„Jetzt werden die Steine sprechen“

Jonathan S. Tobin, Jewish World Review, 11. August 2005

Für diejenigen, die Israel hassen, ist eines der gefährlichsten Dinge, die ein Juden tun kann, dass er in Jerusalem anfängt zu graben. Denn je mehr man dort gräbt, desto schlimmer wird es für die, die gerne vorgeben, Israelis seien ausländische Kolonisten, die ihre Herrschaft dem so genannten einheimischen Volk der Region aufzwingen.

Das ist der Grund, dass archäologisches Interesse immer schon ein Schlüsselfaktor im Jahrhunderte alten Kampf zur Wiedererschaffung und dann Beibehaltung jüdischer Souveränität im Lande Israel ist.

Man könnte meinen, dass Argumente der Art, die Juden seien fremd am Ort, sich auf die unsinnige Propaganda beschränken, die aus den wenig aufgeklärten Teilen der islamischen Welt kommt. Behauptungen der muslimischen Waqf, den Verwaltern des Tempelbergs in Jerusalem, dass der Ort seit den Tagen von Adam und Eva eine Moschee gewesen sei, werden, so hoffen wir, von denen verlacht, die die Mainstream-Presse lesen.

David auf den Kopf gestellt

In diesem Land haben aber wenige außerhalb der Universitäten bemerkt, dass die Annahme, Israel sei die historische Heimat des jüdischen Volks, von weit angeseheneren Quellen angegriffen wird. In den vergangenen Jahrzehnten wurde eine neue Front im Krieg gegen Israel in intellektuellen Zeitschriften und Lehrsälen eröffnet. Ihr Ziel? Die Sichtweise auf den Müll schaffen, dass die Berichte der Bibel über ein antikes Israel auch nur den geringsten Wert haben und die Vorstellung beseitigen, dass das Vereinigte Königreich Davids jemals existierte.

Für eine wachsende Zahl von Akademikern und Intellektuellen sind König David und sein Königreich, die 3000 Jahre lang als integrales Symbol der jüdischen Nation dienten, einfach ein Stück Fiktion.

Aufbauend auf die Arbeit von Umstürzlern, die das Studium von Literatur in einen Morast des moralischen Relativismus und der intellektuellen Scheinheiligkeit verwandelt haben, mit der die Vorstellung historischer Wahrheit untergraben werden soll, ist seit den 70-er Jahren eine neue Schule von Historikern entstanden. Ihr Ziel ist es, nicht nur die Richtigkeit der biblischen Erzählungen, sondern schon die Vorstellung einer jüdischen Nation, die ihre Wurzeln in der weit zurückliegenden Vergangenheit hat, zu bestreiten.

Wie Professor Jonathan Rosenbaum, Präsident des Gratz College hier in Philadelphia und selbst eine führende Autorität der antiken Nahost-Studien, sagte: „Wenn man die Vorstellung auf den Kopf stellen kann, dass König David eine historische Person war und dass das antike Israel Wirklichkeit war, dann kann man das moderne Israel delegitimieren.“

Und im Geist der postzionistischen Mode, die im letzten Jahrzehnt über Israel hinweg schwappte, sind diese Vorstellungen auch von einer Zahl einflussreicher israelischer Archäologen begrüßt worden. Am prominentesten hat Israel Finkelstein von der Tel Aviv University geschrieben, dass die Vorstellung des davidischen Königreichs sich nicht auf Fakten gründet und dass Davids Jerusalem nichts anderes war als ein „armseliges Dorf“.

Letzte Woche aber erhielten die Entzauberer schlechte Nachrichten. Und alles, was dazu nötig war: dass ein engagierter Archäologe anfing zu graben.

Dr. Ayelet Mazar, Mitarbeiterin des Instituts für Archäologie des Jüdischen Volkes am Jerusalemer Shalem Center, veröffentlichte die Ergebnisse einer Grabung, die sie seit Februar in der Gegend südlich der Altstadt-Mauer Jerusalems durchführte, wo nach der Annahme von Forschern die Stadt Davids war. Was sie vorlegte, sollte helfen diejenigen verstummen zu lassen, die denken jüdische Geschichte sei Blödsinn.

Unter der Erde und den Steinen des Ortes, der heute das Dorf Silwan ist, legte Mazar die Ruinen des Gebäudes frei, das nach ihrer Überzeugung der Palast Davids ist – genau der Bau, der nach der Bibel durch König Hiram von Tyrus für Israels größten König um 1000 v.Chr. gebaut wurde.

„Es war vom ersten Augenblick an offensichtlich, dass wir nicht von einem Privathaus sprechen können“, erinnert sich Mazar per Telefon aus Jerusalem. „Die Mauern sind riesig. Der betreffende Bau war massiv.“

Direkt unter dem entdeckten Gebäude befanden sich „Massen von Tongefäßen“, die alle aus dem 11. und 12. Jahrhundert v.Chr. stammen, der Zeitspanne, die Archäologen die Eisenzeit 1 nennen und die der Zeit Davids voraus geht. Durch ihre Lage machten diese selbst schon einen einzigartigen Fund darstellenden Tongefäße klar, dass „die Eisenzeit 1 vorbei oder fast vorbei war, als der Bau des Gebäudes begann“, erklärt Mazar.

„Ich musste mich fragen: ‚Was haben wir hier?’“, sagt sie.

