Im Guten und im Bösen

Micah Halpern, 25. August 2004 (direkt vom Autor)

Welchen Sinn macht es, wenn Terroristen manchmal und ganz bewusst das Richtige tun? Weil ein Mensch sich auch moralisch richtig und angemessen handelt, lassen wir ihm dann andere, absichtlich ausgeführte Schreckenstaten durchgehen – wie Massenmord an Unschuldigen? Entschuldigt, ändert ein Verhalten das andere, schwächt es dieses oder macht es das sogar gültig? Das ist sicher ein Dilemma, eins, dem wir uns stellen müssen und mit dem wir klar kommen müssen.

Drei Hamas-Führer sind vor Kurzem in den USA angeklagt worden. Ihr Verbrechen war die Beschaffung von Geld. Zwei wurden in den Staaten festgenommen, ein dritter ist nicht greifbar in Damaskus. Die Vereinigten Staaten glauben, dass das Geld geworben und gesammelt wurde um mörderische Aktivitäten zu finanzieren. Die Hamas sagt anderes.

Im nie zu unterschätzenden Gericht der öffentlichen Meinung wie auch vor US-Bundesgerichten, wo sie angeklagt sind, wird man die Behauptung hören, dass die in den USA von Hamas-Anhängern gesammelten Gelder für humanitäre Zwecke genutzt werden. Sie werden argumentieren, dass die Gelder in die vielen Programme gehen, die für die benachteiligten Palästinenser von Gaza betrieben werden. Und leider ist es war, dass Hamas zusätzlich zu Mord und Terror Suppenküchen und Kindergärten und Krankenhäuser und Tagesstätten betreibt.

Ein US-Staatsbürger, der Fotojournalist Micah Garen, verdankt seine Freiheit, sein Leben einem schiitischen Geistlichen. Muktada al-Sadr, der Scheik, der die Mahdi-Armee anführt, die sich in einem Stadtguerilla-Krieg mit den US- und Koalitionsstreitkräften befindet, rettete diesen Mann. Al-Sadr schickt seine Kämpfer regelmäßig los, um auf den Straßen seines Heimatland Irak Terror zu verbreiten und die eingedrungenen Truppen zu töten, die da sind um seine Heimat zu retten, Recht und Gesetz einzuführen, Frieden zu bringen. Und gleichzeitig greift er zu Gunsten eines Amerikaners ein, der von Muslimen gefangen wurde, die drohen ihm den Kopf abzuschneiden und das zum Ansehen im arabischen Fernsehen anbieten. Und weil die eine Gruppe Terroristen die Macht der anderen respektiert, wurde der Gefangene freigelassen. Zwei sehr unterschiedliche Handlungen, begangen von demselben Mann, gleichzeitig.

Sind diese Leute gut oder sind sie schlecht?

Die Antwort auf diese Frage ist wesentlich für unser Verständnis der Schlacht, die der Westen jetzt gegen die Terror-Organisationen der arabischen Welt führt.

Es gibt keinen Zweifel, dass es viel einfacher wäre, hätten wir das Gefühl es gäbe absolut keine Gemeinsamkeiten zwischen uns und ihnen. Es wäre einfacher Terroristen zu beurteilen, wenn sie nie irgendwelche freundliche oder moralische anständige Taten verüben würden. Das ist aber nicht der Fall. Und die Zweiteilung der von den Terroristen gespielten Rollen fordert nicht nur den westlichen Glauben an die Richtigkeit dessen heraus, was sie tun, sondern sie fordert sogar noch mehr heraus, was die Menschen vor Ort glauben und wie sie sich verhalten – der einheimischen Menschen im Irak und anderen arabischen Ländern, auf die wir uns in unserem Krieg für sie und uns verlassen. Das fordert ihre Entschlossenheit und Überzeugung heraus.

Fakt ist aber dies: Sie sind TERRORISTEN. Sie SIND Terroristen. SIE sind Terroristen. Egal, was sie sonst tun oder sind, SIE SIND TERRORISTEN. Das darf nicht vergessen werden.

Darauf aufbauend müssen wir das Ganze verstehen.

Dies ist kein Fall von moralischem Relativismus. Es ist auch kein Fall von „des einen Terrorist ist des anderen Freiheitskämpfer“. Überhaupt nicht. Die guten Taten eines Menschen löschen nicht die schlechten aus, die er begeht – besonders, wenn er diese schlechten Taten weiter begeht. Das gilt allgemein – theologisch und religiös – im Christentum, im Judentum und sogar im Islam.

Hamas und al-Sadr sind schlecht. Sie führen ein heuchlerisches Leben. Sie mögen glauben, dass die eine Tat die andere rechtfertigt – oder sie es mag ihnen egal sein. Wir wissen das nicht und, ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass das eine Rolle spielt. Sie sind böse und sie begehen absichtlich böse Taten.

Unzweifelhaft bieten Hamas, al-Sadr und andere Terrorgruppen den Leuten vor Ort Hilfe. Sie haben einen Kodex, sogar einen moralischen Kodex, der uns uns verwirrt. Von Kidnapping hält man sich fern, aber Massenmord wird gefeiert. Sie betrachten die Ermordung unschuldiger Israelis oder Amerikaner nicht als Verletzung ihrer Gesetze. Das ist es aber.

Da stimmt etwas nicht! Das ist falsch.