen. Die meisten Beobachter bescheinigen dem Druck dieser Gruppe weitaus größeren Einfluss auf Bushs letztliche Wendung zurück zu Israel gehabt zu haben, als die uneinige amerikanische jüdische Gemeinschaft.

Erstaunlicherweise war Abe Foxman, nationaler Leiter der Anti-Defamation League (ADL), die einzige jüdische Stimme der Vernunft in „Sixty Minutes“. Er erklärte sehr richtig, dass Übereinstimmung in Sachen Israel nicht (automatisch) bedeutet, dass jüdische Gruppen in anderen Fragen, wo man nicht überein stimmt, einbrechen werden. Foxmans Haltung ist bedeutsam, denn es war die ADL, die 1994 einen Bericht in Buchlänge heraus gab, in dem die christlichen Konservativen gerügt wurden. Damals wurde er von einigen jüdischen Beobachtern kritisiert (darunter auch der Schreiber dieses Artikels), die der Meinung waren, die ADL mache einen strategischen Fehler. Aber man sollte Foxman zu Gute halten, dass er begriffen hat, dass bei Offenlegung aller Karten den Juden alle vorhandenen Verbündeten willkommen sein müssen, ob sie Abtreibungsrechte befürworten oder nicht.

Was die Motive der Christen angeht, so erklärte Foxman, dass es eine Vielzahl von Motiven gäbe, darunter ehrliche Zuneigung vieler Evangelikaler gegenüber dem jüdischen Volk und dem Staat Israel. Er wurde fast philosophisch, als er sagte, dass, während viele Christen auf das zweite Kommen des Messias warteten, er als gläubiger Jude immer noch auf das erste warte. Ohne das ausdrücklich zu sagen, schien Foxman uns sagen zu wollen, dass Fragen der Zeit nach dem Kommen des Messias auch erst dann geklärt werden sollten, nicht jetzt schon.

Und er hat Recht. Und sogar, wenn alle christliche Unterstützung Israels sich auf die Erwartung gründete, dass nach dem zweiten Kommen die Juden sich bekehren, warum sollten Juden, die nicht glauben, dass Jesus irgendwann wieder kommt sich über diese Möglichkeit sorgen?

SCHWEIGEN DER JUDEN HOLLYWOODS

Wie Foxman begriffen zu haben scheint, macht die Annahme, dass amerikanische Juden bei der Unterstützung Israels ohne die Unterstützung der konservativen Christen auskommen können, wenig Sinn. Nach zwei Jahren palästinensischen Terrorkriegs, der einem großzügigen israelischen Friedensangebot folgte, ist der Antisemitismus in Verkleidung des Antizionismus in Europa und an amerikanischen Universitäten auf dem Vormarsch. Antiisraelische Reden scheinen in direktem Zusammenhang mit der wachsenden Zahl jüdischer Opfer durch arabischen Terrorismus zuzunehmen.

Während die große Mehrheit der amerikanischen Juden sich um einen umkämpften jüdischen Staat geschart hat, sind die Stimmen einiger aus unserer liberalen Elite zu dieser Sache nicht zu hören. Am meisten fallen die Hollywood-Juden durch ihr Schweigen zur Sache auf. Nur wenige der vielen Juden, die sich in Positionen mit Einfluss in der Unterhaltungsindustrie befinden, haben ihre Einfluss-Möglichkeiten oder ihre politische Macht benutzt, um in der jetzigen Krise Unterstützung für Israel zu äußern. Jüdische Hollywood-Ikonen wie Rob Reiner oder Barbra Streisand trommeln für eine ganze Reihe liberaler Fragen, aber nicht für ein Angriffen ausgesetztes Israel.

Der Vergleich ihres Schweigens mit der lautstarken Unterstützung, die von den Evangelikalen kommt, die viele amerikanische Juden fälschlicherweise immer noch als Judenhasser ansehen, erscheint mehr wie Science Fiction als politische Realität, ist aber trotzdem wahr. Aber statt sich über die antiisraelischen Reden der Linken zu ärgern, gibt es immer noch zu viele Juden, die sich mehr Sorgen wegen der rechts gerichteten Christen machen.

Glauben Feministinnen wirklich, dass Juden mehr Angst vor Falwell haben müssen als vor Yassir Arafat? Wenn ja, dann sollten sie sich einen Moment die Zeit nehmen und die Liste der jüdischen Frauen und Kinder lesen, die von Arafats Handlangern und ihren Verbündeten dieses Jahr ermordet wurden. Seien sie mit Robertson in so wenigen Dingen einverstanden, wie sie wollen, aber wie viele Juden haben die von der Christian Coalition in letzter Zeit umgebracht? Sie sind Israel bessere Freunde gewesen als so einige Juden.

Wenn die Hauptquelle des Antisemitismus in diesem Land zur Zeit auf der politischen Linken zu finden ist, warum sind einige von uns immer noch so dumm gegen die pro-israelische Rechte fixiert? Zu unterscheiden, wer unser Freund und wer unser Feind ist, ist wirklich nicht so schwierig. Auch, wenn die Antwort immer noch viele von uns überraschen wird: Seht euch einfach an, wer für Israel auf die Straße geht und wer heutzutage gegen Israel ist.