Die 48-jährige Mazar ist die Enkelin des israelischen Pionier-Archäologen Benjamin Mazar. Sie wuchs in der Welt der Ausgrabungen auf und arbeitete mit ihrem Großvater als Forschungsassistentin bei seinen Ausgrabungen am Tempelberg zusammen.

Vor seinem Tod vor 10 Jahren hatte sie mit ihm über die Möglichkeit dieses Projektes gesprochen und sich aufgrund der Arbeiten vergangener Archäologen-Generationen und einem entscheidenden Vers im Zweiten Buch Samuel (Kapitel 5,17) entschieden, dass, wenn David von da, wo er war, hinab ging zu seiner Festung, Silwan der Ort sein musste, wo Davids fester Wohnsitz gefunden werden könnte.

Die Grabung wurde von der Hebräischen Universität und von Shalem gesponsert, finanziert vom amerikanischen Investor Roger Hertog und durchgeführt mit Hilfe der Ir David-Stiftung, der das Land gehört. Aber nach Jahren arbeiten und planen wartete der Beweis im Boden.

„Als ich erst einmal anfing zu graben“, sagt Mazar, „war es, als hätte ich nichts geschrieben. Jetzt werden die Steine sprechen, nicht ich.“

Und sprechen tun sie.

Denjenigen, die behaupten, dass das, was sie gefunden hatte, eher die Festung der Jebusiter war, die David eroberte oder etwas anderes, das seinem Königtum voraus ging, sagte Mazar, dass die Lage der Tongefäße aus der Eisenzeit 1 darunter solche eine Schlussfolgerung „problematisch“ macht.

„Wie kommt es, dass ich keine Überbleibsel irgendeiner Bebauung darunter fand? Das macht keinen Sinn. Wenn das die Festung ist, wurde sie einen Tag vor der Eroberung der Stadt durch König David gebaut.
Dieses fantastische Gebäude ist eine große, offensichtliche Antwort an die, die sagen Jerusalem sei eine unwichtige Siedlung gewesen.“

„Ein Name ist ein Name“

Genauso aussagekräftig war ein nur 1cm langes Fundstück, ausgegraben aus einer kaum späteren Zeit. Es war der Abdruck eines alten Siegels oder „Bullah“, das den Namen Jerucal, Sohn von Shelemiah, Sohn von Shevi trug.

Wer war das? Niemand weniger als ein Minister des Königreichs Judah in seinen letzten Tagen vor der babylonischen Zerstörung der Stadt im Jahr 586 v.Chr. Wir kennen ihn nur, weil er im Buch Jeremiah erwähnt wird. Aber die Bullah belegt, dass seine Existenz kein literarischer Flug der Fantasie ist.

Der Fund zeigt einmal mehr, wie es viele andere archäologische Entdeckungen auch bewiesen haben, dass der Tanach eine zuverlässige historische Quelle ist. Für Mazar geht dieses kleine Stück Ton – gefunden unter tausenden Jahren von Überbleibseln – „genau auf den Punkt“ im Verständnis der Rolle der biblischen Texte bei der Rekonstruktion der Geschichte.

„Schicht für Schicht müssen wir die Bibel viel, viel ernster nehmen, als das je gedacht war und sie als das wichtigste historische Dokument behandeln, das eine Menge realistischer Beschreibungen enthält“, erklärt Mazar.

Jede Quelle, die das Werk menschlicher Hände ist (so betrachten Forscher die Bibel), ist fehlbar; aber, so sagt sie denen, die die Rolle der Bibel für das Verstehen jüdischer Geschichte bezweifeln, „ein Name ist immer noch ein Name“.

Während Mazar und das Shalem Center versucht habe, die Diskussion von der Politik weg zu bringen, weiß sie aus eigener Erfahrung, dass zeitgenössische Kämpfe nie weit vom Studium der Vergangenheit Israels entfernt sind.

Als Sprecherin des unparteiischen Committee Against the Desecration of Antiquities on the Temple Mount (Komitee gegen die Schändung von Antiquitäten auf dem Tempelberg) versuchte Mazar in den vergangenen Jahren die Welt auf den Vandalismus aufmerksam zu machen, der dem Ort durch die muslimische Waqf zugefügt wird. Zu ihrem großen Erstaunen fiel ihr Flehen auf taube Ohren und die Regierung Israels lehnte es ab einzuschreiten. Das Ergebnis ist, dass in Folge der Politik ein Schatz von Antiquitäten in diesem heiligen Ort uns wohl für immer verloren gegangen ist.

Genauso weiß Mazar, dass es solche geben wird, die ihre Arbeit aus nicht wissenschaftlichen Gründen angreifen werden. Wie Rosenbaum feststellte, scheinen viele modernen Forscher jetzt zu denken, dass bei einem Streit zwischen denen, die behaupten die Welt sei flach, und denen, die sagen sie sei rund, „beide Meinungen gleich legitim sind“. Daher kann behauptet werden, dass es trotz der archäologischen Beweise der Historizität der Bibel „es eine biblische Geschichte und antike Israeliten einfach nicht gibt“.

Obwohl Mazar sagt, dass sie „Meinungsverschiedenheiten über die Bedeutung der Belege willkommen heißt“, drängt sie ihre Kollegen sich mit den Fakten zu beschäftigen, nicht mit Fantasien.

Aber durch die Aufdeckung der Überreste von Davids Palast hat Mazar nicht nur einen Schlag für die Sache der Archäologie geführt, sondern geholfen klar zu stellen, wie tief die jüdischen Wurzeln dieses Ortes gehen.